Mariana Vassileva

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Mariana Vassileva

Mariana Vassileva (bulgarisch Марияна Василева, deutsche Transkription Marijana Wassilewa, wissenschaftliche Transliteration Marijana Vasileva; * 24. Oktober 1964 in Tarnowo/Bulgarien) ist eine deutsch-bulgarische Künstlerin. Sie ist eine prominente Vertreterin der Konzeptkunst und arbeitet in den Bereichen Skulptur, Fotografie, Video, Zeichnung und Installationskunst.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vassileva studierte Psychologie und Pädagogik an der Universität Weliko Tarnowo. Um 1989 zog sie nach Deutschland, wo sie in Leipzig vier Semester Theaterwissenschaften studierte. Von 1994 bis 2000 schloss sich ein Kunststudium an der Hochschule der Künste Berlin an. Künstlerische Arbeitsaufenthalte führten sie u. a. nach Ushuaia (Argentinien), Mexiko-Stadt, Bogota, Santiago de Chile, Montreal, Toronto, Sankt Petersburg, Sydney, São Paulo, Auckland und Shanghai. Mariana Vassileva lebt und arbeitet in Berlin.

Ihre erste öffentlich bekannte Arbeit war 2000 eine Bushaltestelle mit metallischer Sitzbank und Kopfstütze. Die Arbeit Rasender Stillstand behandelt unser Verhältnis zur Geschwindigkeit, ein häufiges Thema ihrer Arbeit, der Titel ist eine Referenz an Paul Virilios Essay aus 1990. In klarer Bildsprache präsentiert Mariana Vassileva ihre Arbeiten, die von Ästhetik und Harmonie geprägt sind – bei näherer Betrachtung erschließt sich jedoch die feine Ironie, die hinter vielen ihrer Arbeiten steht.

In kunstgeschichtlicher Anlehnung bedient sie sich Bildern aus dem kollektiven Gedächtnis, die sie losgelöst von Raum und Zeit präsentiert und somit von Grund aus hinterfragt. In der Veränderung des Kontexts kommt es zu Transformationsprozessen und die Erfahrung totaler Gegenwärtigkeit stellt sich ein. Mit distanziertem Blick entlarvt sie spielerisch alltägliche Stereotype und setzt sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikation auseinander.

Auf der Biennale von Sydney 2010, kuratiert von David Eliott, mit dem Thema The Beauty of Distance: Songs of Survival in a Precarious Age wurden ihre Arbeiten Just a game und The Milkmaid gezeigt. Just a game ist eine überdimensionale, strahlend weiße Hand, die aus der Wand wie eine Steinschleuder herausragt und die Fingerspitzen aus Blei zu katapultieren droht. Das Video The Milkmaid wurde von einem Gemälde von Jan Vermeer, The Milkmaid 1658–60 inspiriert. Das Motiv wird verwandelt, nicht nur in unsere Gegenwart, sondern auch in eine virtuelle raum- und zeitlose Sphäre. Die Kleidung und das Aussehen der jungen Frau erscheinen unberührt wie das Licht, das auf ihnen spielt – als ob es sich um eine ewige Skulptur handelt. Allerdings ist sie durch ihre Körperhaltung ganz in der Gegenwart. Sie bleibt bewegungslos und nur die Milch fließt, als sei die Zeit stehen geblieben – man könnte sagen, dass sich in dieser Arbeit Fotografie, Video und Skulptur in einem Medium vereinen.

2011 wurden im Rahmen der von Peter Weibel kuratierten 4. Internationalen Biennale of Contemporary Art mit dem Thema Rewriting Worlds in Moskau ihre zwei Skulpturen Selfmade und Communikation vorgestellt.

Für die Ausstellung Macht 2011, kuratiert von Mark Gisbourne, realisierte sie die Arbeit Acceleration. Über einem Bugatti- Veyron Motor bewegt sich ein Licht- und Stacheldraht- Geflecht im lautstarken Sound des Motors. Je lauter der Motor, desto unsichtbarer wird der Stacheldraht und der negative Part wird zum Kontext. (Rohkunstbau 2011).[1]

2015 widmete die für zeitgenössische Kunst führende städtische Galerie der Hauptstadt Sofia der Künstlerin eine Einzelausstellung unter dem Titel Balance, in der 26 Arbeiten zu sehen waren.[2]

Eine Zeit lang lebte Vassileva in Istanbul direkt am Bosporus in einem Anwesen, das der osmanische Sultan Abdülhamid II. 1880 dem Deutschen Reich geschenkt hatte.[3] Dort entstanden Arbeiten wie burned wood (Werkkatalog, S. 32).

Zwischen Berlin und Bulgarien pendelnd, arbeitet die Künstlerin seit 2017 an ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm Far away and next to us, den sie bis 2021 fertig zu stellen hofft. Das Filmvorhaben ist im 2020 erschienenen Werkkatalog Fragile Power auf den Seiten 166–167 beschrieben, mitsamt dem im Film eine wichtige Rolle spielenden Roboter ROBYN 2040 (Seiten 84–85).

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen
  • 2015 Balance – Sofia City Art Gallery, Sofia
  • 2013 Kunstverein Ruhr e.V., Essen
  • 2012 Casal Solleric, Palma de Mallorca
  • 2011 The Gentle Brutality Of Simultaneity – Starkwhite, Auckland
  • 2010 Because I Dream, I Am Not – Dominik Mersch Gallery, Sydney, NSW
  • 2009 Olga Korper Gallery, Toronto, ON
  • 2008 Musée d´art contemporain de Montréal, Montreal, QC
  • 2008 INDEX GLASS – Galleri Image, Aarhus
  • 2007 Blackbox Art Foundation, San Juan
  • 2006 Gallery Art & Food, Gijón
  • 2003 Rasender Stillstand – DNA, Berlin
Gruppenausstellungen
  • 2020 Win / Loose, Goethe-Institut Sofia[4]
  • 2019 Now is The Time, 25 years collection -- Wolfsburg Museum, Wolfsburg
  • 2019 So Wie Wir Sind 1.0 - Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen
  • 2019 The Wall And Other Stories - Total Museum, Seoul
  • 2019 Bonum & Malum - Villa Erxleben, Berlin
  • 2017 New permanent exhibition of the Lidice Collection, Lidice
  • 2017 Forms of coexistence, STRUCTURA Gallery, Sofia
  • 2017 Moonlight Sonata - Kunsthalle 44, Möen, Denmark
  • 2017 There is always a light to turn off - REM Project, Puerto Rico
  • 2017 Video Art Portrait, Total Museum, Seoul
  • 2017 Forms of coexistence, STRUCTURA Gallery, Sofia
  • 2017 STARS - Kunsthalle 44 Möen, Denmark
  • 2016 Love Actually... - Momentum, Berlin
  • 2016 The 56th October Salon - The Pleasure of Love - Belgrade Cultural Center, Belgrade
  • 2016 From the Shores of the Black Sea - Georgian National Museum Shalva Amiranashvili
  • 2016 Museum of Fine Arts, Tbilisi
  • 2016 Biennale Halberstadt 2016
  • 2016 Beyond Balagan, Hero Mother, Contemporary Art by Post-Communist Women Rethinking Heroism - MOMENTUM, Berlin
  • 2016 Ich kenne kein Weekend - René Blocks Archiv und Sammlung - Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.)[5] und LENTOS Kunstmuseum Linz[6]
  • 2016 Remember Lidice - Städtische Galerie Nordhorn, Nordhorn[7]
  • 2016 My Father Avoids the Sirens' Song - Josee Bienvenu Gallery, New York City, NY
  • 2015 Walk the Line, Wolfsburg Museum, Wolfsburg
  • 2014 What is the smell of an exhibition? Laboral, Centro de Arte y Creación Industrial, Gijón
  • 2013 Painting and Contemporary Media, Paco das Artes, Sao Paulo
  • 2012 4th Moscow Biennale of Contemporary Art (MNAC)', Moscow
  • 2012 Smell colour, chemestry, art and education, Arts Santa Monica, Barcelona
  • 2010 Menos Tiempo que lugar, Museo National de Bellas Artes, Santiago de Chile, Museu de Arte Contemporanea do Parana, Curitiba, Palacio Nacional de las artes – Palais de Glace, Buenos Aires, Centro municipal de Exposiciones, Subte, Montevideo, Goethe-Institut, Lima, Centro de Arte Contemporáneo, Quito
  • 2010 17. Biennale von Sydney, Ort: Museum of Contemporary Art Sydney[8]
  • 2009 Remote Viewing, Pacific Design Center, Los Angeles
  • 2008 Brilliant Noise. Late at Tate, Tate Britain, London
  • 2007 Cine y Casi Cine, Museo Reina Sofía, Madrid
  • 2006 2nd International Biennial of Contemporary Art, Shumen
  • 2004 Neither In the Sky, Nor On the Earth, Museum of Contemporary Art, Skopje
  • 2003 Up and Coming, ARCO, curated by Rosa Martinez, Madrid
  • 2000 Festival of Vision, curated by Johann Nowak / Hong Kong

Kataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich-Böll-Stiftung, Rohkunstbau: Mariana Vassileva. Abgerufen am 4. August 2015.
  2. Sofia City Art Galerie, Mariana Vassileva –BALANCE–, abgerufen am 24. Juni 2015 (bulgarisch).
  3. Vassileva in Tarabya (Memento des Originals vom 27. April 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tarabya.diplo.de Abgerufen am 26. April 2017
  4. Goethe-Institut Sofia: [1]
  5. NBK: [2]
  6. LENTOS Kunstmuseum Linz: [3]
  7. REMEMBER LIDICE.
  8. Andrew Taylor: The hair's not real but it carries weight. In: Sydney Morning Herald vom 26. September 2010. Abgerufen am 24. Juni 2015 (englisch).