Mangelernährung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
E40 Kwashiorkor
E41 Alimentärer Marasmus
E42 Kwashiorkor-Marasmus
E43 Nicht näher bezeichnete erhebliche Energie- und Eiweißmangelernährung
E44 Energie- und Eiweißmangelernährung mäßigen (E44.0) und leichten (E44.1) Grades
E45 Entwicklungsverzögerung durch Energie- und Eiweißmangelernährung
E46 Nicht näher bezeichnete Energie- und Eiweißmangelernährung
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Mangelernährung ist die Bezeichnung für eine ungenügende oder falsch zusammengestellte Ernährung, die im Gegensatz zur Diät nicht ärztlich verordnet (indiziert) ist.

Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Mangelernährung unterscheidet man grundsätzlich quantitative Form (Unterernährung) und eine qualitative Form (Fehlernährung), aber es gibt auch Mischformen, aufgrund von Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder konsumierenden Erkrankungen, die die Ernährung erschweren.

Quantitative Mangelernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterernährung

Die Unterernährung (quantitative Mangelernährung) ist vor allem in den Entwicklungsländern weit verbreitet. Der Energiebedarf der Menschen wird durch die Nahrung nicht gedeckt. Unterernährung kann, besonders im Kindesalter, zum Zurückbleiben in der körperlichen und geistigen Entwicklung (Retardierung), zu schweren Krankheiten (Dystrophie) und im Extremfall zum Tod führen. Damit einhergehend leiden Betroffene meist unter Eiweiß-, Fett-, Vitamin- und Mineralstoffmangel.

Daneben kommt in den Industrieländern häufig Unterernährung durch Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Orthorexie) vor. Auch ältere, allein lebende Menschen und Patienten in Alten- und Pflegeheimen sowie Obdachlose sind gefährdet.

Qualitative Mangelernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fehlernährung

Die qualitative Mangelernährung (auch Fehlernährung) bedeutet eine Unterversorgung mit Vitaminen- und Mineralstoffen. Bei Kindern erfolgt eine verzögerte körperliche und geistige Entwicklung, die irreparabel sein kann. Häufig essen Fehlernährte zu wenig Obst und Gemüse (enthält Vitamine), Milchprodukte (enthalten Calcium), Seefisch (enthält Jod) und Vollkornbrot, Hülsenfrüchte und Kartoffeln (enthalten Ballaststoffe). Besonders bequeme Menschen oder solche unter Zeitdruck neigen zu Fehlernährung mit Dosen- oder Fertiggerichten und verzichten hiermit auf ausgewogene Ernährung, wenn sie fehlende Nahrungsbestandteile nicht anderweitig ausgleichen. Fehlernährung kann zu häufigen Infekten (Schnupfen, Erkältungen usw.), zu Verstopfung, zu Jodmangel und Knochenentkalkung (Osteoporose) führen. Fehlernährung kommt außer in Entwicklungsländern auch häufig in Alten- und Pflegeheimen sowie bei allein lebenden Menschen (Singles), bei Obdachlosen und sonstiger sozialer Armut vor.

Dehydratation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls zur Fehlernährung gehört die Dehydratation, also der unzureichende Flüssigkeitsausgleich bei krankheitsbedingtem oder durch Körperausdünstungen (z. B. beim Schwitzen) zustande gekommenen Flüssigkeitsverlust. Eine Dehydratation kann zum Schlaganfall oder zu Blutarmut und damit zum Tode führen, darum ist es wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern.

Interventionsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intervention bei Mangelernährung durch fehlende Nahrung erfolgt in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten durch Hilfsprogramme wie das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen [1]

Intervention bei Fehlernährung kann durch Schulung und Aufklärung der Betroffenen und im Falle von Heimen und Pflegeeinrichtungen des Pflegepersonals / der Heimleitung über das Missverhältnis zwischen Nährstoffzufuhr und Nährstoffbedarf entgegengewirkt werden.[2]

Kriterien

Als Faustformel gelten der Body-Mass-Index und die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM): Bei der Flüssigkeitszufuhr kann man sich nach folgenden Leitlinien richten: Der tägliche Normalbedarf eines Menschen beträgt 25 ml/kg. In südlichen Ländern bzw. bei Leistungssportlern sind jeweils 5 ml/kg zusätzlich zu veranschlagen.[2]

Neben einer besseren Ernährung mit ausreichend Zufuhr von Energie (Brennwert), Vitaminen und Mineralstoffen (Mengen- und Spurenelemente) zeigte eine Studie an Kindern in Malawi, dass eine zusätzliche antibiotische Therapie die Gewichtszunahme verbessert und die Mortalität senkt.[1] .[3]

Risikogruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Risikogruppen zählen vor allem Arme, alte Menschen und Kinder.

Arme

Armut erhöht das Risiko von Mangelernährung.[4]

Alte

Mangelernährung kann bei alten Menschen auf verschiedene Ursachen zurückgehen. Zum einen lassen im Alter der Geschmacks- und der Geruchssinn nach, so dass die Betroffenen oft weniger Appetit verspüren. Darüber hinaus senken wenig Bewegung, wenig frische Luft und ein abnehmendes Durstempfinden das Hungergefühl. Vor allem aber können auch Erkrankungen und Medikamente den Appetit maßgeblich beeinträchtigen.[5] Die Betroffenen geraten so leicht in einen Teufelskreis: aufgrund von Erkrankungen essen sie weniger, wodurch dem Körper Nährstoffe fehlen. Dadurch wiederum steigt dann die Anfälligkeit für Krankheiten.[6]

Kinder

Bei Kindern stellt sich eine Mangelernährung schnell ein, weil sie über sehr kleine Protein- und Energievorräte verfügen. Ein Kind mit 10kg Körpergewicht verbraucht beispielsweise ein Drittel seiner Proteinvorräte in fünf Tagen. Bei einem Erwachsenen ist der gleiche Anteil hingegen erst nach 21 Tagen aufgebraucht.[7] Im Falle einer Erkrankung, während der die Nährstoffzufuhr reduziert oder unterbrochen wird, kann der Ausfall an Nährstoffen also nur bedingt und über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum mit den Körperreserven kompensiert werden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Magdalena Schreier, Sabine Bartholomeyczik: Mangelernährung bei alten und pflegebedürftigen Menschen: Ursachen und Prävention aus pflegerischer Perspektive. 1. Auflage. Schlütersche, Hannover 2004, ISBN 3-89993-110-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Hässler, Christian von Heusinger Königshausen u. Neumann (Hrsg.): Kultur gegen Krieg, Wissenschaft für den Frieden, ISBN 3-88479-401-9. darin H. Ziegert, Hamburg, „Entwicklungs-Hilfe" — Motive, Programme und Realität S.115 f.
  2. a b Fachportal für Pflegeberufe Flüssigkeitsbedarf berechnen. Abgerufen am 27. Juni 2016.
  3. I. Trehan, H. S. Goldbach, L. N. LaGrone, G. J. Meuli, R. J. Wang, K. M. Maleta, M. J. Manary: Antibiotics as Part of the Management of Severe Acute Malnutrition. In: N Engl J Med. 2013; 368, S. 425–435;
  4. Die Gießener Ernährungsstudie über das Ernährungsverhalten von Armutshaushalten (GESA) –qualitative Fallstudien S. 118 f.. Abgerufen am 27. Juni 2016.
  5. Maria Magdalena Schreier, Sabine Bartholomeyczik: Mangelernährung bei alten und pflegebedürftigen Menschen. Ursachen und Prävention aus pflegerischer Perspektive. Hannover 2004, S. 32-49.
  6. Umfassende und wirksame Bekämpfung der Fehlernährung in Deutschland. Abgerufen am 27. Juni 2016.
  7. Ist mein Kind unterversorgt? Nutrini.de, Abgerufen am 16. Dezember 2015
  8. Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – RKI. Abgerufen am 27. Juni 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Mangelernährung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!