Marianna Salzmann

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Sasha Marianna Salzmann auf der Frankfurter Buchmesse 2017
Sasha Marianna Salzmann auf dem Erlanger Poetenfest 2017

Sasha Marianna Salzmann (geboren 21. August 1985 in Wolgograd, Sowjetunion) ist eine deutsche nichtbinäre Dramatikerin, Essayistin, Kuratorin und Romanautorin. Sie ist Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater Berlin und leitete zudem von 2013 bis 2015 die dortige Studiobühne, das Studio Я.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sasha Marianna Salzmann wuchs in Moskau auf. 1995 emigrierte sie mit ihrer Familie als jüdischer Kontingentflüchtling nach Deutschland, studierte an der Universität Hildesheim Literatur, Theater und Medien und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Noch während ihres Studiums in Hildesheim wurden einige ihrer Gedichte und Kurzgeschichten in diversen Magazinen gedruckt. Zusammen mit Deniz Utlu, Mutlu Ergün, Marcela Knapp und Mike Klesse gründete sie das Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext und war 12 Jahre lang seine Redakteurin. Neben ihrem Studium inszenierte Salzmann zusammen mit Wera Mahne Ein Attentat auf Godot, eine Bearbeitung von Becketts Klassiker Warten auf Godot, sowie Rot werden, einen sarkastischen Liebesmonolog an Wladimir Putin. Zusammen mit dem Musiktheaterkollektiv forte blau entwickelte Salzmann Projekte für Gehörlose, Schwerhörende und Hörende. Zum Thema „Stimmen hören“ erarbeitete sie mit dem Grenzkollektiv die Jeanne d’Arc-Persiflage Jeanne ist tot und kommt heute nicht mehr vorbei.

Während ihres Studiums des Szenischen Schreibens in Berlin gewann ihr erstes abendfüllendes Theaterstück Weißbrotmusik den wienerwortstaetten Preis 2009 und den IKARUS 2012 als bestes Jugendstück. 2012 wurde sie für das Stück Muttermale Fenster Blau mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker ausgezeichnet. Salzmanns Abschlussstück an der Universität der Künste Muttersprache Mameloschn wurde 2013 als bestes Stück des Jahres mit dem Mühlheimer Publikumspreis geehrt. Stück und Autorin führten bei Umfragen von Theaterkritikern die Ranglisten in Sparten Bestes Stück, Beste Nachwuchsautorin und Dramatikerin des Jahres an. Nach dem Abschluss ihres Studiums des Szenischen Schreibens gründete Salzmann zusammen mit Maxi Obexer das Neue Institut für Dramatisches Schreiben. Sie unterrichtet politisches Schreiben, initiiert Werkstätten und Lesungen, mittlerweile international.

Seit 2013 ist Salzmann Hausautorin des Maxim-Gorki-Theaters Berlin. Als Kopf der freien Künstlergruppe Conflict Zone Arts Asylum leitete sie dort das Studio Я: Das Maxim-Gorki-Theater ist das „Theater des Jahres“. Das liegt auch an Sasha Marianna Salzmann, die dort die spannendste Experimentierbühne Deutschlands leitet: das Studio Я (Stefan Grund, Die Welt). 2016 urteilte die Theaterzeitschrift Die Deutsche Bühne: „Salzmann ist mit ihrem sensiblen Blick auf eine brutale Gegenwart und ihren biographischen Blicken zurück vielleicht die deutschsprachige Theaterautorin der Stunde.“ (Detlev Baur).

Zusammen mit Max Czollek initiierte Salzmann den Desintegrationskongress (2016) und die Radikalen Jüdischen Kulturtage (2017), zwei soziale Plastiken, in denen sich internationale Protagonistinnen und Protagonisten künstlerisch mit Fragen zeitgenössischer jüdischer Identität beschäftigten. „Früher war das Maxim Gorki Theater ein Postmigranten-Theater, jetzt ist es ein Desintegrations-Theater. Desintegration bedeutet: Ich mache nicht mit. Es bedeutet aber gerade nicht: Ich halte mich raus.“ (Dirk Pilz, Berliner Zeitung) Salzmann war Co-Kuratorin des Programms und inszenierte selbst Die Geschichte vom Leben und Sterben des neuen Juppi Ja Jey Juden, einen Theatermonolog von Sivan Ben Yishai.

Sasha Marianna Salzmann identifiziert sich als nichtbinär.[1] Auf der eigenen Website nutzt Salzmann bei Berufsbezeichnungen das Gendersternchen („Mitherausgeber*in, Hausautor*in“),[2] das macht auch das Maxim-Gorki-Theater („Autor*in, Essayist*in, Theatermacher*in und Kurator*in“) und benutzt das weibliche Pronomen mit Sternchen: „sie*“.[3] Der Peritext ihres 2021 bei Suhrkamp erschienenen Romans Im Menschen muss alles herrlich sein benutzt die Bezeichnung „Autor*in“.[4]

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihres Aufenthaltes in Istanbul 2012/2013 als Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya begann Sasha Marianna Salzmann mit der Arbeit an ihrem ersten Roman, den sie in den Folgejahren während ihrer regelmäßigen Türkeiaufenthalte beendete. 2017 erschien der Roman Außer sich, er handelt von einem Zwillingspaar, das erst in einer kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der Postsowjetjahre und dann in einem Asylbewerberheim in der westdeutschen Provinz aufwächst. Das Romandebüt erzählt gleichzeitig eine jüdische Familiengeschichte über vier Generationen und springt dabei durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts – von Wolgograd nach Moskau, nach Czernowitz, Almaty und Grosny und dann über Berlin und der deutschen Provinz nach Istanbul, Odessa und zurück. Die erzählerische Herausforderung bestand für Salzmann darin, weder eine lineare noch eine zielgerichtete Geschichte zu erzählen und dabei deren Plausibilität und inneren Aufbau nicht aufzugeben.[5]

Salzmann erhielt für ihr Romandebüt den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2017. Die Jury würdigte das Werk als „gewagte wie gelungene Gratwanderung zwischen kulturellen und geschlechtlichen Identitäten“ und als „ein facettenreiches Generationspanorama von der Sowjetunion im 20. Jahrhundert bis ins Europa der Gegenwart“.[6] Im selben Jahr stand Außer sich auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2018 folgte der Mara-Cassens-Preis für das „in tiefster Weise provozierende Romandebüt“. Außer sich wurde in 15 Sprachen übersetzt.

Ihr zweiter Roman, Im Menschen muss alles herrlich sein, erschien im September 2020. Der Roman handelt von zwei Müttern und zwei Töchtern. Ort der Handlung sind die Sowjetunion in den 1970er bis 90er Jahren und das heutige Berlin. Wolfgang Schneider schrieb im Tagesspiegel: „Das Gelungene des Romans sind die detailsatt erzählten biographischen Linien. Offenbar liegt das Epische Salzmann mehr als das Dramatische. Zu loben ist die sinnlich konkrete Sprache, die der Fülle der Eindrücke und Gefühle jederzeit gerecht wird. Eigenwillige, allegorisch aufgeladene Bilder kehren wieder und prägen sich ein…“.[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marianna Salzmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sasha Marianna Salzmann im Gespräch mit Masha Gessen: Amerikas fehlerhafte Idee von Demokratie. In: Der Tagesspiegel. 1. November 2020, abgerufen am 6. März 2021; Zitat: „Gessen identifiziert sich als nonbinär, genau wie Sasha Marianna Salzmann. Salzmann lebt in Berlin und ist Theaterautor*in, Essayist*in und Romancier.“
  2. Sasha Marianna Salzmann: Vita. Persönliche Website, 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  3. Porträt: Sasha Marianna Salzmann. In: Gorki.de. 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  4. Im Menschen muss alles herrlich sein. Buch von Sasha Marianna Salzmann (Suhrkamp Verlag). 11. September 2021, abgerufen am 3. September 2021.
  5. Hubert Winkels: Literatur: Verwandlungsstress. In: Süddeutsche Zeitung. 10. September 2017, abgerufen am 6. März 2021.
  6. a b Mitteilung: „Wir Zöpfe“ von Marianna Salzmann. (Memento vom 3. Januar 2015 im Internet Archive) In: Gorki.de. Januar 2015, abgerufen am 6. März 2021.
  7. Wolfgang Schneider: In den Wirren der Umbruchszeit. In: Der Tagesspiegel. 11. September 2021, abgerufen am 11. September 2021.
  8. Video von kultivision: Marianna Salzmann über „Muttersprache Mameloschn“ auf YouTube, 13. Mai 2013, abgerufen am 6. März 2021 (5:32 Minuten; Interview von Alexander Viktorin und Max Büch).