Marienbasilika (Kevelaer)

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Basilika

Die Marienbasilika ist eine Marienwallfahrtskirche in Kevelaer, in der die großen Gottesdienste der Kevelaer-Wallfahrt gefeiert werden.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neogotische Kirche wurde 1858 bis 1864 nach Plänen von Vincenz Statz durch Hilger Hertel den Älteren ausgeführt. Den ersten Stein legte am 12. Juni 1858 der Wallfahrtsrektor Gustav van der Meulen.[1] Der viergeschossige, 90 m hohe Westturm wurde erst 1883/1884 errichtet. Friedrich Stummel und seine Schüler malten die Chöre und das Querschiff der Marienbasilika in den Jahren 1891 bis 1934 farbenprächtig aus.[2] Im linken Querschiff hatte Stummel während des Ersten Weltkriegs ein Gemälde der apokalyptischen Gestalten dazu genutzt, den Krieg zu kritisieren und hatte mit Motiven der Zerstörung Löwens im Ersten Weltkrieg und der RMS Lusitania auf deutsche Kriegsverbrechen aufmerksam gemacht. Nach Kritik wurden die Bilder auf bischöfliche Anordnung übermalt.[3]

Im Jahr 1991 wurde mit der Innenausmalung des Kirchenschiffes durch Walter Dorn in Anlehnung an die Innenausmalung der Sainte-Chapelle in Paris eine Restaurierung abgeschlossen und damit einer der farbenprächtigsten Kirchenräume des Rheinlands wiederhergestellt bzw. vollendet.[4][5] Durch erhebliche Kriegsschäden gingen die ursprünglichen Bleiglasfenster verloren, die ab 1946 durch neue ersetzt wurden. Ein Teil davon wurde von dem Weezer Künstler Hans Mennekes und dem Kölner Kunstprofessor Helmut Kaldenhoff entworfen.

Das heutige Bronzeportal der Kirche wurde vom Holzschneider und Bildhauer Willi Dirx gefertigt.

Das Kirchengebäude weist insgesamt eine Länge von 70 m auf und ist 28 m breit. Das Querhaus hat eine Breite von 36 m und eine Länge von 18 m. Die Basilika verfügt über eine Bodenfläche von 1.441 m².[6]

Bedeutung der Wallfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1884 verlieh Papst Leo XIII. Pfarrer Josef van Ackeren[7] und seinen Nachfolgern das Privileg, den Apostolischen Segen viermal jährlich an seiner statt zu erteilen. Heute wird in Kevelaer als einzigem deutschsprachigen Ort dieser Apostolische Segen durch den Pfarrer oder einen anwesenden Bischof an den Festtagen Mariä Heimsuchung, Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt und Allerheiligen gespendet.[8]

1923 wurde die Kirche zur päpstlichen Basilica minor erhoben. Die Pfarre St. Marien wurde 1956 von der Antoniusgemeinde abgepfarrt. Der Pfarrer Stefan Zekorn, der seit 2006 zugleich Wallfahrtsrektor war, wurde am 3. Dezember 2010 durch Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof der Region Münster/Warendorf im Bistum Münster ernannt.[9] Nachfolger Zekorns wurde am 22. Mai 2011 der bisherige Pfarrer von St. Ida in Herzfeld (Lippetal), Domkapitular Rolf Lohmann[10], der am 25. April 2017 ebenfalls zum Weihbischof im Bistum Münster ernannt wurde.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel der Marienbasilika Kevelaer

Die Orgel der Marienbasilika ist mit ihren 135 Registern die größte deutsch-romantische Orgel der Welt. Sie besteht aus der Hauptorgel auf der Westempore und einem Fernwerk auf der nördlichen Querhausempore ohne eigene Spielanlage. Das Instrument geht in großen Teilen zurück auf ein Instrument, das in den Jahren 1906–1907 von der Orgelbaufirma Ernst Seifert (damals: Köln) erbaut worden war, und die erste Orgel ersetzte, die um 1874 von dem Orgelbauer Wilhelm Rütter (Kevelaer) erbaut worden war.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Turm der Basilika befinden sich 8 Glocken, eine weitere ist im Dachreiter installiert.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Masse
(kg, ca.)
Durchmesser
(mm)
Schlagton
(HT-1/16)
Anmerkung
1 Consolatrix Afflictorum 1954 Bochumer Verein 2.782 1.980 a0 Stahl[11]
2 Virgo Immaculata 1954 Bochumer Verein c1 Stahl
3 Regina in Coelum 1954 Bochumer Verein d1 Stahl
4 Maria Regina 1954 Bochumer Verein e1 Stahl
5 Maria Mediatrix Gloria 1954 Bochumer Verein f1 Stahl
6 2002 g1 Bronze
7 2002 a1 Bronze
8 2002 c2 Bronze
9 2002 ? Bronze; im Dachreiter

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland 1967
  • Willehad Paul Eckert: Der Niederrhein Köln, DuMont 1978
  • Astrid Grittern: Die Marienbasilika zu Kevelaer (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 52), Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, hrsg. von Landeskonservator Udo Mainzer, Köln 1999.
  • Gabriele M. Knoll: Der Niederrhein Köln DuMont 1993
  • Karl-Heinz Göttert: Die große Seifert-Orgel in der Kevelaer Marienbasilika. In: Ars Organi. 55. Jahrgang, Nr. 3, September 2007, ISSN 0004-2919.
  • Gregor Klein: Die große Seifert-Orgel der Marienbasilika zu Kevelaer. In: Ars Organi. 29. Jahrgang, Nr. 3, September 1981, ISSN 0004-2919.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienbasilika (Kevelaer) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Killich: Adriaan Poirters: "Het pelgrimken van Kevelaer": Rekonstruktion historischer Wallfahrtsgesänge aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Diss. Univ. Münster, Lit, Münster u.a. 2001, ISBN 978-3-8258-3348-0, S. 18 u. 315; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Astrid Grittern: Die Marienbasilika zu Kevelaer (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 52), Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, hrsg. von Landeskonservator Udo Mainzer, Köln 1999, S. 35, 40.
  3. Willi Jasper: Lusitania. Kulturgeschichte einer Katastrophe, Berlin 2015, S. 166ff.
  4. Walter Dorn: Friedrich Stummels Maltechniken dargestellt an der Ausmalung der Marien-Basilika zu Kevelaer, in: Ausstellungskatalog "Ad maiorem Dei Gloriam, Der Kirchenmaler Friedrich Stummel (1850-1919) und sein Atelier", Kevelaer 1979, S. 41f.
  5. Walter Dorn: Friedrich Stummel und sein Lebenswerk, Die Ausmalung der St.-Marien-Kirche zu Kevelaer, in: Josef Heckens u, Richard Schulte-Staade (Hrsg.), Consolatrix Afflictorum: Das Marienbild zu Kevelaer, Botschaft, Geschichte, Gegenwart (350 Jahre Kevelaer-Wallfahrt, Bd. 1), Kevelaer 1992, S. 689–700.
  6. Astrid Grittern: Die Marienbasilika zu Kevelaer (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 52), Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, hrsg. von Landeskonservator Udo Mainzer, Köln 1999, S. 19.
  7. Josef van Ackeren (1830-1903), Ehrendomkapitular und Dechant in Kevelaer. Quelle: Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog, Bd. VIII (1903). Berlin: Reimer, 1905, S. 84.
  8. Kirche und Leben: Im ausgehenden Kulturkampf wurde Kevelaer gestärkt, 5. Juli 2009
  9. kirchensite.de: Papst ernennt Stefan Zekorn zum Weihbischof
  10. kirchensite.de: Domkapitular Lohmann wird Pfarrer in Kevelaer
  11. Nähere Informationen zur großen Glocke

Koordinaten: 51° 35′ 4,5″ N, 6° 14′ 39,9″ O