Marcus Kaiser

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Marcus Kaiser (* 1966 in Stuttgart) ist ein deutscher Fotograf und Medienkünstler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser studierte Fotografie bei Gottfried Jäger und Soziologie bei Niklas Luhmann in Bielefeld und anschließend postgraduiert Medienkunst bei Thomas Struth, Hans Belting und Boris Groys an der Hochschule für Gestaltung am ZKM in Karlsruhe. Seit 2002 ist Kaiser auch als Hochschuldozent an verschiedenen Universitäten und Kunsthochschulen tätig. Von 2002 bis 2010 forschte und lehrte er am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald. Von 2007 bis 2008 war er Lehrbeauftragter an der Hochschule Anhalt in Dessau, 2011 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 2013 lehrte er am Queensland College of Art der Griffith University in Brisbane. Seit 2012 ist er Hochschuldozent für Fotografie und Bildmedien an der Fakultät Gestaltung Würzburg.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein zentraler Aspekt seiner Arbeiten ist die Untersuchung des Mediums der Fotografie auf ihre Funktion und Bedeutung für unser kulturelles Gedächtnis. Mit der Arbeit „Mauerblicke/Wall Views“ (1990) verbindet er eine historische Dokumentation mit einer Analyse der Fotografie.

„… man hat es mit einer technischen Reflexion auf die Methode der Ideologie zu tun. Kaisers Mauerbilder sind eine Archäologie der Ideologie oder des Ideologischen, indem sie die Methode der Ideologie auf ihre materiellen und technischen Wirklichkeitsbedingungen treffen lassen. …“ (Knut Ebeling)[1][2][3][4][5]

„… In Kaisers Werk ist die Mauer das ideologische Monument, an dem die Bilder der Welt zusammenbrechen. Als Ideologie, die zum Denkmal wird, markiert die Berliner Mauer die Grenze, die das Bild der Welt in sein Gegenteil verkehrt. Kurzum, in Kaisers Bildern von der Berliner Mauer trifft das physisch verkehrte Bild auf das Bild als philosophische und ideologische Umkehrung. Der Teilung des Bildes setzt Kaiser Bilder der Teilung entgegen. Bilder, die die Teilung nicht nur repräsentieren, sondern Teilung sind und ihr begegnen, indem sie die Teilung des Mediums in das Monument der Teilung verlagern. Kaisers Blick ins Innere des Mediums ‚Berliner Mauer‘ ist eine Art Selbstporträt der Kamera, das den verborgenen Code einer visuellen Darstellung sichtbar macht. Damit zeigt Kaiser das nicht Zeigbare, den Blinden Fleck: Die Form der Unterscheidung. Durch diesen Blick auf das Medium wird die Formulierung der Bilder, und nicht das Bild selbst, hervorgehoben. Es ist kein Objekt, das hier dargestellt wird; der Gegenstand dieser Bilder ist die Bildung einer objekthaften Visualität. Was hier sichtbar wird, ist das rohe Äußere des ideologieproduzierenden subjektiven Inneren. Die daraus resultierenden Bilder hängen nicht vom Blickwinkel eines Motivs ab, sondern von einem Denkmal. Hier schaut niemand hin, es ist die Leere, die uns anschaut. Niemandes Auge schafft ein anonymes und neutrales Bild, ein entstelltes Bild, das noch nie jemand gesehen hat.“ (Rómulo Peña)[6]

Ausstellungen(Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2020 The Centre for Contemporary Art – Ujazdowski Castle, Warschau
  • 2017 National Media Museum, Bradford, UK
  • 2015 The Centre for Contemporary Art – Ujazdowski Castle, Warschau[7]
  • 2014/ 2015 New Mexico Museum, Santa Fé
  • 2012 Rencontres Images et Ville, Nimes
  • 2010 Edith-Russ-Haus für Medienkunst, Oldenburg (Oldb)
  • 2009 Ludwig-Forum für internationale Kunst, Aachen
  • 2008 Museum Ephraims-Palais, Berlin
  • 2005 Zachęta Nationalgalerie, Warschau
  • 2001 ZKM, Karlsruhe
  • 1993 Kunstmuseum Heidenheim an der Brenz
  • 1992 Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund
  • 1990 Martin-Gropius-Bau Berlin, Preis für junge europäische Fotografen

Sammlungen(Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wall Views. In: Knut Ebeling: Die Mauer als Medium: Bild, Medium, Ideologie in den Mauerblicken von Marcus Kaiser, Extra-Verlag., 2009, S. 24–35
  2. Marcus Kaiser, Fotografische Arbeiten. Dr. Réné Hirner, Heidenheim 1994
  3. Mauerblicke-Wall Views. Eine Camera-Obscura-Arbeit. In: European Photography 45, (Vol. 12, nr. 1, 1991), S. 34, 35
  4. Marcus Kaiser: Wall Views. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche In: Eric Renner: Pinhole Photography, From Historic Technique to Digital Application, Science & Ideology, Fig. 3.25A-Fig. 3.25D
  5. Esthétique du mur géopolitique. Elisa Ganivet, Presses de l’Université du Québec, 2015
  6. LAS DOS CARAS DE LA MONEDA
  7. The Centre for Contemporary Art – Ujazdowski Castle, Warschau