Malu Dreyer

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Malu Dreyer, 2014

Maria Luise Anna „Malu“ Dreyer[1] (* 6. Februar 1961 in Neustadt an der Weinstraße) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Seit dem 16. Januar 2013 ist sie Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und hier die erste Frau auf dieser Position. Sie führt seit dem 18. Mai 2016 das erste rot-gelb-grüne Regierungskabinett des Landes (Bündnis aus SPD, FDP und Grünen, bekannt als „Ampelkoalition“). Dreyer ist zugleich Vorsitzende der Rundfunkkommission.

Der Landesregierung von Rheinland-Pfalz hatte sie zuvor bereits ab März 2002 als Ministerin für Soziales, Arbeit und Familie angehört.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreyer wurde als zweites von drei Kindern einer Erzieherin und eines Schulleiters geboren.[2] Nach einem Auslandsschuljahr im kalifornischen Claremont 1977[3] und dem Abitur 1980 am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße begann sie ein Studium der Anglistik und katholischen Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Jahr darauf wechselte sie zur Rechtswissenschaft. Sie absolvierte sowohl 1987 die Erste als auch drei Jahre später die Zweite Juristische Staatsprüfung mit einem Prädikatsexamen.[2]

Ab 1989 arbeitete Dreyer an der Mainzer Universität als Wissenschaftliche Assistentin von Hans-Joachim Pflug. 1991 wurde sie zur Richterin auf Probe ernannt und erhielt einen Dienstleistungsauftrag als Staatsanwältin in Bad Kreuznach.[3]

Politische Laufbahn auf lokaler und Landesebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malu Dreyer bei der Vereidigung zur Ministerpräsidentin am 18. Mai 2016 im Landtag

Dreyer ist seit 1994 Mitglied der SPD. Von 1995 bis 1997 war sie hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Bad Kreuznach. Ab 1997 leitete sie als Dezernentin den Bereich Soziales, Jugend und Wohnen der Landeshauptstadt Mainz.

Am 15. März 2002 berief sie der damalige Ministerpräsident Kurt Beck als Nachfolgerin von Florian Gerster in sein Kabinett. Dreyer war dann bis Januar 2013 rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie. Heftig kritisiert durch die Opposition im Landtag Rheinland-Pfalz wurde sie im Zuge der so genannten „Rodalben-Affäre“. In der südwestpfälzischen Stadt war im November 2003 eine Erzieherin von zwei 16- und einem 17-jährigen Insassen eines Jugendheims erstochen worden. Die Opposition warf der Sozialministerin schwere Versäumnisse bei der Planung und Umsetzung des Projekts „Heimunterbringung statt Untersuchungshaft“ vor und forderte 2004 ihren Rücktritt.[4]

Von 2005 bis 2013 war Dreyer Vorsitzende der SPD Trier. Bei der für die SPD äußerst erfolgreichen Landtagswahl vom 26. März 2006 trat Dreyer als Nachfolgerin des ausscheidenden Landtagspräsidenten Christoph Grimm als Kandidatin für den Wahlkreis Trier an; sie setzte sich dabei unter anderem gegen den CDU-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Christoph Böhr durch, der nach der Wahl sämtliche Parteiämter niederlegte. Bei der Landtagswahl 2011 gewann sie mit 40,6 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat im Wahlkreis Trier.[5] Bei der Landtagswahl 2016 konnte sie ihren Erststimmenanteil auf 49,6 Prozent der Stimmen steigern und den Wahlkreis so erneut direkt gewinnen.

Nachdem Kurt Beck am 28. September 2012 seinen Rücktritt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz für Anfang 2013 angekündigt hatte,[6][7][8] wurde Dreyer am 16. Januar 2013 vom Landtag mit 60 der insgesamt 100 Stimmen zur Regierungschefin gewählt. Damit ist sie die erste Frau, die das Land Rheinland-Pfalz regiert. Zum Zeitpunkt ihrer Wahl gab es drei weitere Ministerpräsidentinnen in Deutschland (Hannelore Kraft, Annegret Kramp-Karrenbauer und Christine Lieberknecht).[9] Dreyer übernahm von Kurt Beck zudem den Vorsitz der Rundfunkkommission der Länder.[10]

Als Anerkennung ihres Engagements für die Pflege und besonders für die Errichtung der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz erhielt sie am 13. März 2015 den Deutschen Pflegepreis, der jährlich vom Deutschen Pflegerat verliehen wird.[11]

Bei der Landtagswahl am 13. März 2016 trat sie erstmals als Spitzenkandidatin der SPD an.

Die SPD konnte dabei mit einem Endergebnis von 36,2 Prozent der Stimmen die Wahl für sich entscheiden, nachdem sie die letzten zwei Jahre vor der Wahl in den meisten Umfragen zum Teil sehr deutlich hinter der CDU gelegen hatte. Einen maßgeblichen Anteil am guten Abschneiden der SPD sahen Medien in der großen Beliebtheit von Malu Dreyer.[12][13]

Demgegenüber sackte die CDU mit einem Endergebnis von 31,8 Prozent der Stimmen auf einen historischen Tiefstand ab. Die CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Julia Klöckner unterlag damit zum zweiten Mal als CDU-Spitzenkandidatin bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

Am 18. Mai 2016 wurde sie mit allen 52 Stimmen der SPD-FDP-Grüne-Koalition zur Ministerpräsidentin wiedergewählt.[14] Am 8. Juni 2016 gab Dreyer bekannt, dass sie wegen der Doppelbelastung ihr Landtagsmandat am 1. August 2016 niederlegt.[15]

Kabinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kabinett Beck III (März 2002 – Mai 2006): Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit
  • Kabinett Beck IV (Mai 2006 – Mai 2011): Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familien und Frauen
  • Kabinett Beck V (Mai 2011 – Januar 2013): Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie
  • Kabinett Dreyer I (Januar 2013 – Mai 2016): Ministerpräsidentin
  • Kabinett Dreyer II (seit 18. Mai 2016): Ministerpräsidentin

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malu Dreyer ist seit Juli 2004 mit Klaus Jensen, zuvor Staatssekretär in Rheinland-Pfalz und von 2007 bis 2015 Oberbürgermeister von Trier, verheiratet[16] und hat drei Kinder. Die bekennende Katholikin lebt mit ihrem Ehemann im Schammatdorf,[17] einem inklusiven und generationenübergreifenden Wohnprojekt nahe der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. 1994 wurde bei Dreyer Multiple Sklerose[18][19] diagnostiziert, weshalb sie bei längeren Wegstrecken auf einen Rollstuhl angewiesen ist.[20] Sie ist unter anderem Schirmherrin von TAG Trier, einem Projekt von Multiple-Sklerose-Betroffenen für Multiple-Sklerose-Betroffene.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Malu Dreyer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glücksmomente jenseits des Stress. In: volksfreund.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  2. a b Malu Dreyer – Eine starke Frau wird Landesmutter. In: rhein-zeitung.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  3. a b Lebenslauf der Ministerpräsidentin auf der Website der Landesregierung, mit PDF-Anhang Lebenslauf Malu Dreyer
  4. Thomas Struk: CDU fordert Rücktritt der Sozialministerin. General-Anzeiger (Bonn) vom 2. Juni 2005, S. 5
  5. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz, abgerufen am 28. März 2011
  6. Beck zieht den letzten Trumpf, Stuttgarter Zeitung, abgerufen am 28. September 2012
  7. Regierungschef Beck geht nach 18 Jahren, Berliner Morgenpost, abgerufen am 28. September 2012
  8. Dreyer plant als Ministerpräsidentin über 2016 hinaus, swr.de, abgerufen am 1. Oktober 2012
  9. Wechsel an der Regierungsspitze in Rheinland-Pfalz, Dreyer zur neuen Ministerpräsidentin gewählt, swr.de, abgerufen am 16. Januar 2013
  10. Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. vom 1. Februar 2013: Vorsitz der Rundfunkkommission der Länder bleibt bei Rheinland-Pfalz, abgerufen am 25. Juni 2013
  11. Pressemitteilung des DPO. Abgerufen am 29. Januar 2016
  12. Wahlanalysen: Wie die SPD Rheinland-Pfalz verteidigt. In: SPIEGEL ONLINE. Abgerufen am 30. März 2016.
  13. Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF): Wahl in Rheinland-Pfalz: Malu Dreyer rettet in Mainz die SPD. In: www.heute.de. Abgerufen am 30. März 2016.
  14. http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/ministerpraesidentin-vom-mainzer-landtag-wiedergewaehlt-ampel-buendnis-einstimmig-fuer-malu-dreyer/-/id=1682/did=17447460/nid=1682/qvqtvh/index.html
  15. http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/doppelbelastung-als-grund-dreyer-legt-mandat-als-abgeordnete-nieder/-/id=1682/did=17566588/nid=1682/hq8z4w/
  16. Beck erster Gratulant. In: volksfreund.de. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  17. Im Trierer Schammatdorf lebt das Miteinander – Malu Dreyer mittendrin, In: rhein-zeitung.de, abgerufen am 19. Oktober 2014
  18. Malu Dreyer: Kandidatin der Herzen. In: faz.net. Abgerufen am 3. Oktober 2012.
  19. Glauben und Wissen 11/2013, Seite 74–79, Interview mit Malu Dreyer
  20. Malu Dreyer trotzt ihrer Krankheit, rp-online.de, 2. Oktober 2012, abgerufen am 3. Oktober 2012