Manuel Puig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Manuel Puig

Juan Manuel Puig Delledonne, besser bekannt als Manuel Puig (* 28. Dezember 1932 in General Villegas, Argentinien; † 22. Juli 1990 in Cuernavaca, Mexiko) war ein argentinischer Schriftsteller und Filmschaffender.

Biographie[Bearbeiten]

Manuel Puig, der im familiären Kreis mit dem Kosenamen „Coco“ angesprochen wurde, wurde als Sohn von Baldomero Puig („Baldo“) und María Elena Delledonne („Malé“) in dem kleinen Provinznest General Villegas geboren, das als „Coronel Vallejos“ zum Schauplatz mehrerer seiner Romane werden sollte.

Puig interessierte sich sehr früh für den Film und besuchte ab dem Alter von vier Jahren regelmäßig zusammen mit seiner Mutter das Kino in seinem Heimatort. Um die nordamerikanischen Originaltexte besser verstehen zu können, begann er mit zehn Jahren Englisch zu lernen. 1944 wurde sein jüngerer Bruder Carlos geboren, der später Maler werden sollte. Ein Jahr zuvor hatte seine Mutter eine Totgeburt erlitten. Da eine höhere Bildung im provinziellen Milieu nicht möglich waren, zogen die Eltern 1946 mit ihm nach Buenos Aires, wo er das Colegio Ward besuchte.

Nachdem er sich kurzzeitig für das Fach Architektur inskribiert hatte, studierte er jedoch ab 1951 Literaturwissenschaft an der Universität von Buenos Aires.

1956 erhielt er ein Stipendium und studierte an der Filmhochschule des Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom. Später arbeitete er als Spanisch- und Italienischlehrer sowie Tellerwäscher und begann erste Drehbücher zu schreiben. Zwischen 1961 und 1962 war er Assistent an verschiedenen Filmsets in Buenos Aires und Rom.

1963 siedelte er nach New York über und schrieb seinen ersten Roman La traición de Rita Hayworth (Verraten von Rita Hayworth), den er 1965 fertigstellte. Im Dezember desselben Jahres wurde der Roman für den renommierten spanischen Literaturpreis Biblioteca Breve des Verlags Seix Barral vorgeschlagen. Im Jahre 1969 wurde sein Roman als bestes Werk der Periode 1968/1969 von der Zeitung Le Monde prämiert.

1967 kehrte Puig nach Buenos Aires zurück. Nach dem Erfolg seines zweiten Romans Boquitas pintadas (Der schönste Tango der Welt) publizierte er 1973 seinen dritten Roman The Buenos Aires Affair, der von der argentinischen Militärdiktatur später verboten werden sollte. Nach wiederholten Drohanrufen verließ Puig Argentinien und ließ sich in Mexiko nieder, wo er 1976 El beso de la mujer araña (Der Kuss der Spinnenfrau) fertigstellte. 1985 verfasste Leonard Schrader das Drehbuch für den preisgekrönten Film Kuß der Spinnenfrau von Héctor Babenco. 1979 veröffentlichte Manuel Puig Pubis angelical (Die Engel von Hollywood), das in Spanien zum Bestseller wurde und von Raúl de la Torre verfilmt wurde. 1980 übersiedelte der Autor nach Brasilien, wo er die nächsten zehn Jahre seines Lebens zubringen sollte. 1988 erschien sein letzter Roman, Cae la noche tropical (Bei Einbruch der tropischen Nacht). Kurz vor seinem Tod kaufte er ein Haus in Cuernavaca (Mexiko), wo er sich zusammen mit seiner alten Mutter niederlassen wollte. Doch er starb unerwartet wenig später an einer Operation an der Harnblase.

Bei seinem Tod hinterließ Puig den unvollendeten Roman Humedad relativa 95 %.

Obwohl Puig heute zu den großen argentinischen Autoren gerechnet wird, hat es lange gedauert, bis ihm Anerkennung zuteilwurde. Die Verbindung von Teilen der Massenkultur mit avantgardistischen Mitteln brachte ihm vor allem zuhause in Argentinien viele Kritiker. Viele sahen ihn nur als Autor von Trivialliteratur. Der Durchbruch gelang ihm erst mit El beso de la mujer araña, der auch die letzten Kritiker überzeugte. Puig hielt sich zeitlebens vom Literaturbetrieb fern und auch von anderen lateinamerikanischen Schriftstellern der nueva novela hispanoamericana wie Mario Vargas Llosa, Gabriel Garcia Marquez oder anderen. Vargas Llosa war es im Übrigen auch, der Puig später kopierte. In seinem Roman La tia Julia y el escribidor (Tante Julia und der Kunstschreiber) verbindet er durch Mittel der Montage wie Puig Elemente der Hochliteratur und des Kitschs.

Puigs Romane sind zutiefst von seinen eigenen Erfahrungen geprägt. So ist es kein Zufall, dass der Ort, in dem seine beiden ersten Romane spielen, Coronel Vallejos, so sehr an seinen eigenen Geburtsort General Villegas erinnert. Puig dazu: “Everything was flat. Only the sky was very bright and the air very dry. The town was ugly, too. To all intents and purposes it was living in exile. Everyone born there never goes away and has no idea what life is or what there is in the world. When my mother took me to the cinema for the first time – I was four – I thought: That’s where life is. It all seemed so real to me.” (Zitiert aus: Pamela Bacarisse: The necessary dream. A study of the novels of Manuel Puig. Cardiff 1988.)

Die Verheißungen der Filme und des Tangos für die langweiligen und farblosen Gestalten in der argentinischen Provinz, das sind die bestimmenden Themen in Puigs ersten Romanen. Gesellschaftliche und sexuelle Unterdrückung werden von Puig so subtil geschildert. In der Figur Totos in La traición de Rita Hayworth und in der Figur des transsexuellen Molinas in El Beso de la mujer araña findet sich der Autor als bekennender Homosexueller selbst wieder und verarbeitet so eigene Erfahrungen der politischen Unterdrückung von Homosexualität und des gesellschaftlichen Rigorismus über diese Figuren in seinen Romanen.

Bibliographie[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • La traición de Rita Hayworth. Buenos Aires: Jorge Álvarez, 1968 (Colección narradores argentinos). Deutsch: Verraten von Rita Hayworth. Roman. [1. Aufl.] Frankfurt/M., [1976] (Suhrkamp-Taschenbuch, 344) ISBN 3-518-06844-X, ISBN 3-518-36844-3
  • Boquitas pintadas: Folletín. Buenos Aires: Sudamericana, 1969 (Der schönste Tango der Welt: Ein Fortsetzungsroman) ISBN 3-518-36974-1
  • The Buenos Aires Affair: Novela policial. Buenos Aires: Sudamericana, 1973
  • El beso de la mujer araña. Barcelona: Seix Barral, 1976 (Der Kuss der Spinnenfrau) ISBN 3-518-37369-2
  • Pubis angelical. Barcelona: Seix Barral, 1979 (Die Engel von Hollywood) ISBN 3-518-03974-1
  • Maldición eterna a quien lea estas páginas. Barcelona: Seix Barral, 1981 (Verdammt wer diese Zeilen liest) ISBN 3-518-39063-5
  • Sangre de amor correspondido. Barcelona: Seix Barral, 1982 (Herzblut erwiderter Liebe) ISBN 3-518-03577-0
  • Cae la noche tropical. Barcelona: Seix Barral, 1988 (Bei Einbruch der tropischen Nacht) ISBN 3-518-40732-5
  • Los ojos de Greta Garbo. Buenos Aires: Seix Barral, 1993
  • Estertores de una década. Nueva York ’78. Buenos Aires: Seix Barral, 1993
  • Humedad relativa 95%. 1991 (unvollendet)

Theater[Bearbeiten]

  • Bajo un manto de estrellas Pieza en dos actos. 1988 (Unter einem Sternenzelt)
  • Triste golondrina macho (obra en dos actos). Amor del bueno (comedia musical). Muy señor mío (musical con boleros). 1988
  • Gardel: Uma lembrança. 1993
  • El misterio del ramo de rosas. 1998
  • Madrid 37 (unvollendet)

In deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

  • Der schönste Tango der Welt: ein Fortsetzungsroman. Aus dem Span. von Adelheid Hanke-Schaefer. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975 (Taschenbuchausgabe: 2001, Suhrkamp-Taschenbuch 3186)
  • Verraten von Rita Hayworth: Roman. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1976 (Suhrkamp-Taschenbücher 344)
  • Der Kuss der Spinnenfrau: Roman. Aus dem Span. von Anneliese Botond. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1979 (Taschenbuchausgabe: 1995, Suhrkamp-Taschenbuch 2541)
  • Die Engel von Hollywood: Roman. Aus d. Span. von Anneliese Botond. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1981 (Taschenbuchausgabe: 1985, Suhrkamp-Taschenbuch 1165)
  • Herzblut erwiderter Liebe: Roman. Aus dem brasilian. Portugies. von Karin von Schweder-Schreiner. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985 (Taschenbuchausgabe: 2000, Suhrkamp-Taschenbuch 3106)
  • Unter einem Sternenzelt. Dt. von Dagmar Ploetz. Frankfurt am Main: Suhrkamp Theaterverlag, 1986.
  • Verdammt wer diese Zeilen liest: Roman. Aus dem Span. von Lieselotte Kolanoske. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1992 (Taschenbuchausgabe: 1996, Suhrkamp-Taschenbuch 2563)
  • Bei Einbruch der tropischen Nacht: Roman. Aus dem Span. von Lieselotte Kolanoske. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1995.

Filmographie[Bearbeiten]

  • Boquitas pintadas. 1974
  • El lugar sin límites. 1978 (Drehbuch nach dem Roman von José Donoso)
  • Pubis angelical. 1983 (Musik Charly García)
  • La cara del villano. Recuerdo de Tijuana. 1985 (Drehbuch nach der Erzählung von Silvina Ocampo El impostor).
  • El beso de la mujer araña. 1985 (Drehbuch mit Leonard Schrader)
  • Los siete pecados capitales. 1986 (Drehbuch mit David Weissman)
  • Happy together (The Buenos Aires Affair). 1997
  • Tango Musik. (unveröffentlichtes Drehbuch)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Manuel Puig: Una aproximación biográfica. Eine Multimedia-Biographie auf CD-ROM. Buenos Aires 2008. ISBN 978-987-05-4332-9

Weblinks[Bearbeiten]