Marc Almond

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marc Almond (2008)

Peter Mark Sinclair Almond OBE (* 9. Juli 1957 in Southport, Lancashire) ist ein britischer Sänger und Songwriter. Er wurde in den frühen 1980er-Jahren als Sänger des Musikduos Soft Cell bekannt, war aber in späteren Jahren auch als Solokünstler erfolgreich.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit David Ball gründete er 1979[1] die Musikgruppe Soft Cell, das erste erfolgreiche Elektro-Duo Großbritanniens. Zu ihren großen Erfolgen gehört unter anderem Tainted Love aus dem Jahr 1981, insgesamt schafften sie es mit zwölf Liedern in die Top 40 der britischen Single-Charts. Gemeinsam mit David Ball und dessen Frau Gini Ball wirkte Almond 1982 auch an der ersten LP der britischen Post-Industrial-Kultband Psychic TV mit.

Noch zu Zeiten von Soft Cell veröffentlichte er als Marc and the Mambas (u. a. mit Matt Johnson von The The) in den Jahren 1982 bis 1984 zwei Alben. Mit diesem Projekt gilt er wiederum als der Vorreiter einer Musikform, bei der ein ganzes Orchester mit in die Popmusik einfließt (im Studio und auch bei Konzerten).

Seine Solokarriere begann Marc Almond nach Auflösung von Soft Cell im Frühjahr 1984. Bekannt sind u. a. seine Duette mit Kelli Ali, Gene Pitney, Nico, Siouxsie Sioux, P.J. Proby, Nina Hagen, Jimmy Somerville und Rosenstolz. Er arbeitete auch mit anderen Bands aus dem Umfeld der damaligen Londoner Szene zusammen, wie Foetus und Coil. Seinen größten Erfolg als Solokünstler feierte Almond im Frühjahr 1989 mit dem Nummer-1-Hit Something’s Gotten Hold of My Heart, seiner Version eines Songs von Gene Pitney, der damit 1967 einen Top 5 Hit verbuchen konnte und der bei diesem Song auch als Duettpartner mitwirkte. Drei Jahre später veröffentlichte er mit Days of Pearly Spencer ein weiteres erfolgreiches Cover eines Liedes aus den 1960er-Jahren (1967 ursprünglich von David McWilliams gesungen).

2001 trat Almond gemeinsam mit seinem alten Mitstreiter David Ball als Soft Cell in Londons Ocean-Club zu dessen Einweihung auf. Nach einer Best-of-Compilation von Soft Cell erschien 2002 sogar ein neues Studioalbum mit anschließender Konzerttournee. 2004 wurde noch eine Soft-Cell-DVD veröffentlicht – Non-Stop Exotic Video Show.

Am 17. Oktober 2004 wurde Almond als Beifahrer bei einem Motorradunfall in London lebensgefährlich verletzt. Er lag elf Tage lang auf der Intensivstation; nach mehreren Operationen erholte er sich wieder von seinen Verletzungen, musste allerdings große finanzielle Einbußen, psychische Probleme und Eingriffe der plastischen Chirurgie überstehen. 2007 feierte er sein Bühnen-Comeback.[2][3]

Bis in die Gegenwart veröffentlicht Almond neue Alben und tritt auch im deutschsprachigen Raum auf. 2007 erschien sein Album Stardom Road, das bis auf einen einzigen Song ausschließlich Coverversionen enthält und von der Presse gelobt wurde. 2008 veröffentlichte Almond zusammen mit Michael Cashmore (Current 93) die CD Gabriel & The Lunatic Lover mit zwei vertonten Gedichten des Dichters Graf Eric Stenbock. Im März 2009 gab er im Rahmen seiner Stardom Road Continued Tour acht Konzerte in Deutschland, auch 2010 feierte er sein 30-jähriges Bühnenjubiläum mit einer Europatournee. 2012 trat er unter anderem auch in den deutschen Städten Leipzig, Berlin und Köln auf. Am 4. Mai 2019 wirkte er in einer Folge der Musiksendung Privatkonzert mit.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Almond wuchs unter einfachen Verhältnissen in Nordengland auf und beschrieb sein Aufwachsen als eher unglücklich, da sein Vater ein gewalttätiger Alkoholiker war, der die Homosexualität seines Sohnes nicht akzeptieren wollte. Mit siebzehn Jahren verließ er die Familie und sah seinen Vater danach nicht wieder.[4][5] Er bezeichnet sich als homosexuell, möchte aber nicht „homosexueller Künstler“ genannt werden, da das seiner Ansicht nach so aufgefasst werden könne, dass sein Werk nur für Homosexuelle interessant sei.[6]

1999 wurde er vom Industrial-Musiker Boyd Rice in die Church of Satan initiiert,[7][8] worüber er auch in seiner Autobiographie Tainted Life schreibt. Gegenüber der Zeitung Die Welt beschrieb er die Initiation als „wundervoll“, bestritt aber, noch Mitglied zu sein. Er „glaube an keine Religion“, sei aber von Anton Szandor LaVeys Büchern fasziniert gewesen und habe seine Ansichten zur Musik und zum Film gemocht.[9]

2018 wurde Marc Almond für seine Verdienste um Kunst und Kultur zum Offizier des Order of the British Empire (OBE) ernannt.[10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[11]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
 DE  AT  CH  UK  US
1984 Vermin in Ermine UK36
(2 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: Oktober 1984
mit The Willing Sinners
1985 Stories of Johnny UK22
(3 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: September 1985
mit The Willing Sinners
1987 Mother Fist and Her Five Daughters UK41
(2 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 6. April 1987
mit The Willing Sinners
1988 The Stars We Are DE9
(17 Wo.)DE
AT15
(6 Wo.)AT
CH5
(9 Wo.)CH
UK41
Silber
Silber

(5 Wo.)UK
US144
(11 Wo.)US
Erstveröffentlichung: September 1988
1989 Jacques
Erstveröffentlichung: Dezember 1989
1990 Enchanted DE73
(4 Wo.)DE
UK52
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: Juni 1990
1991 Tenement Symphony UK39
(3 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 14. Oktober 1991
1993 Absinthe
Erstveröffentlichung: Oktober 1993
1996 Fantastic Star UK54
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 19. Februar 1996
1999 Open All Night
Erstveröffentlichung: März 1999
2001 Stranger Things
Erstveröffentlichung: 18. Juni 2001
2003 Heart on Snow
Erstveröffentlichung: 21. Oktober 2003
2007 Stardom Road UK53
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 4. Juni 2007
2009 Orpheus in Exile
Erstveröffentlichung: 6. Oktober 2009
2010 Varieté
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2010
2011 Feasting with Panthers
Erstveröffentlichung: 30. Mai 2011
2014 The Tyburn Tree (Dark London)
Erstveröffentlichung: 24. Februar 2014
The Dancing Marquis
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2014
Ten Plagues – A Song Cycle
Erstveröffentlichung: 7. Juli 2014
2015 The Velvet Trail UK62
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 9. März 2015
Against Nature
Erstveröffentlichung: November 2015
2016 Silver City Ride
Erstveröffentlichung: 19. Juni 2016
mit Starcluster
2017 Shadows and Reflections UK14
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: September 2017
2018 How To Destroy Angels
Erstveröffentlichung: 3. August 2018
als Coil + Zos Kia
A Lovely Life to Live UK61
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: November 2018
mit Jools Holland
2020 Chaos and a Dancing Star UK35
(1 Wo.)UK
Erstveröffentlichung: 31. Januar 2020

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Soft Cell. Eintrag bei Rate Your Music (englisch).
  2. Marc Almond on the Mend. New Musical Express, 28. Oktober 2004 (englisch).
  3. Stuart Husband: In a taxi with... Soft Cell singer Marc Almond. Abgerufen am 3. August 2021.
  4. Tony Clayton-Lea: Marc Almond: ‘Sometimes I feel I’m sewn together’. Abgerufen am 3. August 2021 (englisch).
  5. Marc Almond: 'I hate the LGBT thing. There's no gay community anymore'. Abgerufen am 3. August 2021 (englisch).
  6. Marc Almond facts: What are his biggest songs, how old is he and is he married? Abgerufen am 3. August 2021 (englisch).
  7. Marc Almond (Memento vom 22. Juli 2012 im Webarchiv archive.today). Website der Church of Satan (englisch).
  8. Boyd Rice Interview from Bizarre. In: Website von Boyd Rice. Archiviert vom Original am 4. Oktober 2007; abgerufen am 1. Februar 2010 (englisch).
  9. Max Dax: Marc Almond: „Ich musste Dinge sagen wie ‚Heil Satan!‘“ In: Die Welt. 22. Juli 2007, abgerufen am 1. Februar 2010.
  10. OBE for ‘little bit’ anti-establishment Marc Almond. Irish Independent, 19. Dezember 2017 (englisch).
  11. Chartquellen: DE AT CH UK US

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marc Almond – Sammlung von Bildern