Mareike Carrière

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Mareike Carrière auf der Berlinale 2010

Mareike Carrière (* 26. Juli 1954 in Hannover; † 17. März 2014[1] in Hamburg[2]) war eine deutsche Schauspielerin. Sie war auch als Hörspielsprecherin, Atemtherapeutin und Coach tätig.

Leben[Bearbeiten]

Mareike Carrière wurde 1954 in Hannover geboren und wuchs in Lübeck auf. Sie war die Tochter des bekannten Psychiaters und Nervenarztes Dr. Bern Carriere. Bereits als Kind stand sie auf der Bühne, gemeinsam mit ihren Brüdern Mathieu und Till (1952–1979). Beide Brüder ergriffen den Schauspielerberuf. Till, ein Theaterschauspieler, nahm sich im Alter von 26 Jahren das Leben.

Im Alter von 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung an der Lübecker Schauspielschule. Nachdem sie diese abgeschlossen hatte, holte sie ihr Abitur nach und studierte an der Sorbonne in Paris Englisch und Französisch. Mit einem Diplom als Übersetzerin beendete sie dieses Studium.[3]

1977 drehte sie ihren ersten internationalen Spielfilm Taugenichts (Regie: Bernhard Sinkel), nach der Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff. Gleich im Anschluss daran drehte sie Un second souffle unter der Regie von Gérard Blain. 1978 wählte Eberhard Schubert sie unter 1000 Kandidatinnen als Hauptdarstellerin für sein Nazi-Drama Flamme empor aus. Für diese Rolle erhielt sie den Kritikerpreis.

1981 kehrte Carrière aus Paris zurück nach Deutschland und heiratete den Filmproduzenten Joachim von Vietinghoff. Ihr Lebensmittelpunkt wurde Berlin. Sie spielte Theater, drehte internationale Kino- und Fernsehfilme und absolvierte eine Ausbildung zur Atempädagogin am Ilse-Middendorf-Institut für den Erfahrbaren Atem in Berlin.

1986 wurde sie die erste Streifenpolizistin im deutschen Fernsehen (nachdem es zuvor bereits weibliche Kommissare gegeben hatte, z. B. im Tatort) an der Seite von Arthur Brauss in der Serie Großstadtrevier. Sie hatte zuvor bei der Polizei hospitiert und Karate und Schießen gelernt.[4] Parallel zum Großstadtrevier stand sie in Berlin für die Serie Praxis Bülowbogen vor der Kamera, in der sie die Rolle der Dr. Katrin Brockmann spielte. Außerdem drehte sie internationale Spielfilme: Yerma, Mary Ward, Die Tänzerin, Zugzwang (unter der Regie ihres Bruders Mathieu Carrière), The Rosegarden (Regie: Oscar-Preisträger Fons Rademakers) und Fernsehfilme wie Schuldig auf Verdacht, Die Laurents, die Geschichte der Hugenotten und Christian Rother, Bankier von Preußen.

1993 stieg Carrière nach 62 Folgen aus dem Großstadtrevier aus. Sie spielte danach in der von der ARD für sie entwickelten Serie Die Schule am See und im Sechsteiler L’avvocato delle donne, einer italienisch-deutschen Koproduktion für die RAI und die ARD. 2001 spielte sie zusammen mit der jungen Miriam Stein die Hauptrolle im ARD-Film Das Mädchen aus der Fremde. Dieser Film wurde mehrfach auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet und ist bis heute der am häufigsten wiederholte Spielfilm der ARD.

Im Jahr 2002 spielte sie für das ZDF in der Trilogie Pommery und… Putenbrust – Hochzeitstorte – Leichenschmaus, die Geschichte einer Berliner Familie, mit Armin Rohde, Katharina Thalbach und Horst Krause.

2003 wechselte sie das Genre. Für ProSieben spielte sie in der Comedy-Serie Was nicht passt, wird passend gemacht nach dem Kinoerfolg von Peter Thorwarth. Es folgte die Verfilmung von Unkenrufe – Zeit der Versöhnung nach dem gleichnamigen Roman von Günter Grass, einige Filme fürs ZDF und Macht der Angst, ein Kieler Tatort.

2007 spielte Carrière nach vielen Jahren wieder Theater: In Die 7 Todsünden, einem Stück von Andreas Schmidt und Luci van Org, stand sie im Theater am Kurfürstendamm und ab März 2009 in der Komödie Winterhuder Fährhaus (Hamburg) auf der Bühne.

2008 war sie in der ARD-Produktion Meine Tochter und der Millionär zu sehen. Es folgten einige Produktionen für ARD und ZDF sowie 2010 eine Arbeit mit David Cronenberg in seiner Verfilmung von Christopher Hamptons Theaterstück A Dangerous Method – Eine dunkle Begierde – die Geschichte der Sabina Spielrein und ihrer Beziehung zu C. G. Jung.

Ende 2010 ging sie wieder mit Die 7 Todsünden auf Deutschlandtournee. Außerdem absolvierte sie eine Ausbildung zum systemischen Coach an der Coaching-Akademie Hamburg und bot „Präsenztraining“ und „Veränderungscoaching“ an.[5]

Mareike Carrière war von 1981 bis 1994 mit dem Filmproduzenten Joachim von Vietinghoff verheiratet. 1993 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Hamburg und heiratete dort 1997 den Zahnarzt Gerd Klement. Sie war bis zu ihrem Tod Repräsentantin der UNICEF und engagierte sich für das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer.[6]

Anfang 2012 erkrankte sie an Blasenkrebs, der später Metastasen bildete.[7]

Am 17. März 2014, dem Tag, an dem ihr Vater Bern Carriere seinen 93. Geburtstag feierte, starb Mareike Carrière im Alter von 59 Jahren in einem Krankenhaus in Kassel (offizielle Stellungnahme ihrer Managerin: im Kreise ihrer Familie in Hamburg[2]) an den Folgen ihrer Krebserkrankung.[6] Am 28. März 2014 fand in der Kurt-Schuhmacher-Halle auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf eine Trauerfeier statt, zu der zahlreiche Familienangehörige, Freunde und Weggefährten kamen.[8] Ihre letzte Ruhestätte fand sie wenige Tage später in der Familiengrabstätte auf dem Hauptfriedhof in Lübeck, wo auch ihre Mutter Jutta Carriere ihre letzte Ruhestätte fand.

Filmografie[Bearbeiten]

Kinofilme (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1978: Taugenichts
  • 1978: Ein Mann kommt in die Jahre (Un second souffle)
  • 1978: Flamme empor
  • 1984: Yerma
  • 1985: Mary Ward
  • 1989: The Rose Garden

Fernsehfilme (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1981: Der Poltergeist
  • 1981: Die zweite Haut
  • 1981: Tatort: Beweisaufnahme
  • 1985: Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie
  • 1986: Christian Rother – Bankier für Preußen
  • 1987: Lorentz und Söhne
  • 1995: Fast wie Ferien
  • 1995: Schuldig auf Verdacht
  • 1997: Pardaillan
  • 2001: Das Mädchen aus der Fremde
  • 2002: Die Katzenfrau
  • 2002: Der Verehrer
  • 2002: Pommery und Putenbrust

Fernsehserien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mareike Carrière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Traueranzeigen. Hamburger Abendblatt, 22. März 2014, abgerufen am 23. März 2014.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchauspielerin Mareike Carrière an Krebs gestorben. Die Welt, 18. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  3. Mareike Carrière, Internationales Biographisches Archiv 36/2012 vom 4. September 2012, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 17. März 2014 (Artikelanfang frei abrufbar)
  4. Schauspielerin Mareike Carrière ist gestorben. dpa-Artikel auf faz.net, 17. März 2014, abgerufen am 17. März 2014
  5. Angebote von Mareike Carrière auf ihrer Website (Stand März 2014) (Version im Webarchiv WebCite)
  6. a b Schauspielerin Mareike Carrière gestorben; NDR, 17. März 2014
  7. Schauspielerin Mareike Carrière ist tot auf www.bz-berlin.de vom 17. März 2014, abgerufen am 18. März 2014
  8. Hunderte nehmen Abschied von Mareike Carrière. Die Welt, 28. März 2014, abgerufen am 15. März 2014.
  9. Letzter Film mit Mareike Carrière – Kollegen ahnten nicht, wie schlimm es um sie steht. Berliner Kurier, 22. März 2014, abgerufen am 23. März 2014.