Manschette (Oberbekleidung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Manschette (französisch: manchette = Ärmelchen; abgeleitet von lateinisch: manus = Hand)[1] bezeichnet den untersten Abschluss des Ärmels, der normalerweise an der Hand und um das Handgelenk liegt, besonders an Hemd oder Bluse. Es gab und gibt verschiedene Formen der Manschette.

Die Manschette war und ist häufig eine Art Gegenstück zum Kragen. Sie ergänzen sich oft in Stil und Form oder stehen in einem gewissen Verhältnis zueinander.[1]

Frans Pourbus d. J.: Porträt des Poeten Giovanni Battista Marino, ca. 1619

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manschetten, die sich vom eigentlichen Ärmel abheben, gibt es seit der Renaissance, bzw. seit dem 16. Jahrhundert.[2] Das Wort selber wurde Ende des 17. Jahrhunderts aus der französischen Sprache ins Deutsche übernommen, und bezeichnete damals die Spitzenrüschen des Hemdes, die aus dem Ärmel des Justaucorps (barocker Gehrock für Männer) über die Hand fielen.[1] In Deutschland nannte man sie auch „Handkrause“ oder „Handblätter“.[1]

El Greco: Ritter mit der Hand auf der Brust, um 1580

Schon in der spanischen Mode (ca. 1550 – 1630) der Gegenreformation entsprachen der damals modernen Halskrause oft ähnliche Krausen am Handgelenk, beides war häufig mit Spitze verziert.[3] Daneben kamen auch glatte und gestärkte Ärmelaufschläge als Manschetten auf, die als Abschluss über die Ärmel des Wams oder des Kleides geschlagen wurden, und auch oft mit Spitze verziert waren.

Diese Spitzenmanschetten hatten ihr Pendant in dem ähnlich gestalteten, typisch frühbarocken Spitzenkragen, wie man ihn seit dem Ende der 1580er Jahre kannte. Die beschriebenen Manschettenarten waren sowohl für Damen als auch für Herren üblich. Im Frühbarock wurden allerdings die Ärmel der Frauenkleidung nach und nach immer kürzer, dabei rutschte auch die Manschette weiter nach oben, weg vom Handgelenk.

Ab ca. 1650, am Hofe Ludwigs XIV. von Frankreich, entwickelten sich die barocken Spitzenmanschetten, wie sie oben beschrieben wurden. Auch die Spitzenrüschen an den Ärmeln der Damenkleider nannte man (immer noch) Manschetten, obwohl die Ärmel der Damen im 17. und 18. Jahrhundert höchstens bis zum Ellbogen reichten, und die Spitzenmanschette des Hemdes damit nur über den Unterarm fiel.[1]

Pompeo Batoni: Edward Dering (Detail), 1758–59

Im 18. Jahrhundert und um 1800 gab es besondere Manschetten für Trauer, die man „Pleureuses“ (französ.: weinerlich, Klageweib) oder „Frisettes“ nannte.[1]

Seit dem Biedermeier (ca. 1815–1850) hat die Manschette besonders in der Herrenkleidung in etwa ihre moderne Form angenommen, die auch heute noch aktuell ist (Stand 2018; siehe unten).[1]

Da die Manschette besonders durch Verschmutzung bedroht ist, kamen Ende des 19. Jahrhunderts auch austauschbare gestärkte Manschetten („Röllchen“) in Mode, die man, als selbständiges Kleidungsstück, über das Handgelenk in den Rockärmel einschob, ähnlich dem austauschbaren Vorhemd. Sie wurden mithilfe von Manschettenknöpfen zugeknöpft, kamen jedoch nach einigen Jahrzehnten aus der Mode.[1]

Die moderne Manschette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute versteht man unter einer Manschette einen fest angearbeiteten, durch Knopf und Knopfloch oder mit Durchsteck-Manschettenknopf zu schließenden Ärmelabschluss, als Stulpe oder Bündchen gearbeitet. Sie ist oft wie ein Hemdkragen leicht versteift, an Hemden, Blusen und hemdartigen Jacken. Die Umschlagmanschette weist bei Oberbekleidung häufig keine Knopfvorrichtung auf.[4]

Doppelmanschette mit Manschettenknopf

Folgende Arten werden unterschieden:

  • Sportmanschette (auch italienische Manschette): Eine geknöpfte Manschette ohne Umschlag, deren knöpfbare Teile übereinander gelegt werden.[4]
  • Kombimanschette (auch Wiener Manschette): Einfache Manschette, die (auch) mit einem Manschettenknopf geschlossen werden kann. Zum Frack werden als Besonderheit nur Hemden mit Kombimanschette getragen.
  • Umschlagmanschette (auch Umlegemanschette, französische Manschette oder Doppelmanschette): Sie besteht aus einer doppelten Stofflage, die zum Handgelenk zurückgeschlagen wird und gegebenenfalls mit einem Manschettenknopf geschlossen wird. Dies ist die eleganteste und formellste Form der Manschette. Hemden zum Smoking werden nur in dieser Form getragen.

Die Stoffenden der Manschette können eckig oder (seltener) gerundet sein. Die Ärmel des Hemdes sollten bis zum Ansatz des Handrückens reichen. Die Hemdärmel und die Ärmel des darüber getragenen Sakkos sollten idealerweise so geschnitten sein, dass die Hemdmanschette etwa einen bis anderthalb Zentimeter aus dem Sakkoärmel hervorschaut.

Je nach Mode werden neben Hemden und Blusen vor allem Damenmäntel und -jacken mit Manschetten ausgestattet. Insbesondere Pelze haben häufig dekorative Manschetten-Ärmelabschlüsse, auch kann Winterbekleidung mit Pelzmanschetten versehen sein. Sind sie nicht festgeheftet, ermöglichen sie es der Trägerin die Ärmellänge entsprechend der Unterkleidung zu regulieren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manschettenknöpfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Ludmila Kybalová, Olga Herbenová, Milena Lamarová: Das große Bilderlexikon der Mode - Vom Altertum zur Gegenwart, übersetzt v. Joachim Wachtel, Bertelsmann, 1967 /1977: S. 435.
  2. Ludmila Kybalová, Olga Herbenová, Milena Lamarová: Das große Bilderlexikon der Mode - Vom Altertum zur Gegenwart, ..., Bertelsmann, 1967 /1977: S. 434, 435, 436f (Abb. 731-733).
  3. Ludmila Kybalová, Olga Herbenová, Milena Lamarová: Das große Bilderlexikon der Mode - Vom Altertum zur Gegenwart, ..., Bertelsmann, 1967 /1977: S. 163, 164, 165ff, 436f (Abb. 732).
  4. a b Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage, Band 2, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, Stichworte „Manschette“, „Sportmanschette“. ISBN 3-87150-518-8.