Margaretha Rothe

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Margaretha Rothe

Margaretha (Gretha) Rothe (* 13. Juni 1919 in Hamburg; † 15. April 1945 in Leipzig) war eine der zentralen Personen der Widerstandsgruppe der Weißen Rose Hamburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margaretha Rothe, seit November 1936 für vier Monate Schülerin der Hamburger Lichtwarkschule, nahm zeitweilig zusammen mit ihren Freunden Traute Lafrenz und Heinz Kucharski an einem privat organisierten Lesekreis der Lehrerin Erna Stahl, die bis 1935 an der Lichtwarkschule unterrichtet hatte, teil. 1937, nach Aufhebung der Koedukation an der Lichtwarkschule, wechselte Margaretha Rothe zusammen mit Lafrenz zur Klosterschule, an der beide 1938 das Abitur machten. Danach musste sie Pflichtjahr und Reichsarbeitsdienst leisten.[1] Anschließend nahm Rothe – ebenso wie Lafrenz – ein Medizinstudium auf und lernte an der Universität Hamburg weitere oppositionelle Kommilitonen kennen. Auch am Universitätskrankenhaus Eppendorf fand sie Kontakt zu dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehenden Ärzten und Studenten, die sich „candidates of humanity“ nannten. Die jungen Menschen trafen sich in Gesprächskreisen und diskutierten über kulturelle und politische Themen. Aus Protest gegen die Einschränkungen der Meinungsfreiheit wurde Margaretha Rothe über die Gespräche hinaus aktiv. Gemeinsam mit Heinz Kucharski, zu dem sie eine Liebesbeziehung entwickelte, druckte und verteilte sie Streuzettel, auf denen Frequenzen und Sendezeiten ausländischer Rundfunksender vermerkt waren.[2]

Ab den Jahren 1941/1942 verdichtete sich der oppositionell eingestellte Freundeskreis; über Karl Ludwig Schneider, der ebenfalls Schüler der Lichtwarkschule gewesen war, lernte sie den Chemiestudenten Hans Leipelt und die Buchhändlerin Hannelore Willbrandt kennen, darüber kam es wiederum zu Kontakten zu dem Medizinstudenten Albert Suhr und dessen Freund Reinhold Meyer, Germanistikstudent und Junior-Chef der Buchhandlung Agentur des Rauhen Hauses am Jungfernstieg. Ab 1943 traf sich der Kreis bevorzugt im Keller dieses Hauses. Durch Traute Lafrenz, die in München Kontakt zu Alexander Schmorell, Hans und Sophie Scholl hatte, gelangten einige Flugblätter der Weißen Rose nach Hamburg. Diese wurden durch den Freundeskreis vervielfältigt und verbreitet.

Die Treffen und Aktivitäten wurden durch den Gestapo-Spitzel Maurice Sachs verraten. Am 9. November 1943 verhaftete die Gestapo Margaretha Rothe zusammen mit ihrem Freund Heinz Kucharski. Insgesamt wurden über 30 Personen im Zusammenhang mit der Weißen Rose in Hamburg festgenommen und in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel eingeliefert. Im Oktober 1944 erfolgte die Verlegung in das Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis. Wegen der Luftangriffe auf Hamburg wurde Rothe im November 1944 über Berlin in die Untersuchungshaftabteilung des Frauenzuchthauses Cottbus gebracht. Im Februar 1945 erhob der Reichsstaatsanwalt gegen 24 Mitglieder der Gruppe Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung. Margaretha Rothe galt gemeinsam mit Heinz Kucharski, Karl Ludwig Schneider, Gerd Spitzbarth, Bruno Himpkamp und der Studienrätin Erna Stahl als Haupttäter. Während des Weitertransports im Viehwagen[3] nach Leipzig im sehr kalten Februar 1945 erkrankte Rothe. Nach einem kurzen Aufenthalt im Frauengefängnis Leipzig-Meusdorf kam sie in das Gefängnis-Lazarett und schließlich in das auf dem Gelände der Leipziger Heilanstalt Dösen ausgelagerte Städtische Krankenhaus St. Jakob.

Dort starb Margaretha Rothe am 15. April 1945, an den Folgen einer Lungentuberkulose und Rippenfellentzündung.

Öffentliche Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für Margaretha Rothe und Erna Stahl im Garten der Frauen
Stolperstein für Margaretha Rothe vor dem Gymnasium Klosterschule in Hamburg

Am 3. Dezember 1987 wurde auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses Eppendorf das Rothe-Geussenhainer-Haus eingeweiht.[4] Zum Andenken an Margaretha Rothe wurde am 30. August 1982 in Hamburg-Niendorf eine Straße nach ihr benannt. Seit Oktober 1988 trägt eine Schule in Hamburg den Namen Margaretha-Rothe-Gymnasium.[5] In ebendieser Schule wurden im Jahr 2002 durch den Grundkurs Bildende Kunst Vierzehn Bildtafeln zum Leben der Margaretha Rothe entwickelt und mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet. Die Ausstellung ist seit 2008 im Verzeichnis der Hamburger Gedenkstätten aufgeführt.[6]

Zum Gedenken an Margaretha Rothe gemeinsam mit Erna Stahl ist in einer Erinnerungsspirale innerhalb des Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf ein Erinnerungsstein aufgestellt. Es ist ein Sandstein mit einer ein Zellenfenster symbolisierenden Öffnung und einem zu einer Metallschwalbe geformten Flugblatt der Weißen Rose.

Am 10. Dezember 2013 wurde im ehemaligen Zuchthaus Cottbus eine Gedenkstätte eröffnet, in welcher auch Originaldokumente wie Briefe und Studienbuch der Margaretha Rothe zu sehen sind.

Am 01. Dezember 2016 wurde eine Studierendenwohnanlage in Hamburg-Winterhude, die zuvor nach dem nationalsozialistischen Arzt Paul Sudeck benannt war, in Margaretha-Rothe-Haus umbenannt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hendrik van den Bussche: Die Hamburger Universitätsmedizin im Nationalsozialismus, hier: Angela Bottin und Hendrik van den Bussche: 7.3 Regimegegnerschaft und Verfolgung in ärztlichen und studentischen Kreisen Eppendorfs, Dietrich Reimer Verlag, Berlin Hamburg, 2014, S. 367 ff., ISBN 978-3-496-02870-3
  • Peter Normann Waage: Es lebe die Freiheit! – Traute Lafrenz und die Weiße Rose. Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8251-7809-3
  • Herbert Diercks: Die Freiheit lebt. Widerstand und Verfolgung in Hamburg 1933–1945. Texte, Fotos und Dokumente. Herausgegeben von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Rathaus vom 22. Januar bis 14. Februar 2010.
  • Ingeborg Staudacher: Margaretha Rothe, eine Hamburger Studentin und Widerstandskämpferin. herausgegeben von Gunther Staudacher, Balingen 2010, ISBN 978-3-00-033234-0
  • Angela Bottin: Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Audimax der Universität Hamburg vom 22. Februar bis 17. Mai 1991. Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte Band 11, Hamburg 1992, ISBN 3-496-00419-3.
  • Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945. 2. Auflage. Frankfurt 1980, ISBN 3-87682-036-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ingeborg Staudacher: Margaretha Rothe, eine Hamburger Studentin und Widerstandskämpferin, Balingen 2010, ISBN 978-3-00-0332340, S. 20
  2. Ulrike Sparr: Stolpersteine in Hamburg-Winterhude. Biographische Spurensuche. Herausgegeben von der Landeszentrale für Politische Bildung, Hamburg 2008, ISBN 978-3-929728-16-3, S. 225f.
  3. Ingeborg Staudacher: Margaretha Rothe, eine Hamburger Studentin und Widerstandskämpferin, Balingen 2010, ISBN 978-3-00-0332340, S. 44 (Brief von M. Rothe an ihre Eltern)
  4. Ralf Forsbach: Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im „Dritten Reich“.
  5. Homepage des Margaretha-Rothe-Gymnasiums.
  6. Gedenkstätten in Hamburg.
  7. Margaretha-Rothe-Haus.