Manuel Göttsching

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Manuel Göttsching (* 9. September 1952 in Berlin) ist ein Multiinstrumentalist (Hauptinstrument Gitarre) und Komponist. Er gilt als einer der Pioniere der elektronischen Musik und der als Berliner Elektronik bekannten Szene.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1960er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1960 bis 1966 lernte Göttsching klassisches Gitarrenspiel. Die erste Schulband gründete er im Alter von 15 Jahren mit seinem Freund und Schulkameraden Hartmut Enke bei dessen Geburtstagsparty. In den Jahren 1968 und 1969 traf er zum ersten Mal den Schweizer Avantgarde-Komponisten Thomas Kessler im Elektronik Beat Studio in der Pfalzburger Straße in Berlin.

Die 1970er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 hatte Göttsching mit Hartmut Enke, Wolfgang Müller und Volker Zibell ein kurzzeitiges Projekt namens Steeple Chase Blues Band. Im gleichen Jahr gründete er mit Enke und Klaus Schulze die Band Ash Ra Tempel. Das gleichnamige Debütalbum wurde mit Conny Planks Hilfe in Hamburg aufgenommen und 1971 veröffentlicht. Im selben Jahr verließ Schulze die Band wieder. Das zweite Album Schwingungen entstand 1972 durch Manuel Göttsching, Hartmut Enke und diversen Gästen ebenso wie das Album Seven Up, das in der Schweiz mit Dr. Timothy Leary und weiteren Gästen entstand. Join Inn, das dritte Album von 1972, entstand während der Sessions zu Walter Wegmüllers Album Tarot. Das Line-Up zu Join Inn bestand wieder aus Manuel Göttsching, Hartmut Enke, Klaus Schulze sowie Rosi Müller.

1973 fand im Pariser Theatre de I’Quest ein Konzert statt, das den internationalen Durchbruch der Band darstellte. Allerdings beendete nun auch Hartmut Enke seine Mitgliedschaft bei Ash Ra Tempel und Manuel Göttsching war auf sich allein gestellt. Im gleichen Jahr erschien das fünfte Ash-Ra-Tempel-Album Starring Rosi, das Manuel Göttsching mit den Gästen Harald Grosskopf am Schlagzeug, Dieter Dierks am Bass und Rosi Müller einspielte.

Im folgenden Jahr gründete Göttsching sein eigenes Studio „Roma“ und nahm dort sein erstes Soloalbum Inventions for Electric Guitar auf, das im selben Jahr veröffentlicht wurde. Zusammen mit Lutz Ulbrich tourte er 1975 durch England und Frankreich. Aufnahmen dieser Konzerte wurden ein Jahr später vom französischen Filmemacher Philippe Garrel in seinem Film Berceau de cristal[1] verwendet. Der gleichnamige Soundtrack wurde 1993 auf CD veröffentlicht.

1976 entstand mit dem Soloalbum New Age of Earth das siebte Ash-Ra-Tempel-Album. Es wurde zuerst in Frankreich veröffentlicht und von Göttschings erste Solotournee begleitet. Das britische Label Virgin Records veröffentlichte 1977 das Album New Age of Earth auf dem internationalen Markt, verkürzte den Namen jedoch zu Ashra. In der Folge der Veröffentlichung fand im Londoner Regent’s Park ein Live-Konzert von Ashra mit Manuel Göttsching und Lutz Ulbrich an den Gitarren und Tasteninstrumenten sowie Harald Großkopf am Schlagzeug statt. Das Ashra-Trio tourte für zwanzig Konzerte durch die Schweiz, Frankreich und Belgien. 1978 wurde Göttschings drittes Soloalbum Blackouts weltweit unter dem Namen „Ashra“ veröffentlicht. Göttsching spielte live die Musik zu Claudia Skodas Modenschau „Laufsteg“ im Berliner Ägyptischen Museum. Neben dem Ashra-Album Correlations, aufgenommen unter anderem in den Panne-Paulsen-Studios in Frankfurt am Main, entstand 1979 auch Göttschings Musik zur Modenschau „Big Birds“ von Claudia Skoda, aufgeführt in der Berliner Kongresshalle.

Die 1980er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zehnte Album Belle Alliance, veröffentlicht 1980, war das zweite der vom Ashra-Trio eingespielten Alben. „Die Dominas“, ein Projekt von Rosi Müller und Claudia Skoda, wurde im selben Jahr von Manuel Göttsching produziert. Ashra traten 1981 in der spanischen Fernsehsendung „Musical Express“ auf. Am 12. Dezember 1981 nahm Göttsching das Album E2-E4 auf, das erst 1984 unter seinem Namen veröffentlicht wurde.

Trommelfeuer, Göttschings Komposition für Perkussion und Orchester, wurde zu Claudia Skodas gleichnamiger Modenschau 1982 im Kunstmuseum Berlin aufgeführt. Zu einer weiteren Modenschau wurde 1983 Göttschings Komposition Fights-Veits aufgeführt. 1985 spielten Ashra live auf der UK Electronica. Für Joop! entstand ein Jahr später Göttschings Musik Ost-West für die internationale Modemesse in Düsseldorf. Ebenfalls 1986 entstand die Musikkollage für das Antonio Skármetas Theaterstück Brennende Geduld.

Ashra gaben 1988 als Duo Göttsching/Ulbrich zwei Konzerte im Rahmen des Programms „Wüstenklänge“ in Berlin. Die Aufnahmen wurden in bearbeiteter Form 1989 auf dem Album Walkin’ the Desert veröffentlicht. Der im Wesentlichen aus Teilen des 1984 veröffentlichten Albums E2-E4 bestehende Charthit Sueño Latino wurde 1989 vom italienischen Label DFC veröffentlicht.

Die 1990er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einem Konzert, das vor dem Kölner Dom stattfand, wurde 1991 auch das 1977 entstandene Soloalbum Dream & Desire (aufgenommen für Olaf Leitners Radioprogramm im Sender RIAS Berlin) sowie das in den Jahren 1985 bis 1987 entstandene Album Tropical Heat veröffentlicht.

1993 wurde das fünfzehnte Soundtrack-Album Le Berceau de Cristal veröffentlicht, das bereits 1975 von Manuel Göttsching und Lutz Ulbrich eingespielt worden war. Early Water, ein Mitschnitt von Manuel Göttsching und Michael Hoenig aus dem Jahr 1976, wurde 1995 veröffentlicht. Das sechs CDs umfassende Set The Private Tapes mit historischen und unveröffentlichten Aufnahmen von Manuel Göttsching, Ashra und Ash Ra Tempel, erschien 1996. 1997 fand eine erfolgreiche Tour in Quartettbesetzung durch Japan mit dem neuen Mitglied Steve Baltes (Tasteninstrumente, Samples) (dokumentiert auf CD @shra) sowie ein Konzert auf dem Herzberg Open Air Festival statt. Ein weiteres Konzert erfolgte in Nimwegen (Niederlande) im Rahmen des KLEM-Festivals, das 1998 auf CD unter dem Namen Sauce Hollandaise veröffentlicht wurde.

Im Oscar-nominierten Film Kurt Gerrons Karussell[2] seiner Ehefrau wirkte Manuel Göttsching als Schauspieler mit und begleitete Ben Becker am Piano.

Die 2000er-Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2000 kam es in London zu einem Ash-Ra-Tempel-Reunion-Konzert mit Manuel Göttsching und Klaus Schulze. Im selben Jahr wurden die Aufnahmen des Konzertes als Gin Rosé sowie ein Studioalbum der beiden unter dem Titel Friendship veröffentlicht. Im Juli 2000 traten Ashra in Berlin in der Akademie der Künste auf. 2001 kam es in Bologna zu Göttschings Aufnahme des Titels Intimate mit dem italienischen DJ Santos. Anlässlich der Veröffentlichung des ersten Solo-Albums Being content von Lutz Ludwig Kramer (ex-Agitation Free) unterstützte Göttsching Kramer bei einem Konzert in Griesheim, Hessen. Seit 2002 besteht MG.ART, Manuel Göttschings eigenes Label.

2003 komponierte Manuel Göttsching die Begleitmusik zu F.W. Murnau’s Stummfilm „Schloß Vogelöd“ (1921) als Auftragsarbeit für das Filmfest Braunschweig. Die Premiere fand am 30. Oktober 2003 in Staatstheater Braunschweig statt, eine weitere Vorführung gab es 2006 in der Oper Wrocław sowie 2007 auf Music-&-Film-Festival in Jecheon, Südkorea.

Am 25. März 2005 spielte Manuel Göttsching mit dem Ensemble Zeitkratzer in der Berliner Volksbühne „E2-E4“ in einer Version für Orchester und Gitarre.

Göttschings Solopremiere in Japan fand am 29. April 2006 auf dem Anoyo-Festival am Fuße des Mount Fuji statt. Die polnische Videokünstlerin Kinga unterstützte ihn dabei auf der Bühne mit einem Live-Videomix. Das zweite Konzert 2006 in Japan war die Live-Premiere von „E2-E4“ auf dem Metamorphose-Festival im August. Zum 25-jährigen Jubiläum von „E2-E4“ am 12. Dezember 2006 fand im Berliner Club Berghain die Europa-Premiere des Titels statt.

Im Jahr 2008 gab Göttsching erstmals Konzerte in den USA. Die USA Premiere von „E2-E4“ fand während der „Wordless-Music“-Serie des Lincoln Centers in New York statt. Weitere Konzerte gab es in der historischen St. Mary's Church in Philadelphia und im „Club Love“ in New York. Mit seiner Band Ashra spielte Manuel Göttsching im August 2008 auf dem Metamorphose Festival in Japan Im November 2008 fand anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Goethe-Instituts in Peking die Live-Premiere der Komposition „E2-E4“ in Peking statt.

2009 hatte der Film “Der Junker und der Kommunist” von Ilona Ziok Kinopremiere. Manuel Göttsching komponierte die Filmmusik und produzierte den Film.

Zusammen mit Steve Hillage, Elliott Sharp und Zhong Shouwang führte Manuel Göttsching 2010 auf dem Metamorphose Festival in Japan seine Komposition „Inventions for electric Guitar“ auf.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ash Ra Tempel / Ashra / Manuel Göttsching[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: E2-E4 Live in Japan
  • 2007: Live at Mt. Fuji
  • 2006: E2-E4 25th Anniversary Edition
  • 2005: E2-E4 Live (Maxi-CD)
  • 2005: Concert for Murnau
  • 2005: Die Mulde
  • 2002: The Making Of
  • 2002: @shra Vol. 2
  • 2000: Gin Rosé at the Royal Festival Hall
  • 2000: Friendship
  • 1998: @shra
  • 1998: Sauce Hollandaise
  • 1993: Le Berceau de Cristal (aufgenommen 1975)
  • 1991: Tropical Heat (aufgenommen 1985/1986)
  • 1991: Dream & Desire (aufgenommen 1977)
  • 1989: Walkin' The Desert
  • 1984: E2-E4[3]
  • 1980: Belle Alliance
  • 1979: Correlations
  • 1977: Blackouts
  • 1976: New Age Of Earth
  • 1975: Inventions For Electric Guitar
  • 1973: Starring Rosi
  • 1973: Join Inn
  • 1973: Seven Up[4]
  • 1972: Schwingungen
  • 1971: Ash Ra Tempel

The Private Tapes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: The Private Tapes Vol. 6 (aufgenommen 1971–1979)
  • 1996: The Private Tapes Vol. 5 (aufgenommen 1973–1989)
  • 1996: The Private Tapes Vol. 4 (aufgenommen 1973–1979)
  • 1996: The Private Tapes Vol. 3 (aufgenommen 1971–1975)
  • 1996: The Private Tapes Vol. 2 (aufgenommen 1970–1979)
  • 1996: The Private Tapes Vol. 1 (aufgenommen 1970–1979)

Lone Tracks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Der vierte Kuss
  • 1986: Aquamarine
  • 1972: Gedanken

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Joaquin Joe Claussell meets Manuel Göttsching
  • 2001: R U Shakadelic? (mit Santos)
  • 1997: Tokyo Tower/Clone (12″-Maxi-Single, mit Terranova)
  • 1997: Jubilee Edition (mit Klaus Schulze, aufgenommen 1981)
  • 1995: In Blue (mit Klaus Schulze)
  • 1995: Historic Edition (mit Klaus Schulze, aufgenommen 1981)
  • 1995: Early Water (mit Michael Hoenig, aufgenommen 1976)
  • 1989: The Breathtaking Blue (mit Alphaville)
  • 1983: Zwischenmischung (mit Klaus Krüger)
  • 1981: Tonwelle (mit Richard Wahnfried)
  • 1974: Gilles Zeitschiff (mit The Cosmic Jokers)
  • 1974: Sci Fi Party (mit The Cosmic Jokers)
  • 1974: Galactic Supermarket (mit The Cosmic Jokers)
  • 1974: Planeten Sit In (mit The Cosmic Jokers)
  • 1974: The Cosmic Jokers (mit The Cosmic Jokers)
  • 1973: Tarot (mit Walter Wegmüller)

Additional Recordings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1992: Unzucht mit den Sternen (mit SF)
  • 1989: Sueño Latino (with Sueño Latino)
  • 1985: Ordal (with SF)
  • 1981: Die Dominas (10″-Maxi-Single, mit Die Dominas)
  • 1980: Geile Tiere/Chinatown (Single, with Geile Tiere)
  • 1979: Mickie D's Unicorn (with Mickie D's Unicorn)

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998: The Best of The Private Tapes (recorded 1972–1979)
  • 1996: Sunrain (recorded 1976–1980)

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: E2-E4 Live in Japan
  • 2008: Postcards From Japan
  • 2007: Wroclaw Live
  • 2001: Die Mulde
  • 2001: Live At The Open Air Festival Herzberg 1997

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Berceau de cristal“
  2. „Kurt Gerrons Karussell“
  3. Christian Walther: Trip in die Vergangenheit: Bad Bonn lässt LSD-Musik auferstehen, in: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vom 3. Juni 2016.
  4. Christian Walther: Trip in die Vergangenheit: Bad Bonn lässt LSD-Musik auferstehen, in: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) vom 3. Juni 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]