Manfred Deix

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Manfred Deix (2012)

Manfred Deix (* 22. Februar 1949 in St. Pölten, Niederösterreich; † 25. Juni 2016[1][2]) war ein österreichischer Karikaturist, Grafiker und Cartoonist. Deix betätigte sich auch als Musiker und Krimiautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als zweites Kind von Johanna und Franz Deix im niederösterreichischen St. Pölten, wuchs Deix dort und später in Böheimkirchen auf, wohin seine Eltern übersiedelten, um dort das von ihnen gepachtete Gasthaus Zur blauen Weintraube zu betreiben. Nach dem Willen der Eltern sollte er Wirt werden.[3] Ab 1955 besuchte er die Daniel-Gran Volksschule, danach für ein Jahr die Hauptschule und dann von 1960 bis 1965 das Bundesrealgymnasium in St. Pölten. 1965 immatrikulierte er sich in Wien an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, die er u. a. gemeinsam mit Gottfried Helnwein, Josef Bramer und Bernhard Paul besuchte. Die Ausbildung endete wegen „Schulschwänzen“ (Deix) nach zweieinhalb Jahren vorzeitig durch einen Schulverweis. Daraufhin schrieb er sich 1968 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ein. Das Kunst-Studium brach er 1975 nach 14 Semestern und ohne Abschluss ab.

Deix' Vater hatte einen Arm im Zweiten Weltkrieg „in Russland zurückgelassen“. Im Rückblick sagte Deix 2002, dass Kriegsinvalide für ihn etwas „Alltägliches waren“ und er „mit 2, 3 Jahren andere Väter mit zwei Armen für missgebildet“ hielt. „Ich war dann härter im Umgang mit Kriegsveteranen, die von dieser Sache (Anm. dem Krieg) nach wie vor schwärmen … die verspotte ich gnadenlos … die Kameradschaftsbündler, … die ich gesehen hab“.[4] 1984 heiratete Deix seine langjährige Freundin Marietta in Las Vegas. Im Zuge dieses USA-Aufenthaltes kam es in Los Angeles zu einem ersten persönlichen Kontakt mit den von ihm sehr geschätzten Beach Boys. 1995 erschien seine CD Musik aus Ameriga mit von ihm getexteten und gesungenen Coverversionen der Beach Boys im Wiener Dialekt (Deix & die Good Vibrations Band, mit Lukas Resetarits als Gastsänger, zum Austropop gerechnet).[5] 1985 wurde Deix in der ORF-TV-Sendung Ohne Maulkorb porträtiert. Im selben Jahr entstanden persönliche Kontakte zu den Titanic-Zeichnern Hans Traxler, Chlodwig Poth, F. K. Waechter und Robert Gernhardt. Das 1987 von Peter Hajek im Auftrag von ORF und ZDF gedrehte 45-minütige TV-Filmporträt Küß die Hand, Österreich – Manfred Deix und seine Bilder, wurde 1988 bei der Berlinale vorgestellt und anschließend von vielen europäischen Fernsehanstalten ausgestrahlt. 1988 erlitt Deix – nicht zuletzt aufgrund seines exzessiven Lebenswandels („ich arbeite, zeichne, rauche, saufe“) – einen Lungeninfarkt und übersiedelte nach dem Klinikaufenthalt nach Klosterneuburg-Weidling. Sieben Jahre später folgte ein weiterer, diesmal alkoholbedingter Zusammenbruch, der den Zeichner veranlasste, eine „brave Phase bis heute …“ einzulegen. Billy Wilder bekannte sich 1989 als Deix-Fan und schrieb das Vorwort zum fünften Deix-Buch Augenschmaus. Bono, Frontman von U2, verglich 1993 in einem Interview die Texte seiner Band mit den Bildern von Deix. 2001 begegnete Deix in seiner Kremser Dauerausstellung seinem Vorbild Robert Crumb.

Deix lebte zuletzt mit seiner Frau und 39 (Stand: Februar 2015) Katzen (zeitweise etwa 80 Tiere) in der Nähe von Wien. Am 22. Februar 2009 wurde im Karikaturmuseum Krems mit einem großen Festakt sein 60. Geburtstag gefeiert. In diesem Rahmen wurde ihm eine Sonderausstellung gewidmet[6] und das Buch Der goldene Deix präsentiert. Deix war ein politisch engagierter Mensch, der sich auch für Tierschutz und 2009 bis 2010 für die Tierrechtspartei einsetzte.[7] Im Herbst 2014 erlitt Deix einen Lungeninfarkt, dem ein mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt folgte, und stellte, als ehemaliger Kettenraucher, seinen Zigarettenkonsum danach auf E-Zigaretten um. Nach schwerer Krankheit starb er am 25. Juni 2016.[8] Er wurde am 8. Juli 2016 in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33G, Nummer 7)[9] bestattet.[10] [11]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Deix' handschriftliche Redaktion eines Interviews zu seinem künstlerischen Selbstverständnis.

Bereits als Sechsjähriger erregte Deix durch „erste Verkäufe von Nackertzeichnungen an die aufgeweckteren Mitschüler (Stückpreis 10–15 Groschen)“ Aufsehen, wie er selbst schrieb. Mit neun malte er ein erotisches Daumenkino aus 100 Zeichnungen einer Frau, die sich auszieht. „Das Höschen hat sie anbehalten,“ erzählte er später, „weil ich nicht wusste, wie es darunter aussieht.“

Als er mit elf an einem Zeichenwettbewerb des ORF teilnahm, wurde er mit der Begründung „Wir wollen Zeichnungen von Kindern, aber nicht von Erwachsenen und Profis.“ disqualifiziert. Deix hatte zum Thema „Der Rattenfänger von Korneuburg“ sein Bild eingeschickt. Bemerkenswerterweise war es sein Religionslehrer, der ihm 1960 – trotz der immer anstößiger werdenden Bilder – die Chance gab, erste Cartoons in der wöchentlichen Niederösterreichischen Kirchenzeitung zu veröffentlichen. Für 52 4-Bilder-Comicstrips in diesem Jahr – über zwei deutsche Pfadfinder, die in Afrika einen Araber-Buben befreien, der zuletzt in Europa sagt: „Ich möchte Priester werden.“ – erhielt Deix 1000 Schilling Honorar. Nachdem er anfänglich seine Blätter von seiner Freundin Marietta auf dem Flohmarkt verkaufen ließ, veröffentlichte er ab 1972 in den Magazinen Profil, Trend und Economy. Ab 1978 folgten auch Titelblätter und Zeichnungen für Stern, Der Spiegel, Pardon, Titanic und den Playboy. Für die Zigarettenmarke Casablanca zeichnete er Werbeplakate.

Von 1992 bis März 2015 veröffentlichte Deix jede Woche einen Cartoon im Nachrichtenmagazin News.[12] Mit den Honoraren buchte Deix die erste USA-Reise, in der er vor allem Kalifornien besuchte und seine Freundin Marietta in Las Vegas heiratete. 1987 gestaltete Deix ein Bühnenbild für Bertolt Brechts Arturo Ui am Wiener Burgtheater und die Fassade des „Palastes der Winde“ für André Heller. Unter der Regie von Peter Hajek entstand 1988 das Fernsehfilmporträt Küss die Hand Österreich – Manfred Deix, das bei ORF, SRG SSR, ZDF und 3sat gesendet wurde. 1987 bot die Hamburger Fachhochschule für Gestaltung Deix eine Professur an. Beim Wiener Donauinselfest stand Deix 1999 mit den Beach Boys live auf der Bühne.

1997 stand Deix in dem Film Blutrausch unter der Regie von Thomas Roth vor der Kamera.

Signatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Signatur in Blockschrift trägt das „I“ statt eines I-Punkts eine auf ihren drei Zacken Steine tragende Krone. In einem Interview 2009 erläuterte Deix dem Magazin Profil, dass seine Bilder früher denen von Gerhard Haderer ähnelten und auch die Signaturen in Blockschrift und Größe, weshalb er zur Unterscheidung als Gag auf das Krönchen kam.[13]

Arbeitsweise und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Graphiker arbeitete Deix vorzugsweise in Aquarell. Die Wahl feiner gestalterischer Mittel wird dabei kontrastiert durch Bildinhalte, die in Themenwahl und Deutlichkeit oft Tabugrenzen überschreiten. Dabei sind die Werke allerdings stets getragen von einem hohen moralischen Impetus, da Ironie und Sarkasmus stets im Dienste der Gesellschaftskritik oder der Aufdeckung institutionellen oder persönlichen Fehlverhaltens stehen.

Zielscheibe des teilweise ätzenden Spottes waren zum einen österreichische, aber auch internationale Politiker, sowie zum anderen das gemeine Volk, „ein grelles Gesamtfritzeltum, ausgeliefert einem unstillbaren Verlangen nach ‚Göd‘ und ‚Schnackseln‘“.[14] Besonders hart attackierte er den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Darstellungen Haiders u. a. als Kampfhund, Hannibal Lecter oder Tiger (siehe Der Dicke Deix, Seiten 112, 212, 249) führten zu diversen Klagen Haiders. Ebenfalls augenfällig sind Deix’ Volks-Darstellungen: Zechgelage, (Kinder-) Pornokonsumenten oder sich sexuell betätigende Kleriker wurden zum Thema einer tabulosen Ironisierung. Gleichzeitig praktizierte Deix große Volksnähe, die ihm erlaubte, den von ihm reklamierten „liebevollen Blick auf die Österreicher“ aus einer Haltung der Empathie heraus zu entwickeln und sich selbst als Gegenstand der Ironisierung nicht auszusparen. Selbstporträtierungen und Autobiografisches waren daher nicht weniger ironisch-sarkastisch als andere Arbeiten.

Zahlreiche Karikaturen Deix’ sind mit von ihm selbst verfassten Texten versehen, welche häufig die Form durchaus eigenständiger Gedichte haben. Analog zur Kontrastierung zwischen feinen Gestaltungsmitteln und explizit Dargestelltem im Grafischen verwendete er im Text einen witzigen, mitunter fast kindlichen Ton, dem in der Wortwahl die explizite Benennung von Sexualpraktiken, Fäkalien und Vulgärausdrücken entgegengestellt werden.

Aufgrund seines provozierenden Stils und der – oft auch kirchenkritischen – Inhalte sind die Arbeiten Deix’ durchaus umstritten, werden aber auch gerade wegen dieser Eigenschaften hoch geschätzt. Seitens der Kunstkritik war Deix zum Zeitpunkt seines Todes anerkannt, viele seiner Karikaturen sind Klassiker und gelten als stilprägend. Dabei hat sich in Österreich sogar sein Name als Synonym für einen bestimmten Menschentyp eingebürgert, der in Verhalten und Aussehen an seine Karikaturen erinnert: die „Deixfigur“, auch im Duden[15] und im Österreichischen Wörterbuch[16] erwähnt.

2001 eröffnete das nach einem Entwurf Gustav Peichls erbaute Karikaturmuseum Krems. Es zeigt eine Dauerausstellung mit etwa 250 Exponaten zu Deix’ Werk (aktueller Titel seit Neueröffnung 2006: „Deix in the city“, davor 2001 bis 2005 „Die Welt des Manfred Deix“).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deix mit dem Österreichischen Kabarettpreis 2012

Werke/Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1977 veröffentlichte Deix außerdem Zeichnungen (auch Titelblätter) und andere Werke in den Magazinen Titanic, Stern, Spiegel, Playboy, profil, news und Extrablatt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Severin Heinisch (Hrsg.): Die Welt des Manfred Deix. [Katalog zur Dauerausstellung Die Welt des Manfred Deix im Karikaturmuseum Krems], Kunstmeile Krems Betriebsgesellschaft, Krems-Stein 2003, ISBN 3-902407-01-8.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hajek: Küß die Hand, Österreich – Manfred Deix und seine Bilder. 45-minütiges TV-Filmporträt für ORF und ZDF (1987).
  • Das ist Deix. Der „Zerr“bild-Zeichner. Künstlerporträt, Österreich, 2009, 43:50 Min., Buch und Regie: Günther Löffelmann, Produktion: ORF, Inhaltsangabe von alpha.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manfred Deix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://orf.at/stories/2249856/2249862/ „Ich bin ein Freund der Menschen“ – Karikaturist Manfred Deix gestorben. orf.at, 27. Juni 2016, 09h16, abgerufen 27. Juni 2016. – Laut Karikaturenmuseum Krems unter Berufung auf seine Witwe Marietta.
  2. Manfred Deix gestorben
  3. Doris Priesching: Karikaturist Manfred Deix gestorben, derstandard.at, 26. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016 (Nachruf; mit Video)
  4. Ö1 Radioporträt: Chronisten, … (ab 1:17/4:57) aus 2002
  5. CD- Informationen zu: Musik aus Ameriga, Archiv österreichischer Popularmusik: sra.at, abgerufen am 27. Juni 2016.
  6. Das ist Deix. Auf: karikaturmuseum.at
  7. apa/news-Redaktion: Dem Deix liegen die Schweine am Herzen, news.at, 4. Februar 2010, abgerufen am 1. Juli 2016
  8. Werner Rosenberger: Manfred Deix gestorben: Der Beach Boy unter den Zeichnern. kurier.at, 27. Juni 2016, 09h14, abgerufen 27. Juni 2016.
  9. meinbezirk.at – Ehrengrab für Manfred Deix am Zentralfriedhof, 28. Juni 2016, abgerufen am 25. Juli 2016
  10. orf.at - Ehrengrab für Manfred Deix. Artikel vom 5. Juli 2016, abgerufen am 5. Juli 2016.
  11. http://wien.orf.at/news/stories/2784400/ Abschied von Manfred Deix, orf.at, 8. Juli 2016, abgerufen 9. Juli 2016
  12. derStandard.at - Letzte Karikatur von Manfred Deix in „News“. APA-Meldung vom 6. März 2015, abgerufen am 7. März 2015.
  13. http://www.profil.at/gesellschaft/manfred-deix-gestorben-interview-oesterreich-6638817 Wolfgang Paterno: Manfred Deix ist tot: „Österreich wird verdeixt“, profil.at, 27. Juni 2016, abgerufen 9. Juli 2016.
  14. Nachruf Manfred Deix, in: Der Spiegel, 2. Juli 2016, S. 133
  15. Begriff "Deixfigur", duden.de, abgerufen am 26. Juni 2016
  16. ÖWB, 40. Auflage