Manuel Valls

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Manuel Valls (2012)

Manuel Carlos Valls (* 13. August 1962 in Barcelona, Katalonien, Spanien) ist ein französischer Politiker spanisch-schweizerischer Abstammung des Parti socialiste (PS) und seit dem 31. März 2014 Premierminister der Französischen Republik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manuel Valls ist der Sohn des katalanischen Malers Xavier Valls (1923–2006) und dessen Ehefrau, der Schweizer Erzieherin Luisangela Galfetti.[1][2] Aufgrund seines familiären Hintergrunds wuchs er viersprachig (Französisch, Italienisch, Katalanisch, Spanisch) im links orientierten Pariser Intellektuellenmilieu auf.[3]

Valls studierte Geschichte an der Sorbonne. 1982 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. 1987 heiratete er in erster Ehe Nathalie Soulié. Das Paar bekam vier Kinder: Benjamin (* 1991), Ugo (* 1993) sowie die Zwillinge Joachim und Alice. Seit 2010 ist Valls in zweiter Ehe mit der Violinistin Anne Gravoin verheiratet.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 17 Jahren trat er aus Bewunderung für Michel Rocard dem Parti socialiste (PS) bei.[5]

Von 2001 bis 2012 war er Bürgermeister der Stadt Évry im Pariser Umland[6] und von 2002 bis 2012 Abgeordneter des Départments Essonne in der Nationalversammlung. Er legte gemäß Artikel 23 der französischen Verfassung seinen Parlamentssitz nieder, als er zum Regierungsmitglied ernannt wurde.[7] Valls hatte zuvor in verschiedenen Funktionen als Berater in der Regierung Lionel Jospins mitgewirkt.

Valls wird dem rechten bzw. zentristischen Flügel der Partei zugeordnet; er selbst bezeichnete sich als „blairistisch“ und „clintonianisch“. So forderte er unter anderem eine Abkehr vom Begriff des Sozialismus im Parteiprogramm, kritisierte die Umverteilung und überhöhte staatliche Transferleistungen. Als Bürgermeister einer Gemeinde mit einem hohen Anteil an Einwanderern vor allem aus Nordafrika und Schwarzafrika forderte er von diesen stärkere Integrationsbemühungen. Für diese Positionen erntete er heftige Kritik von Teilen der Partei. Die Parteivorsitzende Martine Aubry legte Valls in einem offenen Brief den Parteiaustritt nahe, da derartige Interventionen der Partei schadeten und seine Positionen nicht die der Partei seien. Valls dagegen bekräftigte, in der Partei bleiben zu wollen.

Im Herbst 2011 kandidierte Valls bei den Vorwahlen des Parti Socialiste für die Präsidentschaftswahl 2012, schied aber mit sechs Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang aus. Vor der Stichwahl am 16. Oktober sprach er sich für François Hollande aus.[8] Seit dem 16. Mai 2012 war er Innenminister. Nach dem Rücktritt von Jean-Marc Ayrault am 31. März 2014 ernannte Präsident Hollande Manuel Valls zu dessen Nachfolger im Amt des Premierministers. Am 25. August 2014 reichte Valls den Rücktritt der Regierung ein und wurde umgehend mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.

Valls zählt zu den führenden Vertretern des „rechten“, das heißt pragmatisch-sozialliberal ausgerichteten Parteiflügels. In einem Interview forderte er im Oktober 2014 die Bildung einer breiten politischen Bewegung aller progressiven Kräfte und kritisierte die Befürworter einer traditionellen sozialistischen Politik scharf: „Es muss Schluss sein mit einer ewiggestrigen Linken, die sich an einer längst vergangenen und nostalgischen Zeit festhält, geplagt von einem marxistischen Über-Ich“.[9]

Ende November 2015 sprach Valls sich dafür aus, keine weiteren Flüchtlinge aus dem Nahen Osten mehr in Europa aufzunehmen und stattdessen auf die syrischen Nachbarstaaten einzuwirken, mehr Flüchtlinge aufzunehmen und zu erfassen. Anderenfalls würden seiner Ansicht nach „die Völker sagen: Schluss mit Europa.“[10] Mitte Februar 2016 schloss er aus, dass Frankreich über die zugesagten Kontingente hinaus weitere Flüchtlinge aufnimmt.[11] Valls gilt als der Politiker, der nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt die Vokabel vom Islamfaschismus "salonfähig gemacht hat"[12].

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La Laïcité en face, entretiens avec Virginie Malabard, éditions Desclée de Brouwer, 2005, ISBN 978-2-220-05645-6.
  • Les Habits neufs de la gauche, éditions Robert Laffont, 2006
  • Pour en finir avec le vieux socialisme … et être enfin de gauche, entretien avec Claude Askolovitch, Robert Laffont, 2008
  • Pouvoir, éditions Stock, Paris 2010, ISBN 978-2-234-06393-8.
  • Sécurité : la gauche peut tout changer, éditions du Moment, 2011, ISBN 978-2-35417-118-6.
  • L’énergie du changement – Abécédaire optimiste, éditions Eyrolles, 2011, détaille sous forme d’abécédaire son programme de campagne des primaires
  • La Laïcité en France, éditions Desclée De Brouwer, 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manuel Valls – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuel Valls (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti, abgerufen 24. Juli 2015.
  2. Munzinger: Manuel Valls
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2014. S. 8.
  4. Die gefeierte und vorlaute Frau des Premiers Basler Zeitung Online abgerufen am 17. April 2014
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung, a.a.O.
  6. Angaben zum Nachfolger auf der Seite der Stadt Évry (frz.), abgerufen am 10. September 2013
  7. Verfassungstext (deutsch) auf der Seite der französischen Nationalversammlung, abgerufen am 10. September 2013
  8. L.EQ.: Montebourg votera pour Hollande «à titre exclusivement personnel». Libération, 14. Oktober 2011, abgerufen am 16. Oktober 2011 (französisch).
  9. Valls: "Schluss mit einer ewiggestrigen Linken" Die Presse, 23. Oktober 2014
  10. Frankreich fordert Aufnahmestopp für Flüchtlinge. www.faz.net, 25. November 2015
  11. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, Germany: Merkels Flüchtlingspolitik: Zeit für einen Kurswechsel - Stuttgarter Zeitung. In: stuttgarter-zeitung.de. Abgerufen am 15. Februar 2016 (de-de).
  12. http://www.die-tagespost.de/feuilleton/Der-Streit-um-ein-Stueck-Stoff;art310,168984