Marcel Dassault

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Marcel Dassault (1914)

Marcel Dassault (* 22. Januar 1892 in Paris; † 17. April 1986 in Neuilly-sur-Seine; geboren als Marcel Bloch) war ein französischer Luftfahrtunternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bloch war der Sohn des jüdischen Allgemeinarztes[1][2] Adolphe Bloch aus dem Elsass und der Noémie Allatini[3], deren Familie sephardische Juden waren; sein Großonkel Moïse Allatini (1809–1882) aus Thessaloniki war einer der reichsten Männer im Osmanischen Reich. Der Komponist Darius Milhaud und der Kampfpilot Nissim de Camondo waren seine Neffen.

Er besuchte das Pariser Traditionsgymnasium Lycée Condorcet und eine Elitehochschule, die Luftfahrthochschule (ENSAE). Er war einer der ersten Luft- und Raumfahrtstudenten Frankreichs. Im Ersten Weltkrieg entwickelte er gemeinsam mit Henri Potez 1917 für die Französische Luftwaffe unter der Bezeichnung Éclair (frz. für ‚Blitz‘) einen sehr effizienten Holz-Propeller[4].

1928 gründete er das Luftfahrtunternehmen Société des Avions Marcel Bloch. Unter der Regierung der Front populaire 1936–37 wurde sein Unternehmen verstaatlicht und in die SNCASO fusioniert. Er leitete als administrateur délégué das Unternehmen. Mit der Entschädigung aus der Verstaatlichung gründete er die Societé Anonyme des Avions Marcel Bloch, mit der er für die SNCASO Flugzeuge entwickelte, wofür von dieser erhebliche Lizenzzahlungen flossen.[5] Dies nahm die rechtsextreme Presse, insbesondere das Wochenblatt Gringoire, zum Anlass, ihn heftig anzugreifen.[6]

Nach der Niederlage Frankreichs und dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) wurden die Attacken, auch mit Bezug auf seinen jüdischen Glauben, heftiger[7] und führten am 6. Oktober 1940 zu seiner Verhaftung und Internierung durch das Vichy-Regime in Cannes.[8] Er wurde mehrfach freigelassen und, insbesondere auf Betreiben des Ministers Jean Bergeret (General) erneut verhaftet. Schließlich wurde er mit seiner Familie im März 1944 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald deportiert. Seine Familie wurde im Gefängnis sowie im Sammellager Drancy interniert.

Bloch sollte als so genannter „wirtschaftlich wertvoller Jude“ für die deutschen Besatzer arbeiten, verweigerte aber jede Kooperation mit der deutschen Luftfahrtindustrie. Er überlebte durch den Schutz eines Vertrauten von Wilhelm Canaris sowie die Gemeinschaft der französischen Häftlinge, unter anderem Henri Frager, Marcel Paul und Albert Baudet[9].

Im Jahr 1949 änderte er seinen Namen von Bloch über Bloch-Dassault (1946) zu Dassault. Dassault war das Pseudonym seines Bruders General Darius Paul Bloch, der in der französischen Résistance war. Der Name spielt auf den Widerstand an (Codename „Chardasso“) und leitet sich wohl von char d’assaut, dem französischen Begriff für ‚Kampfpanzer‘ ab. 1950 trat Dassault zum katholischen Glauben über.[10]

Dassault entwickelte später auch die Kampfflugzeuge vom Typ Mystère und Mirage mit und leitete das Unternehmen S.A. Avions Marcel Dassault-Breguet Aviation mit 16.000 Mitarbeitern bis zu seinem Tode.

Marcel Dassault war 1951 bis 1956 Abgeordneter der französischen Nationalversammlung für das Département Alpes-Maritimes und 1957/1958 Senator für das Départements Oise, zudem Alterspräsident der Nationalversammlung.[11]

Marcel Dassaults Frau Madeleine Minckes stammte aus einer jüdischen Familie, die aus Litauen nach Frankreich eingewandert war. Ihr Sohn Serge Dassault, u. a. Verleger, war zu seiner Zeit zweitreichster Mann Frankreichs.

Bekannte Flugzeugkonstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 24. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jspace.com
  2. Marcel Bloch-dassault Dead at 94.
  3. Marie-Odile Mergnac, Histoire familiale des hommes politiques français, Archives & culture, 1997, S. 72
  4. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 45
  5. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 99–102
  6. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 111
  7. Pierre Assouline, monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 144–145
  8. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 148
  9. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 185–205
  10. Pierre Assouline, Monsieur Dassault, Balland, 1983, S. 218
  11. Angaben zur Person auf der Seite des französischen Senats (frz.), abgerufen am 17. Januar 2014