Maria von Teck

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Queen Mary (1934)

Maria von Teck (englisch Mary of Teck; gebürtig Her Serene Highness Princess Victoria Mary Augusta Louise Olga Pauline Claudine Agnes of Teck; * 26. Mai 1867 im Kensington Palace, London; † 24. März 1953 in Marlborough House, London) war die Ehefrau des britischen Königs Georg V.

Von 1910 bis 1936 war sie Queen Consort des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland (ab 1927 Nordirland) sowie Kaiserin (Empress Consort) von Britisch-Indien. Nach dem Tod ihres Ehemanns 1936 erhielt sie den offiziellen Titel Queen Dowager („Königinwitwe“), den sie aber nicht annahm.

Herkunft und Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria von Teck (1889)

Maria von Teck wurde 1867 als erstes Kind des deutschstämmigen Herzogs Franz von Teck und dessen Ehefrau Mary Adelaide of Cambridge im Londoner Kensington Palace geboren. Ihre Mutter war eine Enkelin Georgs III. und Cousine der regierenden britischen Königin Victoria, womit Mary einer nicht regierenden Nebenlinie des britischen Königshauses entstammte. Am 27. Juli 1867 wurde Mary durch den Erzbischof von Canterbury, Charles Longley, in der Chapel Royal des Kensington Palace getauft.

Die in Familienkreisen liebevoll nach ihrem Geburtsmonat Princess May genannte Prinzessin wurde von ihrer Mutter und einer Gouvernante zeitgemäß erzogen. Ihre Eltern erhielten wegen ihrer morganatischen Ehe eine relativ geringe Apanage, doch lebten sie verschwenderisch. Die Familie musste wegen finanzieller Schwierigkeiten zwischen 1883 und 1885 bei Verwandten im Ausland leben. Während eines Aufenthalts in Florenz entwickelte Mary Interesse an Kunst, Kultur und Geschichte.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brautpaar am Tag der Hochzeit (1893)

Durch die morganatische Abstammung ihres Vaters war Mary eine hochrangige Heirat eigentlich verwehrt. Allerdings hielt Königin Victoria, ihre Patentante, sie für eine mögliche zukünftige Königin, weshalb sie die Verlobung mit ihrem Enkel, dem ältesten Sohn des Prince of Wales, Prinz Albert Victor, Duke of Clarence and Avondale, arrangierte. Die Verlobung wurde im Dezember 1891 offiziell verkündet, doch nur sechs Wochen später (am 14. Januar 1892) starb Albert Victor infolge einer Lungenentzündung.

Auf Wunsch der Königin heiratete Mary am 6. Juli 1893 den jüngeren Bruder ihres verstorbenen Verlobten, Prinz George, Duke of York, in der Chapel Royal des St James’s Palace. Die Brautleute waren durch ihre gemeinsame Abstammung von Georg III. Neffe und Tante dritten Grades. Durch die Heirat erhielt Mary den Höflichkeitstitel Duchess of York sowie das Prädikat Her Royal Highness („Ihre Königliche Hoheit“). Als Residenzen wurden dem Paar ein Apartment im St James’s Palace und York Cottage auf dem Landsitz Sandringham House zugewiesen. Obwohl die Verbindung arrangiert war, entwickelte sich zwischen Georg und Mary ein Liebesbund. Sie war ihrem Ehemann eine verlässliche Stütze, Georg blieb seiner Frau zeitlebens treu verbunden.

Aus der Verbindung gingen sechs Nachkommen hervor:

Über die Mutterliebe zu ihren sechs Kindern, darunter gleich zwei späteren Königen, herrschte geteilte Meinung. Einerseits trennte sie ihren jüngsten Sohn John von seinen Geschwistern und versteckte ihn vor der Öffentlichkeit, weil sie sich seiner Epilepsie schämte – er wurde als „Monsterkind“ bezeichnet, unter Hausarrest gehalten und starb früh –, andererseits unterrichtete sie ihre Kinder in Geschichte und Musik.

Ihr ältester Sohn Eduard berichtete von ihr als liebende Mutter. Sie versuchte vergeblich, ihn von der Abdankung abzubringen. Ihr zweiter Sohn, der spätere König Georg VI., entwickelte sich durch den harten und aus heutiger Sicht unpädagogischen Druck seines Vaters zu einem scheuen und stotternden Mann.

Princess of Wales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krönungsporträt des Malers William Llewellyn (1911)

Nach dem Tod Königin Victorias am 22. Januar 1901 wurde Eduard VII., der Vater ihres Mannes, Victorias Nachfolger. In seinem Namen begab sich das neue Kronprinzenpaar auf eine mehrmonatige Reise durch das Britische Empire. Die Reise führte sie über Gibraltar, Malta, Port Said, Aden, Ceylon, Mauritius und Singapur nach Australien, Neuseeland, Kanada, Neufundland und in die Kapkolonie. Georg und Mary nahmen Glückwünsche für den neuen König entgegen und dankten den Dominions für deren Unterstützung während des Zweiten Burenkriegs (1899–1902). Am 9. November 1901 erhielt Georg den Titel Prince of Wales, Mary erhielt dadurch den Höflichkeitstitel Princess of Wales.

Mary begleitete ihren Ehemann 1904 nach Österreich-Ungarn, ins Königreich Württemberg und auf einer achtmonatigen Rundreise durch Britisch-Indien Oktober 1905 bis Mai 1906. Sie besuchten die Hochzeit des spanischen Königs Alfons XIII. mit Victoria Eugénie von Battenberg (17. Mai 1906) und die Krönung des norwegischen Königs Haakon VII. (22. Juni 1906).

Königin und Kaiserin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Mai 1910 trat ihr Mann als Georg V. die Thronfolge an; am 22. Juni 1911 wurde das Paar gekrönt. Ihre erste Reise ging in der Eigenschaft als Kaiserliches Paar nach Britisch-Indien. Dort nahm sie mit ihrem Mann im Dezember 1911 als einzige britische Monarchin am großen Delhi Durbar im Coronation Park von Delhi teil.

Ihre Schwiegermutter und Vorgängerin, Königin Alexandra, wollte beim Begräbnis Eduards VII. den Vortritt haben, verließ den Buckingham-Palast nur zögerlich und behielt zudem einen Teil der Kronjuwelen, die sie der neuen Königin hätte abtreten müssen. Es kam zu Auseinandersetzungen.

Am 6. Mai 1935 feierte das Königspaar Silbernes Thronjubiläum. Allerdings war der König, ein extrem starker Raucher, zu dieser Zeit schon sehr krank. Er starb am 20. Januar 1936.

Jahre als Königinwitwe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königinwitwe Mary und ihre Enkeltöchter Margaret (Mitte) und Elisabeth (rechts), 1939

Eduard VIII., als bisheriger Kronprinz nun Nachfolger seines Vaters und von seiner Mutter zunächst unterstützt, schockierte das Königreich jedoch mit seinem Wunsch, Wallis Simpson zu heiraten. Mary lehnte es ab, die bürgerliche Schwiegertochter in spe jemals zu treffen. Eduard dankte ab, und ihr zweitältester Sohn wurde stattdessen als Georg VI. gekrönt. Dabei stand sie ihm mit moralischer Unterstützung zur Seite und organisierte zudem nicht nur die Krönung des königlichen Paares, sondern nahm auch, als erste Witwe eines britischen Königs überhaupt, daran teil.

Im Zweiten Weltkrieg ließ der König seine Mutter in Sicherheit bringen; sie kam seinem Wunsch widerstrebend nach und zog zu ihrer Nichte Mary, Duchess of Beaufort, der Tochter ihres Bruders Adolphus. Sie fiel ihm jedoch ziemlich zur Last: So ließ sie unter anderem von deren Wohnsitz Badminton House den Efeu entfernen, weil sie ihn als hässlich und als Gefahr für die Gesundheit empfand.

1952 starb Georg VI., und ihre Enkelin Elisabeth wurde Königin. Da der Titel Queen Mother nun an deren Mutter, Marys Schwiegertochter Elizabeth Bowes-Lyon, überging, die sich in Dopplung Queen Elizabeth the Queen Mother nannte, erhielt Mary zur Unterscheidung der drei lebenden Königinnen den Titel Dowager Queen Mother (Witwen-Königinmutter), den sie aber nicht annahm. Mary starb vor der Krönung ihrer Enkelin Elisabeth im Alter von 85 Jahren. Ihr letzter Wunsch war, dass ihr Tod die Krönungsfestlichkeiten nicht stören sollte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfahrt der Queen Mary im Hafen von New York am 20. Juni 1945

1934 sollte ein neuer Passagierdampfer der Cunard Line auf den Namen Victoria getauft werden, der Reedereitradition entsprechend, all ihren Schiffen auf -ia lautende Namen zu geben. Als man König George V. mitteilte, das bis dahin nur als Nr. 534 bezeichnete Schiff auf den Namen von „Britanniens größter Königin“ taufen zu wollen, soll der König geantwortet haben, dass seine Frau sich sehr geehrt fühlen werde[1]. Der Reederei blieb somit nichts anderes übrig, als das Schiff auf den Namen Queen Mary zu taufen. Die aktuelle Queen Mary 2 wiederum knüpft an den Namen dieses Schiffes an.

Bereits 1913 war nach ihrem Namen der Schlachtkreuzer Queen Mary benannt worden, der jedoch 1916 von der Kaiserlichen Marine in der Skagerrakschlacht versenkt wurde. Nach Mary ist das Königin-Marie-Land in der Antarktis benannt. Von Sir Edwin Lutyens wurde zu ihrer Erinnerung Queen Mary’s Dolls’ House ins Leben gerufen.

Queen Mary zählte über Jahrzehnte zur Förderin der Governesses’ Benevolent Institution, einer Hilfsorganisation für in Notlagen geratene Gouvernanten. Auch ein Altersheim dieser Organisation wurde nach ihr benannt.

Wappen und Titulatur (Style)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Queen Mary
  • 26. Mai 1867 bis 6. Juli 1893: Her Serene Highness Princess Mary of Teck
  • 6. Juli 1893 bis 22. Januar 1901: Her Royal Highness The Duchess of York
  • 22. Januar 1901 bis 9. November 1901: Her Royal Highness The Duchess of Cornwall and York
  • 9. November 1901 bis 6. Mai 1910: Her Royal Highness The Princess of Wales
  • 6. Mai 1910 bis 20. Januar 1936: Her Majesty The Queen
    • 6. Mai 1910 bis 20. Januar 1936: Her Imperial Majesty The Queen-Empress (für Indien)
  • 20. Januar 1936 bis 24. März 1953: Her Majesty Queen Mary
    • 20. Januar 1936 bis 14. August 1947: Her Imperial Majesty The Queen-Empress Dowager (für Indien)

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Staat Orden/Ehrenzeichen Klasse
1889 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Order of the Crown of India Companion
1893 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Royal Order of Victoria and Albert Mitglied 1. Klasse
1894 Portugal Konigreich 1830 Portugal Ordem Real de Santa Isabel
1902 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Royal Family Order of King Edward VII Mitglied 2. Klasse
1902 Athiopien 1897 Äthiopien Order of the Star of Ethiopia Großkreuz
1904 Königreich Griechenland Griechenland Order of St Elisabeth Großkreuz
1905 Japanisches Kaiserreich Japan Orden der Edlen Krone Großkreuz
1905 Persien Persien Sonnenorden
1906 Danemark Dänemark Goldenes Hochzeitsabzeichen
1906 Spanien 1875 Spanien Real Orden de Damas Nobles de la Reina María Luisa Lady
1907 Preussen Konigreich Preußen Königlich Preußischer Louisenorden Mitglied 1. Klasse
1909 Russisches Kaiserreich 1883 Russland Orden der Heiligen Großmärtyrerin Katharina Mitglied 1. Klasse
1911 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Order of the Star of India Knight Grand Commander
1916 Serbien Konigreich 1882 Serbien Order of the Star of Karageorge Großkreuz
1917 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Order of the British Empire Dame Grand Cross
1919 Italien 1861 Königreich Italien Rote Kreuz-Medaille
1919 Rumänien Konigreich Rumänien Rote Kreuz-Medaille
1926 Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich Order of Saint John Dame Grand Cross
1927 Dritte Französische Republik Frankreich Légion d'honneur Großkreuz
1927 Agypten 1922 Ägypten Kemal-Damenorden
1928 Afghanistan Königreich 1926 Afghanistan Orden der Höchsten Sonne Collane
1932 Athiopien 1897 Äthiopien Orden der Königin von Saba Großkreuz
1935 Jugoslawien Konigreich 1918 Jugoslawien St.-Sava-Orden Großkreuz
1936 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Order of the British Empire Grand Master and First and Principal
Dame Grand Cross
1936 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Royal Victorian Order Dame Grand Cross
1937 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Royal Family Order of King George VI Mitglied 1. Klasse
1937 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Royal Victorian Chain
1938 Königreich Griechenland Griechenland Orden der Heiligen Olga und der Heiligen Sophia Mitglied 1. Klasse
1939 Rumänien Konigreich Rumänien Orden der Krone von Rumänien Großkreuz
1952 Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Royal Family Order of Queen Elizabeth II Mitglied 1. Klasse

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Kress: Mary Victoria. In: Sönke Lorenz (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln 1997, S. 354 f, ISBN 3-17-013605-4.
  • Marita A. Panzer: Englands Königinnen, von den Tudors zu den Windsors. Piper TB 5297, München / Zürich 2008, ISBN 978-3-492-25297-3.
  • James Pope-Hennessy: The quest for Queen Mary, Hodder & Stoughton, Zuleika, London 2018, ISBN 978-1-5293-3062-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Maria von Teck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Maxtone-Graham: The Only Way to Cross. Collier Books, New York 1972, S. 288 f.
VorgängerinAmtNachfolgerin
Alexandra von DänemarkQueen Consort des Vereinigten Königreichs
1910–1936
Elizabeth Bowes-Lyon