Malvorlagen für Porzellanmalerei

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Malvorlage für einen Teller, entworfen von Jean Charles François Leloy, datiert 1822

Bei der Porzellanmalerei werden von Porzellanmalern Malvorlagen verwendet, um Motive wiederholt und möglichst genau nachmalen zu können. Porzellanmaler lernen das Anfertigen von Malvorlagen während der beruflichen Ausbildung.[1]

Porzellanmanufakturen verfügen über Archive mit Druckgrafiken, Kopien von Gemälden, Dekor-Vorlagen usw., welche als Malvorlagen verwendet werden. So kaufte z.B. die Wiener Porzellanmanufaktur im 19. Jahrhundert zahlreiche Vorlagen an.[2] Das KPM-Archiv der Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin ist Bestandteil des Bundesarchives und wird verwaltet von der Institution Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und befindet sich im Schloss Charlottenburg in Berlin.

"Das Archiv der KPM Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin ist seit 1981 zweigeteilt und wird räumlich getrennt voneinander aufbewahrt und verwaltet. Durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges gelangte das ausgelagerte KPM-Archiv 1981 im Austausch gegen die Figuren der Berliner Schlossbrücke von Karl Friedrich Schinkel in den Westteil der Stadt, ist seit 1981 Eigentum des Landes Berlin und wird von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg im Schloss Charlottenburg wissenschaftlich erschlossen."

Das Archiv besitzt heute über 50.000 Druckgrafiken, Entwurfszeichnungen und Studien und mehr als 6000 verschiedenster Motive, Fotos sowie über 300 Ölgemälde.[3].

Es gab 3 große Kunstausstellungen in denen Malvorlagen für Porzellanmalerei präsentiert wurden: 1976 in Berlin zur botanischen Malerei[4], 1987 in Berlin zu Veduten von Carl Daniel Freydanck[5] und 1993 in New York ebenfalls zu Veduten von Carl Daniel Freydanck[6].

Vorlagen für das Umdruck-Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umdruckvorlage für eine Tasse

Die Vorlagen für das Umdruckverfahren sind seitenverkehrt (wie alle zum Drucken verwendeten Materialien), damit sie nach dem Drucken seitenrichtig erscheinen.

„Die Zeichnung wurde auf Kupfer- oder Stahlplatten graviert anschließend mit feuerfester Tinte mit Keramfarben und Schmelzmitteln bestrichen, dann seitenverkehrt auf besonders präpariertes Papier übertragen, auf glasiertes Porzellan aufgedruckt und im Muffelfeuer gebrannt.“

Winfried Baer: Katalog: Carl Daniel Freydanck, Ein Vedutenmaler der KPM. Nicolai Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-87584-210-3. S. 28

Manchmal wurde das Papier auch auf dem zu bedruckenden Gegenstand belassen, es verbrannte dann rückstandslos bei dem anschließenden Muffelbrand[7].

Vorlagen für Dekore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorlagen für Dekore wurden in den Manufakturen nach historischen Vorlagen aus der Kunstgeschichte hergestellt. Da gab es genügend Vorbilder z.B. Blattwerk, Bandelwerk, Akanthus (Ornament), Palmetten, Mäander (Ornamentik), Muschelwerk (Rocaille), u.s.w. Für aufwändige Dekore wurden die Malvorlagen von Spezialisten konstruiert.[8]

Vorlagen für botanische Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbarien dienten als Vorlagen für die exakte naturgetreue Darstellung auf Porzellan. Sie wurden meist von den Porzellanmalern dazu verwendet eigene Malvorlagen zu erstellen, die dann besser geeignet waren. Vorlagen von 1809 aus der Hand des Porzellanmalers Gottfried Wilhelm Völcker[9] nach dem Herbarium[10] befinden sich im KPM-Archiv[11] der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg [12]

Vorlagen für Blumen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blumenmalerei erreichte um 1750 mit der sogenannten Manierblume den Höhepunkt, als nicht mehr nach einer möglichst genauen Kopie der Vorlage gestrebt wurde, sondern das Malerische in den Mittelpunkt rückte. Die Blumen, die unter den Händen der Meissner Manufakturmaler entstanden, gingen stets auf Vorlagen zurück, z. B. eine Holzschnittblume, eine Ombrierte Blume oder eine Manierblume. Die Maler malten einmal bekannte Motive mehr und mehr aus dem Gedächtnis, ohne sich für jeden Pinselstrich an den Vorlagen zu orientieren.[13]

Veduten-Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dafür verwendete man hauptsächlich Druckgrafiken. Es wurden auch Künstler beschätigt, die ausschließlich Vorlagenmaler waren. Sie wurden sogar von den Manufakturen auf Studienreisen geschickt, um Malvorlagen von bekannten Motiven zu erstellen.[14] Erhalten blieben historische Vorlagen z.B. von Frédéric Frégevize, Johann Hubert Anton Forst und Carl Daniel Freydanck.

Vorlagen für Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Malvorlagen für Porträts dienen Gemälde-Kopien, Zeichnungen und Druckgrafiken. Nach der Erfindung der Fotografie 1839 konnte man auch Fotos verwenden. Man konnte diese auch direkt auf Porzellan übertragen (Chromatografie). Zur Bildübertragung verwendete man ein Schicht aus Chromatgelatine in der die Porzellanfarbe (Iridiumoxid) bereits eingebettet war. Im Muffelbrand[15] verbrannte die Gelatine rückstandslos.

Vorlagen für Watteaumalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erotischen Ölgemälde des französischen Malers Antoine Watteau wurden von Friedrich dem Großen gesammelt und auf seinen Wunsch in seiner eigenen Porzellanmanufaktur auf Porzellan-Vasen, Tellern und Tassen gemalt.[16][17]

Vorlagen für mythologische Szenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellungen der antiken olympischen Götterwelt und vor allen der Parzen, den am häufigsten dargestellten Figuren der antiken Mythologie, waren in den vergangenen Jahrhunderten ein sehr beliebtes Thema für Gattungen bildlicher Darstellungen. Man findet sie auf auf Keramik, Mosaiken und Fresken der Antike, auf Gemälden in allen Kunst-Epochen und auch auf Porzellan.[18]

Vorlagen für Tiermalerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den üblichen Tier-Szenen und Personen mit Tieren gab es analog zur botanischen Malerei auch die exakte anatomische Darstellung.

König Frierich II. mit Offizieren vor seine Soldaten

Vorlagen für Kriegsandenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den zahlreichen Kriegen im 18. und 19. Jahrhundert war der Bedarf an Andenken an die erfolgreichen Schlachten sehr hoch, nicht nur bei Offizieren und Soldaten, sondern auch in der Bevölkerung. Die Motive waren die Soldaten in ihren prächtigen Uniformen, Kriegs-Insignien und symbolische Darstellungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Winfried Baer - Ilse Baer: auf allerhöchsten Befehl. Willmuth Arenhövel, Berlin 1983, ISBN 3-922912-06-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Malvorlagen für Porzellanmalerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MPorzMAusbV - Verordnung über die Berufsausbildung zum Manufakturporzellanmaler/zur Manufakturporzellanmalerin. Abgerufen am 13. Januar 2018.
  2. Hubert Winkler, Ilsebill Barta-Fliedl: Ehemalige Hofsilber & Tafelkammer: Silber, Bronzen, Porzellan, Glas. Böhlau Verlag Wien, 1996, ISBN 978-3-205-98323-1 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2018]).
  3. Preussen.de - Das KPM-Archiv. Abgerufen am 13. Januar 2018.
  4. Winfried Baer H. Walter Lack: Pflanzen auf Porzellan. Botanischer Garten, Berlin 1979, ISBN 3-921800-13-7.
  5. Katalog: Carl Daniel Freydanck, Ein Vedutenmaler der KPM. Nicolai Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-87584-210-3.
  6. Derek E. Ostergard: Along the Royal Road 1993., Library of Congress Catalog number=93-079551
  7. Umdruckverfahren - Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann. Abgerufen am 14. Januar 2018.
  8. Samuel Wittwer: Raffinesse & Eleganz. Königliche Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts aus der Twinight Collection New York. Hirmer Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7774-3465-0, S. 28, 31, 45, 71, 88, 179, 183. 211, 309, 350, 353, 356, 361,435.
  9. Katalog: Carl Daniel Freydanck, Ein Vedutenmaler der KPM. Nicolai Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-87584-210-3. S. 35
  10. Johann C. Hoffmansegg und Heinrich F. Link: Flore portugaise, ou description de toutes les plantes qui croissent naturellement en Portugal 1809-1820.
  11. „Für Einsichtnahme in die Vorlagensammlung der Königlichen Porzellanmanufaktur danke ich Herrn Dr. Samuel Wittwer (Berlin)“
  12. Samuel Wittwer: Raffinesse & Eleganz. Hirmer Verlag, München 2007, ISBN 978-3-7774-3465-0, S. 257, 260.
  13. Claudia Bodinek: Vorlagen für die Meissener Blumenmalerei. Abgerufen am 14. Januar 2018.
  14. Anke Fröhlich: Landschaftsmalerei in Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Landschaftsmaler, -zeichner und -radierer in Dresden, Leipzig, Meissen und Görlitz von 1720 bis 1800. VDG, 2002, ISBN 978-3-89739-261-8 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2018]).
  15. https://www.kpm-berlin.com/manufaktur/porzellan-handwerskunst/ Kapitel: POLIERGOLD, Absatz 2: Text: Der abschließende Brand für die Aufglasurmalerei wird als Muffelbrand bezeichnet (bei circa 860° Celsius). Ein abgetrennter Raum im Brennofen, schützt die einzelnen Stücke vor Rauch und Flammen.
  16. Georg Lenz: Berliner Porzellan 1763-1786. Band 2. Helmut Scherer Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-89433-018-X, Tafel 30.
  17. Angelika Lorenz: Berliner Porzellan 1763-1850. klr mediapartner, Lengerich 2006, ISBN 3-88789-152-X. Seite XVIII, 3. Abschnitt und Seiten 41-57
  18. Hildegard Wiewelhove: Biedermeier-Tassen, 2005, S. 127 books.google; Thomas Blisniewski, Kinder der dunklen Nacht, Die Ikonographie der Parzen, phil. Diss., Köln 1992