Margarete (Namur)

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Margarete von Courtenay (* ca. 1194; † 17. Juli 1270) war eine verheiratete Gräfin von Vianden und von 1229 bis 1237 eine Markgräfin von Namur aus dem Haus Courtenay. Sie war eine Tochter Peters von Courtenay († 1217/19), Lateinischer Kaiser von Konstantinopel, und der Jolante von Flandern († 1219).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margarete dürfte das älteste Kind ihrer Eltern gewesen und um 1194 geboren sein, da sie im Jahr 1210 urkundlich als Ehefrau des Raoul III. von Issoudun genannt wird.[1] Dieser hat 1212 sein Testament aufgesetzt und dürfte noch im selben Jahr gestorben sein, worauf Margarete um 1217 Graf Heinrich I. von Vianden heiratete. Mit ihm hatte sie sechs Kinder:

Nach dem Tod ihres Bruders Heinrich II. im Jahr 1229 hat Margarete sofort die Burg von Namur besetzt und die Kontrolle über die Grafschaft an sich gebracht.[2] Damit ist sie Graf Ferdinand von Flandern zuvorgekommen, der ebenfalls einen Besitzanspruch auf das Namurois geltend gemacht hat. Dieser hat in König Heinrich (VII.) einen Rückhalt gefunden, welcher ihm am 3. Juni 1229 das Namurois als Reichslehen übertragen hat.[3] Dank der Unterstützung ihres Mannes und Enguerrands III. von Coucy, dem ehemaligen Vormund ihres Bruders, hat sich Margarete zunächst gegen Ferdinand behaupten können.[4] So konnte sie 1230 und 1231 urkundlich als „Gräfin von Namur“ (comitissam Namucensem) auftreten.[5] Doch 1232 ist Ferdinand mit einem Heer in das Namurois vorgestoßen und hat Floreffe erobert.[6] Darauf wurde der Kampf am 1. November 1232 in Cambrai in einem vertraglichen Ausgleich beendet, in dem Margarete, hier nun als „Markgräfin“ (marchissam Namucensem) auftretend, dem Graf von Flandern die Burgen von Viesville und Golzinne abtrat, ihr Mann diesen den Mannschaftseid schwor und dafür im Gegenzug als rechtmäßige Besitzerin der restlichen Grafschaft Namur anerkannt wurde.[7]

1237 ist Margaretes einziger noch lebender Bruder, Kaiser Balduin II., aus dem fernen Konstantinopel nach Westeuropa gekommen und hat als letzter Sohn ihrer Eltern das Erbrecht auf Namur eingefordert. Nur widerwillig und erst nach Zahlung von 7.000 Pfund hat sie die Grafschaft an ihn abgetreten.[8] Bei Balduins zweiten Besuch im Jahr 1247 hat dieser sie testamentarisch zu seiner ersten Eventualerbin bestimmt, sollte er kinderlos sterben, was allerdings nicht eingetreten ist.[9]

Nach dem Tod ihres Ehemanns im Jahr 1252 ist Margarete in dass Kloster Marienthal eingetreten, wo sie am 17. Juli 1270 gestorben ist.[10]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herman Vander Linden: Marguerite de Courtenay. Académie royale de Belgique, Biographie nationale, Band 13, Brüssel 1895, S. 629-631.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Petit, E.: Histoire des ducs de Bourgogne de la race de Capétienne, Bd. 3 (1891), Nr. 1229, S. 431.
  2. Vgl. Annales Floreffienses, in: MGH SS 16, S. 626; Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 924.
  3. Vgl. Wauters, A.: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 4 (1874), S. 80; Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. IX, S. 137.
  4. Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 924.
  5. Vgl. Wauters, A.: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 4 (1874), S. 96; Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. X, S. 137ff.
  6. Vgl. Annales Floreffienses, in: MGH SS 16, S. 627.
  7. Vgl. Wauters, A.: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 4 (1874), S. 154; Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. XI, S. 139f.
  8. Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 941; Balduin von Avesnes, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 25, S. 455.
  9. Vgl. De Laborde, J.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 3 (1875), Nr. 3604, S. 11f; Histoire géneálogique des ducs de Bourgogne de la maison de France, hrsg. von André du Chesne (1628), preuves S. 138f.
  10. Das Sterbedatum ist dem Epitaph auf ihrer Grabplatte entnommen: „Hæc est avia mea, soror Balduini Imperatoris Constantinopolitani, soror Marguarita, quandam comitissa Viennensis, quæ obit XVI kalendas augusti anno Domini M.CC.LXX.“ Vgl. Auguste Neyen: Histoire de la ville de Vianden et de ses comtes. Luxemburg, 1851, S. 88f.
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich II. Gräfin von Namur
Namur Arms.svg

1229–1237
Balduin