Marcel Bohnert

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Marcel Bohnert (* 1979 in Schwerin) ist ein deutscher Offizier (Major i.G.) und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1997 trat er als Unteroffizieranwärter in das Heer der Bundeswehr ein. 2002 wechselte er in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes; sein derzeitiger Dienstgrad ist Major der Panzergrenadiertruppe.

Auslandseinsätze führten ihn im Rahmen von Task Forces als Gruppenführer in den Kosovo (1999/2000)[1] und als Chef Infanteriekompanie nach Afghanistan (2011/2012).[2] In Kunduz war er mit seinen Männern und Frauen sechs Monate lang für die Sicherheit im Unruhedistrikt Chahar Darreh verantwortlich.[3]

Von 2004 bis 2008 studierte er an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg Pädagogik und der Central Connecticut State University in New Britain, Connecticut Psychologie. Nach einer Verwendung als Leiter einer Studentenfachbereichsgruppe[4] absolviert er seit 2015 die Generalstabsausbildung (LGAN) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Er ist Autor zahlreicher Beiträge, u.a. veröffentlicht er regelmäßig im Jahrbuch Innere Führung.

Sein 2014 erschienener Buchband Armee im Aufbruch ist laut Frankfurter Allgemeine Zeitung das „wichtigste soldatische Selbstbekenntnis der vergangenen Jahrzehnte“.[5] Die Publikation wurde in der Fachwelt kontrovers diskutiert, da sich einige Autoren darin gegen die Prinzipien der Inneren Führung aussprechen.[6][7] Bohnert selbst vertrat bereits vor dem Erscheinen von Armee im Aufbruch die der Konzeption entgegenstehende Ansicht, das Soldatsein sei ein Beruf sui generis.[8] Auch in neueren Publikationen betont er das Kämpfen als Kernauftrag und Alleinstellungsmerkmal der deutschen Streitkräfte.[9]

2017 sorgte er in der sich entwickelnden Krise der Bundeswehr durch einen Namensartikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Aufsehen, weil er darin die ausbleibenden öffentlichen Wortmeldungen von Spitzenmilitärs kritisierte.[10] Bohnert war "seit Jahren der erste Soldat, der sich in dieser Deutlichkeit in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet hat." [11]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Innere Führung auf dem Prüfstand. Lehren aus dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr DeutscherVeteranenVerlag/GermanVeteransPublishing, Hamburg, 2017, ISBN 978-3-7448-9902-4.
  • Zum Umgang mit belasteter Vergangenheit im postgenozidalen Ruanda (= Zeitgeschichte. Bd. 12). Roderer, Regensburg 2008, ISBN 978-3-89783-621-1.
  • mit Lukas J. Reitstetter (Hrsg.): Armee im Aufbruch. Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr. Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-937885-98-8.
  • mit Björn Schreiber (Hrsg.): Die unsichtbaren Veteranen. Kriegsheimkehrer in der deutschen Gesellschaft (herausgegeben für den Bund Deutscher EinsatzVeteranen). Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-945861-27-1.
  • mit Florian Beerenkämper, Anja Buresch, Sandra Matuszewski: Der innerafghanische Friedens- und Aussöhnungsprozess. Folgerungen für die künftige deutsche Beteiligung an internationalen Operationen zur Krisenbewältigung in fragilen Staaten (= Standpunkte und Orientierungen. Bd. 8). Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-945861-40-0.
  • mit Andy Neumann: German Mechanized Infantry on Combat Operations in Afghanistan (= Book Series: German Veterans Publishing/Maison d'edition d'anciens combattans). Carola Hartmann Miles-Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-945861-45-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcel Bohnert: Warum ich Soldat bleibe. In: Loyal - Magazin für Sicherheitspolitik. Nr. 10, 2014, ISSN 0343-0103, S. 25 f.
  2. Nowitzki, Manja (2012): Die Angst ist täglicher Begleiter, In: Schweriner Volkszeitung, 24.01.2012, S. 3 (Link Volltext: http://www.nnn.de/incoming/die-angst-ist-taeglicher-begleiter-id4281306.html )
  3. https://www.stripes.com/ready-to-fight-german-soldiers-afghan-mission-shifts-from-reconstruction-and-training-to-engaging-enemy-1.165410#.WVl2Y-nfPIU
  4. Der einsame Kämpfer. Wie Soldaten in Afghanistan zwischen Drinnies und Draußies unterscheiden. In: Loyal - Magazin für Sicherheitspolitik, 2013
  5. Wagner, Gerald (2016): Großartige Erregung. Der Krieg als Glücksfall für den Soldaten: In Deutschland entsteht eine neue Kultur des Heldentums, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Oktober 2016, S. 13.
  6. NDR: Junge Offiziere kritisieren Innere Führung. In: www.ndr.de. Abgerufen am 6. Januar 2017.
  7. Gerald Wagner: Bundeswehr-Universität: Keiner weiß, wie der Landser tickt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Februar 2015, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. Januar 2017]).
  8. Bohnert, Marcel: Armee in zwei Welten. In: Martin Böcker, Larsen Kempf, Felix Springer (Hrsg.): Soldatentum. Auf der Suche nach Identität und Berufung der Bundeswehr heute. Olzog, München 2013, S. 75–89, hier S. 84.
  9. Global Public Policy Institute (GPPi): Milliarden statt Millionen für zivile Konfliktlösung: Antwort auf Marcel Bohnert. In: PeaceLab2016. (peacelab2016.de [abgerufen am 13. April 2017]).
  10. Über Korpsgeist und Kampftruppen http://plus.faz.net/politik/2017-04-29/7y7mhurgvn4pk1woygeyejv/?gepc=s3
  11. Marco Seliger: Ein Hauch von Rebellion, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Mai 2017 http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/krise-in-der-bundeswehr-ein-hauch-von-rebellion-15000545.html