Marianne Frisch

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Marianne Frisch (* 1939 als Marianne Oellers in Ratingen-Hösel) ist eine deutsche literarische Übersetzerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marianne Oellers ist das zweite Kind des Schriftstellers Werner Oellers, der 1947 starb. Marianne und ihr Bruder Norbert (* 1936) wuchsen bei der Mutter, Suse Oellers, auf. Anfang der 1960er-Jahre lebte Marianne Oellers als Germanistik- und Romanistik-Studentin in Rom. Die italienische Metropole war zu dieser Zeit Anziehungspunkt für Intellektuelle und Kunstschaffende aus ganz Europa, nicht zuletzt aus dem deutschen Sprachraum. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann lebte hier und war mit dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch liiert. Zu Oellers’ engerem Freundeskreis zählten die Schweizer Fotografin Pia Zanetti und der deutsche Schriftsteller Tankred Dorst, der 1962 Stipendiat der Villa Massimo war.

Im Sommer 1962 wurden Marianne Oellers und der 51-jährige Max Frisch ein Paar[1], die beiden lebten in der Via Margutta 53B zusammen.[2] 1964 ließ Max Frisch in Berzona ein Haus, das er für sich und seine Partnerin gekauft hatte, unter der Aufsicht eines einheimischen Architekten umbauen, Einzug war „am 15. Mai 1965, pünktlich zu seinem vierundfünfzigsten Geburtstag“[3]. Im Oktober 1967 besuchen Max Frisch und Marianne Oellers „gemeinsam mit Friedrich Dürrenmatt und dessen Frau Lotti“[4] Venedig. Bei der Heirat 1968 nahm Marianne Oellers den Nachnamen Frisch an, von da an sind für sie die Namensformen Marianne Frisch-Oellers und Marianne Frisch bekannt[5]. Im Februar 1973 übersiedelte das Paar nach Berlin in die Sarrazinstraße, wo ein langer Tisch Marianne Frisch „für ihre Übersetzungs- und Lektoratsarbeiten diente“[6]. Die Ehe wurde 1979 geschieden, nachdem es bereits 1974 zum ersten größeren Zerwürfnis gekommen war – dabei spielten Max Frischs Erzählung Montauk und die darin verarbeiteten Ereignisse und Erfahrungen der Eheleute Frisch in den USA eine Rolle. Marianne Frisch blieb in der vormals gemeinsamen Wohnung in Berlin-Friedenau.[7]

Anfang der 1980er-Jahre schrieb Marianne Frisch gemeinsam mit Martin Kluger die Hörspiele Heulen und Zähneknirschen und Die Tiere und die Toten.

Als Übersetzerin aus dem Englischen war Frisch an den deutschen Ausgaben wichtiger Werke der klassischen Moderne und der literarischen Postmoderne beteiligt: Sie übertrug Susan Sontag und Donald Barthelme, den sie während einer USA-Reise mit Max Frisch auch persönlich kennen gelernt hatte[8], sie übersetzte Grace Paley, Rosmarie Waldrop, Renata Adler und nicht zuletzt Virginia Woolf. Dabei arbeitete sie mit Schriftstellerinnen wie Hanna Johansen und Elke Erb zusammen.

1992 stellte Marianne Frisch gemeinsam mit Christa Wolf Texte von Grace Paley in Berlin vor.[9] 2010 attestiert der Max-Frisch-Biograf Volker Weidermann der 71-jährigen Marianne Frisch, „Witwe, Philologin, Übersetzerin, die noch heute in der Wohnung von damals lebt“, „beste Gesundheit, hellsichtige[n] literarische[n] Verstand, große[n] Humor“[10].

Im Katalog des Deutschen Literaturarchivs Marbach sind neben elf Druckwerken 46 Handschriften gelistet. Die aktuelle Webseite der amerikanischen Literaturzeitschrift Fiction nennt Marianne Frisch als „European Editor“[11].

Marianne Frischs Bruder ist der Schiller-Experte Norbert Oellers[12].

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donald Barthelme: City Life. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1972.
  • Renata Adler: Rennboot. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1979, ISBN 9783518020258, Neuausgabe Suhrkamp, Berlin, 2014, ISBN 978-3-518-22480-9
  • Susan Sontag: Ich, etc. Erzählungen. Hanser, München/Wien, 1979, ISBN 978-3-446-12826-2
  • Donald Barthelme: Der Kopfsprung (mit einer Übersetzergruppe am Englischen Institut der Universität München, Endredaktion Christian Enzensberger), Klett-Cotta, Stuttgart, 1985, ISBN 9783608952254
  • Donald Barthelme: Tolle Tage (mit einer Übersetzer-Gruppe am Englischen Institut der Universität München, Endredaktion Christian Enzensberger), Klett-Cotta, Stuttgart, 1985.
  • Donald Bartheme: Am Boden zerstört (mit einer Übersetzer-Gruppe am Englischen Institut der Universität München, Endredaktion Christian Enzensberger), Klett-Cotta, Stuttgart, 1986.
  • Donald Barthelme: Randerscheinungen (mit einer Übersetzer-Gruppe am Englischen Institut der Universität München, Endredaktion Christian Enzensberger), Volk und Welt, Berlin, 1987, ISBN 9783353001269
  • Donald Barthelme: Amatöre (mit einer Übersetzer-Gruppe am Englischen Institut der Universität München, Endredaktion Christian Enzensberger), Klett-Cotta, Stuttgart, 1988.
  • Virginia Woolf: Das Mal an der Wand. S. Fischer, Frankfurt am Main, 1988.
  • Virginia Woolf: Das Mal an der Wand. Gesammelte Kurzprosa. Suhrkamp, 1989, ISBN 9783100925510
  • Grace Paley: Später am selben Tag. Geschichten (mit Hanna Johansen und Jürg Laederach). Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1989.
  • Donald Barthelme: Am Ende des mechanischen Zeitalters. Ausgewählte Prosa. Insel, Leipzig, 1989.
  • Donald Barthelme: Der tote Vater (mit Martin Kluger), Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1989.
  • Virginia Woolf: Blau & Grün. Erzählungen (mit Klaus Reichert) Fischer Taschenbuch, Frankfurt, 1991.
  • Rosmarie Waldrop: Ein Schlüssel zur Sprache Amerikas (mit Elke Erb), Urs Engeler, Basel/Weil am Rhein/Wien, 2004.

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosmarie Waldrop: pre & con or positions & junctions. for Craig Watson (mit Elke Erb), in: Zwischen den Zeilen. Eine Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik 8 (2000), 16., S. 189–213

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Als Frisch Marianne Oellers, der damaligen Freundin von Tankred Dorst, begegnet, sei er schlicht ‚reif für eine neue Liebe‘ gewesen. Oellers war mit ihren gerade mal 23 Jahren nicht einmal halb so alt wie Frisch, der so tat, als könne ihm ‚ein Neuanfang‘ helfen, als brauche er nur den Arm um eine prickelnd fremdartige, sehr junge Schulter legen und alles werde gut“, formuliert Rolf Löchel in seiner Besprechung von Ingeborg Gleichauf: Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit. Piper Verlag, München 2013
  2. Siehe den Abschnitt In der Via Margutta: Marianne Oellers im Kapitel Raus aus der Schweiz – und wieder zurück: 1960 - 1970, in: Volker Hage (Hg.): Max Frisch. Sein Leben in Bildern und Texten. Suhrkamp, Berlin, 2011.
  3. Dietmar Jacobsen: Max Frisch im Tessin. In: Literaturkritik.de. Oktober 2013, abgerufen am 6. November 2021.
  4. Über Max Frisch, Biografie. Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek, abgerufen am 6. November 2021.
  5. Indexeintrag: Frisch, Marianne. Deutsche Biographie, abgerufen am 6. November 2021.
  6. Wiebke Porombka: Hackepetergemütlich. In: Der Tagesspiegel. 29. Januar 2012, abgerufen am 6. November 2021.
  7. Hellmuth Karasek: Bildnis eines Kerls. In: Welt. 18. Dezember 2010, abgerufen am 6. November 2021.
  8. Der US-Wikipedia-Eintrag zu Donald Barthelme spricht davon, dass die Literaturzeitschrift Fiction von Barthelme „with Mark Mirsky and the assistance of Max and Marianne Frisch“ gegründet worden sei.
  9. Henrike Thomsen: Freundlich und ohne Gepolter. In: taz.archiv. Die Tageszeitung, 6. April 1992, abgerufen am 6. November 2021.
  10. Volker Weidermann: "Ich merke schon meine Scham". Max Frisch: Aus dem Berliner Journal. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 6. November 2021.
  11. Fiction, Masthead. City College of New York, abgerufen am 6. November 2021 (englisch).
  12. Dieter Brockschnieder: „Mein Schwager Max Frisch“. Literatur-Professor Norbert Oellers plaudert über Privates. In: Bonner Rundschau. 5. Februar 2018, abgerufen am 6. November 2021.