Marc Hoffmann

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Marc Hoffmann (* 1. August 1973 in Plettenberg) ist ein deutscher Sexualstraftäter und Mörder.[1][2] Er wurde im Juni 2005 wegen sexuellen Missbrauchs und der Ermordung von zwei Kindern zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Es kann zudem nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Hoffmann für weitere, bis heute ungeklärte Sexualstraftaten und Morde verantwortlich ist.[1][2]

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Marc Hoffmann wurde als Sohn eines ehemaligen Seemannes und einer Krankenschwester in Plettenberg im Sauerland geboren. Hoffmann wuchs als Einzelkind zunächst in Plettenberg auf, bevor die Familie 1980 in das kleine Dorf Nuttmecke bei Attendorn umzog, wo man fortan mit den Großeltern ein gemeinsames Haus bewohnte.[1]

Weil Hoffmann bereits als Kind relativ dick war, X-Beine hatte und außerdem stotterte, war er vermehrt den Hänseleien von Gleichaltrigen ausgesetzt. In jungen Jahren galt Hoffmann deshalb als Außenseiter.[1]

Marc Hoffmann war ein schlechter Schüler. Nach dem Ende der Grundschule besuchte er die Hauptschule. Sowohl auf der Grundschule, als auch auf der Hauptschule, musste er jeweils eine Klasse wiederholen. Im Alter von 16 Jahren verließ Hoffmann die Hauptschule bereits nach Vollendung der achten Klasse und folglich ohne Schulabschluss.[1]

Erwachsenenalter[Bearbeiten]

Danach war Hoffmann rund drei Jahre arbeitslos, bevor er ab 1992 elf Monate als Wärter beim Attendorner Bauhof angestellt war, wo er Hausmeisterarbeiten erledigte.[1] Seine Freizeit verbrachte Hoffmann zunehmend mit dem Spielen von Ego-Shootern. Außerdem entwickelte er um diese Zeit auch nachweislich eine Vorliebe für Gewalt- und Horrorfilme. Darüber hinaus begann Hoffmann in den frühen 1990er Jahren damit, Tiere wie z. B. von ihm gefangene Frösche und Mäuse, vorsätzlich zu quälen und zu töten.[1]

1993 ging Marc Hoffmann zur Bundeswehr, um seinen Wehrdienst abzuleisten. Nach dem Ende des Wehrdienstes kehrte Hoffmann nach Nuttmecke zurück, wo er vorübergehend in die örtliche Neonazi-Szene driftete, jedoch nur ein Mitläufer blieb.[1] Erst als Hoffmann 20 Jahre alt war, sammelte er erste sexuelle Erfahrungen mit einem Mädchen aus dem Nachbardorf, welches kurz darauf von ihm schwanger wurde und 1994 seine erste Tochter Laura zur Welt brachte.[1][3]

Vergewaltigungsversuche und Anklagen[Bearbeiten]

Im selben Jahr, im Februar 1994, trat Hoffmann das erste Mal als Sexualstraftäter in Erscheinung, als er eine 17-jährige Anhalterin in einem abgelegenen Waldstück vergewaltigen wollte. Weil Hoffmann geständig war und außerdem bis dahin keinerlei Vorstrafen hatte, wurde ihm im Zuge des folgenden Prozesses eine „positive Sozialprognose“ bescheinigt, so dass die zweijährige Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Seine Freundin, mit welcher er eine gemeinsame Tochter hatte, trennte sich aber infolge des Prozesses von ihm.[1][3]

1995 zog Marc Hoffmann zusammen mit seinen Eltern und Großeltern von Nuttmecke nach Bremerhaven. Seine Tochter Laura nahm er mit. In Bremerhaven lebte die Familie fortan in der Sonnenstraße 10. Kurze Zeit nach dem Umzug starb der Vater an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.[1][3] Nach dem Tod des Vaters begann Marc Hoffmann eine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur. Er konnte jedoch die Abschlussprüfung zweimal nicht bestehen und brach diese Ausbildung daraufhin ab.[1][3] Danach arbeitete Hoffmann für fünf Jahre für das Deutsche Rote Kreuz als Sanitäter bei Großveranstaltungen. Während dieser Zeit lernte er seine spätere Ehefrau kennen, welche er bald darauf heiratete.[1][3]

Ab dem Jahr 2000 arbeitete Hoffmann dann für eine Sicherheitsfirma in Bremerhaven, für welche er in Bussen Fahrkarten kontrollierte. Während dieser Zeit wurde Hoffmann erneut der Vergewaltigung einer 17-Jährigen beschuldigt, welche er während seiner beruflichen Tätigkeit in einem Bus kennengelernt haben soll. Dieses Verfahren wurde aber mangels Beweisen eingestellt.[1][3]

2002 brachte seine Ehefrau die gemeinsame Tochter Sophie-Andrea zur Welt. Dennoch kriselte die Ehe mittlerweile, da ihn seine Ehefrau zunehmend der Untreue verdächtigte. Dieser Verdacht war dabei alles andere als haltlos, zumal Hoffmann seit jeher eine große Leidenschaft dafür hatte, ziellos mit dem Auto über längere Strecken umherzufahren, um offensichtlich emotionale Spannungen abzubauen. Diesbezüglich beklagte sich seine Ehefrau auch vermehrt über die monatlich sehr hohen Ausgaben für Benzin. Außerdem verdächtigte sie ihren Mann, regelmäßig den Baby-Straßenstrich von Bremerhaven aufzusuchen.[1][3]

Marc Hoffmann verlor seinen Posten bei der Bremerhavener Sicherheitsfirma im Juni 2003 und war daraufhin bis zu seiner Festnahme arbeitslos, was sein zielloses Umherfahren nur noch verstärkte. Seine Ehefrau trennte sich letztendlich im Frühjahr 2004 von ihm und zog mit der gemeinsamen Tochter aus der Wohnung aus, während Hoffmann zusammen mit seiner älteren Tochter dort zurückblieb.[1]

Morde[Bearbeiten]

Am 6. Mai 2004 traf Hoffmann im Cuxhavener Stadtteil Altenwalde zufällig auf die vor ihrem Elternhaus wartende achtjährige Levke Straßheim, als er ziellos mit seinem Auto umherfuhr. Er lockte das Mädchen mit falschen Behauptungen in sein Auto und verschleppte es in ein Waldstück, wo er sich an dem Kind sexuell verging und es anschließend mit einem Kabelbinder erdrosselte. Nach der Ermordung des Mädchens bettete Hoffmann den Leichnam mehrmals um, bevor er in unmittelbarer Nähe zu seinem Heimatort Attendorn ein sicheres Versteck für die sterblichen Überreste gefunden zu haben glaubte. Die inzwischen skelettierte Leiche von Levke wurde Ende August 2004 von einer Pilzsammlerin entdeckt.[2][4][3][5]
Unbeeindruckt von der nun einsetzenden Großfahndung nach Levkes Mörder suchte Hoffmann offenbar weiterhin nach neuen Opfern. Am 30. Oktober 2004 traf er während einer seiner ziellosen Rundfahrten auf den achtjährigen Felix Wille aus Neu Ebersdorf im Landkreis Rotenburg, der mit seinem Fahrrad unterwegs war. Analog zu Levke lockte Hoffmann den Jungen in sein Auto und fuhr in einen Wald. Nachdem er das Einsetzen der Dunkelheit abgewartet hatte, verging sich Hoffmann an dem Kind. Daraufhin erwürgte er Felix mit bloßen Händen und warf die Leiche in den Fluss Geeste bei Bremerhaven.[2] Die Leiche wurde erst am 7. Januar nach einem entsprechenden Hinweis des inzwischen verhafteten und geständigen Marc Hoffmann von Polizeitauchern „als Paket verschnürt“ in dem Fluss gefunden.[6][5][7][8]

Festnahme, Prozess und Verurteilung[Bearbeiten]

Marc Hoffmann wurde am Abend des 8. Dezember 2004 im Zusammenhang mit den Morden an Levke und Felix verhaftet.[6] Noch am gleichen Tag gestand Hoffmann den Mord an Levke. Am 7. Januar 2005 bekannte er sich zudem über seine Anwälte zur Ermordung von Felix.[4][3][5][9][7] Am 9. Mai 2005 wurde der Prozess gegen Hoffmann vor dem Landgericht Stade eröffnet.[6]

Die Familie von Levke trat im Prozess als Nebenkläger auf.[4] Hoffmann schwieg während des gesamten Prozesses. Sämtliche Äußerungen seinerseits wurden durch seine Anwälte verlesen.[3]

Am 29. Juni 2005 verurteilte das Landgericht Stade Marc Hoffmann für die Ermordung und den sexuellen Missbrauch der beiden Kinder Levke und Felix zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Weil darüber hinaus eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, wurde für Hoffmann außerdem eine anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Somit ist es durchaus möglich, dass Marc Hoffmann das Gefängnis nie wieder verlassen wird.[2]

Der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Berend Appelkamp, begründete das Urteil damit, dass Hoffmann „anderen unvorstellbares Leid zugefügt“ habe. Hoffmann nahm das Urteil ohne erkennbare Regung auf.[2]

Marc Hoffmann verbüßt seine lebenslange Freiheitsstrafe derzeit in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.[10]

Persönlichkeit[Bearbeiten]

Aufgrund des von Zeitzeugen als sehr resolut beschriebenen Charakters seiner Mutter, welche ihn „wie ein rohes Ei“ behandelt haben soll, wird Hoffmann heute rückblickend vermehrt als Muttersöhnchen betrachtet. Zeitzeugen beschreiben ihn zudem meist als einen weniger intelligenten „Grobian“ mit geringem Einfühlungsvermögen[1]

Hinsichtlich erster sexueller Erfahrungen wird Hoffmann als „Spätzünder“ angesehen, zumal er in seinen Jugendjahren im Gegensatz zu Gleichaltrigen kaum Bindungen zum anderen Geschlecht herstellen konnte. Die Tatsache, dass Hoffmann mit nur einem Hoden geboren wurde, war sicher ein wesentlicher Grund für seine Hemmungen. In diesem Zusammenhang konsumierte er als Heranwachsender zunehmend Pornographie.[1]

Im Zuge von nach seiner Verhaftung angefertigten Gutachten wurde Marc Hoffmann als „nicht psychisch krank“ und demnach als „voll schuldfähig“ eingestuft. Laut dieser Gutachten ist Hoffmann außerdem weder sadistisch veranlagt, noch pädophil. Diesbezüglich kamen die Gutachter zu der Erkenntnis, dass sich Hoffmann vor allem deshalb an Kindern vergangen habe, weil diese für ihn vergleichsweise einfache Opfer darstellten. Außerdem wurde Hoffmann im Verlauf des Prozesses ein „massiver Mangel an Emotionalität und Mitgefühl“ attestiert.[2]

Mögliche weitere Verbrechen Hoffmanns[Bearbeiten]

Im Hinblick auf eventuelle weitere, durch Marc Hoffmann verübte Verbrechen wurde, und wird bis heute, insbesondere die nach wie vor ungeklärte Ermordung der 10-jährigen Adelina in Bremen vom Juni 2001 in Betracht gezogen.[11] Diesbezüglich wurde der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Marc Hoffmann im September 2005 von Beamten zur Fundstelle der Leiche des Mädchens geführt. Durch diese Maßnahme sollte Hoffmann dazu bewegt werden, nach den Morden an Levke und Felix auch den Mord an Adelina zu gestehen. Hoffmann gestand diesen Mord jedoch bis heute nicht. Jedoch soll er die Tat gegenüber einem Zellengenossen gestanden haben.[12]

Des Weiteren soll Hoffmann gegenüber einem Mitgefangenen sechs weitere sexuell motivierte Morde gestanden haben. Dabei soll es sich nach Medienberichten um zwei Kinder in Ostdeutschland, zwei Anhalterinnen und zwei ältere Frauen handeln. Hoffmann räumte später ein, dass er dem Mithäftling das Betreffende zwar erzählt habe, jedoch ließ er verlauten, dass all dies frei erfunden gewesen wäre.[4][13]

Auch der bis heute ungeklärte Mord an der achtjährigen Johanna aus Ranstadt-Bobenhausen in Hessen, welche am 2. September 1999 verschwand, wird bisweilen mit Marc Hoffmann in Verbindung gebracht. Die Leiche des Mädchens wurde sieben Monate später gefunden.[8]

Während seiner Untersuchungshaft soll Marc Hoffmann gegenüber Beamten die Ermordung einer alten Frau in seinem Heimatdorf angedeutet haben. Weil 1994 in Attendorn tatsächlich eine 86-jährige Frau spurlos verschwand, wird Hoffmann bis heute auch mit diesem bisher ungeklärten Kriminalfall in Verbindung gebracht.[13]

Marc Hoffmann wurde außerdem vermehrt mit den sogenannten Schullandheim-Morden in Verbindung gebracht, welche lange Zeit ungeklärt blieben. Diese konnten aber 2011 einem anderen Täter zugeordnet werden.[8]

Im Gefängnis in Oldenburg gestand Marc Hoffmann gegenüber einem Gutachter zudem die Vergewaltigung von zwei Frauen.[10]

Sonstiges[Bearbeiten]

Laut Polizei stellt im Fall von Marc Hoffmann die Tatsache, dass er sowohl Mädchen als auch Jungen als Opfer wählte, eine kriminalistische Besonderheit dar.[8][2]

Den in den Mordfällen von Levke und Felix ermittelnden Behörden wurden nach der Festnahme Hoffmanns Ermittlungspannen vorgeworfen. So sollen schon rund sieben Wochen vor der Ermordung von Felix stichhaltige Hinweise auf die Täterschaft Hoffmanns im Fall von Levke vorgelegen haben. Jedoch sollen dementsprechende Zeugenaussagen nicht hinreichend beachtet worden sein. Die Polizei wies seinerzeit derartige Vorwürfe zurück.[14][11][3]

Im April 2010 strahlte die ARD den Film Haltet die Welt an aus, welcher auf einem Buch von Anja Wille, der Mutter von Felix, basiert.

Im Mai 2010 räumte der ehemalige Sprecher der Sonderkommission Levke, Günter König-Kruse, gegenüber der Nordsee-Zeitung ein, dass Hoffmann am 13., 16. und 29. Juni auf den Parkplatz, an dem er Levkes Schulranzen und Jacke weggeworfen hatte, zurückgekehrt war und dabei von durch die Polizei positionierten Videokameras gefilmt wurde. Dies war rund 4 Monate vor dem Verschwinden von Felix. Jedoch soll es wegen diesen Videoaufzeichnungen erst am 29. November zu einem Aktenvermerk gekommen sein, also gut 3 Wochen nach dem Tod von Felix. Darüber hinaus soll eine langjährige Bekannte Hoffmanns im Rahmen einer Silberhochzeit bereits am 7. September einen dort anwesenden Polizisten mit ihrem Verdacht konfrontiert haben, dass es sich bei Levkes Mörder um Hoffmann handeln könnte. Am Tag darauf habe sie dann eine offizielle Aussage bei der Polizei gemacht, zumal sie auch von Hoffmanns Vorstrafe wegen Vergewaltigung wusste. Die Sonderkommission bestätigte keine dieser an die Öffentlichkeit geratenen Details.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Stern (2004): Mordfall Levke - "Er war einfach nicht gesegnet", 1. April 2012
  2. a b c d e f g h Stern (2005): Gerichtsurteil - Höchststrafe für Kindermörder Hoffmann, 1. April 2012
  3. a b c d e f g h i j k Focus (2005): Levke und Felix - Hoffmann schweigt vor Gericht, 1. April 2012
  4. a b c d Hamburger Morgenpost (2005): Prozess nach den Morden an Levke und Felix, 1. April 2012
  5. a b c Welt (2004): Wir haben ihn, 1. April 2012
  6. a b c RP-Online (2005): Fall Levke und Felix: Hoffmann voll schuldfähig?, 1. April 2012
  7. a b Netzeitung.de (2005): Mörder des Mädchens Levke führt Polizei zu Felix' Leiche und gesteht dessen Tötung, 1. April 2012
  8. a b c d Stern (2005): Der Doppelmord passt nicht ins Bild, 1. April 2012
  9. Stern (2004): Geständnis - Mordfall Levke ist aufgeklärt, 1. April 2012
  10. a b Focus (2005): Mordprozess: "...danach für Kinder entschieden", 1. April 2012
  11. a b Hamburger Morgenpost (2005): Soko weist Pannen in den Mordfällen Levke und Felix zurück, 1. April 2012
  12. RP-Online (2005): Polizei führt Hoffmann zur Fundstelle der Leiche von Adelina, 1. April 2012
  13. a b Stern (2005): Levke-Prozess: Hoffmann deutet Mord an alter Frau an, 1. April 2012
  14. RP-Online (2005): Mordfälle Levke/Felix: Schluderte die Polizei?, 1. April 2012
  15. Süddeutsche Zeitung (2010): Levke-Mord: Unausgewertete Hinweise, 1. April 2012