Malteserkreuzgetriebe

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Malteserkreuzgetriebe mit sechstrahligem Sternrad

Das Malteserkreuzgetriebe ist ein Koppelgetriebe zum Antrieb eines häufig vierstrahligen Sternrades, das an ein Malteserkreuz erinnert. Unter den viergliedrigen Koppelgetrieben gehört es zu den schwingenden Kurbelschleifen[1] mit der Besonderheit, dass die Kopplung zwischen An- und Abtrieb zeitweise aussetzt. Es handelt sich wegen der zeitweisen Ruhe des Abtriebsglieds um ein Schritt- oder Rastgetriebe.[2] In der Ruhephase wird das Abtriebsglied durch ein Zylinder-Gesperre in seiner Lage gesichert.

Das Sternrad hat vier oder mehr Schlitze. Der Stift am Antriebsrad greift bei jeder Drehung in einen Schlitz des Sternrades ein und nimmt dieses so lange mit, bis er wieder aus dem Schlitz austritt. Danach greift eine kreissektorförmige Sperrscheibe des Antriebsrades ein und hält das Malteserkreuz am Umfang fest, so dass es sich nicht verdrehen kann.

Eine häufige Anwendung des Malteserkreuzgetriebes ist der schrittweise Filmtransport in einem Kinoprojektor.

Technische Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malteserkreuzgetriebe am Filmprojektor

Filmprojektor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Anwendung des Malteserkreuzgetriebes ist die in Filmprojektoren. Der Film soll hier nicht kontinuierlich vor Bildfenster und Optik vorbeilaufen (Ausnahme der Mechau-Projektor mit Spiegelkranz), sondern schrittweise (intermittierend) transportiert werden. Der Filmantrieb erfolgt zum Beispiel über eine sogenannte Schaltrolle, die auf der Kreuzwelle sitzt.

Die Anwendung des Malteserkreuzes in Filmprojektoren reicht zurück auf das Jahr 1890, als es in Projektoren von Louis Le Prince, Oskar Messter und Max Gliewe (1896) sowie im „Teatrograph“ von Robert William Paul (1895) verwendet wurde.

Frühere Projektoren, einschließlich des von Thomas Armat erfundenen und von Edison als „Vitascope“ vermarkteten, hatten einen anderen, von Georges Demenÿ 1893 erfundenen Vorschubmechanismus.

Moderne Projektoren haben zur Steuerung der Bildfolge einen Schrittmotor.

Uhren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malteserkreuz-Stellung einer federbetriebenen Uhr[3]

Malteserkreuzgetriebe werden auch im Uhrenbau eingesetzt. Hier dienen sie nicht als Antrieb, sondern zur Begrenzung der Aufzug-Umdrehungs-Anzahl der Uhrenfeder (die sogenannte „Stellung“). Hierzu fehlt einer der Schlitze oder der kreissektorförmigen Ausnehmungen im Malteserkreuz, sodass die Zahl der möglichen Umdrehungen des Aufzuges begrenzt ist. Die Uhrenfeder arbeitet dadurch nur in einem Bereich, in dem ihre Federkraft nahezu linear ist, auch kann sie nicht übermäßig aufgezogen werden.

Im Aufzugsmechanismus von Uhren wird meist ein Sternrad mit fünf Schlitzen verwendet[3]. Diese Art der Stellung ist eine Erfindung des 17. oder 18. Jahrhunderts.

Andere Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malteserkreuzgetriebe wurden ebenso in den Stiftwechselmechanismen von Plottern, in automatischen Laborgeräten und Schrittgetrieben in Montageanlagen eingesetzt. Auch in Buchdruckmaschinen – wie den lange gebauten Tiegeln von Heidelberger Druckmaschinen – wird das Malteserkreuzgetriebe verwendet.

Inneres Stiftgetriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inneres Stiftgetriebe

Eine seltenere Form ist das innere Stiftgetriebe, das von der Bauart größer und weniger belastbar ist, da die Antriebswelle nur einseitig gelagert werden kann. Der Winkel, um den das Antriebsrad rotieren muss, um einen Schritt des Abtriebrades zu bewirken, ist beim äußeren Stiftgetriebe immer kleiner als 180°, beim Inneren größer als 180°. Die Zeit für eine Schaltbewegung ist daher bei letzterem immer länger als die Zeit, in der das Abtriebsrad steht. Das innengetriebene Schaltrad ist während seines Stillstands nicht gegen Verdrehen gesperrt. Eine Ausführung mit Sperre ist realisierbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siegfried Hildebrand: Feinmechanische Bauelemente. Hanser, München 1968, S. 636.
  2. Schritt- oder Rastgetriebe werden auch als Schaltwerke oder Schrittschalter bezeichnet, vgl. Siegfried Hildebrand, S. 751
  3. a b H. Bock: Die Uhr - Grundlagen und Technik der Zeitmessung. B.G.Teubner, Leipzig 1908.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Malteserkreuzgetriebe – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien