Manfred Maurenbrecher

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Manfred Maurenbrecher während eines Band-Konzertes in Berlin, 2008

Manfred Maurenbrecher (* 2. Mai 1950 in Berlin) ist ein deutscher Liedermacher und Autor. Er ist ein Urenkel des Historikers Wilhelm Maurenbrecher und ein Enkel des Schauspielers Otto Maurenbrecher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Jugend spielten Klavierunterricht, eine Vorliebe für Gedichte, Leonard Cohen, Bob Dylan und Franz-Josef Degenhardt eine Rolle.[1] Sein Germanistikstudium an der FU Berlin finanzierte er wesentlich selbst, unter anderem als Bus-Reiseleiter. 1979/1980 zog er sich fünf Monate zu einem Studienaufenthalt auf die Insel Kreta zurück, um seine Doktorarbeit zu schreiben. Diese trägt den Titel Subjekt und Körper. Eine Studie zur Kulturkritik im Aufbau der Werke Hans Henny Jahnns, dargestellt an frühen Texten.[2] Nach der Promotion wurde er Mitgründer der Musikgruppe Trotz & Träume. Sein damaliges Hobby, Lieder zu komponieren und zu texten, wurde zu seinem Beruf, insbesondere nachdem Herwig Mitteregger 1982 von seinem Auftritt begeistert war und Zusammenarbeit für ein professionelles, abendfüllendes Soloprogramm und eine Plattenaufnahme anbot.[1] Ein Höhepunkt jener Jahre war Maurenbrechers Auftritt im Rahmen der WDR-Fernsehreihe Rockpalast in der Markthalle Hamburg am 25. Februar 1985.[3] Als zwischendurch mal die Zuhörerzahlen schwanden, eroberte er sich ein neues, jüngeres Publikum in der Berliner Lesebühnen-Szene.

Maurenbrecher ist seit 1989 verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Berlin wie auch in einem Dorf nahe der Oder.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maurenbrecher veröffentlichte mehr als zwanzig LPs bzw. CDs unter eigenem Namen, drei CDs als Teil von Mittwochsfazit und eine LP mit der Gruppe Trotz & Träume.

Maurenbrecher schrieb Liedtexte unter anderem für Spliff, Herman van Veen, Renan Demirkan, Veronika Fischer, Ulla Meinecke („Hafencafé“)[4] und Katja Ebstein.

Rundfunkfeatures produzierte er unter anderem für RIAS Berlin, NDR, WDR und DLF. Die Sendung „Unterhaltung am Wochenende“ des WDR5 wurde jahrelang unter anderem von Maurenbrecher moderiert.

Ab 1995 verfasste er Drehbücher zu Folgen der Serie Cobra 11 (RTL). Von 1997 bis 2002 arbeitete Maurenbrecher als regelmäßiger Autor für die Ohrenweide (WDR 5). 2000 schrieb er die Rheinfels-Saga und Die Burg der 1000 Jahre – Dramen-Skripte zu zwei Theaterstücken für den Kultursommer Rheinland-Pfalz (Gesamtleitung Richard Wester). Zwei Romane und etliche Kurzgeschichten hat er ebenfalls veröffentlicht.

Seit 2003 ist Manfred Maurenbrecher Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Anlässlich seines 60. Geburtstages erschien eine Tribute-3-CD-Box Maurenbrecher für alle – eine Hommage in 62 Liedern, auf der namhafte Musiker-Weggefährten und -Kollegen jeweils einen Song aus seiner Feder interpretieren.[5]

Politik und gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2009 rief Maurenbrecher öffentlich zur Wahl der Partei Die Linke auf. Am 26. Februar 2011 unterstützte er durch einen Gastauftritt in Erfurt die „Tour der 1000 Brücken“ von Heinz Ratz, mit der auf die Situation von Flüchtlingen in Deutschland aufmerksam gemacht werden soll.

Zitate über Maurenbrecher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Er ist die Bluttransfusion, die das deutschsprachige Chanson braucht, eine Unbekannte zwar noch, aber bereits eine unbekannte Größe.“

– Stuttgarter Zeitung, 1981

„Die wohl einzig wirklich große Entdeckung der gehobenen deutschen Unterhaltungsmusik, Abteilung Liedermacher.“

– Die Zeit, 1983

„Manfred ist einer der besten Texter in diesem unserem Lande. Wunderbare Bilder. Gut, Maurenbrecher hat keine Breitenwirkung, aber Scheisse ist noch lange nicht lecker, nur weil Millionen Fliegen sie fressen.“

Wolfgang Niedecken: 1988

„So gar nichts Besserwisserisches, Hochgezüchtetes oder Raffiniertes haftet diesem schrulligen Mann an, wenn er schwitzend ins Klavier faßt, als müsse er die Töne von den Tasten reißen. Dabei sind seine Songs literarisch, sie stecken voller Kraft und Ausdruck, nähern sich dem Hörer vorsichtig, um dann, einmal angekommen, um so nachhaltiger zu treffen. Wie kein anderer hierzulande schafft Manfred Maurenbrecher Platz zwischen den Zeilen.“

Thommie Bayer: Nürnberger Nachrichten, 1989

„Geheimtip auf Lebenszeit: Das ist wohl das Schicksal des heute zweiundvierzigjährigen Literaten, Sängers und Pianisten Manfred Maurenbrecher. Wäre er Amerikaner und gäbe es auf der Welt überhaupt so etwas wie Gerechtigkeit, ganze Fußballarenen müßten ihm zujubeln.“

– Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1992

„Manfred Maurenbrecher ist keine Randerscheinung des deutschen Showbusiness, sondern ein Exzentriker ohne Allüren, ein liebevoller Priester der Gegenkultur, dem die Kunst und das Sein wichtiger sind als die Vermarktung.“

Märkische Allgemeine: 2008

„Der vermutlich beste deutsche Songwriter braucht keine Hits. Er ist wie ein Fels in der Brandung der hektischen Postmoderne, seine intelligenten Texte funkeln von Sprachwitz und Ironie.“

Der Tagesspiegel: 2009

Wichtige Tourneen und Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Randy-Newman-Projekt (2006)

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982: LP MaurenBrecher (CBS)
  • 1983: LP Feueralarm (CBS)
  • 1985: LP/CD Viel zu schön (CBS)
  • 1986: LP Schneller leben (CBS)
  • 1989: LP/CD Nichts wird sein wie vorher (CBS)
  • 1991: CD Das Duo live (mit Richard Wester, Monopol)
  • 1996: CD Kakerlaken (Bellaphon)
  • 1997: CD Pflichtgefühl gegen Unbekannt (CD-Sampler mit 18 Liedern von 19831991)
  • 1997: CD LieblingsSpiele (Bellaphon)
  • 1999: CD Weisse Glut (mit PULS, Richard Wester, Horst Evers und Bov Bjerg. Conträr-Musik / Indigo)
  • 2001: CD Mittwochsfazit (Live-Mitschnitt mit Horst Evers und Bov Bjerg, Silberblick-Musik)
  • 2001: CD Hey Du – Nö! (Studioaufnahme mit Richard Wester, Conträr-Musik/Indigo)
  • 2002: CD Gegengift (pur am Flügel, Lamu-Musik)
  • 2002: CD Mittwochsfazit II (Live-Mitschnitt mit Horst Evers und Bov Bjerg, Silberblick-Musik)
  • 2004: CD Ende der Nacht (Lamu-Musik)
  • 2005: CD Mittwochsfazit – Geile Teile – Bäckereifachverkäuferinnen packen aus (Live-Mitschnitte und Studioaufnahmen mit Horst Evers und Bov Bjerg und andere, Silberblick-Musik)
  • 2006: CD Die Lichtenberger Texte – Überholen ohne einzuholen (Silberblick-Musik)
  • 2007: CD Glück (Reptiphon)
  • 2009: CD Hoffnung für alle (Doppel-CD) (Reptiphon)
  • 2011: CD wallbreaker (solo live) (Doppel-CD) (Reptiphon)
  • 2013: CD No Go (Reptiphon)
  • 2014: CD Klagen ist für Toren .... eine Winterreise (mit Marco Ponce Kärgel) (Reptiphon)
  • 2015: CD Rotes Tuch (Reptiphon)

Texte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989: Fast so was wie Liebe (Roman, rororo)
  • 1990: Tür zu. Stimmen! (Textsammlung, A-verbal-Verlag)
  • 2000: Ballade vom kleinen Doppelleben (Textsammlung, Nora-Verlag)
  • 2008: Ich bin nicht da (Roman, Verlag: House of the Poets)
  • 2013: Das Lügenlied vom Glück. Erinnerungen. (zusammen mit Veronika Fischer) Heyne, München 2013, ISBN 978-3-453-20026-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manfred Maurenbrecher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b http://www.folker.de/200304/03maurenbrecher.htm
  2. Manfred Maurenbrecher: Subjekt und Körper: Eine Studie zur Kulturkritik im Aufbau der Werke Hans Henny Jahnns. Lang, Bern/Frankfurt am Main/New York 1983, ISBN 3-261-03298-7.
  3. http://www.rockpalastarchiv.de/concert/maurenbrecher.html
  4. Songtext Hafencafé mit Autoren-Angabe
  5. Maurenbrecher für alle – eine Hommage in 62 Liedern