Marie-Theres Nadig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marie-Theres Nadig Ski Alpin
Marie-Theres Nadig 1972 Ras al-Khaimah stamp.jpg
Nation SchweizSchweiz Schweiz
Geburtstag 8. März 1954
Geburtsort Flums
Größe 165 cm
Gewicht 64 kg
Karriere
Disziplin Abfahrt, Riesenslalom, Slalom,
Kombination
Status zurückgetreten
Karriereende 15. März 1981
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 2 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Weltmeisterschaften 2 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
0Gold0 Sapporo 1972 Abfahrt
0Gold0 Sapporo 1972 Riesenslalom
0Bronze0 Lake Placid 1980 Abfahrt
FIS Alpine Skiweltmeisterschaften
0Gold0 Sapporo 1972 Abfahrt
0Gold0 Sapporo 1972 Riesenslalom
0Bronze0 Lake Placid 1980 Abfahrt
Platzierungen im alpinen Skiweltcup
 Debüt im Weltcup 1970
 Weltcupsiege 24
 Gesamtweltcup 1. (1980/81)
 Abfahrtsweltcup 1. (1979/80, 1980/81)
 Riesenslalomweltcup 2. (1979/80, 1980/81)
 Slalomweltcup 13. (1974/75)
 Kombinationsweltcup 1. (1980/81)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Abfahrt 13 9 13
 Riesenslalom 6 3 7
 Kombination 5 0 1
 

Marie-Theres «Maite» Nadig (* 8. März 1954 in Flums) ist eine ehemalige Schweizer Skirennfahrerin. Sie war in den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre besonders in den Disziplinen Abfahrt, Riesenslalom und Kombination erfolgreich. Dabei stand sie aber oft im Schatten ihrer österreichischen Konkurrentin Annemarie Moser-Pröll. Insgesamt gewann sie 24 Weltcuprennen; in der Saison 1980/81 entschied sie ausserdem die Gesamtwertung für sich. Ihr grösster Erfolg war der Gewinn der Abfahrts- und Riesenslalom-Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo. Eine Abfahrts-Bronzemedaille kam bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid hinzu. Nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport im Jahr 1981 war sie zwei Jahrzehnte lang als Trainerin tätig, zuerst in Liechtenstein, später in der Schweiz.

Skisportkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter eines Architekten wuchs zusammen mit vier Geschwistern in Flumserberg auf, wo sie das Skifahren erlernte. Erstmals sorgte sie 1970 für Aufsehen, als sie bei den Schweizer Juniorenmeisterschaften die Titel im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination gewann. Im Winter 1970/71 wurde sie in die Nationalmannschaft aufgenommen und bestritt die ersten Rennen im Weltcup. Am 3. Dezember 1971 holte sie als Sechste der Abfahrt in St. Moritz erstmals Weltcuppunkte. Sechs Wochen später folgte beim Riesenslalom in Grindelwald der erste Podestplatz, womit sie sich die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 1972 sicherte.

In Sapporo gewann Nadig völlig überraschend die olympische Goldmedaille in der Abfahrt und im Riesenslalom, dabei liess sie jeweils die als Favoritin geltende Annemarie Moser-Pröll hinter sich. Die Olympiasiege galten auch als Weltmeistertitel. Ihre erste Weltcupsaison beendete Nadig als Fünfte der Gesamtwertung. Aufgrund dieser Leistungen wurde sie zur Sportlerin des Jahres gewählt.

Nadig konnte im Winter 1972/73 nicht an ihre Vorjahresleistungen anknüpfen, das beste Ergebnis war ein dritter Platz am Saisonende in Mont Sainte-Anne. Im Winter 1973/74 fuhr sie wesentlich konstanter, mit einem zweiten Platz bei der Abfahrt der Silberkrugrennen in Bad Gastein als bestes Ergebnis. Ein Weltcupsieg blieb aber weiterhin aus. Enttäuschend verlief die Weltmeisterschaft 1974 in St. Moritz, bei der sie in der Abfahrt auf den fünften Platz fuhr und im Riesenslalom ausschied.

Der erste Weltcupsieg gelang Nadig am 24. Januar 1975, als sie die Abfahrt in der Axamer Lizum bei Innsbruck gewann – es war die Hauptprobe für das olympische Rennen im darauf folgenden Jahr. Ende der Saison folgte ein weiterer Sieg in Jackson Hole. Die Saison 1975/76 begann mit zwei dritten Plätzen noch vielversprechend, doch dann fiel Nadig hinter ihr gewohntes Leistungsniveau zurück und konnte nicht vom Umstand profitieren, dass ihre grösste Konkurrentin Moser-Pröll den ganzen Winter fehlte. Bei den Olympischen Winterspielen 1976 verpasste sie wegen hohen Fiebers die Abfahrt. Wieder genesen, erreichte sie im Riesenslalom den fünften Platz. Zuvor im Slalom hatte sie erneutes Pech, da sie beim Start einen Stock verlor und nach der Zwischenzeitnahme aufgeben musste.

Deutlich besser verlief die Saison 1976/77 mit mehreren Podestplätzen und dem ersten Sieg in einer Kombinationswertung. Der Winter 1977/78 begann mit einem Abfahrtssieg in Val-d’Isère vielversprechend, doch dann folgten wieder eher mittelmässige Resultate. Wiederum keine Medaille gewann sie bei der Weltmeisterschaft 1978 in Garmisch-Partenkirchen: In der Abfahrt fuhr sie auf den vierten Platz, im Riesenslalom erreichte sie das Ziel nicht. Im Winter 1978/79 gelangen Nadig zwei Weltcupsiege, wobei jener am 19. März im Riesenslalom von Furano beim Saisonfinale besonders eindrücklich war: Ihr Vorsprung von 5,20 Sekunden auf die Zweitplatzierte Moser-Pröll ist der grösste in einem Weltcuprennen überhaupt und blieb unübertroffen.

Während der Saison 1979/80 dominierte Nadig die Abfahrten fast nach Belieben. Sie gewann sechs von sieben Rennen und wurde einmal Zweite, wodurch sie in überlegener Manier erstmals eine Weltcup-Disziplinenwertung für sich entschied. Hinzu kamen zwei Siege im Riesenslalom und ein Kombinationssieg, was in der Gesamtwertung für den dritten Platz reichte. Aufgrund ihrer Dominanz galt Nadig als Favoritin für den Abfahrtssieg bei den Olympischen Winterspielen 1980. In Lake Placid wurde sie aber hinter Annemarie Moser-Pröll und Hanni Wenzel lediglich Dritte; es war ihr schlechtestes Saisonergebnis in dieser Disziplin. Bei diesem bei eisiger Kälte ausgetragenen Rennen gab es auch Windböen; Schweizer Zeitungen schreiben davon, dass Nadig im Gegensatz zur Konkurrenz möglicherweise benachteiligt war.

Nadigs Dominanz setzte sich in der Saison 1980/81 nach Moser-Prölls Rücktritt fort. Sie gewann vier Abfahrten, drei Riesenslaloms und zwei Kombinationen. Dadurch sicherte sie sich überlegen den Sieg in der Gesamtwertung, in der Riesenslalomwertung und in der Kombinationswertung. Von der Internationalen Vereinigung der Ski-Journalisten wurde sie daraufhin mit dem Skieur d’Or ausgezeichnet. Nach dem Ende ihrer erfolgreichsten Saison überhaupt fehlte Nadig die Motivation für das Sommertraining, schliesslich erklärte sie im Juli 1981 ihren Rücktritt vom Spitzensport.

Trainerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch danach blieb Nadig dem Skisport verbunden. Noch während ihrer Zeit als Aktive hatte sie in Flumserberg ein Sportgeschäft eröffnet, das sie 1979 von einem Einzelunternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte. Noch heute steht sie ihrer Nadig Sport AG als Präsidentin vor.[1] Den Laden richtete sie im Hotel des ehemaligen Skirennfahrers Edmund Bruggmann ein. Ausserdem liess sie sich zur Skilehrerin ausbilden und betrieb eine eigene Rennschule, die sie später in die örtliche Skischule integrierte.[2]

Dem Beispiel ihres sieben Jahre älteren Bruders Theo folgend, der erfolgreich als Trainer tätig war, erwarb Nadig ebenfalls eine Trainerlizenz. 1986 übernahm sie die Betreuung des liechtensteinischen Nachwuchses, wobei sie nach dem Rücktritt zahlreicher Weltklasseathleten praktisch bei Null beginnen musste. Sie führte mehrere Athleten, darunter Marco Büchel, Birgit Heeb und Markus Foser, an die Weltspitze. Nach zehn Jahren wechselte sie zum Schweizerischen Skiverband und betreute die Abfahrerinnen des B-Kaders.

1999 wurde Nadig schliesslich als Trainerin des A-Kaders bestimmt. Ihre Hauptaufgabe war es, um Corinne Rey-Bellet ein erfolgreiches Abfahrtsteam aufzubauen, was allerdings nur bedingt gelang, da der Verband in den Jahren zuvor die Nachwuchsarbeit vernachlässigt hatte. Im März 2004 übernahm Nadig das Amt der Cheftrainerin der Nationalmannschaft. Wiederum musste sie sich mit der fehlenden Basis auseinandersetzen. Die Saison 2004/05 war für die Schweizer Skirennfahrerinnen die schlechteste Saison überhaupt seit Einführung des Weltcups. Nachdem das Team bei der Weltmeisterschaft 2005 ohne Medaillengewinn geblieben war, wurde Nadig im März 2005 freigestellt.[3] Im Oktober 2005 beendete sie ihre Trainerlaufbahn endgültig.[4]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung: Die olympischen Wettbewerbe von 1972, 1976 und 1980 zählten auch als Weltmeisterschaften.

Weltcupwertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadig gewann 1981 den Gesamtweltcup, hinzu kommen drei weitere Siege in Disziplinenwertungen.

Saison Gesamt Abfahrt Riesenslalom Slalom Kombination
Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte
1971/72 5. 111 3. 71 6. 37 23. 3 - -
1972/73 17. 48 10. 22 9. 36 - - - -
1973/74 6. 123 2. 72 9. 28 - - - -
1974/75 4. 154 3. 100 10. 22 13. 11 - -
1975/76 14. 58 10. 27 10. 19 16. 12 - -
1976/77 6. 133 3. 81 23. 3 - - - -
1977/78 10. 63 3. 78 14. 10 - - - -
1978/79 5. 156 3. 89 4. 94 - - - -
1979/80 3. 221 1. 125 2. 95 22. 11 6. 25
1980/81 1. 289 1. 120 2. 97 28. 7 1. 86

Weltcupsiege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadig gewann 24 Weltcuprennen (13 Abfahrten, 6 Riesenslaloms, 5 Kombinationen). Hinzu kommen 12 zweite Plätze, 21 dritte Plätze sowie 55 weitere Platzierungen unter den besten zehn.

Abfahrt

Datum Ort Land
24. Januar 1975 Innsbruck Österreich
11. März 1975 Jackson Hole USA
7. Dezember 1977 Val-d’Isère Frankreich
5. Dezember 1979 Val-d’Isère Frankreich
14. Dezember 1979 Piancavallo Italien
19. Dezember 1979 Zell am See Österreich
7. Januar 1980 Pfronten Deutschland
15. Januar 1980 Arosa Schweiz
20. Januar 1980 Bad Gastein Österreich
3. Dezember 1980 Val-d’Isère Frankreich
12. Dezember 1980 Piancavallo Italien
19. Januar 1981 Crans-Montana Schweiz
29. Januar 1981 Megève Frankreich

Riesenslalom

Datum Ort Land
19. März 1979 Furano Japan
6. Dezember 1979 Val-d’Isère Frankreich
2. März 1980 Mont Sainte-Anne Kanada
8. Dezember 1980 Limone Piemonte Italien
10. Februar 1981 Maribor Jugoslawien
13. März 1981 Furano Japan

Kombination

Datum Ort Land
26. Januar 1977 Crans-Montana Schweiz
18. Dezember 1978 Val-d’Isère Frankreich
6. Dezember 1979 Val-d’Isère Frankreich
12. Dezember 1980 Limone Piemonte Italien
27. Januar 1981 Les Gets Frankreich

Schweizer Meistertitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadig wurde viermal Schweizer Meisterin:

  • 1 × Abfahrt: 1972
  • 2 × Riesenslalom: 1976, 1980
  • 1 × Kombination: 1972

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marie-Thérèse Nadig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsregisterauszug Nadig Sport AG
  2. Wedeln, wo Marie-Theres Nadig trainierte, Die Zeit, 6. Dezember 1985
  3. Marie-Theres Nadig nicht mehr Cheftrainerin der Schweizer Damen, skiinfo.de, 14. März 2005
  4. Swiss-Ski trennt sich von Marie-Theres Nadig, skiinfo.de, 11. Oktober 2005