Manson Family

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

The Family bzw. The Manson Family war die Bezeichnung für eine Gruppe junger Frauen und Männer um Charles Manson, die 1969 mehrere Morde in Kalifornien beging. Manson nutzte laut den Ergebnissen der Gerichtsverhandlungen den kollektiven Drogenkonsum, sein Charisma und sexuelle Gewalt, um seine Anhänger gefügig zu machen. Gleichzeitig wurde die Family öffentlich als Hippie-Kommune wahrgenommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Manson hatte im Frühjahr 1967 eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt und wurde auf Bewährung entlassen. Er hatte im Gefängnis Gitarrespielen gelernt und reiste nach seiner Entlassung als Straßenmusiker durch die USA. Im Sommer 1967 kam er in die Hauptstadt der Hippiebewegung, San Francisco. Dort scharte er mehrere junge Leute um sich, meist Ausreißer mit labiler Persönlichkeit. Die Gruppe wuchs und schon bald wurde Mansons VW-Bus zu klein für die „Family“. So erwarb er einen schwarz angestrichenen Schulbus und durchstreifte damit die Westküstenregion der USA.

Manson führte die Gruppe mit autoritären und manipulativen Methoden, er entwickelte außerdem eine ganz eigene Weltsicht, die er mit Elementen aus Liedtexten, bevorzugt aus den Alben der Beatles, begründete. So entstand Mansons apokalyptische Vorstellung eines „Helter Skelter“ (nach dem gleichnamigen Lied auf dem sogenannten Weißen Album): eskalierende Rassenunruhen zwischen Schwarzen und Weißen. Die Manson Family zeichnete Ende der 1960er verantwortlich für mehrere Morde, unter anderem an der Filmschauspielerin Sharon Tate und ihren Freunden sowie an dem Supermarktkettenbesitzer Leno LaBianca und dessen Frau Rosemary.

Die Manson Family wurde 1969 nach den Tate-LaBianca-Morden auf einer Ranch im Death Valley (Kalifornien) verhaftet. Fünf Mitglieder der Manson Family wurden wegen dieser Morde angeklagt und zunächst zur Todesstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde durch eine Gesetzesänderung später zu lebenslanger Haft abgeändert. Alle „Lebenslänglichen“ der Manson Family kämpfen bis heute um eine Revision ihrer Strafe oder um eine Entlassung auf Bewährung. In Haft befinden sich mit Stand von 2017, nach dem Tod Mansons (19. November 2017)[1], noch Charles Watson, Patricia Krenwinkel, Leslie Van Houten, Bobby Beausoleil und Bruce Davis. Allein Davis erhielt seit 2010 mehrere Entlassungsempfehlungen von der Bewährungskommission, kam nach Widerspruch der jeweiligen Gouverneure von Kalifornien jedoch nicht frei. Susan Atkins verstarb bereits 2009 im Gefängnis, begnadigt wurde 1985 bislang nur Steve Dennis Grogan.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 100 Mitglieder der Gruppierung sind der Polizei namentlich bekannt, nachfolgende Liste führt einige Mitglieder der Kerngruppe auf.

  • Susan Atkins alias „Sadie Mae Glutz“
  • Patricia Krenwinkel alias „Katie“
  • Charles Watson alias „Tex Watson“
  • Linda Kasabian alias „Linda Christian“, „Yana the Witch“, „Linda Chiochios“
  • Leslie Van Houten alias „Lulu“
  • Lynette Fromme alias „Squeaky“
  • Bobby Beausoleil
  • Bruce Davis
  • Mary Brunner alias „Mother Mary“, „Mary Manson“
  • Steven Dennis Grogan alias „Clem“
  • Catherine Share alias „Gypsy“
  • Sandy Good alias „Blue“
  • Diane Lake alias „Snake“
  • Susan Bartell alias „Country Sue“
  • Ruth Ann Moorehouse alias „Ouish“
  • Ella Jo Bailey alias „Yellerstone“
  • Madaline Joan Cottage alias „Little Patty“, „Linda Baldwin“
  • Sherry Ann Cooper alias „Sherry“, „Simi Valley Sherri“
  • Daniel Thomas de Carlo alias „Danny“, „Donkey Dan“
  • John Leo Flynn alias „Juan Flynn“
  • John Philip Haught alias „Zero“
  • Catherine Gillies alias „Cappy“
  • Kathryn Lutesinger alias „Kitty“
  • Barbara Hoyt
  • Nancy Pitman
  • Larry Bailey
  • Edward Arthur Bailey
  • Paul Alan Watkins[2]
  • Stephanie Schram
  • Brooks Posten
  • Joel Pugh
  • Cinemah
  • Kama
  • Mino La Buerto alias „Mino Liberto“

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zahlreiche Artikel mit Bezug zu Charles Manson zu kaufen. So gibt es unter anderem T-Shirts, Poster, Anstecker und Aufnäher. Es existieren etliche Bücher und andere Printmedien, dazu noch diverse Veröffentlichungen aus dem Audio- und Videobereich sowie etlichen Internetpräsenzen, wobei hier der Bereich von naiver, kultartiger Verehrung bis hin zum Versuch einer ernsthaften Dokumentation der Geschehnisse um Manson variiert. Eine Website über Manson wurde nach der Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe von der fanatischen Anhängerin Mansons und ehemaligen Familymitglied Sandy Good eingerichtet.

Es existieren sowohl zahlreiche Tonträger mit Materialien, die vor seiner Inhaftierung entstanden sind, als auch Aufnahmen, die in Haftanstalten aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Musik oder Interviews auf nicht lizenzierten Tonträgern. Einen nahezu ikonenartigen Status erreichte das Cover des Life-Magazins vom 19. Dezember 1969, es wurde zu einer Art Markenzeichen für oben genannte Manson-Devotionalien. Auf dem Cover ist ein Porträt Mansons zu sehen, das bei einer Verhaftung entstanden ist – da Manson zu diesem Zeitpunkt LSD konsumiert hatte, sind die Pupillen unnatürlich geweitet. Er hält zudem den Rekord, jener Haftgefangene zu sein, der die meisten E-Mails, Briefe und Grußkarten bekommt.

Der kurze Song Revolution Blues von Neil Young auf dessen Album On the Beach (1974) war wohl die erste Referenz nach Manson und die Family in der Popmusik. Es beschwört in teilweise bizarren Bildern die Weltsicht aus der Perspektive der Manson-Anhänger herauf.

Sonic Youths Album Bad Moon Rising (1985) mit dem darauf enthaltenen Titel Death Valley ’69, das Album Evol (1986) sowie Teile des Bootlegs The Walls Have Ears (1985) beschäftigen sich thematisch mit Manson. Lydia Lunch schrieb die Texte für Death Valley ’69, das auch unter dem Titel Spahn Ranch Dance bekannt ist. Der Titel der LP The Whitey Album von Ciccone Youth (einem Nebenprojekt von Sonic Youth) von 1988 spielt außerdem mit dem Wort „Whitey“ (Bezeichnung für Weiße als Pendant zu „Nigger“) auf Mansons Rezeption des Weißen Albums der Beatles an. Auch in dem Lied Glad to See You Go von den Ramones wird Charles Manson mehrmals erwähnt.

Marilyn Manson in Cannes

1988 verarbeitete Ozzy Osbourne auf dem Album No Rest for the Wicked in dem Song Bloodbath in Paradise die Morde der Manson-Family, in dem zu Beginn ein Manson-Zitat rückwärts abgespielt wird. Skinny Puppy verwendeten 1989 Samples von Helter Skelter und Manson beim Song Worlock vom Album Rabies. 1993 veröffentlichte die Hard-Rock-Band Guns N’ Roses den Manson-Song Look at Your Game Girl als Hidden Track auf dem Album The Spaghetti Incident?.

Der Rapper Necro verarbeitete Mansons Taten in vielen seiner Lieder, sowie verwendete Zitate von ihm.

Schock-Rocker Marilyn Manson hat Charles Mansons Namen angenommen, allerdings nicht, um seine Verehrung auszudrücken, sondern um zwei Extreme US-amerikanischer Popularität, Marilyn Monroe und Charles Manson, in einem Namen zusammenzufassen, um beispielsweise den Irrsinn und die Tragik des Starkults hervorzuheben, der beiden Geschichten anhaftet. Zudem veröffentlichte er das von Manson stammende Lied My Monkey auf seinem Album Portrait of an American Family. 1995 verwendete die Metalband Paradise Lost Manson-Zitate in Forever Failure auf Draconian Times.

Die Band Slipknot veröffentlichte auf dem 1999 erschienenen gleichnamigen Album im Song 742617000027 ein Zitat aus der Charles Manson Documentary. Dort ist zu hören: „The whole thing, I think is sick“, das ständig in unterschiedlichen Geschwindigkeiten wiederholt und mit verzerrenden Gitarren untermalt wird.

Auch die Alternative-Metal-Band System of a Down zeigt sich zum Teil von Charles Manson inspiriert, beispielsweise mit dem Lied ATWA auf dem Album Toxicity. Scars on Broadway, die Band von Daron Malakian, erwähnt Manson in der Single 3005 auf dem Album Scars on Broadway. Die US-amerikanische Horrorpunkband Die Monster Die widmete Manson auf ihrem Album Honor Thy Dead das ironische Lied Charles Manson, He’s So Handsome.

Die sich in nationalsozialistischer Ästhetik präsentierende Band Der Blutharsch verarbeitete in einem ihrer Songs einen von Manson gesprochenen Text („The war is not over“), ebenfalls erwähnt die Band Mushroomhead Charles Manson in ihrem Song Bwomp. Das Stück A Poem About an Old Prison Man der polnischen Death-Metal-Band Decapitated basiert zudem auf einem Gedicht Mansons. In der amerikanischen Zeichentrickserie South Park bekam Manson eine Spezialfolge, in der er aus dem Gefängnis flieht, zum Ende hin ein gutes Gemüt bekommt und seine Memoiren schreibt. 2009 beschäftigte sich die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation in der Hamburger Kunsthalle mit dem Mythos, der Charles Manson umgibt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson (Originaltitel: The True Story of the Manson Murders. W. W. Norton, New York NY 2001, ISBN 0-393-32223-8), Riva, München 2010, ISBN 978-3-86883-057-6
  • Louis Paul Boon: Die Jesses-Mädchen. Nach der Offenbarung Johannis und dem „Bericht über aufsehenerregende Morde in der Stadt Babylon“. Zusammengestellt anhand von Zeitungsausschnitten (Originaltitel: De Meisjes van Jesses, übersetzt von Hans Herrfurth). Volk und Welt, Berlin 1977 (Roman).
  • Carol Greene: Der Fall Charles Manson. Mörder aus der Retorte (Originaltitel: Test-Tube Murders, the Case of Charles Manson). Dr. Böttiger Verlag, Wiesbaden-Nordenstadt 2001, ISBN 3-925725-13-X.
  • A.F.Th. van der Heijden: Das Scherbengericht, Berlin: Suhrkamp, 2010, ISBN 978-3-518-42140-6. (Originaltitel: Het Schervengericht, Amsterdam: De Bezige Bij, 2007)
  • Dirck Möllmann, Michael Sauer, Mario Asef, Frank Barth: Man son 1969. Vom Schrecken der Situation. Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2009, ISBN 978-3-938002-28-5 (Katalog der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle vom 30. Januar bis 26. April 2009).
  • Ed Sanders; Frank Göhre (Nachwort): The Family. Die Geschichte von Charles Manson (Originaltitel: The Family, übersetzt von Edwin Ortmann und Hella Knappertsbusch). Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. In: rororo-Sachbuch, rororo 9644, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-19644-1.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. US-Sektengründer und Serienmörder: Charles Manson ist tot. In: spiegel.de. 20. November 2017; abgerufen am 21. November 2017.
  2. Paul Watkins Tochter ist die Schriftstellerin Claire Vaye Watkins, geboren 1984.