Management by Exception

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Der Begriff Management by Exception (Führen nach dem Ausnahmeprinzip) bezeichnet eine Managementtechnik, bei der die übergeordneten Führungsorgane die Erledigung von Routinefällen den zuständigen Mitarbeitern zur eigenverantwortlichen Entscheidung überlassen und sich die eigene Entscheidung nur für Ausnahmefälle vorbehalten.

Konzept[Bearbeiten]

Die Mitarbeiter arbeiten selbständig, solange keine Toleranzenüberschreitungen oder nicht vorhersehbare Ereignisse eintreten. Es werden Ziele, Sollwerte und Bewertungsmaßstäbe festgelegt. Außerdem werden die Erfolgskriterien gewählt und die Kontrollinformationen bestimmt. Soll und Ist werden ständig verglichen und Abweichungsanalysen durchgeführt.

Voraussetzung zur Einführung des Management by Exception ist das Vorhandensein der entsprechenden Informations-, Kontroll- und Berichtsysteme, die den definierten Ausnahmefall signalisieren. Im Unternehmen müssen operationale Ziele bekannt sein. Die Zuständigkeiten müssen klar geregelt sein. Alle Beteiligten müssen die Ziele und Abweichtoleranzen, die Zuständigkeiten und Eskalationen kennen.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Vorteile für die Vorgesetzten ist die weitestgehende Entlastung bei Routineaufgaben und ein geringer Kontrollaufwand, da die Mitarbeiter innerhalb der Kompetenzbereiche selbstständig Entscheidungen treffen. Die Vorgesetzten müssen ihre Mitarbeiter außerhalb deren Kompetenzbereiches zurückhalten.

Die Mitarbeiter können in ihrem Kompetenzbereich flexibel agieren und sich bei außergewöhnlichen Entscheidungen auf ihren Vorgesetzten berufen. Sie können aber in der Regel ihre Fähigkeiten nicht verbessern und sind eventuell unterfordert. Durch Beschränkung der Mitarbeiter auf Routinearbeiten werden Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative beeinträchtigt. Für die jeweilige Führungskraft bedeutet dies, dass die Verteilung von Entscheidungskompetenzen zwischen ihren Mitarbeitern und ihr fein reguliert und konsequent angepasst werden muss. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe für zusätzliche Schulungen der Mitarbeiter zu sorgen um sowohl deren Fähigkeiten zu verbessern als auch die Möglichkeiten zur Delegation von Aufgaben zu erhöhen.

Nachteile für die Vorgesetzten entstehen dadurch, dass nur eingegriffen wird, wenn das Ziel nicht erreicht wird bzw. die Erfolgskriterien nicht erreicht werden. Findige Mitarbeiter können daher früher oder später dazu übergehen Abweichungen zum ursprünglichen Ziel dem Vorgesetzten zu verschleiern um den negativen Reaktionen dessen zu entgehen. Dies kann durch ein effizientes Informations-, Kontroll- bzw. Berichtsystem weitgehend umgangen werden, da den Mitarbeitern die Möglichkeit genommen wird die Informationen auf dem Weg zum Vorgesetzten zu verändern / manipulieren.

Ein weiterer Nachteil dieses Managementkonzeptes ist es, dass die Mitarbeitermotivation nicht genug gefördert wird, da der Vorgesetzte lediglich von Negativabweichungen erfährt. Gleiches gilt auch dann, wenn die "interessanten" Fälle nur durch die Vorgesetzten erledigt werden und die Routinearbeiten bei den Mitarbeitern verbleiben.

Siehe auch[Bearbeiten]