Maria Vesperbild

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Maria Vesperbild
Koordinaten: 48° 16′ 47″ N, 10° 32′ 31″ O
Einwohner: 35 (2020)
Postleitzahl: 86473
Vorwahl: 08284
Wallfahrtskirche Maria Vesperbild
Die Fatima-Grotte mit dem überregional bekannten Blumenteppich.
Hochaltar mit dem von der Heiligen Barbara (links) und der Heiligen Katharina (rechts) seitlich umgebenen Gnadenbild.
Wallfahrtskirche und Ort Maria Vesperbild

Maria Vesperbild ist ein Ortsteil der Gemeinde Ziemetshausen im Landkreis Günzburg (Schwaben, Bayern), benannt nach der gleichnamigen Wallfahrtskirche. Der Wallfahrtsort Maria Vesperbild liegt ca. 1 km südöstlich von Ziemetshausen an der B 300. Jährlich pilgern 400.000 bis 500.000 Menschen nach Vesperbild zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes (Vesperbild = Pietà).

Wallfahrtskirche Maria Vesperbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1650 stellte der Pfleger der Herrschaft Seifriedsberg in einer Feldkapelle auf dem Weg von Ziemetshausen nach Langenneufnach ein Vesperbild auf. Wegen einsetzender Wallfahrt wurde die Kapelle 1673 durch einen größeren, halboffenen Kapellenbau ersetzt. 1725 wurde die erste Wallfahrtskirche errichtet. Da dieser filigrane Zentralbau mit Tambourkuppel schon nach 29 Jahren in seiner Bausubstanz als baufällig befunden wurde, erhielt der heimische Baumeister Johann Georg Hitzelberger 1754 den Auftrag, die heutige Wallfahrtskirche in klassischen Formen gemäß dem Stil des Rokoko zu errichten. Der nach zweijähriger Bauzeit vom Augsburger Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden eingeweihte Kirchenbau erhielt seine Deckengemälde vom aus Kempten stammenden Freskanten Balthasar Riepp, während der aus der Vorgängerkirche übernommene Hochaltar auch in der neuen Wallfahrtskirche seinen Platz fand. In den Jahren 1960/ 65 wurde die um 1870 geschaffene neuromanische Einrichtung durch eine im Stil des Rokoko ersetzt, sodass die Kirche heute ein stilistisch einheitliches Bild zeigt.[1] Ende 2020 gab die Wallfahrtdirektion im Zuge der im Vorjahr begonnenen Kirchenrenovierung in drei Bauabschnitten bekannt, dass der eigentlich unvollendete Hochaltar aus den 1960er Jahren mit seinen kahlen Wänden im Hintergrund durch Säulen und Voluten nach gängigen Vorgaben des Rokoko erweitert und das kleine Ostfenster über dem Altar wieder geöffnet und ausgeschmückt werden solle.[2]

In seiner Funktion als Wallfahrtsdirektor baute Prälat Wilhelm Imkamp zwischen 1988 und 2017 die Infrastruktur der Wallfahrt zeitgemäß aus und machte im Zuge moderner Medienarbeit den Wallfahrtsort bundesweit bekannt. So veranlasste Imkamp gleich zu Amtsantritt, dass für die Seelsorge an den zahlreichen Pilgern mehrere Priester der zuständigen Diözese Augsburg zum Einsatz kamen, um u. a. das große Pensum von über 10.000 Beichten im Jahr stemmen zu können. Überregionaler Nachfrage bei den Pilgern erfreut sich an Sonn- und Feiertagen auch das Pilgeramt um 10:15 Uhr mit der Predigt des Wallfahrtsdirektors. Dieses wird auch auf die Außenbildschirme und in die Eltern-Kind-Kapelle übertragen. Bekanntheit erlanget der Wallfahrtsort Maria Vesperbild aber auch dadurch, dass ungewöhnlich viele Menschen mit Migrationshintergrund aus dem nahen Augsburg in diesem Wallfahrtsort eine neue geistige Heimat fanden.

Seit Januar 2018 ist Monsignore Erwin Reichart, vorheriger Dekan des Dekanates Kaufbeuren, Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild.

Fatimagrotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Wallfahrtskirche führt ein Kreuzweg durch einen lichten Buchenwald zur Fatima-Grotte (nördlich vom Schloss Seyfriedsberg). Bei der Fatima-Madonna brennen große Votivkerzen und ungezählte Opferlichter aus aller Welt, die von Pilgernden gestiftet wurden. Es finden sich weit über 1000 Votiv-Tafeln von Gebetserhörungen. Am Zugang stehen lebensgroße Darstellungen des Heiligen Josef und des Heiligen Pater Pio, die sich bei den Pilgernden ebenfalls großer Verehrung erfreuen. Bei der Grotte befindet sich an einer Waldwiese ein Freiluftaltar, an dem alljährlich am Abend des Festes Mariä Aufnahme in den Himmel ein großer Gottesdienst mit Tausenden von gläubigen Teilnehmern stattfindet. (Erz-)Bischöfe und Kardinäle aus dem In- und Ausland wie der Sri-lankische Kardinal Albert Malcolm Ranjith (2008), der heutige Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (2012), der ehemalige Papstsekretär Georg Gänswein (2014), der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch (2017) oder wie der Passauer Ortsbischof Stefan Oster (2020) waren Zelebranten dieser feierlichen Pontifikalämter.

Anschließend findet durch den sogenannten „Dom der Natur“ eine große Lichterprozession über den Schlossberg statt.

Ein riesiger Blumenteppich vor der Fatima-Madonna zieht auch noch Tage danach ungezählte Menschen an.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2018 geriet die Wallfahrtsdirektion kurzfristig in Negativschlagzeilen, nachdem in der Ausgabe der Augsburger Allgemeinen vom 22. Oktober ein Artikel zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Kann man den Priestern und der Kirche überhaupt noch trauen?“ erschienen war.[3] Der zuständige Wallfahrtdirektor, Monsignore Reichart, hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen, um im Zuge des Missbrauchsskandals enttäuschten Menschen eine Plattform zum Austausch und zum „Frust-Ablassen“[4] zu bieten. Im Laufe der Veranstaltung selbst warben der als Gast eingeladene Pfarrer Wilhelm Meir und Wallfahrtsdirektor Reichart nach eigener Aussage um eine Differenzierung zwischen theologischem Zusammenhang und weltlichem Kontext der Ursachen der Missbrauchsfälle.[4] Die gesellschaftliche Liberalisierung und eine teilweise erfolgende Relativierung innerhalb des theologischen Gepräges hätten die Hemmschwellen bei Priesterkandidaten verringert und potenzielle Taten begünstigt.[5] Im ausschließlich theologischen Zusammenhang wiederum gelte, dass die Kirche als „Leib Christi“[4] trotz dieser „schreckliche[n] Verbrechen“[4] ihrer „Glieder“[4] heilig sei, weil „Christus durch sie sein Heil“[4] wirke. Laut Darstellung Reicharts sei der in der AZ als Überschrift des erwähnten Artikels zitierte Ausspruch Meirs „Die Kirche kann sich nicht versündigen“ daher vom theologischen Sachzusammenhang in eine ausdrücklich nicht angedachte säkulare Bedeutung gezogen worden.[6] Die im Zuge des Artikels herausgegebene Mitteilung des damaligen Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa, dass sich die Kirche in „erster Linie um die Opfer sorgen“ müsse, bejaht und bekräftigt Reichart eigens in seiner Klarstellung zu den Geschehnissen in der Tagespost.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Maria Vesperbild – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernt von Hagen, Angelika Wegener-Hülsen: Denkmäler in Bayern. 1. Auflage. Band VII, Nr. 91. Karl M. Lipp Verlag, München 2004, S. 521 - 524.
  2. Mittelschwäbische Nachrichten: Neue Perspektive für den Hochaltar. Abgerufen am 5. Februar 2021.
  3. Christian Gall: Geistliche zu Missbrauch: „Die Kirche kann sich nicht versündigen“. In: Online-Ausgabe der Augsburger Allgemeinen. AZ, 22. Oktober 2018, abgerufen am 20. Januar 2021.
  4. a b c d e f Kilian Martin: „Zum Dank bin ich an den Pranger gestellt worden“. Tagespost, 7. November 2018, abgerufen am 20. Januar 2021.
  5. Daniel Wirsching: Pfarrer entschuldigt sich für Aussagen zu Missbrauch in der Kirche. In: Online-Ausgabe der Augsburger Allgemeine. AZ, 29. Oktober 2018, abgerufen am 20. Januar 2021.
  6. Wallfahrtsrektor: „Habe Missbrauch in der Kirche nicht verharmlost“. In: katholisch.de. 24. Oktober 2018, abgerufen am 20. Januar 2021.