Marienkirche (Prenzlau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marienkirche
Merian-Stadtansicht von 1652

Die Marienkirche (St. Marien) ist die evangelische Hauptpfarrkirche in Prenzlau und eines der bedeutsamsten Werke der Backsteingotik in Norddeutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchenruine nach 1950
Schaufassade im Osten, 2009
Mitteltorturm und Marienkirche

Vorgängerbau

Der Vorgängerbau wurde von 1235 bis 1250 als dreischiffige Feldsteinbasilika mit Doppelturmanlage, einem zweijochigen Langhaus, ausladendem Querhaus und einem eingezogenen, geraden Chor erbaut.[1]

Nachfolgebau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1289 bis 1340 erfolgte der Kirchenneubau als gotische, dreischiffige Hallenkirche im Stil der Backsteingotik unter Einbeziehung des Westteils des Vorgängerbaus mit seinen Feldsteinen. Die großräumige Kirche mit sieben Jochen ist 56 Meter lang, 26 Meter breit und 22 Meter hoch; der Dachfirst ist heute 43 Meter hoch. Sie wurde in zwei Abschnitten errichtet, deren Grenze bei den Treppenhäusern verläuft. Sie hat einen relativ geraden, aber apsidalen Ostabschluss für jedes Schiff. Der Bau gilt als die erste Hallenkirche östlich der Elbe.

Im 14. bzw. 15. Jahrhundert kamen die Anbauten der Christophoruskapelle und der zweischiffigen Margaretenkapelle an der Südseite hinzu. Das Kreuzrippengewölbe der Margaretenkapelle blieb erhalten.

Schaufassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die prächtige östliche Schaufassade gilt wegen ihrer anspruchsvollen Konstruktion als „einmalig“ in der Backsteingotik; Dehio beschreibt sie als „kolossal“ und „Weiterentwicklung“ der Marienkirche in Neubrandenburg. Die Apsiden sind deshalb nur gering ausgebildet mit zwei Polygonseiten in den Seitenschiffen bzw. dreien im Mittelschiff.

Der Giebel ist mit 22 Metern so hoch wie die senkrechte Chormauer. Die sechs Strebepfeiler enden in zierliche Fialen. Eine fensterähnliche Gestaltung mit Stab- und Maßwerk aus rot- und schwarzglasierten Steinen, mit zusammenfassenden Wimpergen und mit Maßwerkfriesen ergänzen das Bild der Schaufassade.

Seitenwände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die äußeren Seitenwände werden gegliedert durch die vierteiligen Maßwerkfenster und die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler. Über die Traufe ragend befinden sich über einem Maßwerkfries und zwischen Fialpfeilern ein transparenter Kranz aus durchbrochenen Wimpergen. An den vier West-Jochen der Südseite läuft ein Plattenfries mit pflanzlichen Motiven.

Vorhalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nördliche Vorhalle vom Anfang des 15. Jahrhunderts hat einen dreiteiligen Wimperg-Giebel im Brunsberg-Stil.

Portale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das große fünffach abgetreppte West-Portale hatte Kehlen und Rundstäbe in den Abtreppungen. Darüber befindet sich in Richtung Mittelschiff ein Rundfenster. Ein reichhaltig gestaltetes Portal befindet sich an der Nordseite, ein weiteres an der Südseite.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 brannte die Kirche aus und das Gewölbe stürzte ein; die Wände blieben erhalten. Der Wiederaufbau begann 1970, 1972 die Montage des Dachstuhls, 1973/74 die Eindeckung des Satteldaches mit Kupferplatten sowie die Instandsetzung der Treppenanlage in den Türmen und die Eindeckung der Margaretenkapelle. Von 1972 bis 1988 folgte die Instandsetzung der Turmfassaden, der Innenausbau der Südkapellen und die Restaurierung des Ostgiebels und der östlichen Südfassade. 1982 war der Nordturm vollendet, 1984 das Dach des Südturms, 1988 die Eindeckung und die Einwölbung der Nordvorhalle und 1990/91 die Fassadensanierung. 1990 fand eine Feierstunde für das Erreichte statt, 1995 die Übergabe der Rosette im Turm und 1997 die Wiederaufstellung des Altars.

Das moderne Rosettenfenster mit dem Thema Zerstörung und Wiederaufbau wurde vom Glasbildner Johannes Schreiter realisiert.
Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Türme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Turm

Der Nordturm mit 68 Metern Höhe stammt aus dem 16. Jahrhundert. Er hatte bis 1945 ein Satteldach in Ost-West-Richtung, dazwischen einen Renaissance-Giebel. Das Dach erstand nach 1972 wieder in sehr einfacher Form mit einem Sockel. Vom 20. bis 22. Dezember 1632 wurde im Nordturm der Leichnam des Königs Gustav II. Adolf aufbewahrt. 234 Stufen führen zur Türmerstube.

Der Südturm mit 64 Metern Höhe besteht seit 1776. Auch er hat nach 1972 ein Satteldach wie beim Nordturm, aber ohne den 4 Meter hohen Sockel. Im oberen Geschoss wurden zwei Uhren installiert.

Beide sechsgeschossige Türme des Westbaus sind bis zum dritten Geschoss in Feldsteinen und darüber aus Backsteinen ausgeführt worden. Die oberen Geschosse sind reichhaltiger verziert mit u.a. spitzbogigen Blenden aus dem 14. Jahrhundert.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im großräumigen, streng gehaltenen Inneren wurde das Kreuzrippengewölbe mit zwischenliegenden Scheidbögen durch die 12 reichgestalteten, kreuzförmigen Pfeiler getragen; die vier stirnseitigen Pfeilervorlagen besitzen kräftige Dreiviertelrunddienste (Vorlagen). Die Seitenwände weisen umlaufende Sockelzonen mit zwei spitzbogigen Blenden pro Joch auf. Darüber befindet sich ein Laufgang.

1847 fand eine umfassende Umgestaltung im Innern der Kirche im neugotischen Stil statt.

Ausstattung und Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Meister des Prenzlauer Hochaltars wurde um 1512 in Lübeck der spätgotische Marienaltar als Hochaltar geschaffen. Er konnte 1945 gerettet werden. [2]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1567/68 wurde die erste Orgel eingebaut. 1743 folgte eine neue Orgel mit 2 Manualen und ca. 20 Registern durch Johann Michael Röder. 1847, nach der Umgestaltung der Kirche, konnte die neue Orgel mit 2 Manualen und 33 Registern von Carl August Buchholz aus Berlin eingeweiht werden. 1945 wurde sie zerstört und nicht wieder ersetzt.

1867 wurde Ernst Flügel Organist und Gymnasialgesanglehrer in Prenzlau und er war bis 1879 als Pianist und Organist auch an der Marienkirche tätig.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lutherdenkmal

Der Mitteltorturm und die Marienkirche am Marktberg bilden gemeinsam die bekannteste Stadtansicht Prenzlaus.

Vor der Kirche steht an der Süd-Westseite das Lutherdenkmal.

Kirchgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienkirche ist die evangelische Hauptpfarrkirche der Kirchengemeinde mit den Filialkirchen St. Nicolai, St. Jacobi und St. Sabini und zwölf weiteren Gemeinden. Sie ist Mitglied im Kirchenkreis Prenzlau mit seinen 12 Kirchgemeinden. Der Kirchenkreis wird von einem Superintendenten und dem Kreiskirchenrat geleitet.

Dem Erhalt der Kirche widmet sich der Förderverein Marienkirche Prenzlau.

Bedeutende Persönlichkeiten

  • Johannes Fleck (1559–1628), von 1596 bis 1601 Inspektor (Superintendent) an der Marienkirche

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joachim Fait: Die erste Marienkirche in Prenzlau. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Jg. 9 (1959/1960), S. 420–421.
  2. Meister des Prenzlauer Hochaltars. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart., Band 37, S. 277. E. A. Seemann, Leipzig 1950.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Mecklenburg. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1980.
  • Joachim Fait: Die erste Marienkirche in Prenzlau - ein Ausgrabungs- und Rekonstruktionsbericht, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Ernst-Moritz-Arndt-Univ. Greifswald 9.1959/60, Ges.- und sprachwiss. Reihe 4/5, S. 420–421.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienkirche (Prenzlau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 18′ 49″ N, 13° 51′ 24″ O