Maria Himmelfahrt (Bozen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Außenansicht von Nordwesten
Innenansicht

Der Dom Maria Himmelfahrt, auch Dompfarrkirche, Bozner Dom oder Propsteikirche Maria Himmelfahrt, ist die Stadtpfarrkirche der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen und Bischofskirche der römisch-katholischen Diözese Bozen-Brixen. Während der Bischof seit 1964 in Bozen residiert, verblieben seine Kathedra und das Domkapitel in Brixen; Maria Himmelfahrt fungiert somit neben dem Brixner Dom als Konkathedrale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Pfarrkirche Maria Himmelfahrt von Bozen wurde nach den Angaben der sog. „Bozner Chronik“, einer annalistischen Aufzeichnung des 14. Jahrhunderts, im Jahr 1180 geweiht und war im romanischen Stil errichtet.[1] Der Legende nach hat ein Bozner Fuhrmann an dieser Stelle ein wundersames Gnadenbild der Muttergottes aufgefunden. Diese Liebe Frau vom Moos soll im Sumpfland des Eisacks gelegen haben, dessen Flussbett sich damals wesentlich näher am heutigen Dom befand. Die Statue, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, befindet sich heute in der geosteten barocken Gnadenkapelle hinter dem Hochaltar der Kirche. Die mittelalterliche Kirche wurde auf den Resten einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jahrhundert errichtet.[2]

Im Jahr 1195 – anlässlich eines Gütertauschs zwischen dem oberbayerischen Reichskloster Tegernsee und der bischöflichen Kirche Trient – wird der 1181 erstmals als Priester von Bozen erwähnte Rudolf als Pfarrer (Pleban) von Bozen bezeichnet, wann in der Zeit dazwischen die Marienkirche zur Pfarrkirche erhoben wurde, ist auf Grund der spärlichen Quellenlage nicht klar.[3] 1259 brachte Graf Meinhard II. die Kirchenvogtei an sich; ab dieser Zeit fungierte die Pfarrkirche auch als Memorialkirche der tirolisch-görzischen Regenten und ab 1363 der habsburgischen Landesfürsten.[3] Dieser österreichische Jahrtag („der jarttæg … der herschafft von Ósterreich“) wurde nach einer Regelung von 1435 in der Oktav nach Maria Himmelfahrt von der gesamten Priesterschaft des sog. Deutschen Anteils des Trienter Bistums begangen.[4]

Um 1300 wurde mit dem Neubau der Kirche im spätgotischen Stil begonnen, um den gesteigerten Anforderungen der demografisch und baulich stark wachsenden Territorialstadt Bozen gerecht zu werden. Dieser Neubau wurde 1519 mit der Errichtung des spätgotischen Turms nach Plänen des Augsburger Dombaumeisters Burkhard Engelberg und von Hans Lutz von Schussenried abgeschlossen.[5] Aus derselben Zeit stammt die spätgotische Kanzel aus Sandstein mit den Reliefs der vier Kirchenväter und der vier Evangelistensymbole, die bei den Bombenangriffen der Alliierten 1943/44 teilweise zerstört und 1949 wieder aufgebaut wurde.[6]

1717 wurde auf Anregung von Fürstbischof Johann Michael von Spaur ein Stiftskapitel errichtet, das seit 1723 von einem infulierten Propst geleitet wurde. Dieser trug bei feierlichen Anlässen Infel, Ring und Stab eines Abtes. Der letzte (infulierte) Propst von Bozen war Monsignore Josef Kalser, als bekanntester Kanonikus gilt Michael Gamper. Das Kollegiatskapitel wurde 1951 das letzte Mal personell aufgestockt. Der 1967 ernannte Dekan und Pfarrer von Bozen Josef Rier (bis 1989) wurde in den 1980er-Jahren zum Ehrenkanonikus ernannt.[7] Die Pfarrkirche, die unmittelbar südwärts gelegene St. Nikolauskirche und das Pfarrhaus (Propsteigebäude) wurden 1943/44 bei alliierten Luftangriffen auf die Operationszone Alpenvorland schwer getroffen. Während von der Nikolauskirche nur mehr die Grundmauern bestehen, wurde die Pfarrkirche wiederhergestellt.[8] Im heutigen Dom sind allerdings viele Fresken, die Farbfenster und das Altarbild verloren gegangen.

Bei den Wiederaufbauarbeiten ist man auch auf die Reste der bereits genannten frühchristlichen Kirche gestoßen.

Der Kirchturm hatte die Bombenangriffe schadlos überstanden, musste aber ab Mitte der 1970er-Jahre restauriert werden. Die Arbeiten kosteten mehr als 1,03 Mio Euro und wurden 1986 abgeschlossen.[9]

Im Dezember 2008 hatten sich einige der buntglasierten Dachziegel gelöst. Im Frühjahr 2009 wurde eine Arbeitsgruppe zur Finanzierung der Dachsanierung (ca. 850.000 Euro) begründet, die 2010 abgeschlossen werden konnte.[10] Das Land Südtirol und die Stiftung Südtiroler Sparkasse unterstützten die Arbeiten.

Bauinschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauinschrift des frühen 16. Jhs.

An der Südseite der Pfarrkirche ist eine exakte Kopie der aus örtlichem Sandstein gefertigten Bauinschrift von Baumeister Hans Lutz von Schussenried eingelassen. Das Original befindet sich im durchbrochenen Turmhelm der Kirche. Die Schriftform entspricht einer spätgotischen Minuskel.

Der frühneuhochdeutsche Text der sechszeiligen Inschrift lautet: „Anno domini 1501 anfang / des paws am 18. tags winne / monet durch maister hanns / lutz stainmetz von schusenriet / volent des 16. tag herbst / monet anno domini 1519“.

Übertragung in heutiges Deutsch: „Dieser Bau wurde begonnen im Jahr des Herrn 1501, am 18. Mai, durch Steinmetzmeister Hans Lutz von Schussenried und vollendet am 16. November 1519“ (gemäß den fränkischen Monatsbezeichnungen: Winnemonat = Mai, Herbstmonat = November).

Historischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Bozner Friedhof erstreckte sich ursprünglich um die Stadtpfarrkirche, an ihrem nördlichen, östlichen und südlichen Teil. Dieser Friedhof, der erstmals 1184 urkundlich erwähnt und 1547 ausgebaut wurde, wurde 1789 durch Kaiser Joseph II. geschlossen, jedoch bis 1826 weiterverwendet. Im November 1826 wurde ein neuer klassizistischer Friedhof mit Arkadengängen und Freskomalereien im Nazarener-Stil von Giuseppe Craffonara südlich von Pfarrkirche und Probsteigebäude eingeweiht, der direkt von der Pfarrei verwaltet wurde und bis 1930–1932 seinen Zweck erfüllte.[11] Ab diesen Jahren fanden die Beerdigungen endgültig im neuen Oberauer Friedhof in St. Jakob bei Bozen statt.[12] In der Folge verfiel die alte Friedhofsanlage zusehends und wurde zudem im Zweiten Weltkrieg durch Luftbombardements ab 1943 stark beschädigt. 1951/52 wurden die verbliebenen Arkaden abgerissen, die neogotische Friedhofskapelle als letzter Überrest 1973 beseitigt. Das Areal wurde in den Jahren 1991/93 mit dem neuen Pastoralzentrum der Kurie Bozen-Brixen nach Plänen von Architekt Othmar Barth überbaut.

Ausstattung der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dom von Osten

Die Stadtpfarrkirche wurde von den Bürgern der Stadt mit zahlreichen Zuwendungen bedacht und gehört daher zu den Kirchen mit den meisten Sitzplätzen im Alpenraum.

Neben dem bereits beschriebenen Glockenturm und der Kanzel befinden sich in der Pfarrkirche zwei Orgeln, eine Pietà aus der Zeit des Weichen Stils sowie verschiedene spätgotische Fresken und neugotische Seitenaltäre, die den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entgangen sind.

Presbyterium und Hochaltar

Mit dem gotischen Hallenraum kontrastiert der barocke, 1716 vom Veroneser Architekten Ranghieri errichtete, monumentale Hochaltar aus Marmor mit seinen vielen Säulen und Heiligenfiguren.[13]

Im Dom von Bozen wird das historische Herz-Jesu-Bild von Johann Josef Karl Henrici aufbewahrt, das seit 1795 besonders verehrt wird und 1796 die Tiroler Landstände zum Herz-Jesu-Gelöbnis animierte. Heute wird eine Kopie des Bildes bei der alljährlichen Herz-Jesu-Prozession durch die Stadt getragen.[14]

Neben verschiedenen mittelalterlichen Reliquien werden in der Kirche auch die Reliquien der Bozner Seligen Heinrich von Bozen und Johann Nepomuk von Tschiderer, der in der Stadtpfarrkirche getauft wurde, aufbewahrt.

Das Presbyterium wurde in den 1970er-Jahren vergrößert, um besser auf die neuen Aufgaben als Bischofskirche abgestimmt zu werden. Außerdem wurde 1977 vom akad. Bildhauer Michael Höllrigl aus Lana ein Volksaltar aus mehreren leicht rosafarbigen Marmorblöcken errichtet. Die nach wie vor stark kritisierten Umbauarbeiten wurden 1992 mit der Errichtung eines auf den Altar angepassten Ambo, Priestersitzen und der Cathedra abgeschlossen. Anlässlich der Weihe des Altars 1992 wurde eine Reliquie des Heiligen Vigilius von Trient in den Altar eingelassen.[15]

Unweit des Altars befindet sich die Grabplatte Wilhelms III. von Henneberg-Schleusingen. Dieser verstarb 1480 in Salurn, als er sich auf dem Rückweg seiner Romfahrt befand. Sein Leichnam wurde bis zu seiner Überführung in die Grablege des Grafengeschlechtes in Kloster Veßra im Jahr 1482 hier beigesetzt. Das Bozener Epitaph wurde 1490 von dem Bildhauer Erasmus Forster in Gardolo bei Trient angefertigt und 1495/96 in der Kirche aufgestellt.

Die beiden Orgeln stammen beide aus der Firma Metzler Orgelbau (Dietikon/CH). Die Hauptorgel mit 41 Registern wurde 1964, die Chororgel mit 17 Registern 1997 errichtet.

Für einen Großteil des Domschatzes, bestehend aus zahlreichen Kelchen, Monstranzen und Messgewändern, wurde seit 2007 die Domschatzkammer Bozen im Erdgeschoss der benachbarten Propstei errichtet.[16] Großteils verloren ist der ehemals bedeutende Handschriftenbestand der Pfarrkirche, der laut Inventaren des späten 15. Jahrhunderts beinahe 40 liturgische Handschriften und Texte der Heiligen Schrift umfasste.[17] Der umfangreiche Buchbestand mit über 10.000 Werken des 15. bis 19. Jahrhunderts hat sich hingegen erhalten.[18] Zahlreiche Frühdrucke des Bestandes gegen auf den bayerischen Humanisten Erasmus Fend (Fendt, Vendius) zurück.[19]

Die Pfarrkirche Bozen war im 15. Jahrhundert auch ein bedeutsames Zentrum der Musikpflege.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Spornberger: Geschichte der Pfarrkirche von Bozen. Mit einem kunstgeschichtlichen und archivalischen Anhange. Bozen: Auer 1894.
  • Leo Santifaller: Die Pfarrkirche von Bozen. Bozen: Tyrolia-Verlag 1924.
  • Anton Maurer, Josef Ringler: Baugeschichte der Bozner Pfarrkirche. Die Überreste mittelalterlicher Wandmalereien in der Bozner Pfarrkirche. (Beihefte des „Bozner Jahrbuchs für Geschichte, Kultur und Kunst“, Bd. 8). Bozen: Athesia 1945.
  • Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten. Bozen: Athesia 1995, S. 449–474.
  • Bernhard Mertelseder: Das Kollegiatstift Bozen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol – Südtirol – Trentino / Collegialità ecclesiastica nella regione trentino-tirolese. (Schlern-Schriften, Bd. 329). Innsbruck: Wagner 2006. ISBN 3-7030-0403-7, S. 297–316.
  • Helmut Stampfer: Dom Maria Himmelfahrt Bozen. 3. Auflage. Regensburg: Schnell & Steiner 2013. ISBN 978-3-7954-6961-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maria Himmelfahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Bozen – Dom, Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“
  2. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte, Band 3, Bozen (Athesia) 2006, S. 44–47; ISBN 88-6011-027-0
  3. a b Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert) (PDF; 2,6 MB). In: Der Schlern, 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9, die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 449–474 (hier besonders S. 449ff und 466).
  4. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 78, Nr. 992.
  5. Frank Bischoff: "Der vilkunstreiche Architector und der Statt Augspurg Wercke Meister". Burkhard Engelberg und die süddeutsche Architektur um 1500: Anmerkungen zur sozialen Stellung und Arbeitsweise spätgotischer Steinmetzen und Werkmeister. Augsburg: Wissner 1999. (Schwäbische Geschichtsquellen und Forschungen 18). ISBN 3-89639-157-7. Online-Besprechung
  6. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte, Band 2, Bozen (Athesia) 2006, S. 52–62; ISBN 88-6011-021-1
  7. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte, Band 1, Bozen (Athesia) 2006, S. 87–98; ISBN 88-6011-020-3
  8. Hierzu im Detail Anton Maurer: Baugeschichte der Bozner Pfarrkirche (Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst), Bozen 1945.
  9. Josef Gelmi: Die kirchliche Präsenz in Bozen von 1900 bis heute. In: Der Schlern, 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9, die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 506–527 (hier besonders S. 519).
  10. Renovierung Domdach
  11. Andreas Stolzenburg: Giuseppe Craffonara (1790–1837). Ein Maler zwischen Klassizismus und Purismus. 2 Bde. (Deutsche Hochschulschriften 543). Egelsbach-Frankfurt-Washington 1994, bes. Bd. 1, S. 64–86.
  12. Dienstcharta der Bestattungs- und Friedhofsdienste, Okt. 2008, Stadtgemeinde Bozen 2.1 Geschichte des Bozner Friedhofs (PDF; 2,9 MB)
  13. Leo Andergassen: Südtirol. Kunst vor Ort. 2. Auflage. Athesia, Bozen 2014, ISBN 978-88-8266-111-3, S. 23.
  14. Martin Senoner: Die Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung in der Pastoral der Kirche Südtirols, Brixen 1996 (Diplomarbeit), S. 40–45.
  15. Josef Gelmi: Die kirchliche Präsenz in Bozen von 1900 bis heute. In: Der Schlern, 69. Jahrgang (1995) – Heft 8/9, die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 506–527 (hier besonders 518f).
  16. Ein Inventar des Domschatzes bietet Leo Andergassen: Der Bozner Domschatz. In: Der Schlern, 69. Jahrgang (1995) - Heft 8/9, die Dompfarre Bozen im Wandel der Zeiten, S. 540–561.
  17. Hannes Obermair: Die liturgischen Bücher der Pfarrkirche Bozen aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. In: Der Schlern, 59. Jahrgang (1985), S. 516–536.
  18. Rainhard Domanegg, Hans Kienzl: Die Propsteibibliothek Bozen – La biblioteca della prepositura di Bolzano (Erschließung historischer Bibliotheken in Südtirol 5), Brixen 2008.
  19. Kurze Geschichte der Altbestände der Probsteibibliothek
  20. Website zur Musikgeschichte Bozens im Spätmittelalter

Koordinaten: 46° 29′ 51″ N, 11° 21′ 14″ O