Mambach (Zell im Wiesental)

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Mambach (Zell im Wiesental)
Wappen von Mambach (Zell im Wiesental)
Koordinaten: 47° 43′ 40″ N, 7° 52′ 41″ O
Höhe: 459 m
Fläche: 4,47 km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 79669
Vorwahl: 07625
Karte
Lage von Mambach

Mambach ist ein Ortsteil der Stadt Zell im Wiesental im Schwarzwald, der rund vier Kilometer talaufwärts von der Stadt an der Wiese liegt und ein staatlich anerkannter Erholungsort ist. Vom 447 Hektar großen Gemarkungsgebiet nehmen rund 30,4 Hektar der Wald ein. Die Besiedlung und Bebauung des Ortes ist ausschließlich entlang der Talachse.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mambach liegt rund 3,5 Kilometer nordöstlich von Zell im Wiesental. Der von Osten talwärts fließende Angenbach mündet im Ort in die Wiese. Den höchsten Punkt erreicht das Gemarkungsgebiet nordwestlich von Silbersau in Richtung des Brendewald auf 768 m Höhe.

Mambach besteht aus einem Teil links und rechts der Wiese. Parallel zum Fluss verläuft auch die Bundesstraße 317. Der eigentliche Ortskern (461 m Höhe) befindet sich links der Wiese. Von hier zweigt die Landesstraße 146 in Richtung des Angenbachtals ab. Die Straße führt nach Häg-Ehrsberg beziehungsweise weiter über den St.-Antoni-Pass nach Todtmoos. Vom Ortsteil rechts der Wiese führt eine Serpentinenstraße nach Pfaffenberg und über den Passübergang Zimmerplatz nach Adelsberg.

Nördlich von Mambach am linksseitigen Flusslauf der Wiese befindet sich der Wohnplatz Saufert. Etwa 300 Meter talaufwärts befinden sich die Wohnplätze Mühlschau und rund einen halben Kilometer Sibersau, die beide ebenfalls zu Mambach gehören.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte von Pfaffenberg und Mambach (1896)

Eine erste schriftliche Erwähnung Mambachs geht auf einen Vergleich von 1377 zurück, den Rudolf von Schönau mit dem Kloster St. Blasien schloss. Eine weitere Erwähnung des Ortes 1546 ist mit Manbach überliefert, möglicherweise handelt es sich um die Ableitung eines Personennamens Manno. Mambach gehörte zusammen mit dem Nebenort Silbersau und dem Zinken Saufen (früher Seufart) bis 1811 zur Vogtei Zell den Herren von Schönau. Eine Schule am Ort ist bereits 1779 nachweisbar. Ein neues Schulhaus wurde 1873 feierlich eingeweiht und ein Jahr später als Fortbildungsschule eingerichtet. Diese konnte sich allerdings nicht halten, so das nach einer Schulreform in Mambach nur noch die Grundschule verblieb und die Hauptschule nach Zell abwanderte.

Die Chronik über Straßenbau und Straßenverkehr in dem Großherzogthum Baden berichtet von einem großen Brand am 30. Juni 1870, in dem 21 Wohnhäuser und zwölf weitere Gebäude in Mambach niederbrannten. In dieser Folge war eine neue Bauflucht notwendig, die zu einer Umgestaltung der Passstraße nach St. Antoni erforderte. Die frühere Steigung von 7 bis 8 % wurde auf 4,2 % reduziert. Die neue Straße durch Mambach wurde 1872 zur Landstraße erhoben. In den Jahren 1874 und 1875 wurden weitere bauliche Maßnahmen bei der Häger Mühle und der Happacher Säge durchgeführt, die unter anderem eine Verbreiterung der Trasse auf 4,20 Meter zur Folge hatten. Das maximale Gefälle wurde auf 8,5 % zurück geführt. Der Aufwand für die Verbesserung der Straße wurde auf 49.951 Mark angegeben.[1]

Die vierte Etappe der 17. Internationalen Sechstagefahrt führte am 12. September 1935 durch Mambach.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde Mambach zum 1. Januar 1975 der Stadt Zell eingegliedert.

Bevölkerung und Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Einwohner Mambachs entwickelte sich wie folgt:[2][3]

Jahr Einwohner
1814 374
1852 395
1871 422
1880 450
1890 372
1900 417
1910 407
Jahr Einwohner
1925 403
1933 365
1939 354
1950 403
1956 443
1961 442
1970 467

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antoniuskapelle

Kirchlich war Mambach bis 1942 zu Zell im Wiesental integriert. Danach gehörte es zur Pfarrei Atzenbach.

Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:[4][5]

Religionszugehörigkeit in Mambach
Jahr Religion
evangelisch katholisch sonstige
1858 0,0 % 100,0 % 0,0 %
1925 5,5 % 94,0 % 0,5 %
1950 7,2 % 92,6 % 0,2 %
1961 5,7 % 92,8 % 1,6 %
1970 5,1 % 91,9 % 3,0 %

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortschaftsrat besteht aus sechs Mitgliedern. Den Vorsitz hat seit der Kreistagswahl vom 26. Mai 2019 Klaus Wetzel. Der Ortschaftsrat tagt im Gemeindehaus im Ortskern von Mambach.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Mambacher Wappens ist ein goldenes Antoniuskreuz mit zwei silbernen Glöckchen auf rotem Grund. Das Kreuz ist die heraldische Form eines Krückstocks, der Orden der Antoniter und soll beim Sammeln von Almosen durch die Glöcken auf sich aufmerksam machen. Das Wappen bezieht sich auf den Namenspatron der Kapelle St. Antonius den Einsiedler.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbild und Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1809 erwähnte Kapelle stand bis zur Brandkatastrophe vom 30. Juni 1870 am Platz des heutigen Rathauses und wurde danach als Antoniuskapelle wieder aufgebaut. Manchmal wird die Antoniuskapelle auch als Dorfkirche von Mambach bezeichnet.

Alte Schmiede

Mindestens seit 1719 existiert einer Schmiede in Mambach, was sie zu eine der ältesten im gesamten Schwarzwald macht. Über Generationen wurde sie als Huf- und Wagenschmiede betrieben und nach dem Dorfbrand wurde sie 1871 neu errichtet und immer wieder erweitert. Der Schmiedebetrieb wurde 1985 eingestellt. Das gesamte Inventar ist erhalten geblieben steht wegen technik- und heimatgeschichtlicher Bedeutung seit 2013 unter Denkmalschutz. Von 2012 bis 2016 wurde mit Hilfe des Vereins, der sich für die Belange der alten Schmiede kümmert, eine Restaurierung durchgeführt. Die funktionsfähige Schmiede steht für Besucher zur Besichtigung zur Verfügung.[8]

Bergkapelle Maria Frieden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergkapelle Maria Frieden in Mambach

Auf Mambacher Gemarkung in Richtung Pfaffenberg steht auf der Bergkuppe des Köpfles auf 594 m ü. NN die katholische Bergkapelle Maria Frieden. Sie geht auf die Initiative von Pfarrkurat Eugen Thoma[9] zurück, der die Kapelle als Dank für die Verschonung des Wiesentals und als Mahnung des Friedens unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Kuratie Atzenbach erbauen ließ.[10] Bereits im Juni 1945 erfolgte der erste Spatenstich, am 21. September 1945 war das Richtfest und am 17. Juni 1946 die Einweihung.[11]

Die Kapelle ist ein Rechteckbau mit sechs rundbogigen Fenstern. Dem ist ein Chor mit zwei Fenstern angeschlossen. Die beiden Bauteile haben Satteldächer unterschiedlicher Höhe. Im Westen sitzt ein Dachreiter darauf. Das Altarbild wurde vom Freiburger Kunstmaler Hans Franke[12] geschaffen. Die heutige Orgel wurde 1970 von der bayerischen Firma Deininger & Renner gebaut und arbeitet mit einer Schleiflade, einer mechanischen Spieltraktur und einer mechanisch-elektrischen Registertraktur. Sie hat ein Manual und ein selbständiges Pedal.[13]

Bergklause Maria Frieden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwas nordwestlich der Bergkapelle, wo der Weg zur Kapelle von der Ortsverbindungsstraße zwischen Mambach und Pfaffenberg abzweigt, wurde im Herbst 1947 die Bergklause Maria Frieden als Heim für Flüchtlingswaisenkinder eröffnet.[14] Das Heim geht ebenfalls auf die Initiative von Eugen Thoma zurück und wurde vom Architekten Adolf Julius Lorenz[15] geplant. 1994 bis 2011 führte Pater Ludwig Kuhn (1945–2016)[16] im Auftrag seines Pallottiner-Ordens das Haus und machte es zu einem ökumenischen Treffpunkt für geistiges und religiöses Leben.[17][18]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mambach gibt es einen im Jahr 1900 gegründeten Feuerwehrmusikverein. Die Gründungsversammlung fand am 14. Februar 1900 statt und wurde aus insgesamt 60 Mitgliedern begründet.[19]

1986 wurde der Verein Germane Mambach gegründet. Der aus knapp 400 Mitgliedern bestehende Verein lässt germanische Sitten und Bräuche aufleben und organisiert diverse Feste und Feierlichkeiten.[20]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell war Mambach eine sehr landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Die Bedeutung der Landwirtschaft nahm im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich ab. Stattdessen gewann das produzierende Gewerbe stark an Bedeutung.

Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen
Jahr 1950 1961 1970
Sektor Anzahl Personen
Land- und Forstwirtschaft 112 24 14
Produzierendes Gewerbe 168 249 295
Handel und Verkehr 33 65 50
Sonstige Bereiche 30 36 34
Wasserkraftwerk Mambach

Im Wohnplatz Saufert befindet sich ein Kraftwerk. Das 1897–1899, damals unter dem Namen Elektrizitätswerk Zell (EWZ), erbaute Wasserkraftwerk gehört heute zur Energiedienst Holding. Es wurden in den Jahren 1905, 1925 und 2015 modernisiert und zuletzt auch durch ökologische Maßnahmen wie einer naturnahen Umgehungsrinne und einem Schutzrechen für Fische aufgewertet. Im Wasserkraftwerk befinden sich zwei Francis-Spiralturbinen. Sie liefern aus einem Gefälle von 37 Metern jährlich durchschnittlich eine Stromproduktion von 6,9 Millionen kWh und haben eine Leistung von 1152 kW. Von den kleinen Wasserkraftwerken entlang des Wiesentals ist es damit das leistungsstärkste. Es versorgt rund 2000 Haushalte mit Storm.[21]

Mambach ist an die in Zell endende Wiesentalbahn nicht angeschlossen. Bis 1966/1967 bestand die Bahnstrecke Zell im Wiesental–Todtnau, die in Mambach einen Haltepunkt hatte. Der einzige öffentliche Verkehr wird über eine Haltestelle an der B 317 in einer Regionalbuslinie gewährleistet.

An der B 317 (Bushaltestelle) und an der L 146 etwa 500 Meter nach der Mambacher Brücke befinden sich Rettungspunkte.[22]

Am rechtsseitigen Wiesenufer befand sich im Süden bis Ende 2012 der kleine Campingplatz Wiesengrund.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mambach. In: Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau (Bearbeiter): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Lörrach. Band II. B. Gemeindebeschreibungen Kandern bis Zell im Wiesental. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X. S. 924
  • Johannes Helm: Kirchen und Kapellen im Markgräflerland. Die existierenden, verschwundenen und aufgegebenen Kirchen und Kapellen im Markgräflerland und in den angrenzenden Gebieten des ehemals vorderösterreichischen Breisgaues sowie des hochstiftbaselischen Amtes Schliengen, Müllheim 1986, ISBN 3-921709-16-4, S. 454–455

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mambach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Josef Baer: Chronik über Straßenbau und Straßenverkehr in dem Großherzogthum Baden, Verlag von Julius Springer, Berlin 1878, S. 511. (Google-Digitalisat)
  2. Einwohnerentwicklung von Mambach für auswählte Jahre zwischen 1852 und 1970, aufgerufen am 15. Juli 2019
  3. Johann Baptist Kolb (Hrsg.): Historisch-statistisch-topographisches Lexikon von dem Großherzogtum Baden, Zweiter Band, Carl Friedrich Macklotsche Hofbuchhandlung, Karlsruhe 1814, S. 243. (hier online)
  4. Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: Mambach, zuletzt aufgerufen am 15. Juli 2019
  5. Religionszugehörigkeit: Mambach, zuletzt aufgerufen am 15. Juli 2019
  6. Öffentliche Bekanntmachung zur Durchführung der Wahl des Gemeinderats und des Ortschaftsrats am 26. Mai 2019, aufgerufen am 15. Juli 2019
  7. Ortsbeschreibung zu Mambach, aufgerufen am 15. Juli 2019
  8. Webseite der Alten Schmiede Mambach
  9. Thoma kam 1942 als erster Pfarrer zur Pfarrkuratie Atzenbach zu der Mambach gehörte
  10. Kirchen und Kapellen in Zell im Wiesental, aufgerufen am 15. Juli 2019
  11. siehe Berthold Hänel: Maria Frieden - ein ständiges Mahnmal. In: Die Markgrafschaft, Heft 11/1962, S. 2
  12. Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg (LeoBW): Franke Hans – Biografische Kurzinformation
  13. siehe Helm S. 455
  14. siehe Berthold Hänel: Maria Frieden - ein ständiges Mahnmal. In: Die Markgrafschaft, Heft 11/1962, S. 2
  15. Landeskundliches Informationssystem Baden-Württemberg (LeoBW): Lorenz Adolf Julius – Biografische Kurzinformation
  16. Im Gedenken an Ludwig Kuhn auf der Homepage der Pallottiner; abgerufen am 19. Dezember 2019
  17. Hubert Doebele: Bergkapelle wurde "Tankstelle" für geistiges Leben. In: Badische Zeitung vom 27. Mai 2011; abgerufen am 19. Dezember 2019
  18. siehe auch Ingrid Jennert: Die heilende Kraft der christlichen Botschaft : "therapeutische Seelsorge": das spirituelle Angebot der Bergklause "Maria Frieden" im Wiesental. In: Konradsblatt. Jahrgang 89 (2005), Nr. 45, S. 12
  19. Chronik der Feuerwehrmusik Mambach 1900 e.V., aufgerufen am 15. Juli 2019
  20. Germane Mambach 1986 e.V., aufgerufen am 15. Juli 2019
  21. Kleine Wasserkraft im Schwarzwald (PDF), aufgerufen am 15. Juli 2019
  22. Verzeichnis der Rettungpunkte im Landkreis Lörrach, aufgerufen am 15. Juli 2019
  23. Campingplatz Wiesengrund Mambach, aufgerufen am 15. Juli 2019