Manchesterkapitalismus

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Mit Manchesterkapitalismus wird eine wirtschaftsgeschichtliche Phase während der industriellen Revolution in Großbritannien bezeichnet. Im Allgemeinen beschreibt der Begriff die Auswirkungen einer Wirtschaftspolitik, die sich vorrangig an der Interessenslage der Unternehmer orientiert, eine Regulierung des Staates verhindert und soziale Probleme ausklammert. Der Manchesterkapitalismus gilt als Inbegriff für Ausbeutung und Profitgier.[1]

Der Wirtschafts-Ploetz, herausgegeben von Hermann Schäfer und Hugo Ott, definiert den Begriff des Manchesterkapitalismus als "extreme Form des liberalistischen Kapitalismus v.a. der ersten Hälfte des 19. Jh. ... propagiert die freie Wirtschaft ohne jegliche staatliche Steuerung bei gleichzeitiger völliger Vernachlässigung der sozialen Frage".

Zeitgenössisch wird der Manchesterkapitalismus (alternative Schreibweise Manchester-Kapitalismus) synonym für eine große soziale Ungleichheit verwendet.[2][3][4][5][6]

Kinder bei der Arbeit in einer Baumwollfabrik (England 1835)

Friedrich Engels schildert in seinem Werk "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" zahlreiche Missstände des „wilden Kapitalismus“:[7][8]

  • Kinderarbeit,
  • lange Arbeitszeiten von oftmals 12 bis sogar 14 Stunden,
  • willkürliche Behandlung,
  • Hungerlöhne bzw. Ausbeutung,
  • Schutzlosigkeit bei Arbeitsunfällen,
  • Armut von Alten, Kranken und Schwachen.
Arbeiterinnen in einer Baumwollfabrik in Manchester, ca. 1830

Die Verelendungserscheinungen verschwanden nach und nach, als sich die Arbeiter Tarif- oder Mindestlöhne, vertragliche Garantien im Krankheitsfall, bei Arbeitsunfällen und bei Arbeitslosigkeit sowie eine Alters- und Invalidenrente erkämpft hatten.

Rechtlich besserte sich die Lage der Arbeiter aufgrund der vom englischen Parlament am 29. August 1833 erlassenen Fabrikgesetze (Althorp's Act bzw. Factory Act).[8][9] Die Fabrikgesetze dienten dem Schutz der Arbeiter vor der Willkür der Unternehmer und beschränkten erstmals den Arbeitstag für Kinder.

Der Factory Act of 1847 schrieb vor, dass Frauen sowie Jugendliche zwischen dreizehn und achtzehn Jahren ab dem 1. Juli 1847 nur noch 63 Stunden, ab dem 1. Mai 1848 nur noch 58 Stunden pro Woche arbeiten durften, was einem täglichen Arbeitspensum von 10 Stunden pro Tag entsprach (10 Stunden pro Werktag, 8 Stunden am Samstag).[10]

Die durch die Freihandelsbewegung ausgelöste Hoffnung, die allgemeinen Lebensverhältnisse der Fabrikarbeiter würden sich durch aufgehobene Handelsschranken, z. B. 1846 durch die Abschaffung der Corn Laws verbessern, erfüllte sich nicht, die Lebensmittelpreise sanken nicht. Eine Ursache dafür könnte jedoch auch die deutliche Zunahme der Bevölkerungszahl während dieser Zeit sein, der allerdings eine deutliche Zunahme der landwirtschaftlichen Erträge gegenüberstand.[11] Obgleich das Durchschnittseinkommen in Großbritannien 1850 im Vergleich zu anderen europäischen Staaten recht hoch war, war zugleich die Verelendung der Arbeiterklasse ausgeprägter.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Winckler: Unternehmer in den politischen Theorien der Bürgerschaft: Rechte- und Pflichtenorganisation der Wirtschaft in Region, Nation und Europa. LIT Verlag Münster – Berlin – London, 2016. ISBN 3643134045.
  • Hermann Schäfer, Hugo Ott: Ploetz-Wirtschaftsgeschichte der deutschsprachigen Länder vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Freiburg Würzburg, 1989. ISBN 3876403707.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Hesselmann: [1], Der Tagesspiegel vom 15. März 2008. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  2. Christian Jansen: [2], tagesschau.de vom 5. Mai 2018. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  3. Dieter Sattler: [3], Frankfurter Neue Presse vom 21. August 2018. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  4. Joachim Frank: [4], Frankfurter Rundschau vom 13. Oktober 2017. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  5. Jan Sternberg: [5], Hannoversche Allgemeine vom 25. November 2017. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  6. Hanns Ostermann/Martin Schulz: [6], Deutschlandfunk Kultur vom 17. Januar 2008. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  7. Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. In: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke. Band 2. Dietz Verlag, Leipzig 1845 (mlwerke.de).
  8. a b Hans-Peter Schwarz: Manchesterkapitalismus', Welt online vom 13. Juli 1996. Abgerufen am 6. Dezember 2019.
  9. Eddie Crooks: The Factory Inspectors: A Legacy of the Industrial Revolution. Tempus, 2005, ISBN 978-0752435695, S. 16.
  10. C. W. Cooke-Taylor: The Factory System and the Factory Acts, S. 88
  11. Bundeszentrale für politische Bildung: 1848 - 1949, ein Jahrhundert der deutschen Geschichte. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 1997 (CD-ROM).