Marienikone

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Marienikone aus dem 10. Jahrhundert

Eine Marienikone ist ein Kultbild mit einer Darstellung der Gottesmutter Maria. Sie ist neben Christus-Darstellungen das wohl häufigste Darstellungsmotiv der Ikonenmalerei. Aufgrund der besonderen Ausprägung der Marienverehrung der Ostkirchen, die immer auf Christus bezogen ist, wird Maria auf Ikonen meist zusammen mit dem Christuskind dargestellt. Drei goldene Sterne schmücken das Maphorion, mit dem sie bekleidet ist, und zwar einer auf der Stirn und je einer auf jeder Schulter; sie werden erklärt als Symbole für die Jungfräulichkeit Marias vor, bei und nach der Geburt.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Byzantinische Doppelikone (Konstantinopel, Anfang 14. Jh.) mit der Hl. Jungfrau Psychosostria. Ohrid Ikonenmuseum
Doppelikone der Verkündung Mariae, Ohrid, 14 Jh.

Wichtige ikonographische Typen mit zahlreichen Mischtypen und Varianten sind nach Art der Darstellung:

Daneben gibt es kleinere Typen wie z. B. die Schutzmantelmadonna oder die nach bestimmten Orten oder Klöstern benannten Typen. [1]

Bekannte Ikonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorikonoklastische Marienikonen am Sinai[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige vorikonoklastische Marienikonen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert befinden sich in der Sammlung des Sinai-Katharinenklosters, die noch enkaustisch gemalt worden sind. Eine davon ist dem Ikonentyp der Gottesmutter als Nikopoia (die Siegbringende) zuzuschreiben, die hier allerdings zusätzlich den Beinamen Hoffnung Aller trägt.

Alte Marienikonen in Rom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als älteste Marienikone Roms gilt die in enkaustischer Technik gemalte Maria Advocata, deren Entstehung im syropalästinensischen Raum des 6. Jahrhunderts oder früher vermutet wird. In Santa Francesca Romana in Rom befindet sich eine Marienikone, die dem 7. Jahrhundert zugeschrieben wird.

Eine der Legende nach vom Evangelisten Lukas gemalte, in jedem Fall aber antike Marienikone wurde vermutlich wie viele andere Ikonen im Laufe des 8. Jahrhunderts vor dem Bildersturm gerettet und nach Italien gebracht. Zumindest berichtet der Patriarch Germanos davon, wie eine Marienikone auf dem Wasserweg nach Rom kam. Sie wurde in der Basilika Santa Maria Maggiore aufbewahrt und von der römischen Bevölkerung als Maria la romana (Maria, die Römerin) und Salus Populi Romani (Heil des römischen Volkes) verehrt.

Weitere lukanische Marienikonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solche dem Evangelisten zugeschriebene Marienikonen finden sich außerdem:

  • im Kykkos-Kloster auf Zypern (um 1080 entdeckt)
  • in der Kathedrale St. Peter und Paul auf Malta (unsicher: 15. Jahrhundert)
  • in der Wallfahrtskirche Panagia Evangelista auf Tinos (1822 entdeckt)
  • in der Kirche "Panagia Soumela" in Kastania-Veria, Nordgriechenland

Eine westliche Darstellung des Evangelisten Lukas als Maler der Muttergottes ist die Lukas-Madonna von Rogier van der Weyden.

Marienikone von Morsbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Panagia skopiotissa“ in Morsbach

Eine alte Marienikone mit dem Namen „Panagia skopiotissa“ (die Allheilige vom Berg Skopos) wurde 1933 in einem Kölner Antiquariat aufgefunden und wird heute in einer Kapelle der Kirche St. Gertrud in Morsbach aufbewahrt. Vermutlich stammt sie aus dem 13. Jahrhundert vom dortigen inzwischen zerstörten Marienkloster beim Berg Skopos auf der Insel Zakynthos.

Marienikone der Redemptoristen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist auch die Marienikone der Redemptoristen, das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe. Sie ist vermutlich im ausgehenden 14. Jahrhundert auf der Insel Kreta entstanden und dann nach Rom gekommen. Dort wurde sie 1866 von Papst Pius IX. der Kongregation der Redemptoristen anvertraut und befindet sich in der Kirche Sant'Alfonso. Durch die missionarische Tätigkeit des Ordens hat sich das Bild in zahlreichen Kopien verbreitet.

Fünffelder-Marienikone[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Zeit um 1800 stammt die so genannte Fünffelderikone mit Mariendarstellungen: Gottesmutter von der Tolga, Gottesmutter lindere meinen Kummer, Gottesmutter die die harten Herzen erweicht, Gottesmutter Aufsuchung der Verlassenen. Mittig Gottesmutter der unverhofften Freude.

Marienikone von Johannes Paul II.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienikone von Johannes Paul II.

Durch die Weltjugendtage berühmt geworden ist eine 118 cm hohe und 79 cm breite Kopie der Marienikone Salus Populi Romani, die Papst Johannes Paul II. den Jugendlichen der Welt zum XVIII. Weltjugendtag in Rom geschenkt hat. Gemeinsam mit dem Weltjugendtagskreuz ist die Ikone jeweils im Vorfeld eines Weltjugendtags vor allem im Gastgeberland unterwegs. Daher war sie von Palmsonntag 2003 bis zum August 2005 auf dem Weg durch Europa und vor allem durch Deutschland. Am Palmsonntag 2006 wurde sie zusammen mit dem Kreuz in Rom an australische Jugendliche überreicht, wo der Weltjugendtag 2008 in Sydney stattfand. In dessen Vorfeld reiste sie zum ersten Mal durch Afrika, dann durch Südostasien und Ozeanien. Ab Palmsonntag 2009 befand sich die Ikone zusammen mit dem Weltjugendtagskreuz auf der Reise durch Spanien, wo der Weltjugendtag in Madrid 2011 stattfand.[2]

Marienikone in Taizé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienikone in Taizé wurde von Frère Éric de Saussure gemalt und 1962 vom damaligen Leningrader Metropoliten Nikodim (Moskau) bei einem Besuch bei der Communauté de Taizé gesegnet. Sie stellt die Muttergottes als Erbarmerin dar (Elëusa, griech. Eleousa, russ. Umilenye). Sie ist auch als Gottesmutter von Wladimir bekannt. Die Ur-Ikone dieses Typs wurde in Konstantinopel für den Fürsten Isjaslaw von Kiew gemalt und ihm 1132 vom Kaiser zum Geschenk gemacht. 1155 wurde sie jedoch vom Fürsten Boguljubskij nach Wladimir entführt und von dort aus 1315 nach Moskau gebracht. Da ihr die Befreiung von den Mongolen unter Tamerlan zugeschrieben wurde, wurde sie zur Patronin des russischen Reiches erhoben.

Gottesmutter von Kasan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gottesmutter von Kasan

Eine bewegte Geschichte hat auch das unter dem Namen Kasaner Gottesmutter bekannte Gnadenbild, das im 16. Jahrhundert entstand, später geraubt und wohl vernichtet wurde, aber in mehreren Kopien fortlebt. Noch im 21. Jahrhundert war es Gegenstand ost-westlicher Kirchenpolitik.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ikonen der Gottesmutter (Grundtypen in Auswahl) (PDF, 1S.), Materialblatt WS 2004/2005, Institut für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens, Universität Wien
  2. domradio.de Mahnung zum Verzicht: Papst eröffnet die Karwoche und übergibt Weltjugendtagskreuz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niketas Metropulos, Boris Rothemund: Marienikonen. 1964
  • Andreas Ebbinghaus: Die altrussischen Marienikonen-Legenden. 1990

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienikonen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien