Manheim

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Manheim
Stadt Kerpen
Wappen Manheim
Koordinaten: 50° 52′ 55″ N, 6° 35′ 59″ O
Höhe: ca. 90 m
Fläche: 11,74 km²
Einwohner: 348 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50170
Vorwahl: 02275
Karte
Lage von Manheim und Manheim-neu im Rheinischen Braunkohlerevier

Manheim ist ein Stadtteil von Kerpen im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Manheim liegt in der Abbauzone des Tagebaus Hambach und muss diesem nach den Plänen von RWE bis zum Jahr 2022 weichen. Als Ersatz entsteht gegenwärtig der Umsiedlungsort Manheim-neu[2][3] westlich von Kerpen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manheim liegt in der Jülich-Zülpicher Börde zwischen der Steinheide und dem Bürgewald. Nachbarorte sind südlich Buir und Blatzheim, und westlich Morschenich. Die Siedlung Tanneck (Gemeinde Elsdorf) befand sich im Norden des Ortes, sie wurde mittlerweile abgebaggert. Zu Manheim gehören das Haus Forst, welches nicht abgebaggert wird, sowie Haus Bochheim und die Waldhöfe. Bis zur Verlegung der Bundesautobahn 4 verlief diese zwischen Haus Bochheim und Manheim, seit der Verlegung verläuft sie südlich der Ortslage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manheim wurde das erste Mal urkundlich im Jahre 898 erwähnt. Dabei handelt es sich um eine Schenkungsurkunde, mit der König Zwentibold dem Stift Essen Besitz unter anderem im Ort Manheim (damals Mannunhem) überträgt.

1027 ging die Grundherrschaft an das Erzbistum Köln über.

Ab 1954 bildeten die Gemeinden Buir und Manheim einen gemeinsamen Amtsbezirk.

Bis 1974 war Manheim eine eigenständige Gemeinde, bevor der Ort dann durch das Köln-Gesetz mit Wirkung vom 1. Januar 1975 der neuen Stadt Kerpen zugeordnet wurde.[4]

Beteiligung am Bürgewald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manheim gehörte zu den am Bürgewald beteiligten Orten, die Rechte am Wald besaßen. Der Legende nach schenkte der hl. Arnold von Arnoldsweiler den umliegenden Gemeinden den Wald, der vorher unter Kaiserlischem Wildbann stand. Als Dank mussten die Gemeinden jährlich am Pfingstdienstag den Wachszins an die Pfarrkirche von Arnoldsweiler abliefern. Eine Urkunde vom 18. März 1360, die Herzog Wilhelm I. von Jülich unterschrieb, bestätigte den Wachszins. Manheim wird hierin nicht explizit erwähnt, jedoch alle umliegenden Dörfer. In der Urkunde steht, dass dat kerspel von Blaitzheim mit seinem Zubehoer eine Kerze von 12 Pfund Wachs abliefern musste. Manheim gehörte damals zur Pfarre Blatzheim, mit Zubehoer wird also auch Manheim gemeint sein. Dafür spricht auch, dass Manheim im Jahr 1775, als der bislang gemeinschaftlich genutzte Bürgewald unter den Gemeinden aufgeteilt wurde, ebenfalls mit der Manheimer Bürge einen Teil des Waldes erhielt.[5]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Manheim von 1816 bis 2017

Die Einwohnerzahl von Manheim war zwischen 1974 und dem Beginn der Umsiedlung 2012 nur leicht rückgängig (−12 %). Wegen des näher rückenden Tagebaus Hambach ist die gegenwärtige Entwicklung durch die Umsiedlung von Manheim-alt nach Manheim-neu bzw. Wegzüge begründet.

Jahr 1816 1867 1910 1939 1956 1974 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Ew 0517 0821 0952 1198 1598 1761 1754 1741 1711 1693 1647 1659 1648 1600 1586
Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Ew 1576 1563 1454 1189 0862 0702 0588 0348

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Albanus und St. Leonhardus
Hochkreuz im Ortskern (1875)
Kapelle
Wohnhaus im Ortskern
Anwesen im Ortskern
Gasthof im Ortskern
Gedenkstein – Beginn der Umsiedlung

Manheim wird seit 2013 sukzessive umgesiedelt. Dazu wurde 2007 der Antrag auf Aufstellung des Braunkohlenplans Hambach, sachlicher Teilabschnitt Umsiedlung Manheim erstellt und beim Bergamt eingereicht. Die Genehmigung wurde am 8. Juni 2011 von der Landesregierung NRW erteilt. Ab etwa 2022 soll die Ortsfläche dann bergbaulich in Anspruch genommen werden.

Für die Umsiedlung hatten die Manheimer Einwohner drei mögliche Standorte für (Neu-)Manheim zur Wahl; Kerpen-West, Kerpen-Dickbusch und den Südwestteil Buirs. Bei einer Abstimmung am 16. Dezember 2007 entschieden sie sich bei einer Wahlbeteiligung von 71,75 % und nur einer ungültigen Stimme mit 81,05 % für Kerpen-Dickbusch, nordwestlich von Langenich. Der Bebauungsplan sieht überwiegend freistehende Einfamilienhäuser vor.[6]

In einer weiteren Befragung vom 11. Februar bis 16. März 2008 mussten die Manheimer Bürger angeben, wie groß der Bedarf an Grundstücken ist. Daraus wurde die Größe Manheims am neuen Standort in Kerpen-Dickbusch ermittelt. Am 18. März 2010 fand eine Informationsveranstaltung zur Grundstücksbefragung statt.[7]

In Manheim sollen im Laufe des Jahres 2016 mindestens 400 Flüchtlinge einziehen.[8]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manheim-alt liegt zwischen der ehemaligen A4 und der im September 2014 freigegebenen neuen A4 in direkter Nähe der ehemaligen Autobahnabfahrt Buir (8), westlich der Kreisstraße 53 (ehemalige B 477) und nördlich der Bahnlinie Köln-Aachen.

Manheim-neu liegt südlich der A4 in direkter Nähe zur Autobahnabfahrt Elsdorf, südöstlich der B 477 und südlich der Bahnlinie Köln-Aachen.

Der Ort verfügt über folgende öffentliche Einrichtungen:

Ortsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsgemeinschaft wurde durch die Aktivitäten einer ganzen Reihe von Vereinen und Vereinigungen geprägt und belebt.

Sportvereine

  • Turnverein TV Germania Manheim 1887 e. V. – Turnen, Schwimmen, Judo
  • Fußballverein Viktoria Manheim – Fußball
  • Kartclub Rennsportfreunde Wolfgang Graf Berghe von Trips e. V., Kart-Club Kerpen-Manheim

Karnevalsvereine Drei Karnevalsvereine beleben die rheinische Fünfte Jahreszeit und beteiligen sich am traditionellen Karnevalsdienstags-Umzug.

  • KG VereinigteVereine Manheim
  • KG Rote Husaren
  • Erftlandtanzcorps

Sonstige Vereine und Vereinigungen

  • St. Albanus & St. Leonhardus Schützenbruderschaft Manheim
  • Freiwillige Feuerwehr Kerpen, Löschgruppe Manheim
  • Tambour- und Fanfaren-Corps Blau-Weiß Manheim
  • Natur- und Gartenfreunde Manheim
  • Maigesellschaft Lustige Buben Manheim
  • Kinder Spiel- und Fördergruppe Manheimer Wibbelmäuse e. V.
  • x-treme Dance Company

Besondere Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1943 stürzte eine Short Stirling, die EF 427 'A Apple', am Ortsrand von Manheim ab. Nur ein Bordschütze überlebte den Absturz und landete am Fallschirm im Garten eines Einwohners.

Am 1. August 1995 fand im Gemeindehaus des Ortes die standesamtliche Trauung von Michael Schumacher und Corinna Betsch statt. Ursprünglich war die Trauung im Standesamt Kerpen geplant. Wegen des unerwünschten großen Medienrummels wurde sie kurzfristig nach Manheim verlegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Manheim leben bzw. lebten folgende bekannte Persönlichkeiten:

Für die in Hürth geborenen Michael Schumacher und Ralf Schumacher sowie andere ehemalige Formel-1-Rennfahrer war der in Manheim gelegene Erftlandring die „Hausstrecke“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://offenedaten.kdvz-frechen.de/dataset/d04-einwohner-nach-ortsteilen-kerpen
  2. Gestaltungsplan von Manheim-neu = Kerpen-Dickbusch, Maßstab 1:2000, Stand 14. Januar 2010 2,568 MB, abgerufen am 22. April 2011
  3. Stadt Kerpen Gutachterverfahren Umsiedlung Manheim, Stand September 2009 2,804 MB, abgerufen am 22. April 2011
  4. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  5. Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. In: Forum Jülicher Geschichte Heft 9, Jülich 1994, S. 18 f. und S. 73 f.
  6. Gestaltungsplan von Manheim-neu = Kerpen-Dickbusch, Maßstab 1:2000, Stand 14. Januar 2010 2,51 MB, abgerufen am 18. April 2010
  7. Seite der Stadt Kerpen zur Umsiedlung Manheims, abgerufen am 18. April 2010
  8. Niklas Maak: Wo Flüchtlinge wohnen. Neues Deutschland in FAZ vom 3. Februar 2016