Marcus Urban

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Marcus Urban (2011)

Marcus Urban (* 4. August 1971 in Weimar[1][2], früher Marcus Schneider[3]) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der durch die Veröffentlichung seiner Biografie „Versteckspieler“ bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urban wuchs in der DDR auf. Im Alter von 13 Jahren ging er zur Kinder- und Jugendsportschule nach Erfurt, an der er zusammen mit Weltmeistern und Olympiasiegern des DDR-Sports lernte. Er durchlief die DDR-Fußballnationalmannschaften verschiedener Altersklassen.[4]

Urban war in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre beim FC Rot-Weiß Erfurt Mittelfeldspieler in der Nachwuchsoberliga, was heute einer Nachwuchsbundesliga entspräche,[5][6] wobei er gegen spätere Spieler der Deutschen Nationalmannschaft wie Bernd Schneider, Thomas Linke, Steffen Freund oder Frank Rost spielte.[3] Er stand kurz davor, Berufsfußballer zu werden, aber der Druck, sich als Homosexueller in der Fußballwelt verstecken zu müssen, verhinderte eine mögliche Karriere.[7]

Er studierte Stadt- und Regionalplanung an der Bauhaus-Universität in Weimar und schloss 2000 als Diplom-Ingenieur mit Spezialisierung auf Erneuerbare Energien ab. Im November 2007 hatte er in einem Interview sein Coming-out als Homosexueller.[5][8] 2008 erschien seine Biografie mit dem Titel „Versteckspieler. Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban“.[9][10]

Sein Weg führte ihn in die Arbeit als Ingenieur für Windkraftplanung, in unterschiedliche Kulturen, in die Design-Welt Mailands oder in die Arbeit mit behinderten Künstlern. Heute ist er gefragter Aufklärer in den Medien sowie Berater und Bildungsreferent in Lesungen und Seminare. Er wird als Diversität-Berater und Personal Coach für Einzelpersonen und Organisationen zu einem Ratgeber zu Fragen der Selbstsicherheit und zu den Themen Vielfalts- und Interkulturelle Kompetenzen. Urban hielt Reden im Sportausschuss des Deutschen Bundestages oder bei Wirtschaftsunternehmen, arbeitete für den Deutschen Olympischen Sportbund, den DFB und veranstaltete Lesungen an Theatern und in sozialen Einrichtungen.[11]

Urban ist Vorstand des Vereins für Vielfalt in Sport und Gesellschaft[12] und Mitgründer des Expertennetzwerkes „Fußball für Vielfalt“, früher „Fußball gegen Homophobie“, einem Projekt der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronny Blaschke: Versteckspieler. Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2008, ISBN 978-3-89533-611-9.
  • Leibfried, Dirk; Erb, Andreas: Das Schweigen der Männer: Homosexualität im deutschen Fußball. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 2011, ISBN 978-3-89533-815-1
  • Rohlwing, Christoph: Homosexualität im deutschen Profifußball: Schwulenfreie Zone Fußballplatz? Tectum-Verlag, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-82883-596-2
  • Walther-Ahrens, Tanja: Seitenwechsel: Coming-Out im Fußball. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-57906-699-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marcus Urban – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Homepage von Marcus Urban
  • Homosexueller Fußballer. Einsame Spitze. In: tageszeitung (taz), 16. Oktober 2008 (Porträt über Marcus Urban: „Marcus Urban ist Profifußballer und homosexuell. Für den Erfolg opfert er Freiheit: Ein Outing kann das sportliche Aus bedeuten. Offen schwul lebt er erst seit Ende seiner Karriere.“)
  • „Ich hatte Angst vor mir selbst“ – Marcus Urban im Gespräch mit Patrick Hoffmann. In: planet-interview, 12. Dezember 2008 („Marcus Urban über Homophobie im Fußball, warum ‚schwul‘ ein Schimpfwort auf dem Rasen geworden ist und ob er sich heute befreiter fühlt“)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage von Marcus Urban. In: marcus-urban.de, abgerufen am 16. Juli 2017.
  2. Fußball-Star Marcus Urban im Thüringen Talk. Schluss mit den Versteckspielen. In: antennethueringen.de, abgerufen am 16. Juli 2017.
  3. a b Roland Kirbach: Schwulsein heute – ganz normal? Homosexuelle haben Erfolg in Kultur und Politik. Sie prägen ganze Branchen und Stadtviertel. Aber zugleich wächst der Hass auf sie. In: zeit.de. Die Zeit, 21. Juni 2007, abgerufen am 29. Oktober 2008.
  4. „Allein das Wort schwul machte mir Angst“ (Memento vom 30. Juni 2012 im Webarchiv archive.is). In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 29. Oktober 2008, abgerufen am 16. Juli 2017 („Marcus Urban galt als einer der talentiertesten Fußballspieler seiner Altersklasse im DDR-Fußball – in einem Buch berichtet er über sein Leben als homosexueller Sportler“; eingeschränkte Vorschau).
  5. a b Marcus Urban im Gespräch mit Kai-Niels Bogena: „Schwule Fußballer haben Angst“. In: welt.de. 11. November 2007, abgerufen am 16. Juli 2017 („In keiner anderen Sportart wird der Umgang mit der Homosexualität so tabuisiert wie im Fußball. Marcus Urban war Mittelfeldspieler in der Zweiten Liga. Er beendete seine Karriere aus Scham. In der ‚Welt am Sonntag‘ bricht er sein jahrelanges Schweigen und spricht über Scheinehen und Versteckspiel“).
  6. Kicker. Sonderheft Ausgabe 1991/1992 sowie diverse Einzelausgaben Anfang der 90er.
  7. Adrian Lobe: Die archaische Welt des Fußballs. „Bist du schwul, bist du pfui!“ Ein Essay. In: zeit.de. Zeit Online, 17. März 2010, abgerufen am 16. Juli 2017 („In der Arena der Männlichkeit: Wie der Fall Amerell die moralische Leere, den Materialismus und die fehlende Ethik im Fußball offenbart.“).
  8. Jan Feddersen: Schwule Fußballer. Outing verzweifelt gesucht. In: taz, abgerufen am 16. Juli 2017.
  9. Carsten Weidemann: Der erste schwule Fußballer bricht das Schweigen. In: queer.de, abgerufen am 16. Juli 2017 („Homosexualität gilt als letztes Tabu im Profifußball. Der ‚Versteckspieler‘ Marcus Urban hat jetzt seine Lebensgeschichte als Buch vorgelegt.“).
  10. Tobias Schall: Marcus Urban: „Ich dachte: als Kicker ist man nicht schwul“. Der Fußballer und seine Lebensgeschichte (Memento vom 24. November 2010 im Internet Archive). In: stuttgarter-zeitung.de, 3. November 2008, abgerufen am 16. Juli 2017.
  11. a b Referenzen. In: marcus-urban.de, abgerufen am 16. Juli 2017.
  12. Impressum. Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft, abgerufen am 16. Juli 2017.