Maria Restituta Kafka

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Restituta ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel, zur gleichnamigen nordafrikanischen Märtyrin († 304) siehe Restituta von Afrika und Märtyrer der heiligen Bücher.
Sel. Sr. M. Restituta Kafka (Fotografie um 1919)

Sr. Maria Restituta Kafka (* 1. Mai 1894 in Hussowitz bei Brünn, Österreich-Ungarn; † 30. März 1943 in Wien), mit dem bürgerlichen Namen Helene Kafka, war eine österreichische Ordens- und Krankenschwester und Märtyrin, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus den Machthabern widersetzte. Papst Johannes Paul II. sprach Sr. M. Restituta 1998 selig.

Kindheit, Beruf und Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helene Kafka wurde als viertes von sieben Kindern des Schuhmachers Anton Kafka und Maria Stehlík geboren. Im Alter von zwei Jahren zog die Familie nach Wien-Brigittenau, dort besuchte Helene Kafka die Volksschule, die dreijährige Bürgerschule und später die einjährige Haushaltungsschule in Wien-Innere Stadt. Nach einigen Jahren als Hausmädchen wurde sie 1914 Hilfspflegerin im Krankenhaus Lainz. Mit 19 Jahren trat sie der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von der christlichen Liebe (auch bekannt als „Hartmannschwestern“) bei und nahm den Ordensnamen Maria Restituta an.[1] Nach dem Ersten Weltkrieg kam sie 1919 als Operationsschwester ins Krankenhaus Mödling und brachte es bis zur Oberschwester der chirurgischen Abteilung.

Widerstand und Tod in der NS-Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch das Krankenhaus Mödling blieb durch den Anschluss Österreichs 1938 nicht verschont. Schwester Restituta weigerte sich, Kruzifixe aus den Krankenzimmern zu entfernen. Dieser Umstand und zwei von ihr diktierte regimekritische Texte wurden ihr zum Verhängnis. Nach Denunziation durch einen Arzt wurde sie am Aschermittwoch, den 18. Februar 1942, im Operationssaal von der Gestapo verhaftet und am 29. Oktober 1942 wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt. Am 30. März 1943 wurde sie im Wiener Landesgericht durch Enthauptung hingerichtet.[2] Wie bei den anderen Opfern des Nationalsozialismus, die aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Glaubens oder aus politischen Gründen durch den nationalsozialistischen Staat zu Tode gebracht wurden, wird ihre Hinrichtung heute als Ermordung bezeichnet und empfunden.[3]

Trotz kirchlichen Wunsches wurde der Leichnam nicht der Ordensgemeinschaft übergeben. Sr. Restituta wurde, wie etwa 2700 andere Personen, anonym, in der sogenannten 40er Gruppe des Wiener Zentralfriedhofs verscharrt. [4] (Reihe 30, Grabnummer 158)

Gedenken in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Juni 1998 wurde Sr. Restituta beim Papstbesuch Johannes Pauls II. in Wien seliggesprochen. Ihr liturgischer Gedenktag ist der 29. Oktober (Tag des Todesurteils 1942).

In Mödling wurde ihr zum Gedenken die westliche Hälfte der Weyprechtgasse vor dem Krankenhaus in Schwester-Maria-Restituta-Gasse umbenannt. Im Jahre 2000 wurde in Wien-Brigittenau, dem Bezirk ihrer Kindheit und Jugend, bei der Donaubrücke, Nähe U6-Station „Handelskai“, ein Maria-Restituta-Platz benannt. 2006 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Mödling in der Sr.-Maria-Restituta-Gasse 12 einen Stolperstein.[5] In Wien Margareten ist ein Gemeindebau nach ihr benannt (Ecke Pannaschgasse-Margaretenstraße). In der Brigittenau ist ihr Wohnhaus als Kind (Denisgasse) mit einer Gedenktafel versehen. Im Hartmannspital in Wien-Margareten gibt es eine Dauerausstellung RESTITUTA-Dokumentation Glaube gegen NS-Gewalt.[6] Auch in der Basilika Klein-Mariazell wird über ihr Leben berichtet und ihrer besonders gedacht. Seit dem 27. Mai 2009 ist in der Barbara-Kapelle des Wiener Stephansdoms eine von Alfred Hrdlicka geschaffene Büste angebracht.[7]

Ein von Sr. Restituta getragenes Kreuz ist seit März 2013 in der Basilika San Bartolomeo all’Isola in Rom als Reliquie auf einem Seitenaltar aufgestellt. Papst Johannes Paul II. hatte diese Kirche im Jahre 2002 dem Gedenken der Märtyrer und Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts gewidmet, gleich welcher Konfession.[8]

Im Jahre 2000 wurde durch das Brigittenauer Gymnasium das Musical „Restituta“ uraufgeführt (Komponistin: Elisabeth Lotterstätter; Songtexte: Elisabeth Lotterstätter, Rita Melzer, Ingeborg Schnaubelt; Buch: Elisabeth Lotterstätter, Ingeborg Schnaubelt). 2010 erschien eine Doppel-CD mit dem Musical und der „Restituta-Messe“ (komponiert von Elisabeth Lotterstätter, Texte: Elisabeth Lotterstätter und Rita Melzer; aufgenommen durch die Singgemeinschaft Ebergassing).

Literatur und Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maria Restituta Kafka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Onlineauftritt Franziskanerinnen von der christlichen Liebe
  2. Willi Weinert: „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“ - Biografien, der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen ; ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof und zu Opfergräbern auf Wiens Friedhöfen, Wiener Stern-Verl., Wien 2011, ISBN 978-3-9502478-2-4, S. 82
  3. Onlineauftritt Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes Bericht zum Todesurteil gegen Helene Kafka
  4. Evelyn Steinthaler: Sie starb für ihren Glauben, Wiener Zeitung extra, 21. Juni 2008, online, wienerzeitung.at, abgerufen am 15. Juni 2012
  5. Onlineauftritt Stadtgemeinde Mödling Aktion Stolpersteine 2006
  6. Zeitschrift Restituta-Forum (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) Öffnungszeiten der Ausstellung
  7. ORF Online: Hrdlicka gestaltete Stephansdom-Skulptur (Abgerufen am 13. Mai 2009)
  8. Österreichische Katholische Presseagentur, 5. März 2013