Margot Becke-Goehring

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Margot Becke-Goehring (* 10. Juni 1914 in Allenstein, Ostpreußen; † 14. November 2009 in Heidelberg) war eine Chemikerin und die erste Rektorin an einer westdeutschen Hochschule.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becke-Goehring wurde als Tochter von Martha und Albert Goehring geboren. Der Vater war Berufsoffizier, der nach dem Ersten Weltkrieg im Versorgungswerk Gera arbeitete. Becke-Goehring machte 1933 Abitur in Erfurt und studierte gegen den Wunsch ihres Vaters, der ein Chemiestudium als körperlich zu hart für eine Frau ansah, in Halle und München Chemie. 1938 wurde sie als akademische Schülerin von Hellmuth Stamm promoviert. Bedingt durch den Männermangel während des Zweiten Weltkriegs konnte sie, angeregt durch den späteren Nobelpreisträger Karl Ziegler, ihre Forschungsergebnisse nach ihrer Promotion 1944 rasch zu einer Habilitation ausbauen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Becke-Goehring kurzfristig von den US-amerikanischen Besatzungstruppen interniert. Ihre Beschäftigung mit Deuteriumoxid ließ die Besatzungsmacht fälschlicherweise an eine Beteiligung am deutschen Atomprogramm glauben. 1946 wurde Becke-Goehring Dozentin an der Universität Heidelberg und 1947 außerordentliche Professorin für anorganische Chemie. 1955 lernte sie ihren späteren Mann, den Industriechemiker Friedrich Becke kennen. 1959 wurde sie ordentliche Professorin und 1961 Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät. Im selben Jahr erhielt sie den Alfred-Stock-Gedächtnispreis.

1966 übernahm Margot Becke-Goehring das Rektorat der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und war damit die erste Rektorin einer westdeutschen Hochschule. Ihr Rektorat fiel in die unruhige Zeit der 1968er–Studentenunruhen. 1968 gab sie freiwillig ihr Amt ab und wurde 1969 Direktorin des Gmelin-Instituts für anorganische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft in Frankfurt. In den folgenden Jahren widmete sie sich der Aktualisierung des Gmelin-Handbuchs, in dem der gesamte Wissensstand der anorganischen Chemie gesammelt wurde. 1979 ging sie in den Ruhestand, publizierte aber bis zuletzt wissenschaftshistorische Arbeiten. Seit 1969 war sie gewähltes Mitglied der Leopoldina, seit 1977 war sie ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Zu ihren Doktoranden gehört Ekkehard Fluck, der ihr Nachfolger am Gmelin-Institut war und mit dem sie 1961 ein Buch über quantitative Analyse veröffentlichte.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kinetik der Dithionsäure (Dissertation 1938)
  • Über die Sulfoxylsäure (Habilitation 1944)
  • Kurze Anleitung zur qualitativen Analyse (1961)
  • Praktikum der qualitativen Analyse (1967)
  • Komplexchemie (1970)
  • mit Ekkehard Fluck: Einführung in die Theorie der quantitativen Analyse, 6. Auflage, Darmstadt: Steinkopff 1980 (zuerst 1961)
  • Margot Becke-Goehring, Dorothee Mussgnug: Erinnerungen - fast vom Winde verweht. Universität Heidelberg zwischen 1933 und 1968. Verlag Dieter Winkler, Bochum 2005

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henrik Eberle: Die Martin-Luther-Universität in der Zeit des Nationalsozialismus. Mdv, Halle 2002, ISBN 3-89812-150-X, S. 412
  • Ekkehard Fluck: Margot Becke : 10. Juni 1914 – 14. November 2009 (Nachruf), in: Jahresbericht der Max-Planck-Gesellschaft 2009 (Beileger), Seite 18-19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]