Maria Himmelfahrt (Andernach)

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Westfassade
Blick zum Altar
Blick zurück zur Orgel

Die römisch-katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Andernach, eine mächtige Emporenbasilika mit vier Türmen, Westbau und Chor, liegt am westlichen Rand der Stadt in direkter Nähe zur Stadtmauer und damit auch an der Westseite des in römischer Zeit dort befindlichen Kastells Antunnacum, aus dem die spätere Siedlung hervorging.

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienkirche war stets Stadtkirche und Bischofsdom zugleich und darf sich daher mit Recht „Mariendom“ nennen, eine der neben der ebenso geläufigen Benennung „Liebfrauenkirche“ benutzte Bezeichnung im Andernacher Volksmund, was oft angezweifelt wurde. Denn der Erzbischof von Trier war auch Pfarrer in seiner Eigenkirche in Andernach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordostturm (rechts)

Karolingische Grabstellen unter der heutigen Kirche belegen, dass es sich um eine frühere Gründung handelt. Über das Aussehen dieser Kirche und auch des Nachfolgebaus aus dem frühen 12. Jahrhundert, von dem der freistehende Nordostturm (Glockenturm) erhalten ist, ist nur wenig bekannt.

Der Vorgängerbau (St. Michael), 1194 von Kaiser Heinrich VI. dem Trierer Erzbischof Johann I. geschenkt, der als erster Bischof Triers zugleich auch den Titel eines Kurfürsten trug, wurde 1198 infolge eines Streites zwischen Otto IV., der 1197 in Andernach zum König ausgerufen worden war, und Philipp dem Staufer, der Andernach eroberte und brandschatzte, ein Opfer der Flammen. Das Kirchengebäude der alten Stadtkirche wurde dabei bis auf den freistehenden Glockenturm großteils zerstört.

Bauperiode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Stelle der niedergebrannten Kirche, deren freistehender Glockenturm als Nordostturm und ältester Gebäudeteil in den Kirchenneubau integriert wurde, ließ der Erzbischof und Kurfürst von Trier Johann I. die heutige Marienkirche bis etwa 1220 als dreischiffige Emporenbasilika im rheinischen Übergangsstil[1] neu errichten. Ob Johann I. die Vernichtung der alten Kirche nutzte, um so seine neugewonnene Macht als Kirchenlehrer im kölnischen Andernach zu zeigen, ist nicht belegt. Möglicherweise war zur Zeit der Zerstörung des Vorgängerbaus 1198 der Neubau schon in Arbeit, sodass der Brand die Bauarbeiten nur kurzzeitig unterbrach.

Die Form des Südostturmes scheint darauf hinzuweisen, dass beim Kirchenneubau am Ende des 12. Jahrhunderts zunächst auf ein niedrigeres, das heißt älteres Kirchenschiff Rücksicht genommen wurde, bevor dann auch das Langhaus und das Westwerk mit beiden Westtürmen neu errichtet wurde. Der alte Westbau besaß vermutlich nur eingeschossige Türme und im Erdgeschoss eine offene Halle. Um 1220 wurde der südöstliche Turm dem älteren Nordostturm auf der anderen Seite des Chores in der Höhe angeglichen. Auch die beiden ursprünglich wohl niedriger geplanten Westtürme erhielten damals ihre heutige Höhe. Die Vollendung des Kirchenneubaus ist um 1250 anzunehmen, genauere Bau- oder Weihedokumente sind nicht bekannt.

Die eigentliche Baugeschichte scheint mit der Vollendung der spätromanischen Domkirche abgeschlossen, doch Urkunden belegen eine längere Bautätigkeit.

Restaurierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz ihres sehr einheitlich wirkenden Erscheinungsbildes lässt die Liebfrauenkirche bei genauerer Betrachtung recht gut die verschiedenen Bauabschnitte erkennen, in denen sie entstand. Ablesbar sind (durch unterschiedliche Mauertechniken und Steinbearbeitungen) die seit dem Mittelalter bis in die heutige Zeit durchgeführten Teil- und Komplettrestaurierungen am Dom.

Bereits im späten 13. bis frühen 14. Jahrhundert stürzten einige Gewölbefelder ein. Grund dafür ist der schlechte Baugrund, auf dem die Kirche steht. Der Westbau zeigte starke Rissbildung, daraufhin wurden im Zuge der damals durchgeführten Maßnahmen die Gewölbe und die Westfassade instand gesetzt. Dabei wurde auch die große Fensterrose durch ein gotisches Spitzbogenfenster ersetzt. Außerdem erhielten die Westtürme zusätzliche Verankerungen zur Stabilisierung. Quellen berichten von weiteren Restaurierungen in den folgenden Jahrhunderten.

1722 wurde der Zustand der Kirche als ruinös bezeichnet. Nach langen Überlegungen erstellte letztlich der kurtrierische Hofbaumeister Johann Georg Seitz, Vater des Baumeisters Johannes Seiz, 1739 ein Gutachten zur Schadensbehebung, das aus Kostengründen auch die Abtragung der Türme und die Entfernung der eingestürzten Seitenschiffe erwog. Das Engagement von Andernacher Bürgern bewahrte „ihren Dom“ jedoch vor einem „Rückbau“ zu einem Torso mit Teilabriss der Westtürme und Entfernung der Seitenschiffe, sodass er sich heute in voller Größe zeigt. In den Jahren 1740 bis 1742 wurde die Wiederherstellung der beschädigten Kirchenabschnitte konsequent betrieben, vor allem der Wiederaufbau der eingestürzten Seitenschiffe.

Umfassende Restaurierungsarbeiten erfolgten im späten 19. Jahrhundert. Sie begannen 1877 an der Chorapsis und den 1740 bis 1742 nur provisorisch instand gesetzten Abschnitten, ebenso wurde 1894 die Rekonstruktion (romanischer Rückbau) der reich gestalteten Westfassade 1893/1894 mit Einlassung der großen Rosette, die eines der schönsten Beispiele der kölnisch-rheinischen Architektur vom Beginn des 13. Jahrhunderts bildet, betrieben. 1899 wurden die Restaurierungsarbeiten mit der Ausmalung des Innenraums beendet. Damit entspricht der heute sichtbare Zustand etwa dem aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.

1960 wurde eine zweite große Komplettrestaurierung begonnen. Grund dafür war wie auch 1877 Verwitterung. Am Außenbau waren Arbeiten wie Steinauswechslung, Steinkonservierung, Sicherungs- und Dacharbeiten nötig. Das Ausmaß der Schäden forderte teils eine völlige Außenhauterneuerung, so am Nordwestturm. 1978 konnten die Außenarbeiten abgeschlossen werden. Von 1987 bis 1991 wurden in die Gewölbe des Langhauses und der Seitenemporen Betonbalken und Queranker zur Stabilisierung eingelassen.

Kleinere Restaurierungen, Sanierungen und Renovierungen führt heutzutage der Förderverein Mariendom Andernach e. V. aus.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria Himmelfahrt, Luftaufnahme 2014

Im Zusammenhang mit dem Neubau des Pfarrheims unmittelbar neben der Kirche wurden 2006 die Reste einer römischen Badeanlage aus dem 4. Jahrhundert entdeckt.[2] Sie wurden in das Gebäude integriert und 2009 auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Teil der Badeanlage kann durch eine Glaskuppel vor dem Pfarrheim besichtigt werden.

In den Jahren 2013/2014 wurde der gesamte Domplatz mit Anbindung an das Pfarrhaus und den Domspielplatz neu gestaltet. Die Kosten für den Ausbau des hauptsächlich öffentlichen Platzes trug die Stadt Andernach. Am Patronatsfest Maria Himmelfahrt 2014 (15. August) wurde der Domplatz eingeweiht. In der Feier erwähnte der Prediger „die Umgestaltung von einer Nachkriegstrümmerlandschaft zu einem angemessenen Domplatz.“ Der Dom brauche Platz zum Atmen, und der Dom habe jetzt Platz zum Atmen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mariendom ist bis auf den älteren Nordostturm und die im 18. Jahrhundert erneuerten Seitenschiffe einheitlich spätromanisch. Er ist im Lichten 49,70 Meter lang und 19,70 Meter breit. Die Breite des Mittelschiffs beträgt 8,15 Meter, die Höhe des Mittelschiffs 17 Meter und die der Seitenschiffe 5,80 Meter. Die Türme der Westfassade sind 54,90 Meter hoch, Nordost- und Südostturm jeweils 40,80 Meter.[3]

Westwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Westwerk des Domes besteht aus einer Zweiturmfassade, die im Mittelalter die historische Stadtmauer überragte. Der Westbau, der den drei Schiffen des Langhauses querhausartig vorgelagert ist, weist drei Geschosse auf. Diese sind durch Horizontalgesimse voneinander getrennt. Die Wandflächen sind durch Blendarkaden, von denen manche Rundbogenfenster umrahmen, symmetrisch gegliedert. Durch Doppelarkaden im dritten Geschoss außen entsteht der Eindruck von Eigenständigkeit der Türme. Der dreigeschossige Mittelteil der Fassade mit einem großen Rundfenster im oberen Geschoss wird von einem Giebel abgeschlossen.

Durch Untersuchungen wurde ermittelt, dass das Westwerk in der zweiten Bauperiode (nach 1198) erbaut wurde. Der alte Westbau hatte wahrscheinlich nur eingeschossige Türme und eine offene Eingangshalle. Das heutige Westportal wurde erst später erbaut. Durch unterschiedliche Detailformen kann belegt werden, dass die Türme und ihre Rautendächer erst nach 1220 errichtet wurden. Bis zur großen Restaurierung im späten 19. Jahrhundert enthielt die Westfassade anstelle des Rundbogenfensters ein spitzbogiges Maßwerkfenster aus dem 14. Jahrhundert und Spitzbögen über den Portalen, die wegen bautechnischer und statischer Probleme wieder entfernt wurden, sodass die seitherige Gestaltung jener aus dem 13. Jahrhundert ähnlich sein dürfte.

Langhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südportal

Das Langhaus besteht aus drei Doppeljochen und weist eine schlichte Gliederung auf. Die Wandflächen sind durch Rundbogenfenster und Lisenen unterteilt. Im östlichen Teil hat das Langhaus je ein Seitenportal nach Norden und nach Süden. Das Südportal ist im Gegensatz zu dem einfach gehaltenen Nordportal kunstvoll gestaltet. An dem drei­eckigen Sturz über der Tür sind Reste einer gemalten Kreuzigungsgruppe zu erkennen und in dem halbrunden Relief des Tympanons halten zwei Engel das Lamm Gottes. Das Werk wird dem Laacher Samsonmeister zugeschrieben.[3]

Während die Wände des Hauptschiffs und die Partien um die Portale noch gleichmäßige Quadermauerwerke aus dem frühen 13. Jahrhundert aufweisen, bestehen die Wände der Seitenschiffe seit der Restaurierung im 19. Jahrhundert aus Bruchsteinmauerwerk. An den Portalpartien finden sich auch die für die Romanik charakteristischen Kleeblattfenster.

Ostteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ostteile des Mariendoms bestehen aus den unterschiedlichen Türmen, die den Chor flankieren, dem Chor mit seiner Apsis und der gotischen Sakristei. Die Türme haben zwar dieselbe Höhe und gleiche Pyramidendächer, unterscheiden sich aber in Geschosszahl, Gliederung und Mauerwerk. Am Grundriss erkennt man außerdem, dass der ältere Nordturm nicht in der Flucht des Baues liegt und dicker ist als sein Gegenstück auf der Südseite. Die geschickte Einbindung des Nordturms in den jüngeren Bau überdeckt die Unterschiede so sehr, dass auch die Ostpartie einheitlich wirkt. Vor dem zwischen die beiden Osttürme eingespannten Chorjoch wölbt sich die halbrunde Apsis, die sich durch eine besonders reiche Gestaltung auszeichnet. Über dem Sockel und einem durch Lisenen und Rundbogenfries gegliederten Geschoss folgt das Fenstergschoss mit einer vorgelegten Architektur aus Bögen und Säulen. Den oberen Abschluss bilden ein Plattenfries und die Zwerggalerie mit rhythmischer Säulenstellung. Darüber wölbt sich ein reiches Abschlussgesims weit vor. Über dem Dach der Apsis ragt ein steiler Dreiecksgiebel mit fünf Nischen auf, von denen zwei Fenster enthielten und die übrigen ausgemalt waren.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Pfarrkirche lange die einzige und größte katholische Stadtkirche war, verfügt sie über eine reiche künstlerische Ausstattung, die seit der Bauzeit bis in die Neuzeit entstand.

Hochaltar der Jungfrau Maria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hochaltar entstand in den Jahren 1620–1622 durch den Koblenzer Bildhauer Peter Kern und lässt niederländischen Einfluss spüren. Er umfasst sechs Reliefs aus Alabaster, die von oben nach unten die Krönung Mariens, Mariä Heimsuchung, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, Mariä Verkündigung und die Darstellung Jesu im Tempel zeigen. Der Hochaltar steht an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs. Zu dem Hochaltar gehören auch noch 13 weitere kleine Figuren. Sie zeigen die Apostel und Jesus Christus, befinden sich aber mittlerweile in der Kriegerkapelle über der Sakristei auf der südlichen Empore. Dort sieht man auch die eindrucksvolle Anna selbdritt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Kaiseraltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaiseraltar wurde 1475 von Kaiser Friedrich III. gestiftet als Dank, dass die Andernacher ihn und den Erzbischof von Köln im Burgundischen Krieg (1474–1477) unterstützten.

Ungarnkreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ungarnkreuz ist ein altes Gabelkreuz. Es gelangte im 14. Jahrhundert nach Andernach und wurde von ungarischen Pilgern, die auf dem Weg nach Köln waren, mitgebracht. Es entstand am Anfang des 14. Jahrhunderts und gehört zu den Pestkreuzen. Es zeigt den geschundenen Körper Christi, so wie er in der Gotik dargestellt wurde, an einem dreiteiligen Astkreuz hängend.

Chorfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sechs Fenster in der Chorapsis entstanden 1948 in den Vereinigten Süddeutschen Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Solln bei München. Sie zeigen von links nach rechts den heiligen Petrus, den Erzengel Michael (2. Patron der Kirche), die heilige Jungfrau Maria (1. Patronin der Kirche und der Stadt), den heiligen Georg und den heiligen Paulus.

Kirchenfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die acht Fenster in den beiden Seitenschiffen zeigen abstrakt gestaltete Motive aus der Lauretanischen Litanei mit Motiven der Marienverehrung und den Anrufungen an die Gottesmutter. Sie wurden 1962 von Reinhard Heß aus Trier geschaffen. Von West nach Ost im nördlichen Seitenschiff sind folgende Anrufungen dargestellt: „Du elfenbeinerner Turm“, „Maria, Königin des Rosenkranzes“, „Du Morgenstern/Meerestern“ und „Maria, Königin der Jungfrauen“. Im südlichen Seitenschiff zeigen die Fenster „Du Geheimnis der Mutter Christi“, „Maria du Königin des Himmels“, „Maria, du Königin des Friedens“ und „Du geistliches Gefäß“. Derselbe Künstler schuf auch die moderne, verglaste, dreifache Rundbogenarkade über dem Chorbogen mit dem Motov der Dreifaltigkeit. Dieses Fenster sitzt aber nicht an der Außenwand, sondern an der Wand zwischen Mittelschiff und Dachgestühl des Chores.

Himmlisches Jerusalem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kronleuchter

Der Kronleuchter über dem Altar stellt das himmlische Jerusalem (Offenbarung 21) dar. Der Bronzeguss des Bildhauers Ulrich Henn entstand 1994. Die vier größeren der zwölf Türme sind parallel zur Altarplatte ausgerichtet. Inmitten der Stadt über dem Mittelpunkt des Altars befindet sich ein Lamm mit dem Auferstehungskreuz als Symbol Christi. Die Engel auf den Türmen laden ein, durch die offenen Tore zu gehen. Die Mauern, ein durchbrochenes Rosenornament, sind Zeichen für die Worte „Geschmückt wie eine Braut für den Bräutigam“.

„So wie die Offenbarung des Johannes ein Buch christlicher Hoffnungen für die bedrängten und verfolgten Gemeinden Kleinasiens war, so soll dieses Werk den Menschen in den persönlichen und allgemeinen Bedrängnissen unserer Zeit die von Gott geschenkte Zukunft für Welt und Mensch bildlich vor Augen stellen. Die Zukunftsvision soll für die Gegenwart Mut, Trost und Hoffnung schenken“, so der Künstler.

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanzel

Die barocke Eichenholzkanzel entstand im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts. Sie gilt als eine kunsthandwerklich hervorragende Schnitzerei aus dem Barock. Sie gelangte am Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation aus dem Kloster Maria Laach nach Andernach und ist freischwebend an einem Pfeiler an der Nordseite des Mittelschiffs angebracht. Der Aufgang zur Kanzel zeigt reiche Schnitzereien mit Blumen und Rankenmotiven. Den Kanzelkorb zieren Brustreliefs von Jesus Christus, des heiligen Benedikt, Petrus und Paulus sowie die Symbole der vier Evangelisten (Menschen-, Adler-, Stier- und Löwenkopf). Der vorragende Schalldeckel der Kanzel zeigt in der Mitte das Auge Gottes. Er hat ein solches Gewicht, dass er durch einen freien Eisenhaken mit dem Pfeiler verbunden ist, um nicht abzubrechen.

Kommunionbank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunionbank aus Eichenholz, die ebenfalls am Anfang des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation aus dem Kloster Maria Laach nach Andernach gelangte, wurde im Jahr 2002/2003 entfernt. Der einzige verbliebene Teil ist vor dem Sakramentsaltar an der Ostwand des südlichen Seitenschiffs und vor dem Evangeliarsaltar (Hochaltar der Jungfrau Maria) an der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs aufgestellt.

Taufkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taufstein

Die Taufkapelle liegt im Untergeschoss des Nordwestturmes. Der Taufstein besteht typisch für die rheinische Steinmetzkunst aus Basalt. Sechs kleine, rundgeschliffene und erneuert schwarz gestrichene Säulen auf einem sechseckigen Sockel tragen das Becken. Ein schmuckvoller Blattfries umläuft die Kuppa aus Basaltlava. Der Taufstein ist das einzige Werkstück der Andernacher Bauhütte aus der Bauzeit der Kirche zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wurde ein historisierter Deckel hinzugefügt. In einem Tuffsteinrelief mit einem bogenförmigen Abschluss dahinter an der Westwand sind der Marientod und darüber die heilige Dreifaltigkeit und die Seele Marias dargestellt. Im Abschlussbogen steht die Inschrift: Sic it adesse sine tempore virgula Jesse (So geht zum ewigen Sein das Reis aus Jesse ein). Von Jesse, dem Vater des Königs David, führt der Stammbaum Jesu zu Josef und Maria. Dieses Relief ist die einzige künstlerische Darstellung des Patroziniums Maria Himmelfahrt. An der Südwand steht am Treppenaufgang zur Empore eine Statue des heiligen Antonius mit Antoniusspende.

Grabmal des Daniel Schilling von Lahnstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabmal

An der Westwand des Mittelschiffs befindet sich das Wandgrabmal des Daniel Schilling von Lahnstein (1470–1541), der mit Margarethe von Kottenheim (1478–1525) verheiratet war. Das Renaissance­grab aus dem Jahr 1541 zeigt vor einem angedeuteten und den Eingang zum Tod darstellenden Tor, eingerahmt von zwei Pilastern, geschmückt mit Pflanzenwerk und Blattkapitellen, den von Kopf bis Fuß gepanzerten, etwas nach vorn gebeugten bekanntesten Andernacher Ritter betend.[4] Oben und unten sieht man die Ahnenwappen des Ritters: oben von Lahnstein und von der Leyen, unten von Schoenburg und von Eltz. Zwischen den beiden oberen Wappen steht die Grabinschrift: Anno Dni 1541 Uff Den 28. Julii Ist Gestorben Der Erenvest Daniel Schilling von Lansten Den Got G.S.A (Im Jahr des Herrn 1541 starb auf den 28. Juli der ehrenfeste Daniel Schilling von Lahnstein, dem Gott gnädig sei. Amen.)

Grablegungsgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grablegungsgruppe

Die Grablegungsgruppe aus dem Jahr 1525 im nördlichen Seitenschiff weist die in der Spätgotik im Rheinland übliche Darstellungsweise auf: Nikodemus und Josef von Arimathäa legen den Leichnam Christi in einen mit gotischem Blendmaßwerk verzierten Sarkophag. Dahinter stehen die ebenfalls lebensgroßen Gestalten des heiligen Johannes und der trauernden Frauen: Maria, die Mutter Jesu, Maria aus Magdala, Maria Kleophae und die Jüngerin Salome. Die Originalbezeichnung der Grablegung heißt „Beweinung Christi“, wird jedoch meist nur Heiliges Grab genannt.

Maria als Himmelskönigin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria, Himmelskönigin

Zum aufwendigen Orgelprospekt aus der Minoritenkirche gehörte die überlebensgroße Figur der Maria als Himmelskönigin. Die gesamte Orgelanlage gelangte im Zuge der Säkularisation in den Mariendom. Sie wurde auf der Empore über der Eingangshalle wieder aufgebaut und die Marienstatue von ihr abgenommen. Sie stand zunächst auf einem Podest am linken Chorpfeiler, ergänzt durch eine Statue des heiligen Josef am rechten Chorpfeiler, bis die Marienstatue auf ein Podest neben die Stufen zum Chor gestellt wurde. Mittlerweile steht sie auf einem Podest gegenüber der Kanzel. Die Marienstatue mit originaler Fassung aus dem 18. Jahrhundert zeigt Maria mit dem Jesusknaben, der mit seinem Kreuzstab auf die Schlange einsticht, die sich um den Halbmond ringelt, was auf den Titel Maria vom Siege hinweist.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nordostturm mit Turmuhr hängt das Geläut aus sieben Glocken, unter ihnen drei wertvolle mittelalterliche. Klanglich herausragend ist die 1356 gegossene mit rund 1950 Kilogramm schwerste Glocke des Geläuts.[5]

Nr.
 
Name/Widmung
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT-1/16)
Inschriften
1 1639 Antonius Paris & Claudius Lamiral 1.454 ≈1.850 des1 -8 + IOHAN CASPAR V UND ZV DER LEIEN CHVRF TRIER AMPTMAN ZVE MVNSTER ANNA MARG G V BVNGARD F Z LEYEN +

+ BERTRAM V METTERNICH ZV SCHWEPPENBURG AMPT Z ANDERNACH * IOST WOLFF V MOLLENDORF * BALTHASAR SOHLEN * IOANNES DANIELIS +

+ HENRICVS RANDERAT XX IOANN LVDWICH STROE DERORECHTEN DOCTOREN CHVRF COL RATH SCHVLTHEIS VND SCHEFFEN ZV ANDERNACH 1639 +

+ ADOLF REVTTER +

+ AVITA FIDE + (Durch den Glauben der Vorväter)

+ F.C.Z.C.H.I.B. + (Ferdinand, Kurfürst zu Köln, Herzog in Bayern)

2 Gloriosa um 1300 unbekannt 1.311 ≈1.610 f1 +2 + RECTOR CELI NOS EXAVDI TV DIGNRE NOS SALVARE ALPHA ET OMEGA NOS ADIVVA * GLOSA +

(Herr des Himmels, höre uns, wolle uns Retten, Alpha und Omega, hilf uns! Festglocke)

+ O REX GLORIE VENI CVM PACE * H VV O +

(O König der Herrlichkeit, komme mit Frieden. Der verehrte Herr Henricus ist gestorben)

3 Servatius 1356 Nicolaus von Basel 1.322 ≈1.950 ges1 +7 + ANNO DNI MILLESIMO CCC LVI IN CRASTINO STI LVCE EWANGE FVDIT ME MAGER NICOLAVS BASILENS +

(Im Jahre des Herrn 1356 am Vortag des Heiligen Evangelisten Lukas (17.10.) goß mich Meister Nikolaus von Basel)

4 um 1300 unbekannt (vermutl. wie Gl. 2) 1.029 ≈700 as1 +13 + SNS DEVS + SNS FORTIS + SNS IMORTALIS + MISERERE NOBIS +

(+ Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heilger Unsterblicher, erbarme dich unser +) (Gesang an Karfreitag)

5 Johannes und Helena 1999 Eifeler Glockengießerei Mark 918 509 b1 +7 + JOHANNES UND HELENE HEISSE ICH ZUR EHRE GOTTES LÄUTE ICH ZUM TÄGLICHEN GEBET RUFE ICH +

+ THEA ROCHERT STIFTETE MICH HANS AUGUST MARK GOSS MICH A 1999 D +

6 Dreifaltigkeit 1999 Eifeler Glockengießerei Mark 771 336 des2 +7 << + HEILIGSTE DREIFALTIGKEIT UNGETEILTE EINIGKEIT +

+ KATHARINA RUDOLF PETER GESTIFTET VON THEA ROCHERT A 1999 D +

7 Maria und Michael 1999 Eifeler Glockengießerei Mark 702 255 es2 +7 + MARIA FRIEDENSKÖNIGIN HL. MICHAEL STEHT IHR UNS BEI +

+ GESTIFTET VON THEA ROCHERT A 1999 D +

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel befindet sich auf der Mittelempore über der Eingangshalle im Westwerk.

Architektonische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Andernach gehört mit den Kirchen aus Maria Laach, Boppard, Bacharach und Koblenz zu den bedeutendsten Sakralbauten des südlichen Rheinlandes. Die Andernacher Bauhütte stand vollkommen im Einfluss der kurkölnischen-niederrheinischen Kunstlandschaft. Trierische Bauelemente fehlen trotz des Bauherrn, des Erzbischofs von Trier. Gleichzeitig sind architektonische Beziehungen zu Nordfrankreich festzustellen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liebfrauenkirche Andernach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andernach. In: rheinreise.de. Abgerufen am 30. August 2014
  2. Annika Graf: Wellnessanlage aus der Antike freigelegt. In: Rhein-Zeitung online. 28. November 2006.
  3. a b Die Kunstdenkmäler des Kreises Mayen. Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1941, unveränderter Nachdruck von 1983, ISBN 3-590-32143-1.
  4. Dr. Helmut Weinand: Illustrierter Domführer durch die katholische Kirche Maria Himmelfahrt in Andernach. Görres-Druckerei und Verlag, Koblenz 3. Auflage 2012.
  5. Glockendaten auf der Internetpräsenz der Kirchengemeinde

Koordinaten: 50° 26′ 22″ N, 7° 23′ 47″ O