Marbach (Striegistal)

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Marbach
Gemeinde Striegistal
Koordinaten: 51° 2′ 49″ N, 13° 13′ 51″ O
Höhe: 263 (200–330) m
Fläche: 14,35 km² (1900)
Einwohner: 1056 (2014)
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 2008
Postleitzahl: 09661
Vorwahlen: 037207, 034322
Marbach (Sachsen)
Marbach

Lage von Marbach in Sachsen

Blick auf das mittlere Marbach

Marbach im sächsischen Landkreis Mittelsachsen ist ein Ortsteil der Gemeinde Striegistal. Mit etwa 7 km Länge ist es mit den Ortsteilen Rosental und Dreierhäuser eines der längsten Waldhufendörfer des Freistaates Sachsen und hat circa 1300 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marbach liegt im Nordosten des Gemeindegebiets. Im Osten grenzt es an die Gemarkung der Stadt Nossen im Landkreis Meißen. Südöstlich des langgestreckten Dorfes liegt der Zellwald, ein großes Waldgebiet, das von der Bundesautobahn 4 durchschnitten wird und nach den ehemals hier existierenden Klöstern Alte Zelle und Kloster Altzella bei Nossen benannt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marbach wurde 1264 erstmals als Marchbach urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde wird bescheinigt, dass das Pfarrgut dem Kloster Altzella überwiesen wird. Zu diesem Zeitpunkt existierte das Dorf, auch das Pfarrgut, damit auch eine Pfarrkirche, mit Sicherheit schon mehr als 100 Jahre. Marbach gehörte, wie die Mehrzahl der Ortschaften der Gemeinde Striegistal, bereits vor 1185 zum Gebiet des 1162 gestifteten Klosters Altzella. Das Pfarrgut gehörte offensichtlich bis 1264 nicht zum Kloster.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Marbach im Zusammenhang mit der Gründung des nur kurze Zeit existierenden Benediktinerklosters im Zellwald entstanden ist. Zur ehemals auf dem nahen Burgberg existierenden spätmittelalterlichen Befestigungsanlage – hier belegen nur Keramikfunde den Zeitraum – könnten herrschaftliche Beziehungen bestanden haben.

Nach der Reformation kam das Dorf in landesherrlichen Besitz. Die Verwaltung erfolgte bis zur Gründung des Amtes Nossen zunächst noch einige Jahre von ehemaligen Klosterinsassen.

Die im Volksmund noch bekannte Gliederung in Oberdorf, Mitteldorf, Unterdorf und Rosenthal weist darauf hin, dass Marbach ursprünglich aus mehreren Gemeinden bestand, drei bäuerlichen Gemeinden und einer wahrscheinlich deutlich später entstandenen Gärtnergemeinde. Das geht auch aus einem Steuerregister aus von 1546 hervor, in dem alle Besitzenden, nach den einzelnen Gemeinden getrennt, mit Name, Größe des Besitzes und zu gebender Steuer aufgeführt werden. Die einzelnen Gemeinden grenzten unmittelbar aneinander, wuchsen zusammen. Ähnlich war das in Langhennerdorf, Rossau und in Altmittweida. In Pappendorf klappte das nicht mit dem Zusammenwachsen, hier kam es nicht zur Bildung einer Gemeinde. Das „Oberdorf“ heißt heute Mobendorf.

Aus dem Jahr 1800 ist für Marbach überliefert:

Obermarbach hatte 28 Bauern, 6 Gärtner und 12 Häusler auf Gemeindeland, Mittelmarbach bestand aus 20 Bauern, 5 Gärtnern, 13 Häuslern auf Gemeindeland und zwei Häuslern auf ehemaligen Bauernland. In Niedermarbach gab es 14 Bauern, 14 Gärtner und 14 Häusler auf Gemeindeland. In Rosenthal hingegen wohnten keine Bauern, aber 32 Gärtner und 9 Häusler. Einer der Gärtner betrieb eine Mühle mit einem Mahlgang.

Ortsnamenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Schreibweisen des Ortsnamens sind urkundlich belegt:[1]

1264: Marchbach

1330/57: Martbach

1552: Margbach

1555: Marpach

1875: Marbach (Mittel- Nieder-und Ober-) bei Roßwein

Deutung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marbach durchfließende Bach heißt Marienbach. Die auch im Zusammenhang mit dem naheliegenden ehemaligen Kloster Altzelle im Volksmund verbreitete Ableitung des Dorfnamens von Maria ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Vielmehr geht der Ortsname, wie aus der Schreibung Marchbach von 1264 hervorgeht, auf den Gewässernamen zurück. Marc(h)bach kann mit Grenzbach übersetzt werden. Marbach ist also eine Siedlung am Grenzbach.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche

Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Existenz einer Pfarrkirche geht wahrscheinlich bis auf das Jahrhundert der Besiedlung zurück. Ältester Teil ist der in der Region mehrfach vorkommende querrechteckige frühgotische Westturm.[3] Das Kirchenschiff wurde 1770/71 als schlichte barocke Saalkirche als Ersatz für den zu klein gewordenen Vorgängerbau errichtet. Sehenswert sind auch die Ölgemälde ehemaliger Marbacher Pfarrer.[4]

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sammlung des Heimatvereins: Museum in der Scheune mit zahlreichen Ausstellungsstücken aus der Geschichte des Dorfes und der Landwirtschaft
  • Hexentisch: Nördlich des Ortes steht an einer alten Wegekreuzung der sagenumwobene Hexentisch; Vermutlich handelt es sich um den Rest eines mittelalterlichen Steinkreuzes
  • Nachbildung einer Kursächsischen Ganzmeilensäule aus dem 18. Jahrhundert
  • Nachbildung eines Königlich-sächsischen Halbmeilensteins aus dem 19. Jahrhundert vom Postkurs Nossen–Waldheim

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Marbach. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 25. Heft: Amtshauptmannschaft Döbeln. C. C. Meinhold, Dresden 1903, S. 154.
  • Eduard Beyer: Das Cistercienser-Stift und Kloster Alt-Zelle in dem Bisthum Meißen. Dresden 1855.
  • Wolfgang Schwabenicky: Die Geschichte von Marbach vom 12. bis in das 16. Jahrhundert. In: Chronik und Geschichte der Gemeinde Marbach. 1989.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke (Hrsg.): Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Neuausgabe. Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 458.
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band II, S. 11.
  3. Weitere Beispiele sind die Kirchen in Pappendorf und Langhennersdorf
  4. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 673.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marbach (Striegistal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien