Marcus Creed

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Marcus Alan Creed (* 19. April 1951 in Eastbourne, Sussex) ist ein englischer Dirigent, Pianist und Chorleiter.

Leben[Bearbeiten]

Creed wuchs an der Südküste Englands in Eastbourne, Sussex, auf. Er begann seine Studien am King’s College in Cambridge, wo er auch im berühmten King's College Choir sang, und setzte diese an der Christ Church in Oxford und der Guildhall School of Music and Drama in London fort.

Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland lebte er ab 1977 in West-Berlin. Dort war er an der Deutschen Oper für zunächst sieben Jahre Repetitor und dann von 1984 bis 1987 Chordirektor. An der Hochschule der Künste Berlin lehrte er im Bereich Lied. Außerdem arbeitete er in Berlin mit der Gruppe „Neue Musik“ und dem „Scharoun Ensemble“ als Pianist und Dirigent zusammen.

Von 1986 an war er dann fünfzehn Jahre lang Chefdirigent des RIAS Kammerchores in Berlin.[1]In dieser Zeit gelang es ihm, das Profil des Chores, insbesondere in Bezug auf die Moderne, aber auch der Historischen Aufführungspraxis der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts zu schärfen, was auch für die Aufführungen der Chorwerke der Romantik mit seinem kammermusikalisch-transparenten Ansatz, nicht ohne Folgen blieb. Die Ergebnisse dieser Arbeit brachten ihm und dem RIAS Kammerchor für deren CD-Einspielungen zahlreiche internationale Auszeichnungen, wie etwa den Edison Award, den Diapason d’or oder den Cannes Classical Award ein.

Creed dirigierte die führenden deutschen Barockorchester, wie etwa das Freiburger Barockorchester und Concerto Köln, mit etwa 150 Konzerten aber besondere häufig die Akademie für Alte Musik Berlin. Dieser Zusammenarbeit entsprangen vielbeachtete Produktionen und Konzerte. Hervorzuheben ist hier besonders die Serie der Aufführungen von Oratorien Georg Friedrich Händels: Solomon (1991), Jephtha (1992 und 1999), Judas Maccabaeus (1993), Israel in Egypt (1993 und 2000), La Resurrezione (1994), The Alexander's Feast (1994), Theodora (1995), The Messiah (1996), Belshazzar (1996, 2002 und 2003), L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato (1997), Saul (1998), Coronation Anthems (2001), Hercules (2002), Acis and Galatea (2003), Brockes-Passion (2008) und Dixit Dominus (2008 und 2010).

Darüber hinaus dirigierte er die Staatskapelle Berlin und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und trat bei zahlreichen internationalen Festivals, wie z. B. Wien Modern, den Salzburger Festspielen, den Berliner Festwochen und den Festivals in Montreux, Edinburgh, Luzern, Innsbruck sowie den Händelfestspielen in Göttingen und Halle auf.

1998 wurde er von der Hochschule für Musik Köln zum Professor für Chordirigieren berufen.

Konnte Creed schon in seiner Berliner Zeit Maßstäbe in der Interpretation Neuer Musik setzen, wie etwa der Pionierleistung der ersten Gesamtaufführung der bis dahin als unaufführbar geltenden Lamentatio Jeremiæ Prophetæ, op. 93 (1941), von Ernst Krenek oder der Aufführung von Karlheinz Stockhausens Werk Gruppen (1957) in Kooperation mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmoniker[2], so boten sich in dieser Hinsicht beim SWR Vokalensemble Stuttgart, dessen künstlerische Leitung er im Januar 2003 übernahm, noch vielfältigere Möglichkeiten.[3][4] Mit diesem Ensemble brachte er besonders bei den Werken der Komponisten der klassischen Moderne, wie beispielsweise György Ligeti, Luigi Nono oder Olivier Messiaen eindrucksvolle Produktionen heraus.[5]

Seit 2014 ist Creed auch Chefdirigent des DR VokalEnsemblets in Kopenhagen.[6]

Bei aller Unterschiedlichkeit der Stile steht bei Creed stets der charakteristische Klang eines jeden Komponisten bzw. der jeweiligen Epoche im Focus seiner Interpretation. 2010 wurde Creed mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik ausgezeichnet. Sein Schaffen ist auf zahlreichen CD-Aufnahmen dokumentiert:

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcus Creed 1986 – 2001. rias-kammerchor.de, abgerufen am 20. April 2015.
  2. Marcus Creed (Conductor). bach-cantatas.com, abgerufen am 27. April 2015.
  3. Chefdirigent des SWR Vokalensembles Stuttgart. swr.de, abgerufen am 27. April 2015.
  4. Porträt: Marcus Creed. Die Wärme des Klangs ist sein Ziel. swr.de, 23. Februar 2004, abgerufen am 27. April 2015.
  5. SWR Vokalensemble Stuttgart Saison 2014/2015. swr.de, abgerufen am 27. April 2015.
  6. Chefdirigent Marcus Creed. dr.dk, abgerufen am 27. April 2015.