Marcus Pleyer

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Marcus Pleyer (* 3. März 1969 in Bensheim) ist ein deutscher Jurist, der als Ministerialdirigent im Bundesministerium der Finanzen tätig ist.

Seit Juli 2020 ist Pleyer Präsident der Financial Action Task Force (FATF), der internationalen Institution mit Sitz in Paris, die global die in über 200 Jurisdiktionen anerkannten Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche und der Finanzierung des Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen (Proliferation) setzt sowie deren Einhaltung mit ihrem Netzwerk aus neun Regionalorganisationen weltweit überprüft.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleyer legte 1988 am humanistischen Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim das Abitur ab.[1] Nach zweijährigem Wehrdienst als Soldat auf Zeit (Sanitäter) in Marburg und Darmstadt studierte Pleyer als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes von 1990 bis 1995 Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg einschließlich eines Auslandssemesters an der National University of Singapore und Praktika u. a. an der Deutschen Botschaft in Washington D.C. und im Deutschen Bundestag.

Nach dem ersten Staatsexamen an der Universität Heidelberg absolvierte er ab 1995 den Referendardienst im Bezirk des Oberlandesgerichtes Karlsruhe (u. a. mit einer Station an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer und bei der Rechtsanwaltskanzlei Bruckhaus Westrick Stegemann in Frankfurt am Main) und unterrichtete parallel an der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg als Tutor im Strafrecht. Nach dem Erwerb der Befähigung zum Richteramt durch erfolgreichen Abschluss des Assessorexamens nahm Pleyer von 1997 bis 1998 – mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes – ein Postgraduiertenstudium an der University of Edinburgh (Law School/Europa Institute) auf und erwarb dort einen Master of Laws (LL.M.). 1999 bis 2002 absolvierte er berufsbegleitend ein betriebswirtschaftliches Aufbaustudium an der Fernuniversität Hagen in Kooperation mit der University of Wales mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen und schloss 2002 mit einem Master of Business Administration (M.B.A.) ab.[2] Im Jahre 2003 wurde Pleyer an der Juristischen Fakultät der Universität Dresden bei Hartmut Bauer mit einer staatsrechtlichen Arbeit zum Föderalismus („Föderative Gleichheit“) promoviert.[3]

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleyer arbeitete ab 1998 zunächst mehrere Jahre als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Öffentliches Rechts, Staatsrecht und Wirtschaftsrecht von Hartmut Bauer an der Juristischen Fakultät der Universität Dresden[4], bevor er im Jahre 2004 eine Tätigkeit als Referent bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Frankfurt am Main aufnahm, wo er im Bereich der Wertpapieraufsicht tätig war. Anfang 2006 wechselte er in das Referat für Börsen- und Wertpapierwesen im Bundesministerium der Finanzen in Berlin. Ab Mitte 2006 arbeitete Pleyer im Bundeskanzleramt, zunächst im Referat für Wirtschaftsrecht, Handwerk, Mittelstand und Wettbewerbspolitik. In der Finanzkrise – nach der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 – holte Jens Weidmann, damals Chefberater der Bundeskanzlerin für Wirtschaft, ihn in die ad hoc eingerichtete zweiköpfige Projektgruppe Finanzmarktstabilisierung. Anschließend arbeitete Pleyer für Weidmann in seiner Funktion als G8/G20 Sherpa im dafür neu eingerichteten Sherpa-Stab.

Während der Schuldenkrise in Europa holte Bundesminister Wolfgang Schäuble Mitte 2011 Pleyer als Wirtschafts- und Finanzexperten ins Bundesministerium der Finanzen zurück und machte ihn zum Leiter seines Ministerbüros und persönlichen Referenten.[5][6] In dieser Zeit findet man Pleyer an der Seite des Ministers insbesondere bei allen europäischen und internationalen Terminen wie Eurogruppensitzungen, G20-Finanzministertreffen oder Tagungen des Internationalen Währungsfonds.[7] Mitte 2014 übernahm Pleyer das Referat für Grundsatzfragen und Internationales in der Finanzmarktabteilung des Bundesministeriums der Finanzen. Im Januar 2015 betraute Schäuble Pleyer mit der Aufgabe, die neue ukrainische Finanzministerin, Natalie Jaresko, als Sonderberater bei den finanzpolitischen Herausforderungen in der Ukraine zu unterstützen und als Bindeglied zwischen der ukrainischen Regierung und der Bundesregierung zu fungieren. Während dieses diplomatischen Einsatzes berichtete Pleyer aus Kiew auch an das Auswärtige Amt und das Bundeskanzleramt über die Lage in der Ukraine und arbeitete als Mitglied einer deutsch-französischen OSZE-Expertenmission mit an Lösungen für die Minsker Friedensgespräche.[8]

Seit November 2015 leitet Pleyer die Unterabteilung VII A im Bundesministerium der Finanzen mit Verantwortlichkeiten für Internationale Finanzmärkte, die Förderbanken des Bundes, insbesondere die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), digitale Finanztechnologien, Zahlungsverkehr und Cybersicherheit, Finanzsanktionen sowie die Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Pleyer hat das Bundesministerium der Finanzen viele Jahre im Financial Service Committee (FSC) in Brüssel, in der G7 Cyber Experts Group und weiteren internationalen Foren vertreten und sitzt außerdem für den Bund seit 2016 im Verwaltungsrat der Landwirtschaftlichen Rentenbank sowie seit 2017 im Kuratorium der Bundesstiftung Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, zu deren Aufbau er zusammen mit Thorsten Herdan und Jürgen Trittin maßgeblich beigetragen hat.

Pleyer ist derzeit auch Mitglied der Steering Group des World Economic Forum Digital Currency Governance Consortiums in Davos, der FinCyber Advisory Group der Carnegie Stiftung in Washington D.C. sowie der Cross-Border Payments Coordination Group des Financial Stability Boards in Basel.

FATF-Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleyer leitete seit Mitte 2016 die deutsche Delegation bei der Financial Action Task Force (FATF), der internationalen Institution, die weltweit gültige Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzierung von Terrorismus und Proliferation setzt und deren Einhaltung global überprüft. Vom 1. Juli 2019 bis zum 30. Juni 2020 übte er das Amt des Vizepräsidenten der FATF aus. In dieser Zeit legte er den Fokus vor allem auf die Stärkung des globalen Netzwerks der FATF aus neun Regionalorganisationen, über die sich 205 Jurisdiktionen der Einhaltung der FATF-Standards verpflichtet haben und regelmäßig Prüfungen ihrer Mitglieder durchführen. Im Februar 2020 wurde Pleyer von den Vertretern der 37 Mitgliedsländer und zwei Internationalen Organisationen einstimmig zum Präsidenten der FATF gewählt.[9] Als die Minister der FATF-Mitgliedsländer der 1989 gegründeten FATF im Jahr 2019 erstmals ein zeitlich unbeschränktes Mandat erteilten, verlängerten sie auch die Amtszeit des Präsidenten von einem auf zwei Jahre, um die FATF als internationale Institution zu stärken. Somit trat Pleyer am 1. Juli 2020 die erste zweijährige Präsidentschaft der FATF an. Die Statuten der FATF lassen eine Wiederwahl nicht zu, sodass sein Amt im Juni 2022 endet.[10]

Als Präsident leitet Pleyer die Plenarversammlungen mit mehreren hundert Delegierten, legt die Tagesordnungen fest, schlägt der Plenarversammlung die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen vor und fungiert als Sprecher der Organisation gegenüber der Öffentlichkeit. Er wird bei seiner Arbeit von einem Sekretariat mit rund 70 Mitarbeitern in Paris unterstützt. Aus allen Angelegenheiten, die sein eigenes Land – Deutschland – betreffen, ist der Präsident nach den FATF Internal Governance Principles ausgeschlossen.[11][12] Pleyer nimmt außerdem regelmäßig an den Sitzungen der G20 Finanzminister und Notenbankgouverneure teil und wurde im November 2020 als erster FATF-Präsident auch zum G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs eingeladen, auf dem er die Staatschefs insbesondere auf die Gefahren illegaler Finanzströme in der Covid-19-Pandemie hinwies.[13][14][15]

Für seine Präsidentschaft hat Pleyer folgende Prioritäten gesetzt[16][17]: Die Kernaufgaben der FATF – die Fortentwicklung der Standards und die Prüfung ihrer rechtlichen und effektiven Umsetzung in den 205 Jurisdiktionen des globalen Netzwerks der FATF – sollen auch unter den erschwerten Bedingungen der Covid-19-Pandemie – soweit es der Schutz der Gesundheit aller Beteiligten und die Umstände erlauben – fortgeführt werden. Ein weiteres Projekt seiner Präsidentschaft richtet sich auf die Potenziale der Digitalisierung für den Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.[18] Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verfolgung von Finanzflüssen aus Umweltkriminalität, womit die FATF einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet.[19] Zum ersten Mal setzt sich die FATF unter Pleyers Präsidentschaft auch mit der Finanzierung des Rechtsterrorismus auseinander.[20] Weitere Schwerpunkte liegen auf der Bekämpfung von Finanzflüssen aus Schleuserkriminalität und Waffenhandel sowie auf Geldwäsche im Immobiliensektor. Schließlich wird sich die FATF auch intensiver mit financial inclusion und dem Problem des derisking auseinandersetzen, das die Arbeit von NGOs, etwa im humanitären Bereich, oder Rücküberweisungen, erschwert.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleyer erhielt am Konservatorium von Hanni Werber-Römer in Heppenheim eine musikalische Ausbildung am Klavier.[21] In der Krankenpflege war Pleyer zwei Jahre lang zwischen Abitur und Studium tätig, u. a. mit Stationen am Universitätsklinikum Marburg (Neurochirurgie und Unfallchirurgie) und im Sanitätsbereich der Bundeswehr in Darmstadt. Während der Anfangsphase seiner beruflichen Laufbahn absolvierte er bei der Deutschen Börse den Börsenhändlerlehrgang und legte erfolgreich die Prüfung zum Börsenhändler an der Frankfurter Wertpapierbörse ab.

Pleyer ist der Bruder der Schauspielerin Marita Pleyer (1955–2004), die u. a. in den 1980er Jahren mit Rainer Werner Fassbinder zusammenarbeitete und mit dem Arzt und Philosophen Hinderk Meiners Emrich verheiratet war. Die aus dieser Ehe stammende Producerin in der Film- und Fernsehbranche, Lydia-Maria Emrich, ist Pleyers Nichte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Waller: Mit einem Raketenstart zum Traumabitur: Marcus Pleyer aus Hambach besteht Reifeprüfung am AKG mit dem Notenschnitt 1.0. Bergsträßer Echo, 12. Juli 1988, S. 8.
  2. Lebenslauf von Marcus Pleyer auf der FATF-Webseite. Abgerufen am 11. April 2021.
  3. Marcus Pleyer: Föderative Gleichheit. Mongoraphie. Duncker & Humblot, Berlin 2005.
  4. Auswahl aus Publikationen von Pleyer aus dieser Zeit z.B. „Verfassungswidrige Verlängerung der ‚Spekulationsfristen‘ durch das Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002s Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002“, Neue Juristische Wochenschrift 1999, S. 3156ff.; „Die Befugnis der Deutschen Börse AG zur einseitigen Änderung des Regelwerks Neuer Markt“, Zeitschrift für Bank- und Kapitalmarktrecht 2002, S. 102 ff. (zusammen mit Harmut Bauer und Kirsten Hirche); „Die Europäisierung des Baurechts“, in: Bauer u.a. (Hrsg.), 100 Jahre Allgemeines Baugesetz Sachsen (Festschrift), Stuttgart u.a. 2000, S. 603 ff. (zusammen mit Hartmut Bauer); „Die europäische Integration als Herausforderung für das Verfassungsrecht: Diskussionsbericht, in: Hartmut Bauer u.a. (Hrsg), Ius Publicum im Umbruch, Referate und Diskussionsbeiträge des XI. Deutsch-Polnischen Verwaltungskolloquiums in Jena, Stuttgart u.a. 2000, S. 156ff. (zusammen mit Christof Möllers); „Föderative Gleichheit“, Monographie, 2005.
  5. Hanna Gersmann: Die Wichtigen der Mächtigen. Tagesspiegel, 18. Februar 2014, S. 14.
  6. Schäubles Büroleiter in seinem alten Klassensaal. Bergsträßer Anzeiger, 25. Februar 2013, S. 9.
  7. Financial Times Deutschland. 4. Mai 2012, S. 18.
  8. Moritz Gathmann: Schäubles Feuerlöscher. Nr. 11. Cicero, November 2015, S. 58.
  9. Tobias Fischer: Marcus Pleyer wird oberster Geldwäscheregulierer. Börsen-Zeitung, 22. Februar 2020, S. 12.
  10. Webseite der FATF. Abgerufen am 14. Februar 2021.
  11. Markus Zydra: Es fällt schwer, an Zufälle zu glauben. Süddeutsche Zeitung, 7. Dezember 2020, S. 21.
  12. Marcus Pleyer: Prioritäten der deutschen Präsidentschaft der Financial Action Task Force. Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 1. April 2021, S. 338.
  13. Michael Ränker: Ein Bergsträßer diskutiert beim G20-Gipfel mit. Bergsträsser Anzeiger, 25. November 2020, S. 9.
  14. Marcus Pleyer: Videobotschaft von Pleyer zum G20-Gipfel. Abgerufen am 9. April 2021.
  15. Warnung des FATF-Präsidenten vor Finanzkriminalität in der Pandemie. Börsen-Zeitung, 24. Oktober 2020, S. 3.
  16. Ingo Malcher, Mark Schieritz: Teilen und verdienen, Marcus Pleyer, oberster Geldwäsche-Bekämpfer, über Leaks, Banken und Kriminelle. DIE ZEIT, 24. September 2020, S. 22.
  17. Tobias Fischer: Chef des Anti-Geldwäsche-Regulierers stellt Agenda vor. Börsen-Zeitung, 1. Juli 2020, S. 3.
  18. 7 Questions for AML Task Force President Marcus Pleyer. LAW 360, 19. Oktober 2020.
  19. Dylan Tokar: Money Laundering Watchdog Turns Focus to Digital Tools, Extremism. The Wall Street Journal, 28. Dezember 2020.
  20. Julie Edde: Virus may further delay finance crime watchdog visit. Luxembourg Times, 11. Februar 2021.
  21. Der Einser-Schüler aus dem Tal der Rosen. Bergsträßer Anzeiger, 20. Juli 1988, S. 4.