Marienborn

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Ort Marienborn in Sachsen-Anhalt, weitere Bedeutungen unter Marienborn (Begriffsklärung).

52.19511.108055555556165Koordinaten: 52° 11′ 42″ N, 11° 6′ 29″ O

Marienborn
Gemeinde Sommersdorf
Wappen von Marienborn
Höhe: 165 m
Fläche: 9,98 km²
Einwohner: 504 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Eingemeindet nach: Sommersdorf
Postleitzahl: 39365
Vorwahl: 039400
Marienborn (Sachsen-Anhalt)
Marienborn

Lage von Marienborn in Sachsen-Anhalt

Marienborn ist ein Ortsteil der Gemeinde Sommersdorf im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten]

Marienborn liegt auf einem Höhenzug, der sich in südlicher Fortsetzung des Lappwaldes über das Hohe Holz bis Oschersleben (Bode) hinzieht. Östlich von Marienborn fällt das Gebiet zum oberen Allertal, westlich zur Schöninger Aue ab. Nahe Marienborn erreicht der Rodenberg 207 m ü. NN, die Fuchsberge 202 m ü. NN. Die niedersächsische Stadt Helmstedt ist 8 km und Magdeburg ca. 40 km entfernt. Im Westen grenzt die Gemarkung Marienborn nicht an Niedersachsen, was die Benennung des ehemaligen Grenzüberganges Marienborn vermuten lässt; dazwischen liegen die Gemarkungen Harbke, Morsleben und Sommersdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Marienborn zählt zu den historisch ältesten Wallfahrtsorten innerhalb Deutschlands. Hier erschien um das Jahr 1000 (zu einer Zeit, zu der schon wichtige Handelswege wie der „Bierweg“ durch das „Mordthal“ führten) einem frommen Hirten die Jungfrau Maria. Dort, wo eine Marienstatue vom Himmel gefallen sein soll und nach der Überlieferung ein Hospital und Armenasyl gegründet wurden, entsprang am Ende des 12. Jahrhunderts ein Quell („Marienborn“) mit heilender Wirkung.

Zum historischen Umfeld Marienborns zählen prähistorische Hügelgräber, Opfersteine und Kultstätten wie der „Teufelsgrund“ und die „Räuberhauptmanns-Höhle“ (Räuberhauptmann Rose).

Zu den Schätzen des Ortes gehört die Stiftskirche des Klosters Marienborn von ca. 1200 mit Kreuzgang (erbaut im 15. Jahrhundert) und geschnitzten und vergoldeten Flügelaltaren, das Pfarrhaus, die an einen römischen Tempel erinnernde Orangerie und die Brunnenkapelle, vom braunschweigischen Hofbaumeister Peter Joseph Krahe (1758 -1840) auf alten Fundamenten errichtet. Historische Verbindungslinien weisen auch auf das Kloster Marienberg bei Helmstedt. 1895 wurde die Stiftskirche unter Leitung von Paul Lehmgrübner renoviert und umgebaut. Im schroffem Kontrast befinden sich die Ruinen und geborstenen Dächer des weitläufigen ehemaligen Kloster- und Rittergutes, das in 40 Jahren als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) baulich in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Am 1. Januar 2010 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Marienborn nach Sommersdorf eingemeindet.[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner1
2003 511
2004 512
2005 516
2006 511
2007 523
2008 504

1Einwohnerzahl jeweils zum 31. Dezember.
(Quellen: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt)

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Marienborn war Frank Frenkel.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 20. April 2006 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Grün, aus einem gemauerten goldenen Brunnen mit blauer Fontäne wachsend, die goldenbekrönte Gottesmutter mit goldenem Gewand und fleischfarbenem Gesicht und Händen, auf ihrem rechten Arm das golden nimbierte, fleischfarbene Jesuskind mit goldenem Reichsapfel in seiner Rechten, ihre linke Hand segnend über die Fontäne ausgestreckt.“

Die Farben des Ortes - abgeleitet vom Hauptwappenmotiv und Schildfarbe - sind: Gelb - Grün.

Das redende Wappen, das den Ortsnamen und die Erscheinung wiedergibt, ist wahrscheinlich das Prägendste, das den Ort in Vergangenheit und Zukunft begleitet. [2]

DDR-Grenzübergangsstelle[Bearbeiten]

Grenzkontrollpunkt Marienborn im Juli 1954

Als im Sommer 1945 die innerdeutsche Grenze entstand, richteten die alliierten Siegermächte den Grenzübergang Helmstedt-Marienborn ein. Die DDR baute die Grenzübergangsstelle (GÜST) Anfang der 1970er Jahre für rund 70 Millionen Ost-Mark zu einer Festung an der Transitstrecke zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin aus. Zuletzt versahen auf dem mit 35 Hektar größten europäischen Grenzübergang 1000 DDR-Grenzsoldaten, Zöllner, Stasimitarbeiter und Zivilangestellte ihren Dienst. Sie fertigten von 1984 bis 1989 rund 10,5 Millionen Personenwagen und Motorräder, 4,9 Millionen Lastwagen und 140.000 Busse ab - zusammen 34,6 Millionen Reisende. Die meisten Ostdeutschen bekamen den Übergang erst nach Maueröffnung zu sehen. Mit der Wirtschafts- und Währungsunion zum 1. Juli 1990 verlor die GÜST endgültig ihre Funktion.

Auf dem Gebiet der GÜST errichtete das Land Sachsen-Anhalt die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Kernstück der Gedenkstätte ist das Dienstgebäude, in dem früher die zur Stasi gehörende "Passkontrolleinheit" saß. Heute befindet sich hier ein Dokumentationszentrum. In der Dauerausstellung geht es um Ursachen für die deutsche Teilung, um die Ausbildung der DDR-Grenzsoldaten, Fluchtversuche, den systematischen Ausbau und schließlich Abbau von Mauer und Stacheldraht.

Alle Abfertigungsgebäude wurden größer als nötig gebaut, um die Reisenden einzuschüchtern, die Stasi nannte das „Operative Psychologie“. Als Blickfang gilt ein graues, überdachtes Terminal mit Kontrollhäuschen, in denen Stasi-Mitarbeiter jeden Pass fotografierten und registrierten. Erneuert wurde auch ein 60 Meter langes Transportband aus Gummi, auf dem die Pässe zur eigentlichen Kontrolle befördert wurden. Erhalten ist auch eine Kontrollbox, in der der DDR-Zoll westdeutsche Fahrzeuge bei der Ausreise nach verbotenen Waren oder versteckten DDR-Flüchtlingen durchsuchte, selbst Särge wurden geöffnet. Vom „Führungsturm" aus hatten die Verantwortlichen des Bollwerks einen Überblick über das Areal.

2009 wurde in einem Essay in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte von Karl Schlögel eine ganze „Generation Marienborn“ definiert, die durch die „Marienborn-Erfahrung“ geprägt sei.[3]

Gedenkstätte heute[Bearbeiten]

Das Land Sachsen-Anhalt ist Träger der Gedenkstätte. So ist dafür gesorgt, dass nach der Maueröffnung das DDR-Grenzregime an der Bundesautobahn 2 gegenwärtig ist, während anderswo in Deutschland kaum noch Zeugnisse der Trennung zu sehen sind. Zur Gedenkstätte gehört eine Dauerausstellung, in der man auf zwei Ebenen die Geschichte der Deutschen Teilung und Wiedervereinigung multimedial erleben kann.

Marienborn, früher weltweit bekanntes Symbol der Teilung Europas, wandelt sich vom Bollwerk zu einem Ort des Gedenkens, des politischen Lernens, der Begegnung. Heute kann man auf einer Fläche von 7,5 ha diesen historischen Ort, der mittlerweile denkmalgerecht saniert wurde, besuchen. Eine Rundtour mit dem Fahrrad (ca. 18 km; Dauer ca. 90 Minuten) von Harbke über die Gedenkstätte nach Marienborn (Ort und Wallfahrtsstätte) und zurück auf teilweise befestigten Waldwegen ist empfehlenswert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marienborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  2. Das Wappen der Gemeinde Marienborn, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt 2006 im Landeshauptarchiv Magdeburg
  3. Originaltext