Manfred Wilke

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Manfred Wilke (* 2. August 1941 in Kassel) ist ein deutscher Soziologe, DDR-Forscher und Zeithistoriker. Er war bis August 2006 Professor für Soziologie an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW). 1992 war er Mitbegründer des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin dessen Leiter er bis 2006, zusammen mit Klaus Schroeder war. Seit 2005 ist er Mitglied des Vorstandes der Berliner CDU. Er ist heutzutage Projektleiter beim Institut für Zeitgeschichte München.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Wilke kam nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an die Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg (HWP), einer Einrichtung des Zweiten Bildungsweges. Von 1967 bis 1970 absolvierte er ein Studium der Soziologie mit dem Abschluss Diplom-Sozialwirt. An der Hamburger Universität setzte er danach sein Studium fort, Schwerpunkte waren Pädagogik, Politische Wissenschaft und Soziologie. Parallel zur wissenschaftlichen Arbeit intensivierten sich seine Kontakte zum Deutschen Gewerkschaftsbund. Im Jahre 1976 promovierte er – gemeinsam mit seinem Kommilitonen und späteren Kollegen Reinhard Crusius – an der Universität Bremen zum Thema „Gewerkschaftliche Berufs- und Jugendpolitik“.

Von 1976 bis 1980 war Wilke wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin, danach von 1980 bis 1981 Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen. Nach seinem Ausscheiden als hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär kehrte er nach Berlin zurück, wo er sich 1981 an der Freien Universität (FU) Berlin als politischer Soziologe mit der Arbeit „Gewerkschaften und Beruf“ bei Theo Pirker habilitierte.

Im Zuge seiner wissenschaftlichen Arbeit und durch persönliche Kontakte zu mittelosteuropäischen Oppositionellen, wie z. B. Jiří Pelikán, Jan Pauer, Robert Havemann, Wolf Biermann und Jürgen Fuchs aus der DDR, verstärkte sich sein politisches Engagement für Dissidenten in der DDR, in der Tschechoslowakei und in Polen. Vor dem Hintergrund der Biermann-Ausbürgerung 1976 und der Verhaftung des DDR-Schriftstellers Jürgen Fuchs gründete Wilke gemeinsam mit Hannes Schwenger, Otto Schily u. a. das Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus, das sich für die Verhafteten und deren Freilassung einsetzte. Später regte er das friedenspolitische Engagement an, was 1982 zum „Berliner Appell“ von Havemann und Rainer Eppelmann führte.

Mit der Unterstützung Pirkers erhielt Wilke vom Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen 1984 ein DDR-Forschungsprojekt zur Westarbeit der SED. Die Geschichte des Kommunismus wurde dann der zweite Themenschwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit.

1985 wurde Manfred Wilke Professor für Soziologie an der FHW Berlin, wo er in den folgenden Jahren weitere Studien zu gewerkschaftlichen Themen sowie über die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) veröffentlichte. Die Auseinandersetzung um die Hinterlassenschaften der SED-Diktatur führten Wilke, gemeinsam mit den Wissenschaftlern Manfred Görtemaker, Siegward Lönnendonker, Bernd Rabehl und Klaus Schroeder, zu der Initiierung eines Forschungsverbundes SED-Staat. Die Freie Universität Berlin bot dazu ihre Unterstützung an. Im März 1992 wurde der Verbund offiziell gegründet. Der Name „SED-Staat“ verdeutlicht, dass es dem Verbund schwerpunktmäßig auf die Erforschung der politischen Herrschaftsordnung der DDR, der Partei und der kommunistischen Diktatur ankomme. Als einer der beiden Leiter des Forschungsverbundes hat Wilke seit 2000 die Forschungsreihe „Diktatur und Widerstand“ in bisher 15 Bänden (Stand 2013) herausgegeben.

Seinen politischen Weg begann Manfred Wilke Anfang der 1960er unter dem Einfluss von Mitgliedern der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die zugleich Gewerkschafter waren. Noch 1960 trat er selbst in die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen ein. 1961 wurde er Mitglied der SPD, später im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). An der Hamburger Akademie für Wirtschaft und Politik war er SDS-Vorsitzender. Politisch näherte er sich den Trotzkisten an. In den 1970er Jahren engagierte er sich sowohl für Oppositionelle und Dissidenten in Osteuropa als auch gegen die Versuche der DKP, Einfluss auf die DGB-Gewerkschaften zu gewinnen. In den 1980er Jahren näherte er sich, obwohl noch SPD-Mitglied, immer mehr der CDU an. Seine hochschulintern umstrittene Berufung als Professor für Wirtschaftssoziologie an die Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin im Jahr 1985 erfolgte bereits mit massiver Unterstützung durch die CDU. 1994 verließ er die SPD, 1998 wurde er Mitglied der CDU. Seit 2005 ist er Mitglied des Vorstandes der Berliner CDU.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit hatte und hat Manfred Wilke auch wissenschaftspolitische Funktionen inne:

  • Von 1992 bis 1994 sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission des 12. Deutschen Bundestages „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“
  • Sachverständiges Mitglied der Nachfolge-Kommission des 13. Deutschen Bundestages „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“
  • Mitglied im Beirat der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, BStU
  • Beiratsmitglied der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bis 2016
  • Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Stiftung Aufarbeitung)
  • Kuratoriumsmitglied der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO).

Beratung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Produktion des Kinofilms „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck wirkte er als wissenschaftlicher Berater.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte und Politik der Gewerkschaften in der Bundesrepublik und der DDR
  • Geschichte des Kommunismus
  • Opposition und Widerstand im „realen Sozialismus
  • Geschichte der SED-Herrschaft

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. website Manfred Wilke
  2. Rotary-Club: Manfred Wilke