Friedrichsfeld (Mannheim)

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Friedrichsfeld
Stadt Mannheim
Koordinaten: 49° 26′ 25″ N, 8° 34′ 20″ O
Fläche: 7,01 km²
Einwohner: 5394 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 769 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1930
Postleitzahl: 68229
Vorwahl: 0621
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Über dieses Bild
Lage von Friedrichsfeld in Mannheim
Die Vogesenstraße

Friedrichsfeld ist einer der 17 Stadtbezirke und ein Stadtteil von Mannheim, in dem rund 5.500 Menschen leben.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichsfeld bildet zusammen mit dem Ortsteil Neu-Edingen der Gemeinde Edingen-Neckarhausen eine geschlossene Siedlung. Die Stadtgrenze ist nur durch die Ortsschilder mitten im Ort zu finden. Weiterhin gehört auch die südlich gelegene Siedlung Alteichwald zum Stadtbezirk.

Friedrichsfeld liegt zwischen Mannheim-Seckenheim und Neckarhausen im Norden, Edingen und Heidelberg im Osten, Schwetzingen im Süden sowie Mannheim-Rheinau im Westen, direkt an der Autobahn A 656 und an zwei Eisenbahntrassen: die Nord-Süd-Verbindung an der Main-Neckar-Eisenbahn zwischen Ladenburg und Schwetzingen (Bahnhof Neu-Edingen/Friedrichsfeld) und die West-Ost-Verbindung an der Bahnstrecke Mannheim–Basel zwischen Mannheim und Heidelberg (Haltepunkt Mannheim-Friedrichsfeld Süd).

Im Westen Richtung Mannheim-Rheinau und südlich der Alteichwaldsiedlung Richtung Schwetzingen grenzt Friedrichsfeld an eine größere zusammenhängende Waldfläche (Unterer Dossenwald, Bundeswald Hirschacker und Grenzhöfer Wald), die Mannheim mit Frischluft versorgt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichsfeld 1900

Gegründet wurde Friedrichsfeld 1682 von Hugenotten, die aus religiösen Gründen aus Frankreich geflohen waren. Sie kamen, wie schon zuvor im 16. Jahrhundert die Flamen und Wallonen, in die Kurpfalz. Die ersten Siedler Friedrichsfelds stammten alle aus der Umgebung der Stadt Sedan. An die französische Geschichte des Ortes und generell die Geschichte der Vertreibung reformierter Menschen erinnern bis heute Straßen- und Platznamen im Ort – sowie die evangelische Kirche, die nach Johannes Calvin, dem Reformator im französischsprachigen Raum, benannt ist. Der Ortsname wurde nach Kurfürst Friedrich dem Siegreichen gewählt, der ungefähr auf der heutigen Gemarkung die Schlacht bei Seckenheim gewann.

Bekannt geworden ist Friedrichsfeld, das damals als „Neudorf“ verspottet wurde vor allem unter Eisenbahnern, als im Jahr 1838 die Main-Neckar-Eisenbahn geplant wurde, die Frankfurt am Main mit Mannheim und Heidelberg verbindet. In Friedrichsfeld wurde, um beide Städte gleich zu behandeln, der Anschlussbahnhof zwischen Main-Neckar-Eisenbahn und Badischer Hauptbahn (Bahnstrecke Mannheim–Basel) errichtet. Später teilte man in Friedrichsfeld nach dem Motto „Heidelberg vonne, Mannem hinne“ die Züge und fuhr weiter zu den Zielbahnhöfen. Die Mannheimer Fastnacht erinnert bis heute mit dem verdrehten Ausruf „Mannem vonne!“ daran.

Aufgrund der vergleichsweise späten Gründung des Ortes besaß Friedrichsfeld nur eine kleine Gemarkung, die aus Teilen Seckenheims und Edingens gebildet worden war. Die Zementfabrik von Julius Espenschied, die später in Steinzeugfabrik umbenannt war, führte zu einem Bewohneraufschwung. Allerdings lag sie auf Seckenheimer Gebiet, das so allein vom Steueraufkommen profitierte. Auch die grenzüberschreitenden Eisenbahnanlagen sorgten für Differenzen mit den Nachbarorten. 1898 versuchte Friedrichsfeld vergeblich, die Fläche der Steinzeugfabrik einzugemeinden. 1924 richteten die Friedrichsfelder eine Denkschrift an die badische Regierung und den Landtag, mit dem Ziel, Gemarkungsflächen von Seckenheim und Edingen zu erhalten. Zwei Jahre später entschied die Regierung, Friedrichsfeld an Mannheim anzugliedern. Daraufhin verhandelte Mannheim mit Seckenheim, um beide Orte gleichzeitig einzugemeinden und so das strittige Grenzproblem zu lösen. Nach der Zustimmung von Seckenheim und Friedrichsfeld wurden beide am 1. Oktober 1930 eingemeindet. Edingen hatte zur gleichen Zeit versucht, Anschluss an Mannheim zu finden. Die Stadt lehnte aber dessen Eingemeindung zu diesem Zeitpunkt ab, weil sie befürchtete, dass die Lasten für Kanalisation, Strom- und Wasserversorgung während der Wirtschaftskrise um 1930 zu groß seien - bis heute ist Edingen-Neckarhausen eine eigenständige Gemeinde.

Vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2007 war die zuvor eigenständige Kirchengemeinde Mannheim-Friedrichsfeld probeweise in die Evangelische Kirchengemeinde Mannheim eingegliedert. Mit dem 1. Januar 2008 ist sie nun endgültig ein Teil der neu geschaffenen „Evangelischen Kirche in Mannheim“.

Jahr 1727 1777 1818 1852 1875 1905 1930
Einwohner[2] 71 117 267 544 822 2483 4547

Politik, Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Hauptsatzung[3] der Stadt Mannheim hat der Stadtbezirk einen Bezirksbeirat, dem dort wohnende Bürger angehören, die der Gemeinderat entsprechend dem Abstimmungsergebnis der Gemeinderatswahl bestellt. Sie sind zu wichtigen Angelegenheiten, die den Stadtbezirk betreffen, zu hören und beraten die örtliche Verwaltung sowie Ausschüsse des Gemeinderats. Der jetzige Bezirksbeirat besteht seit 2014 und wird zur Gemeinderatswahl 2019 neu besetzt. Dienstältester Bezirksbeirat ist mit 16 Jahren Dienst (seit 1. Januar 2000) Reinhold Wolpert der CDU.

Partei 2014 2009 2004 1999 1994
CDU 3 5 6 6 5
SPD 4 5 5 6 6
GRÜNE 2 2 1 - 1
ML 1 - - - -

Als einer der elf äußeren Stadtbezirke besitzt Friedrichsfeld ein Gemeindesekretariat, dem örtliche Verwaltungsaufgaben obliegen.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische St.-Bonifatius-Kirche wurde zwischen 1897 und 1899 nach den Plänen Ludwig Maiers im neugotischen Stil erbaut. Im selben Stil schuf drei Jahre später Hermann Behaghel die evangelische Johannes-Calvin-Kirche.

In der ehemaligen Fahrleitungsmeisterei in der Sulzer Straße 43 unterhält die Historische Eisenbahn Mannheim e.V. einige Schienenfahrzeuge aus der Bundesbahnzeit. Neben dem Einzelstück E244 31 aus dem Jahr 1935 ist auch eine Lok der Baureihe 218 zu besichtigen. Weitere Rangier- und Kleinlokomotiven und einige Wagen werden aufgearbeitet und gepflegt. Auch eine große Modelleisenbahn in der Spurweite H0 ist im Vereinsheim zu sehen. Für etwa 5 Jahre war dort auch die Dampflok 18 316 beheimatet, welche sich nun allerdings auf der Rückseite des Technoseums (ehemals „Landesmuseums für Technik und Arbeit“) in Mannheim befindet.

Friedrichsfeld liegt an der Bertha Benz Memorial Route.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Mannheim-Friedrichsfeld Süd

Im Norden von Friedrichsfeld verläuft die Bundesautobahn 656 (Mannheim–Heidelberg). An der Main-Neckar-Eisenbahn aus Richtung Frankfurt am Main befindet sich der TrennungsbahnhofNeu-Edingen/Friedrichsfeld“, welcher von Zügen aus Mannheim in Richtung Bensheim und aus Richtung Heidelberg von Zügen mit Ziel Frankfurt am Main angefahren wird. Der Bahnhof ist zudem Startpunkt der Regionalzüge über Mannheim nach Mainz.

An der Bahnstrecke Mannheim–Basel, die in diesem Bereich in Ost-West-Richtung verläuft, liegt der Haltepunkt „Mannheim-Friedrichsfeld Süd“, an dem die S-Bahn RheinNeckar mit den Linien S 1 bis S 4 der DB Regio verkehrt.

Die Buslinien 43 und 46 der Rhein-Neckar-Verkehr verkehren ab Seckenheim nach Friedrichsfeld. Werktags fahren zwei Fahrten der Linie 43 die Alteichwaldsiedlung an, ansonsten besteht Ruftaxibetrieb ab der Haltestelle Vogesenstraße. Friedrichsfeld gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar. Der Laufweg der Buslinien sieht wie folgt aus:

  • Die Linie 43 fährt ab der Haltestelle Vogesenstraße über Suebenheim zurück nach Seckenheim.
  • Die Linie 46 kommt aus Seckenheim und endet dort auch wieder, fährt allerdings nur stündlich und über Neckarhausen.
  • Im Spätverkehr wird eine kombinierte Linie 43/46 bedient: von Seckenheim über Suebenheim, Friedrichsfeld, Neckarhausen nach Seckenheim.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichsfeldschule

Die Friedrichsfeldschule ist eine Grundschule. Für die Grundschulkinder betreibt die Stadt Mannheim einen Hort mit Kernzeitbetreuung. Die Schule hat einen großen Schulgarten, welcher von der Aktion „72-Stunden - ohne Kompromiss“ wieder hergerichtet wurde. Außerdem betreibt die Stadtbibliothek Mannheim eine Zweigstelle im Gebäude des Bürgerdienstes.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Friedrichsfeld geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Ratzel (1915–1996), Politiker (SPD), Oberbürgermeister (1972–1980) von Mannheim
  • Wolfgang Raufelder (1957–2016), Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), Landtagsabgeordneter

In Friedrichsfeld gewirkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 3: Die Stadt Mannheim und die Gemeinden des Landkreises Mannheim. Karlsruhe 1970
  • Karolina Lauinger, Robert Zink, Karl Haller (Red.): 100 Jahre Kirche St. Bonifatius Mannheim-Friedrichsfeld. Mannheim 1997
  • Hansjörg Probst: Friedrichsfeld. In: Mannheim vor der Stadtgründung, Teil II Band 2: Die Mannheimer Vororte und Stadtteile. Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2022-7
  • Rudolf Kreutzer: Ortsfamilienbuch Friedrichsfeld, Baden, 1741 - 1900, heute Mannheim-Friedrichsfeld. Mannheim: Heimatverein Friedrichsfeld 1998 (= Badische Ortssippenbücher 82)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mannheim-Friedrichsfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Mannheim: Einwohnerbestand 2015 in kleinräumiger Gliederung. Statistische Daten Mannheim № 1/2016. 30. März 2016, S. 5 ff., abgerufen am 6. April 2016 (PDF 679 KB).
  2. Kreisbeschreibung Bd. 3 S. 132.
  3. a b Hauptsatzung der Stadt Mannheim. VII. Stadtbezirke und Bezirksbeiräte, § 22. Stadt Mannheim, 28. April 2009, S. 11, abgerufen am 14. März 2015 (PDF 113 KB).