Manfred Lütz

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Manfred Lütz (2009)

Manfred Lütz (* 18. März 1954 in Bonn) ist ein deutscher Psychiater, Psychotherapeut römisch-katholischer Theologe, Vatikanberater und Buchautor. Er leitet seit 1997 das Alexianer-Krankenhaus in Köln.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Lütz ist der einzige Sohn aus der Ehe von Manfred Lütz sen. und Mechthildis Freiin von Quernheim. Sein Vater war Jurist, seine Mutter Apothekerin.[1] Sein Großonkel Paulus van Husen war Mitglied im Kreisauer Kreis.

Lütz ist seit 1995 mit Isabelle Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter und lebt in Bornheim bei Bonn.

Werdegang und ärztliche Profession[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lütz studierte Medizin, Philosophie und katholische Theologie in Bonn und Rom. Er erlangte 1979 seine Approbation als Arzt und 1982 sein Diplom in katholischer Theologie. Während seines Studiums wurde er Mitglied der KDStV Bavaria Bonn im CV.

Lütz wurde zunächst Facharzt für Nervenheilkunde, später auch für Psychiatrie und Psychotherapie. Ab 1989 war er als Oberarzt der psychiatrischen Abteilung des Marien-Hospitals in Euskirchen tätig und zugleich Leitender Arzt der Klinik Sankt Martin in Euskirchen-Stotzheim, einer Fachklinik für alkohol- und medikamentenabhängige Männer. Seit 1997 ist er Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz, eines Fachkrankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, dessen Einzugsbereich den gesamten Kölner Süden umfasst.[2]

Lütz ist unter anderem in systemisch-lösungsorientierter, verhaltenstherapeutischer und psychoanalytischer Psychotherapie ausgebildet. Im Jahr 2003 gründete er das Alexianer-Therapie-Forum, eine Fortbildungsreihe des Alexianer-Krankenhauses mit Trainingsseminaren und Vorträgen internationaler Referenten aus dem Bereich Psychotherapie.[2][3]

Außerberufliche Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Lütz gründete 1981 in Bonn die integrative Jugendgruppe „Brücke-Krücke“, in der behinderte und nichtbehinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus Bonn und Umgebung ohne professionelle Betreuung zusammenwirken.[2][4] Lütz ist seitdem ehrenamtlich für die Initiative tätig,[5] die der Katholischen Jugendagentur in Bonn angegliedert ist. Er bereitet Jahresfahrten vor und nimmt an Veranstaltungen teil. Die Gruppe umfasst ca. 200 Behinderte und Nichtbehinderte.[4]

Kirchen- und Vatikanberater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Papst Johannes Paul II. wurde Lütz 2003 zum Konsultor der Kongregation für den Klerus ernannt.[6] Im gleichen Jahr organisierte er einen Kongress zum Thema „Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester und Ordensleute“ im Vatikan.[2] Im Erzbistum Köln gehörte er ab 2006 zum Arbeitsstab des Seelsorgeamtes für die Bearbeitung und Prüfung von Fällen von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche und Laien im pastoralen Dienst.[7] Lütz selbst war unter drei Päpsten bis 2016 Mitglied des Päpstlichen Rates für die Laien.[8] Er wirkte beratend an der Erstellung des Jugendkatechismus Youcat mit.[9] Er war seit Beginn der 2000er Jahre korrespondierendes, ab 2004 ordentliches Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben,[10] in deren Direktorium er im März 2005 für die Amtsperiode bis 2010 berufen wurde.[11] Nach der Umstrukturierung der Akademie im Zuge der Kurienreform wurde er von Papst Franziskus 2017 erneut zu ihrem ordentlichen Mitglied ernannt und gilt als Befürworter der vom Papst durchgesetzten Öffnung und Erneuerung des Gremiums.[12][13]

Buchautor und Medienpräsenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem hauptsächlich innerkirchlich beachteten Essay „Der blockierte Riese“[14] (1999) betätigt sich Manfred Lütz seit 2002 als Buchautor für ein breiteres Publikum und erlangte durch mehrere Bestseller größere Bekanntheit.[1][2][8][15] In seinen Büchern befasst er sich aus Sicht des Psychotherapeuten teils humorvoll und satirisch zugespitzt mit allgemeinen Themen des Lebensstils und der modernen Kultur, der Religion sowie mit den Verhältnissen in der katholischen Kirche und in der Psychiatrie. Auch als Dozent, Vortragsredner und Interviewpartner ist Manfred Lütz seit vielen Jahren aktiv und gefragt. Lütz tritt seit 2006 gelegentlich auch als Kabarettist auf.[16] Er hat als Gesprächspartner für psychiatrisch-psychotherapeutische Themen häufig an Fernsehsendungen mitgewirkt und nahm im Vorfeld der Konklave von 2005 und 2013 als Kirchenexperte an prominent besetzten Talkrunden teil.[17][18] Im März 2013 begleitete er als Kommentator für das ZDF und Phoenix die Direktübertragungen von der Papstwahl beim Konklave 2013 und die anschließenden Ereignisse der Amtseinführung des neuen Papstes in Rom.[19]

Manfred Lütz’ bekanntestes Buch ist „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“ (2009), dessen Taschenbuchausgabe 106 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.[20] Aus ihm entstand 2013 eine Fernsehsendung mit dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker.[21] Auch sein Buch „Bluff: Die Fälschung der Welt“ (2012) stand an der Spitze der Spiegel-Bestsellerliste.[15] Weitere häufig genannte Bücher sind „Lebenslust: Wider die Diät-Sadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult“ (2002) und „Gott: Eine kleine Geschichte des Größten“ (2007) und „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden. Eine Psychologie des Gelingens“ (2015). 2016 veröffentlichte er einen Gesprächsband mit dem Auschwitzüberlebenden Jehuda Bacon.

Kirchliche Bewegungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lütz engagiert sich bis heute vielfältig für das Fortkommen verschiedener Neuer geistlicher Bewegungen, die in Rom während des Pontifikats von Johannes Paul II. einflussreich wurden und für deren Koordination der emeritierte deutsche Kurienkardinal Cordes im Vatikan über lange Jahre zuständig war.[22] Für das 2017 erschienene Buch über „den Wert des menschlichen Lebens“ (Bruder Tod. In Würde leben und in Würde sterben) von Kurienerzbischof Vincenzo Paglia, der zu den Mitgründern der geistlichen Gemeinschaft Sant’Egidio gehört und das Buch aus Anlass des Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft in Deutschland vorstellte, schrieb Manfred Lütz das Vorwort.[23]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung / Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche und Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ratgeber / Lebensweisheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesprächsbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Jehuda Bacon: „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden.“ Leben nach Auschwitz. Manfred Lütz im Gespräch mit dem jüdischen Künstler und Holocaust-Überlebenden Jehuda Bacon. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, ISBN 978-3-579-07089-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz im Gespräch mit Joachim Scholl. In: DLF (Sendung „Zwischentöne“), 18. Oktober 2015, abgerufen am 6. November 2017.
  2. a b c d e Autorenprofil Manfred Lütz, Verlagsgruppe Random House, abgerufen am 6. November 2017.
  3. Alexianer-Therapie-Forum (Ordenshomepage), Abruf im November 2017.
  4. a b Willkommen bei Brücke-Krücke! Homepage der Initiative, Abruf am 6. November 2017.
  5. Lilo Göttermann (Hrsg.): Querdenken 2014. Das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Knaur, München 2013, darin: Manfred Lütz (Autorenprofil der Herausgeber).
  6. Rinunce e nomine, 04.09.2003 (Presseamt des Heiligen Stuhls), Abruf im November 2017.
  7. Amtsblatt des Erzbistums Köln, 146. Jahrgang, Stück 11, 1. Oktober 2006, S. 200.
  8. a b Manfred Lütz: Einfühlsam und schlicht überzeugend. In: Die Welt, 28. Februar 2013, Abruf im November 2017.
  9. Dr. Manfred Lütz (Youcat-Berater und Mitglied im päpstlichen Rat für die Laien) erklärt Sinn und Zweck des neuen Jugendkatechismus. In: Domradio, 24. März 2011, Abruf im November 2017.
  10. Rinunce e nomine, 04.08.2004 (Presseamt des Heiligen Stuhls), Abruf im November 2017.
  11. Il Papa e la Santa Sede, 23. März 2005 (Radio Vatikan), Abruf im November 2017.
  12. Nomina di Membri Ordinari della Pontificia Accademia per la Vita, 13.06.2017 (Presseamt des Heiligen Stuhls), Abruf im November 2017.
  13. Papst beruft Deutschen in Akademie für das Leben. In: Katholisch.de, Abruf im November 2017.
  14. Klaus Berger (Theologe): Seele, dein Heiland ist frei von den Banden. In: FAZ, 28. Oktober 1999, abgerufen am 7. November 2017 (Rezension).
  15. a b c Hoffnungsträgerpreis 2012 für Dr. Manfred Lütz. In: Rems-Zeitung, 16. Januar 2013, abgerufen am 6. November 2017.
  16. a b Henryk M. Broder: Arzt, Autor und ein rheinischer Voltaire. In: Die Welt, 22. Januar 2011, Abruf am 6. November 2017.
  17. ZDF-Doku von Jürgen Erbacher: Entfremdet? Papst Benedikt XVI. und die Deutschen. Gesendet am 11. Februar 2013, Abruf in der Programmdatenbank im November 2017 (bis 15. April 2018 online).
  18. Wojtylas Erbe. Welchen Papst braucht die Kirche? ZDF, 18. April 2005, Moderation: Michaela Pilters, Gäste u. a.: Hermann Schalück, Michael Matheus (Quelle: ZDF-Jahrbuch 2005);
    ZDF-Talkshow Maybrit Illner, 14. Februar 2013, u. a. mit Klaus Mertes (Quelle: Die katholische Kirche in deutschen Talkshows, Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK) auf www.muenster.de);
    Quellen abgerufen im November 2017.
  19. PHOENIX-Liveprogramm. In: Gateo (Online-Programmzeitschrift), 27. März 2013 (Rückblick), gesehen im November 2017.
  20. www.buchreport.de zu ISBN 9783442156795. Abgerufen am 20. November 2017.
  21. Pressemitteilung des Alexianerordens vom 18. September 2013, abgerufen am 6. November 2017.
  22. Hanspeter Oschwald: Im Namen des Heiligen Vaters. Heyne, München 2010, S. 113–116 u. ö.
  23. Manfred Lütz: Sterbende brauchen unsere Nähe. In: Kirche heute, November 2017.
  24. "Corine"-Preis für "Gott"-Autor Manfred Lütz. In: pro Christliches Medienmagazin, 30. Oktober 2008, abgerufen am 6. November 2017.
  25. Päpstliche Auszeichnung für Theologen und Psychiater Lütz. In: Kathpress, 13. Oktober 2010, gesehen am 6. November 2017.