Maria Beinberg

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Koordinaten: 48° 30′ N, 11° 14′ O

Karte: Deutschland
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Maria Beinberg (Bayern)
Maria Beinberg Wallfahrtskirche

Maria Beinberg ist ein oberbayerischer Wallfahrtsort mit Wallfahrtskirche nördlich von Gachenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Auf dem im Weilachtal gelegenen 501 m hohen Beinberg, unterhält die Diözesanregion Altbayern ein Tagungshaus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Gachenbach

Der kegelförmige Berg mit der darüber schwebenden Marienkrone bezieht sich auf die seit dem 16. Jahrhundert viel besuchte und weithin sichtbare Wallfahrtskirche Maria Beinberg, die der Mittelpunkt und das Wahrzeichen der 1978 aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Gachenbach, Peutenhausen und Weilach gebildeten Gemeinde Gachenbach ist. Der „gache“ (steile) Berg ergibt in Verbindung mit dem für das Grundwort „-bach“ stehenden Wellenbalken im Schildfuß ein vollständig für den Gemeindenamen Gachenbach redendes Bild. Die Farben Silber und Blau im Wappen erinnern an die über Jahrhunderte prägende Landesherrschaft des Hauses Wittelsbach, das auch als Grundherrschaft (Kastenamt Aichach) von Bedeutung war.

Auf dem Beinberg stiftete ursprünglich Ritter Bernhard „der Preisser“ eine Kapelle. Leonhard von Gumppenberg und Eucharius von Ötting bauten die Kapelle zu einer Kirche aus. Die Weihe erfolgte am 7. Oktober 1500 zu Ehren der „Unschuldigen Kindlein“. Das Patrozinium wird an Maria Geburt (8. September) gefeiert. Nach 1520 entwickelte sich die Wallfahrt. Auch Pfalzgraf Ottheinrich pilgerte vor seiner Konversion regelmäßig auf den Beinberg.[1] Ein Hauptgrund für eine Wallfahrt nach Maria Beinberg ist vielfach ein unerfüllter Kinderwunsch.

Von 1947 bis 2014 waren Mariannhiller Missionare (CMM) mit dem Dienst des Benefiziaten auf Maria Beinberg betraut. Der Wallfahrts-Kurat Pater Waldemar Regele baute die schlichte Holzhütte neben dem Benefiziatenhaus zur Gaststätte als Ort der Begegnung und leiblichen Stärkung um.[2] Im September 2014 wurde Maria Beinberg zur Diözesanwallfahrt des Bistums Augsburg erhoben. Betreut wird die Wallfahrt jetzt von der Pfarreiengemeinschaft Aresing – Weilach. Regelmäßig finden in Maria Beinberg die „Beinberger Gespräche“ statt.

Wallfahrtskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wallfahrtskirche ist eine barockisierte Saalkirche aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Im späten 17. Jahrhundert erfolgten eine Turmerhöhung und der Anbau einer Kapelle (jetzt Sakristei). 1767 wurde der Innenraum umgestaltet. Schöpfer des Hochaltars ist wahrscheinlich der Bildhauer Matthias Müller († 1688).

Fresken (Ikonographie)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fresken stammen vom Fürstbischöflich-Augsburgsichen Hofmaler Ignaz Baldauf (1725–1795). Sie sind nicht beliebig angeordnet, sondern sie beziehen sich aufeinander. Die Thematik der Freskobilder eröffnet reiche Perspektiven in die Frömmigkeit des 18. Jahrhunderts. Wer die Kirche betritt und zur Decke des Kirchenschiffs aufblickt, sieht gleich ein Herzstück des christlichen Glaubens: Jesus Christus stirbt am Kreuz. Durch seinen Tod ermöglicht er das ewige Leben für die Menschen. Auch die beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt wurden, sind abgebildet. Der auf der (vom Betrachter aus) linken Seite Jesu Dargestellte hat nach dem Zeugnis des Lukasevangeliums seine Schuld bereut, und Jesus hat ihm versprochen: „Heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,40-43 EU). Der Pilger soll verstehen: Auch wenn er sehr große Schuld auf sich geladen hat, ihm kann vergeben werden. Bei Gott ist er zu Hause. Auf dem Deckenfresko kann man den Ausspruch Jesu an den Jünger Johannes lesen: „Siehe, deine Mutter.“ (Joh 19,27 EU). Damit hat Jesus seine Mutter allen Menschen zur Mutter gegeben. Der Betrachter soll verstehen: Auch die Verehrung Marias kann helfen, Jesus, den Erlöser der Welt, kennenzulernen.

Langhaus-Deckenbild: Kreuzigung – Ecclesia

Das ovale Fresko an der Decke des Gemeinderaumes zeigt die Kreuzigung Christi mit vielen Begleitfiguren. Gegenüber dem Gekreuzigten ist eine Personifikation der Kirche sichtbar. Die Zwickelmedaillons zeigen die vier Evangelisten.

Altarraum-Deckenbild: Maria als Zuflucht der Sünder

Das Thema der Marienverehrung wird auf dem Deckenfresko im Chorraum fortgesetzt: Jesus besiegt mit einem Kreuzstab den Satan in Gestalt einer Schlange. Damit wird gesagt: Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz das Böse besiegt. Maria zeigt mit der rechten Hand auf Jesus, ihren Sohn, mit der linken Hand auf die Sünder am unteren Bildrand. Sie ist die Mittlerin, die die Menschen zu Christus führen will.

Unter einer Kuppelöffnung kniet Maria auf einer Wolke, neben ihr steht das Jesuskind als Triumphator und Überwinder des Bösen auf einer Weltkugel. Mit seinem Kreuzstab tötet es den Drachen (Satan), der daraufhin den Apfel der Erbsünde fallen lässt. auf den Stufen im Halbrund sind sieben Figuren gruppiert, die die sieben Todsünden personifizieren. Sie erschienen hier als reuige Sünder im Augenblick der Umkehr und flehen zu Maria als Vermittlerin zwischen ihnen und Jesus um Vergebung: Superbia (Stolz, Eitelkeit), Avaritia (Geiz, Habsucht), Accedia (Faulheit, geistige Trägheit), Gula (Gier, Völlerei), Ira (Zorn), Luxuria (irdische Liebe, Schwelgerei), Invidia (Neid, Missgunst).

In Stichkappen sind Darstellungen typologischer Vorbilder Mariens angeordnet: Bundeslade, Arche Noah, Brennender Dornbusch und Judith.

Wer die Kirche verlässt, sieht noch einmal die personifizierte Kirche auf dem Hauptfresko: Wie Maria, so will auch die Kirche den Menschen einen Zugang zu Christus, dem Erlöser, ermöglichen.

Weitere Kunstwerke im Kirchenschiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Votivtafeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis heute andauernde Wallfahrtsfrömmigkeit bezeugt sich in zahlreichen Votiv- und Danktäfelchen.[3]

Weitere Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehemaliges Benefiziatenhaus, zweigeschossiger Satteldachbau mit Kastenerker, errichtet in Formen des Heimatstils, von Heinrich Neu, 1910.
  • Durchgangskapelle, 19. Jahrhundert; mit Ausstattung; unterhalb der Kirche.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der heilige Hügel – Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg bei Gachenbach ist ein ganz besonderer Ort. Was ihn ausmacht und wer dort hinpilgert. – (Aichacher Nachrichten vom 14. November 2015)
  2. Deutschland: Maria Beinberg und die Missionare von Mariannhill (Memento vom 19. Oktober 2014 im Internet Archive) – (Netzwerk Afrika Deutschland e. V.)
  3. Bilder zeugen von Nöten und Räubern – (Aichacher Nachrichten vom 20. August 2010)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maria Beinberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien