Marienkirche (Dohna)

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Dohna, Marienkirche
Freitreppe zum Turmeingang von 1684
Ansicht der Kirche aus Richtung Burg mit Pfarrhäusern
Die Marienkirche im Bild von 1690, gezeichnet von A. Nienborg.

Die evangelische Marienkirche zu Dohna ist eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen. Sie befindet sich an der Westseite des Marktplatzes auf dem „Taschenberg“ nahe der Burg Dohna und ist das bedeutendste Architekturdenkmal der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche wurde wahrscheinlich 1212 gegründet und 1250 vollendet.

Christian Bartsch, Pastor in Dohna, schrieb 1735 zur Gründungsgeschichte der Kirche:

[…] und hat man aus dem Vossio und Desserio Nachricht in Beylagen daß sie von Burggraf Ottone dem Aelteren unter der Regierung des Römischen Kaisers Friderici II. Anno 1212 zu bauen angefangen: Aber erst 1250. den Bau vollkommen zu Ende gebracht, und eingeweihet in der Ehre der heiligen Jungfrau Maria und des Trostes Petri wie hiervon ein alter Ablass Brieff auf Pergament mit 14. eigehengten rothen Siegeln in origine auf hiesiger Pfarr zu befinden darin der Papst Innocentius 40. Tage Ablaß denjenigen verspricht, welcher Andacht, Gebeth, Walfahrt bey der Kirche zu Dohna an gesetzten Feiertagen verrichtet oder der Kirche etwas verehret ist datiert 1357 d. 10. October in Urkunden P […].[1]

Dieser Ablassbrief bezeugt, dass die erste Kirche der Mutter Maria und dem Apostel Petrus geweiht wurde.

Erste Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Kirche, eine Marienkirche und spätere Wallfahrtskirche, wurde nahe der schützenden Stammburg der Donins auf dem „Taschenberg“ im frühen 13. Jahrhundert erbaut.

Durch Um- und Erweiterungsbauten wurde der erste Kirchenbau vollständig verändert. Von ihm ist heute nichts mehr zu erkennen.

Die älteste Glocke von 1390 aus der Zeit der Burggrafen von Dohna – wohl einziger bedeutsamer Zeuge der ersten Kirche – stand bis 2001 auf dem Kirchhof vor der Kirche auf einem Sandsteinsockel mit einer Bronzeplatte, auf der die Glockenumschrift wiedergegeben ist: O rex gloriae veni cum pace. Anno MCCCLXXXX.

Zweite, 1489 vollendete Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche wurde 1489 von einem unbekannten Baumeister an der Stelle der Vorgängerkirche errichtet und entspricht dem Erscheinungsbild der heutigen Stadtkirche.

Der Hallenbau mit schönen Sternrippengewölben wurde von sechs Rundpfeilern getragen (bei der späteren Verlängerung der Halle kamen zwei Pfeiler hinzu).

Der kunstvolle spätgotische Taufstein stammt aus der Zeit des Kirchenbaues (1489).

Der dreistöckige Flügelaltar mit farbigen und vergoldeten Figuren im Hochrelief ist ein im spätgotischen Stil geschaffenes Holzschnitzwerk. Künstler und Werkstatt dieses Kunstwerkes sind unbekannt. Bei der Restaurierung 1928 fand man die Jahreszahl 1518. Die Flügel sind doppelseitig gearbeitet. Die geschlossenen Flügel zeigen vier Heilige, darunter rechts oben der heilige Nikolaus. In Sachsen war der hl. Nikolaus der Verkehrsheilige, zu finden in Kirchen an alten Handels- und Verkehrsstraßen.

An den beiden östlichen Säulen und an der Süd- und Nordwand befinden sich in Sandstein ausgeführte Wappen der Adelsgeschlechter, die sich um den Kirchenbau und die Verwaltung der Kirche besondere Verdienste erworben haben. Es sind die Wappen derer von Ziegler, des Günter von Bünau, derer von Karras, von Staubitz, von Bernstein mit Jahreszahl 1554 und derer von Worgwitz, ebenfalls mit Jahreszahl 1554.

Das bedeutsamste Grabmal befindet sich im nordöstlichen Betstübchen. Es zeigt die stehende Figur des Ritters Hans von Carlowitz, der für die Inszenierung der letzten Fehde in Sachsen, den sogenannten Saukrieg (1555–1558), bekannt ist.

Die Freitreppe für den Aufgang zum Turm und die Turmkrone stammen aus dem Jahre 1684.

Erneuerung der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1833 bis 1843 erfolgte die Restaurierung der Kirche unter der Leitung der Dresdner Akademieprofessoren Joseph Thürmer (1832–1833) und nach dessen Tod Gottfried Semper (1836–1843). Auf Joseph Thürmer geht die Verlängerung des Schiffs um sechs Meter nach Westen, die Erweiterung der Fenster und Zugänge, die Ausbildung des Dachs und der Außenarchitektur zurück. Unter Gottfried Semper wurden die hölzernen Emporen eingebaut, der Chor restauriert und die Innenraumgestaltung durchgeführt.

Seit 1896 erklingt in der Kirche eine Orgel mit 28 Registern von der Firma Eule aus Bautzen.[2]

Im Jahre 1913 wurden die elektrische Beleuchtung eingeführt und die Bemalung der Kirche vollständig neu ausgeführt.

Von 1995 bis 1999 erfolgte eine weitere Restaurierung des Kircheninnenraumes. Bei diesen Arbeiten wurde die Innenraumbemalung Sempers wieder hergestellt.

Zwischen 2001 und 2003 wurde der Kirchturm restauriert. Die Bronzeglocke aus der Zeit der Burggrafen, die bis 2001 auf dem Sandsteinsockel vor der Kirche stand, befindet sich wieder im Kirchturm neben drei neuen Bronzeglocken.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Bartsch. Historie der alten Burg und Städgens Dohna. Dresden/Leipzig 1735. Darin: Von der Kirche, S. 46/47 (Digitalisat)
  • Heinrich Magirius: Denkmalpflege an Kirchenbauten der obersächsischen Spätgotik (S. 193 Stadtkirche Dohna). In Denkmale in Sachsen. Erarbeitet im Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Dresden. Weimar 1978
  • Heinrich Magirius: Zur Baugeschichte der Pfarrkirche St. Marien in Dohna. in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Heft 1/2015, S. 2–19
  • Dohna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 1. Band. Schumann, Zwickau 1814, S. 753.
  • Max Winkler und Hermann Raußendorf: Die Burggrafenstadt Dohna. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Band 25, H. 1–4, Dresden 1936 (Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek)
  • Herbert Wotte: Barockgarten Großsedlitz / Dohna – Wesenstein – Wilisch, Heft 99, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1961

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marienkirche (Dohna) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Christian Bartsch. Historie der alten Burg und Städgens Dohna. Dresden/Leipzig 1735 Digitalisat
  2. Evangelisch – Lutherische St. Marienkirche Dohna. Abgerufen am 16. April 2017.

Koordinaten: 50° 57′ 16″ N, 13° 51′ 25″ O