Marco Bülow

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Marco Bülow (2018)

Marco Bülow (* 14. Juni 1971 in Dortmund) ist ein deutscher Politiker (Die PARTEI, bis 2018 SPD) und Autor. Von 2002 bis 2021 gehörte er als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestagswahlkreis Dortmund I dem Deutschen Bundestag an.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur an der Anne-Frank-Gesamtschule in Dortmund studierte Bülow Journalistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund. Er brach sein Studium allerdings ohne Abschluss ab. Danach war er als freier Journalist tätig.

Politische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1992 bis 2018 war Bülow Mitglied der SPD. Er engagierte sich zunächst bei den Jusos und war 1992 bis 1999 Mitglied im Juso-Vorstand Dortmund, zeitweise auch als Vorsitzender. Er gründete die Juso-Hochschulgruppe neu und war 1992 bis 1995 Mitglied des Studentenparlaments sowie 1992 bis 1994 Mitglied im AStA, unter anderem als stellvertretender Vorsitzender. 1996 wurde er Mitglied im SPD-Vorstand Dortmund.[1] Von 1999 bis 2002 war Bülow sachkundiger Bürger im Stadtrat Dortmund.

Von 2002 bis 2021 war Bülow Mitglied des Deutschen Bundestages.[1] Hier war er 2002 bis 2005 stellvertretender Sprecher der Gruppe der jungen Abgeordneten „Youngsters“ in der SPD-Bundestagsfraktion. 2005 bis 2009 war er Sprecher der Fraktionsarbeitsgruppe für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Diese Funktion gab er 2009 ab und wurde bis zur Bundestagswahl 2013 stellvertretender Energiepolitischer Sprecher.[1] Innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion gehörte er der Parlamentarischen Linken an.

Bei der Bundestagswahl 2017 wurde er erneut direkt in den Bundestag gewählt. Seitdem war er ordentliches Mitglied im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Seit seinem Austritt aus der SPD am 28. November 2018 saß Bülow als partei- und fraktionsloser Politiker im Parlament.[2] Sein Austritt aus der SPD im November 2018 geschah als Reaktion auf länger andauernde inhaltliche und personelle Verstimmungen zwischen Bülow und der Partei.[3]

Am 17. November 2020 trat Bülow in die Die PARTEI ein und war damit der erste Bundestagsabgeordnete der Partei.[4] Zu seinen Beweggründen sagte Bülow, er sehe Die PARTEI als „Partei der Zukunft“; außerdem sei die Tatsache, dass Satire der Gesellschaft und Politik den „Spiegel vorhalte“, grundlegend für ihn.[5] Er war beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Bei der Bundestagswahl 2021 trat er für Die PARTEI im Wahlkreis Dortmund I an und erhielt 8,6 % der Erststimmen. Damit wurde er viertstärkster Kandidat.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Besprechung seines Buches Wir Abnicker. Über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter (2010) schrieb Helmut Lölhöffel: „In der SPD gilt Bülow zwar als aufrichtig und loyal, aber auch als egozentrischer Einzelgänger.“[7]

Er verfolgt in der sogenannten Progressiven Plattform zwei Ziele: In einem gemeinsamen linken Bündnis sollen einerseits die SPD erneuert und andererseits Konzepte gegen die soziale Ungleichheit in Deutschland entwickelt werden.[8] 5.000 Menschen unterschrieben den Aufruf der Progressiven Plattform. Rund die Hälfte der Unterstützer seien SPD-Mitglieder, die andere Hälfte Mitglieder in anderen Parteien oder parteilos.[9]

Bülow ist Mitunterzeichner des Aufrufs für die linke Sammelbewegung Aufstehen[10] und prangert in seinem Buch „Lobbyland“ den Profitlobbyismus an, der seiner Meinung nach in Deutschland überhand genommen hat.[11] Er vertritt die Meinung, dass der "Fraktionszwang" abgeschafft werden sollte, um wieder echte, demokratische Politik zu ermöglichen.[12]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dortmund engagierte Bülow sich über lange Zeit in der Dortmunder Aidshilfe. Zudem ist er Mitglied in der Arbeiterwohlfahrt, ver.di, Amnesty International, Greenpeace und Anhänger von Borussia Dortmund.

Im Januar 2016 gründete er zusammen mit anderen die Initiative „Demokratie Plus“, die nach eigenen Angaben das Ziel hat, „unsere Demokratie nachhaltig zu verbessern und voranzutreiben“. Wahlmüdigkeit, Legitimitätsprobleme und Lobbyismus sollen thematisiert werden.[13]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marco Bülow ist geschieden. Er wurde im November 2010 Vater von Zwillingen, einem Jungen und einem Mädchen. Der Sohn starb noch am Tag der Geburt; Bülow nahm daraufhin eine politische Auszeit bis Februar 2011.[1][14]

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marco Bülow – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Deutscher Bundestag – Marco Bülow. Abgerufen am 20. Mai 2019.
  2. Zeit-Online, „Marco Bülow – der Mann, der zu viel wollte“, 27. November 2018, abgerufen 28. Januar 2020
  3. Dortmunder Bundestagsabgeordneter Marco Bülow ist aus der SPD ausgetreten. In: Zeit Online. Abgerufen am 27. November 2018.
  4. Früherer SPD-Politiker Bülow in »Die Partei« eingetreten. In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 17. November 2020.
  5. „Martin Sonneborn & Marco Bülow über die PARTEI im Bundestag – Jung & Naiv: Folge 487“, 16. November 2020, abgerufen am 17. November 2020
  6. Jakob Bauer, Paul Blickle, Fabian Dinklage, Annick Ehmann, Christian Endt, Carla Grefe-Huge, Moritz Klack, Christopher Möller, Christopher Pietsch, David Schach, Julian Stahnke, Julius Tröger: Bundestagswahl 2021: Wahlergebnis Dortmund I. In: Die Zeit. 15. Oktober 2021, abgerufen am 12. Dezember 2021.
  7. Süddeutsche Zeitung, 25. Mai 2010. Zum Buch vgl. auch Christoph Hickmann: Die Leiden des jungen B., in: Der Spiegel 10/2010, S. 39f.
  8. Archivierte Kopie (Memento vom 22. November 2018 im Internet Archive) ; SPD-Politiker planen neue linke Plattform. In: Spiegel Online. 7. März 2018; Wie Bülow & Co. eine neue linke Plattform schaffen wollen. In: blog.ard-hauptstadtstudio.de. 8. März 2018, abgerufen am 23. November 2018
  9. Miriam Schröder: Plattform gegen die Krise. In: taz.de. 12. Juni 2018, abgerufen am 23. November 2018.
  10. Linke Sammlungsbewegung vor dem Start. In: stern.de. 4. September 2018, abgerufen am 4. September 2018.
  11. Demokratie und Lobbyismus - "Lobbyland" von Marco Bülow. In: der Freitag. 25. Juni 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  12. Okan Bellikli: Marco Bülows Kampf gegen Lobbyismus - »Wir haben keine echte Demokratie mehr«. In: SPIEGEL Politik. DER SPIEGEL, 4. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  13. „Demokratie Plus“ stellt sich in der VHS vor. In: derwesten.de. 21. Januar 2016, abgerufen am 23. November 2018
  14. Bülow (SPD) muss Tod des Sohnes verarbeiten. In: DerWesten. FUNKE MEDIEN NRW GmbH, 10. Dezember 2010, abgerufen am 24. März 2017.
  15. Robert Probst: House of Milchglas. Der Abgeordnete Marco Bülow wettert gegen den Politlobbyismus. Rezension, in: Süddeutsche Zeitung, 13. September 2021, S. 13