Marcel Senn

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Marcel Senn (* 26. März 1954 in Thun) ist ein Schweizer Rechtshistoriker und Rechtsphilosoph und seit 1998 ordentlicher Professor für Rechtsgeschichte, Juristische Zeitgeschichte und Rechtsphilosophie an der Universität Zürich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marcel Senn studierte Rechtswissenschaft an der Universität Zürich und promovierte 1982. Für seine Dissertation «Rechtshistorisches Selbstverständnis im Wandel. Ein Beitrag zur Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Rechtsgeschichte» erhielt er 1983 den Professor-Walther-Hug-Preis. Von 1982 bis 1995 war er in verschiedenen Funktionen in der Praxis tätig. Mit seiner Schrift «Spinoza und die deutsche Rechtswissenschaft. Eine historische Studie zum Rezeptionsdefizit des Spinozismus in der Rechtswissenschaft des deutschsprachigen Kulturraumes» habilitierte er sich 1991 an der Universität Zürich, wo er zunächst als Privatdozent unterrichtete und seit 1995 als ausserordentlicher und seit 1998 als ordentlicher Professor forscht und lehrt.

Forschungsschwerpunkte von Marcel Senn bilden die Aufklärungsphilosphie, das Naturrecht im Rechtsdenken (Spinoza, Thomasius, Wolff, Kant, Hegel), der Naturalismus im Recht (19./20. Jh.) und die Stadtrechte des Spätmittelalters. Ein weiteres Forschungsinteresse betrifft die Wissenschaftsgeschichte der Rechtsgeschichte und der Rechts- und Gesellschaftsphilosophie.

Von 2008 bis 2010 war Marcel Senn Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Als Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie führte er in den Jahren 2005 bis 2009 Kongresse zu den Themen «Gehirnforschung und rechtliche Verantwortung»[1], «Rechtswissenschaft als Kulturwissenschaft?»,[2] «Rechtswissenschaft und Hermeneutik»[3] sowie «Recht und Globalisierung»[4] durch.

Seit 2006 ist Marcel Senn Stiftungsrat der Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins, welche die Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen auch online herausgibt.

Im Jahr 2016 wurde sein Werk «Rechts- und Gesellschaftsphilosophie. Historische Fundamente der europäischen, nordamerikanischen, indischen sowie chinesischen Rechts- und Gesellschaftsphilosophie»[5] (1. Auflage) in die chinesische Sprache übersetzt und sein Werk «Rechtsgeschichte – ein kulturhistorischer Grundriss»[6] (4. Auflage) wurde in die russische Sprache übersetzt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rechts- und Gesellschaftsphilosophie. Historische Fundamente der europäischen, nordamerikanischen, indischen sowie chinesischen Rechtsphilosophie. Eine Einführung mit Quellenmaterialien. Mit einem Gastbeitrag zum «Sinomarxismus» von Prof. Dr. phil. und Dr. iur. Harro von Senger, Zürich/St. Gallen: Dike, 2. A. 2017. Die vollständig überarbeitete 2. Auflage des Buches ist in Kooperation mit dem Nomos Verlag in Baden-Baden erschienen.
  • Rechtsphilosophisches und rechtshistorisches Selbstverständnis im Wandel. Zwanzig Beiträge zur Entstehung und Verbreitung des Wissenschaftsverständnisses von Recht, Zürich/St. Gallen: Dike 2016.
  • Rechtswissenschaft und Juristenausbildung. Fünf kritische Beiträge zu Grundlagenfragen der Wissenschaft des Rechts nach Einführung der Bologna-Reform, Zürich/St. Gallen: Dike 2013.
  • Rechts- und Gesellschaftsphilosophie. Historische Fundamente der europäischen, nordamerikanischen, indischen sowie chinesischen Rechtsphilosophie. Eine Einführung mit Quellenmaterialien. Mit einem Gastbeitrag zum «Sinomarxismus» von Harro von Senger. Dike, Zürich/St. Gallen 2012.
  • Das mittelalterliche Zürich. Ein Stadtrundgang. Dike, Zürich/St. Gallen 2007.
  • Recht – gestern und heute: Juristische Zeitgeschichte. Schulthess, Zürich 2002; später: Rechtsgeschichte II – Juristische Zeitgeschichte, ab 2. Auflage 2004 zus. m. Lukas Gschwend, 3., neubearbeitete Auflage 2010.
  • Rechtsgeschichte – ein kulturhistorischer Grundriss. Schulthess, Zürich 1997; 4. Auflage 2007.
  • Spinoza und die deutsche Rechtswissenschaft. Eine historische Studie zum Rezeptionsdefizit des Spinozismus in der Rechtswissenschaft des deutschsprachigen Kulturraumes (= Zürcher Studien zur Rechtsgeschichte. Bd. 22). Schulthess, Zürich 1991 (Habilitationsschrift, Universität Zürich, 1989).
  • Rechtshistorisches Selbstverständnis im Wandel. Ein Beitrag zur Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte der Rechtsgeschichte (= Zürcher Studien zur Rechtsgeschichte. Bd. 7). Schulthess, Zürich 1982 (Dissertation, Universität Zürich, 1982).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gehirnforschung und rechtliche Verantwortung. Fachtagung der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie, 19. und 20. Mai 2006, Universität Bern, hrsg. v. Marcel Senn, Dániel Puskás, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2006, 171 S. (= ARSP Beiheft Nr. 111).
  2. Rechtswissenschaft als Kulturwissenschaft? Kongress der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie, 15. und 16. Juni 2007, Universität Zürich, hrsg. v. Marcel Senn, Dániel Puskás, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2007, 220 S. (= ARSP Beiheft 115).
  3. Rechtswissenschaft und Hermeneutik. Kongress der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie, 16. und 17. Mai 2008, Universität Zürich, hrsg. v. Marcel Senn, Barbara Fritschi, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2009, 258 S. (= ARSP Beiheft 117).
  4. Recht und Globalisierung. Kongress der Schweizerischen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie, 15. und 16. Mai 2009, Universität Genf, hrsg. v. Marcel Senn, Bénédict Winiger, Barbara Fritschi, Philippe Avramov, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2010, 196 S. (= ARSP Beiheft 121).
  5. Rechts- und Gesellschaftsphilosophie. 1. A. Auflage. China University of Political Science and Law Press, Beijing 2016.
  6. Rechtsgeschichte - ein kulturhistorischer Grundriss. Verlag des Instituts für Rechtswissenschaften, St. Petersburg 2016.