Mariano Rajoy

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Mariano Rajoy (2015)

Mariano Rajoy Brey [maˈɾjano raˈxoi̯] (* 27. März 1955[1] in Santiago de Compostela) ist ein konservativer spanischer Politiker und seit 2004 Vorsitzender der Partido Popular. Seit dem 21. Dezember 2011 leitet er als Ministerpräsident die Regierung des Königreichs Spanien (Kabinett Rajoy I, seit 2016 Kabinett Rajoy II).

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mariano Rajoy Brey wurde am 27. März 1955 als ältestes der vier Kinder des Juristen und späteren Präsidenten der Provinzobergerichte (Audencia Provincial) von León und Pontevedra, Mariano Rajoy Sobredo[2][3][4] und dessen Frau Olga Brey López († 1993) in Santiago de Compostela, Provinz A Coruña, Galicien, geboren (weitere Geschwister: Mercedes, Enrique und Luis).[5][6][7][8] Mariano Rajoy ist der Enkel des Rechtswissenschaftlers Enrique Rajoy Leloup (1882–1966) (Professor für Bürgerliches Recht an der Universität Santiago de Compostela), der zu den Verfassern des galicischen Autonomiestatuts von 1936 gehört und während des Franco-Regimes der Universität verwiesen wurde.[9] Die beruflichen Aufgaben des Vaters, Mariano Rajoy Sobredo, zogen einen häufigen Wohnortswechsel der Familie nach sich – unter anderem nach Piedrahíta, (Provinz Ávila), Santiago de Compostela, Piedrahita, Carballino (Provinz Ourense), Oviedo (Asturien) und schließlich León.

Mariano Rajoy war fünf Jahre alt, als sein Vater in León die Leitung eines Amtsgerichts übernahm.[10] In León besuchte Mariano Rajoy zunächst das El Colegio Las Anejas de León, danach die private Höhere Schule, das El Colegio Sagrado Corazón de los Jesuitas.[10][11][12] Als Mariano Rajoy 15 Jahre alt war, zog die Familie – erneut wegen der beruflichen Tätigkeit des Vaters – nach Lerez in der Provinz Pontevedra um. Sein Vater war zum Präsidenten des Provinzial-/Landgerichts von Pontevedra (Audiencia Provincial de Pontevedra) ernannt worden.

In Pontevedra bestand Rajoy an einer öffentlichen Schule das Abitur. Er nahm das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Santiago de Compostela auf, das er im Jahre 1977 mit Auszeichnung abschloss.[13] Nach dem Studium begann er seine berufliche Laufbahn als Beamter an verschiedenen staatlichen Liegenschaftsämtern (unter anderem in Padrón, Villafranca del Bierzo und Santa Pola).[14][15]

1981 wurde er Mitglied der Alianza Popular (Volksbündnis), aus der später die Partido Popular hervorging, die eine konservative spanische Volkspartei wurde. Im selben Jahr wurde er in das galicische Parlament gewählt. 1983 wurde er Stadtrat in der Stadt Pontevedra, 1986 Präsident des Parlamentes der gleichnamigen Provinz. Seit 1989 ist er Abgeordneter im spanischen Parlament. Als langjähriger Wegbegleiter des 1990 gewählten Parteivorsitzenden José María Aznar wurde er nach dem Wahlsieg der Partido Popular 1996 zunächst Minister für öffentliche Verwaltung, 1999 dann Bildungsminister und 2001 Innenminister.[16] Den Wahlkampf im Jahr 2000 leitete er erfolgreich; die Partido Popular errang bei der Wahl am 12. März 2000 die absolute Mehrheit der Parlamentssitze (183 von 350 Sitzen).

Nach der Ankündigung José María Aznars, im Wahlkampf 2004 nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten (Presidente del Gobierno) kandidieren zu wollen, wurde Rajoy von Aznar überraschend zum Spitzenkandidaten des PP bestimmt und war bei den spanischen Parlamentswahlen am 14. März 2004 PP-Kandidat für das Amt des spanischen Regierungschefs. Trotz des Skandals um den Untergang der Prestige und der uneingeschränkten Unterstützung der US-amerikanischen Politik im Irakkrieg, für die die Partido Popular viel Kritik erntete, waren Rajoys Umfragewerte sehr gut. Erst infolge der heftig kritisierten irreführenden Informationspolitik der konservativen Regierung nach den Terroranschlägen auf mehrere Züge in Madrid unmittelbar vor dem Wahltag kippte die Stimmung: Die spanischen Sozialisten (PSOE) gingen überraschend als Sieger aus diesen Wahlen hervor. Rajoy wurde Oppositionsführer.

Oppositionsführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mariano Rajoy (rechts) und Ángel Acebes (2008)

Im Oktober 2004 wurde er auf dem Parteitag der Volkspartei offiziell zum Nachfolgers Aznars als Parteivorsitzender gewählt. Obwohl Rajoy ursprünglich dem gemäßigten Flügel seiner Partei zugerechnet wurde, verfolgte er als Oppositionsführer eine harte Konfrontationspolitik mit der Regierung Zapatero. Insbesondere kritisierte er die Gespräche zwischen der Regierung und der baskischen Untergrundorganisation ETA, die diese nach einer Waffenstillstandserklärung der ETA im März 2006 eingeleitet hatte; außerdem die Reform des Autonomiestatuts der Region Katalonien, die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und die Legalisierung des Aufenthaltsstatus illegaler Immigranten. Als eigentliche treibende Kräfte hinter der harten Linie der PP sahen spanische Zeitungen jedoch häufig nicht Rajoy, sondern Ángel Acebes (Generalsekretär der PP) und Eduardo Zaplana (Fraktionsvorsitzender der PP).

Am 10. September 2007 ließ Rajoy sich vom Parteivorstand zum Spitzenkandidaten der PP für die im März 2008 stattfindenden Parlamentswahlen bestimmen. Zentrale Themen seiner Kampagne waren dabei zunächst die Entwicklung der spanischen Wirtschaft, später die Einwanderung.[17] Nachdem die PP in den Wahlen, trotz hinzugewonnener Stimmen, letztlich erneut nur zweitstärkste Fraktion geworden war, kündigte Rajoy an, weiterhin den Posten des Oppositionsführers bekleiden und gegebenenfalls bei den Wahlen 2012 noch einmal als Spitzenkandidat der PP antreten zu wollen. Sein Plan, sich auf einem Parteitag im Juni 2008 als Vorsitzender der PP bestätigen zu lassen, stieß auf Widerstand beim konservativen Parteiflügel. Die Regierungspräsidentin der Region Madrid, Esperanza Aguirre, und der valencianische Politiker Juan Costa profilierten sich mit mehrdeutigen Ankündigungen als mögliche Gegenkandidaten. Nach einer mehrwöchigen scharfen Diskussion erklärten beide mangels ausreichender parteiinterner Unterstützung ihren Verzicht auf eine Kandidatur.[18] Auf dem Parteitag am 21. Juni 2008 wurde er schließlich mit 84 Prozent (-14 Prozentpunkte) bestätigt und zum Spitzenkandidaten für die Wahlen 2012 ernannt, die später auf den 20. November 2011 vorgezogen wurden und die die PP unter seiner Führung gewann.

Regierungschef[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. Dezember 2011 wählte das spanische Parlament Rajoy zum neuen Ministerpräsidenten. Er erhielt 187 der 350 Stimmen (die PP hat 186). In seinem Regierungsprogramm kündigte Rajoy eine rigide Sparpolitik an.[19] Am 21. Dezember 2011 stellte er sein Regierungskabinett vor und am 30. Dezember beschloss er die ersten Austeritätsmaßnahmen. Als Reaktion auf die drastischen Einsparungen und Arbeitsmarktreformen fand am 29. März 2012 in Spanien ein Generalstreik statt.[20] Anfang April 2012 kündigte er weitere Sparmaßnahmen im Gesundheits- und Bildungsbereich an.[21]

Bei der Parlamentswahl 2015, die eine Verschiebung weg vom bisherigen Zweiparteiensystem zu vier mittelgroßen Parteien zum Ergebnis hatte, erreichte Rajoy nur die einfache Mehrheit und war ab dem 20. Dezember 2015 fast ein Jahr lang lediglich geschäftsführend im Amt, weil er sich außerstande sah, eine Koalition zu bilden.[22] Nach dem Scheitern des Sozialisten Pedro Sánchez, der sich im Parlament zur Wahl gestellt hatte, kam es zu einer erneuten Parlamentswahl 2016. Nach zähen Verhandlungen wurde Rajoy vor dem Hintergrund einer drohenden dritten Neuwahl, unterstützt von den oppositionellen Ciudadanos und mehreren Kleinparteien sowie durch Enthaltung der Sozialisten, am 29. Oktober mit einer Minderheitsregierung wiedergewählt.[23] Am 3. November 2016 stellte er sein Regierungskabinett vor.[24]

Rajoy hat mit der spanischen Staatsverschuldung, einer Krise spanischer Banken[25] und einer hohen Arbeitslosenquote bei Jugendlichen und Erwachsenen[26] zu kämpfen. Strukturelle Reformen und eine gute Konjunktur sorgten unter anderem für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit und das höchste Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone (Stand 2015 bis 2017).[27] Rajoy und sein Wirtschaftsminister haben die Exportfähigkeit des Landes gesteigert, indem die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität der spanischen Wirtschaft erhöht wurden, was insbesondere durch Reformen auf dem Arbeitsmarkt und den schwachen Euro erreicht wurde. Diese und weitere Reformen sowie eine gute Konjunktur sorgten unter anderem für einen Rückgang der Arbeitslosigkeit und das höchste Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone (Stand 2015 bis 2017).[27]

Im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens folgte Rajoy der Auslegung des spanischen Verfassungsgerichts, die ein Unabhängigkeitsreferendums als nicht gesetzeskonform erklärte, und bekräftigte mehrfach, er werde dieses „auf keinen Fall“ zulassen.[28][29] Er ordnete daher die juristische und polizeiliche Unterdrückung des einseitig von der Regionalregierung ausgerufenen Referendums vom 1. Oktober 2017 an, was zu umstrittenen Polizeimaßnahmen führte und die Stimmung in Katalonien weiter aufheizte.[30][31]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rajoy ist seit 1996 mit Elvira Fernández Balboa verheiratet und Vater zweier Söhne.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • En confianza: Mi vida y mi proyecto de cambio para España. Editorial, Barcelona 2011, ISBN 978-8408106913 (zu Deutsch: „Im Vertrauen: Mein Leben und mein Projekt eines Wechsels für Spanien“).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mariano Rajoy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. En confianza: Biografía. Mariano Rajoy Brey. In: rajoy.es. Abgerufen am 17. August 2017 (spanisch).
  2. Salvador Rodríguez: Mariano Rajoy Sobredo, Padre de Mariano Rajoy Brey. In: laopinion.es. 31. Mai 2009, archiviert vom Original am 17. Dezember 2013, abgerufen am 15. Oktober 2017 (spanisch).
  3. http://www.intereconomia.com/noticias-gaceta/politica/rajoy-familia-20111125 (Memento vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive)La Gaceta, 27. November 2011
  4. La Familia de Mariano. Losgenoveses.net
  5. Cuando Rajoy era Marianín. Diario de León.es, 19. Dezember 2011 (+ Bilder)
  6. En la tierra de su infancia. La Nueva España (ohne Datum)
  7. Mariano Rajoy Sobredo. Geneall.net (spanisch)
  8. Mariano Rajoy Brey. Geneall.net (spanisch)
  9. Enrique Rajoy Leloup. Geneall.net (spanisch)
  10. a b Cuando Rajoy era Marianín. Diario de León.es 19. Dezember 2011
  11. Mariano Rajoy Brey. CIDOB (Centro de Estudios y Documentatión Internationales de Barcelona)
  12. El Colegio Sagrado Corazón Jesuitas de León – Homepage
  13. Mariano Rajoy Brey. CIDOB (Centro de Estudios y Documentación Internacionales de Barcelona)
  14. Mariano Rajoy im Munzinger-Archiv, abgerufen am 20. November 2011 (Artikelanfang frei abrufbar)
  15. The Daily Bell: Mariano Rajoy
  16. Mariano Rajoy Brey wiwo.de; abgerufen am 3. Oktober 2012
  17. Koch macht Schule. Zeit Online, 13. Februar 2008
  18. Costa se rinde y los suyos se escudan en la presión de los barones y el ‘aparato’. El País, 10. Juni 2008 (spanisch)
  19. Rajoy zum spanischen Regierungschef gewählt. dpa, 20. Dezember 2011, abgerufen am 22. Juli 2013.
  20. Generalstreik legt Spanien teilweise lahm. sueddeutsche.de; abgerufen am 26. April 2012
  21. Gesundheit und Bildung betroffen Spaniens Sparpaket wird härter. sueddeutsche.de; abgerufen am 26. April 2012
  22. Spanien – Stand: September 2016. In: auswaertiges-amt.de. Auswärtiges Amt, 2016, archiviert vom Original am 10. September 2016, abgerufen am 11. Oktober 2017.
  23. Konservativer Rajoy zum spanischen Ministerpräsidenten gewählt. tagesschau.de; abgerufen 29. Oktober 2016.
  24. Rajoy stellt neues Kabinett vor. FAZ.net, 3. November 2016
  25. Spanien verstaatlicht viertgrößte Bank des Landes. Spiegel Online, 10. Mai 2012
  26. Absturz mit Ansage. Jeder fünfte Spanier ist arbeitslos, bei den Unter-25-Jährigen ist es mittlerweile fast jeder zweite. Spiegel Online, 22. Februar 2012
  27. a b Ute Müller: Der unglaubliche Aufstieg der Ex-Krisenländer. In: welt.de. 22. Mai 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  28. Thomas Urban , Der Traum von der Republik sz.de, 9. Juni 2017.
  29. Rajoys Sturheit treibt Katalonien weg von Spanien (Online-Artikel der Welt vom 10. September 2014)
  30. Referendum in Katalonien: Gummigeschosse gegen Demonstranten (Artikel auf Spiegel-Online, 1. Oktober 2017)
  31. Referendum: Polizei feuert in Barcelona mit Gummigeschossen auf Wähler (Online-Artikel der Westdeutschen Allgemeinen, 1. Oktober 2017)
Vorgänger Amt Nachfolger
José Luis Rodríguez Zapatero Ministerpräsident Spaniens
2011–