Marija Wladimirowna Romanowa

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Marija Wladimirowna Romanowa (russisch Мари́я Влади́мировна Рома́нова, * 23. Dezember 1953 in Madrid),[1] ist eine Thronprätendentin der Romanow-Dynastie, des bis 1917 regierenden Zarenhauses Romanow-Holstein-Gottorp.[2]

Sie erhebt seit dem Tod ihres Vaters Wladimir Kirillowitsch Romanow im Jahr 1992 den Anspruch, das Oberhaupt der russischen Zarenfamilie zu sein und den Titel „Ihre Kaiserliche Hoheit die Großfürstin von Rußland“ zu tragen.[1][3] Im Jahr 2010 stiftete sie den Privatorden „Kaiserlicher Orden der Heiligen Anastasia“.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marijas Monogramm

Marija Wladimirowna Romanowa wurde am 23. Dezember 1953 in Madrid geboren, wo sie bis heute lebt. Sie ist die einzige Tochter von Wladimir Kirillowitsch Romanow und seiner Gemahlin Leonida Georgievna Bagration-Moukhransky (1914–2010) aus dem Hause der Georgischen Bagratiden.

1976 heiratete sie Franz Wilhelm Prinz von Preußen und bekam mit ihm 1981 den Sohn Georgi Michailowitsch Romanow. Fünf Jahre später ließen sie sich scheiden.[5]

Marija studierte an der University of Oxford russische Geschichte.[3]

Sie besucht Russland regelmäßig.[2] Im August 2007 überreichte Marija den Kosaken der Region Primorje den „Orden des Heiligen Nikolaus“ für „mustergültige Erfüllung der militärischen Pflicht.“[1]

Sie stellte mehrfach Anträge, die Romanows zu rehabilitieren, die jedoch immer wieder abgewiesen wurden, bis die Zarenfamilie am 1. Oktober 2008 durch die Entscheidung des Obersten Gerichts rehabilitiert wurde.[6] Am 15. Januar 2010 stellte Marija an ein Moskauer Gericht den Antrag, die Ermittlungen zur Ermordung der Zarenfamilie wieder aufzunehmen, nachdem sie ein Jahr zuvor eingestellt wurden.[7]

Im Mai 2010 trafen sich Marija und andere Mitglieder der Romanow-Dynastie mit Mitgliedern der Osmanen im Topkapı-Palast, was das erste offizielle Treffen zwischen diesen beiden ehemaligen Herrscherfamilien war.[8] Am 20. August 2010 stiftete Marija den Kaiserlichen Orden der Heiligen Anastasia,[4] der ausschließlich Frauen verliehen wird, die sich für ihre Leistungen in gemeinnützigen, kulturellen, bildungs-, wissenschaftlichen und medizinischen Feldern zum Wohle des russischen Staates oder des Zarenhauses verdient gemacht haben.[9] Am 4. Januar 2012 rief sie zu Spenden für eine soziale Stiftung auf, die auf dem Roten Platz ein Monument für Hermogenus von Moskau bauen lassen will.[10]

Am 14. Mai 2013 verlieh Marija bei einer Zeremonie im Romanow-Museum in Kitai-Gorod dem Erzbischof von San Francisco Kyrill von der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche den „Russischen Orden der Heiligen Anna 1. Grades“ (der historische Russische Orden der Heiligen Anna wurde seit der Oktoberrevolution nicht mehr verliehen).[11] Zum 400. Jubiläum der Romanow-Dynastie im Juli 2013 besuchte Marija den Patriarchen Kyrill I. in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg. In einem Jubiläumsschreiben verurteilte sie, „dass die Bolschewiki mit Gewalt die religiösen und moralischen Grundfesten Russlands zerstört hätten“ und dass Russland aus der vor rund zwanzig Jahren zu Ende gegangenen „Gesellschaft aus Gottlosigkeit und Totalitarismus“ noch heute zu tragen habe.[12]

In einem Interview im April 2014 bezeichnete Marija die Ereignisse vom Euromaidan als „Staatsstreich“ und gab bezüglich der Annexion der Krim an, sie sei der Meinung, „dass eine Rückkehr der Krim in das Hoheitsgebiet Russlands gesetzmäßig und unumgänglich“ sei.[13] Am 20. Juli 2014 verlieh Marija bei einer Zeremonie in der Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche im Moskauer Stadtteil Ismailowo im östlichen Verwaltungsbezirk dem russischen Vizeadmiral Oleg Belawentsew den Russischen Orden der Heiligen Anna 1. Grades, der Generalstaatsanwältin der Republik Krim Natalja Poklonskaja den Kaiserlichen Orden der Heiligen Anastasia, und dem ehemaligen Kosmonauten Alexei Leonow den Sankt-Stanislaus-Orden 1. Grades, beides Hausorden der Romanows.[14][15] Am 28. Juli 2014 besuchte Marija auf Einladung des Bürgermeisters von Irkutsk Wiktor Kondraschow dort eine Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag des Beitritts Russlands in den Ersten Weltkrieg und besuchte unter anderem die Staatliche Universität Irkutsk, wo sie dem Professor der Universität Alexei Petrow eine Medaille „In Gedenken an den 400. Jahrestag des Hauses Romanow“ verlieh.[16] Den russischen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin kennt sie von zahlreichen Begegnungen.

Thronanspruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marija (rechts) neben ihrem Sohn Georgi (2012)

Ein Teil der Romanows erkennt Marijas Sohn Georgi nicht als Thronerben an, weil er als Sohn eines Urenkels des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. ein Hohenzoller und kein Romanow sei.[7] Nach der von Zar Paul I. erlassenen und zuletzt von Alexander III. bestätigten Fassung des Hausgesetzes waren weibliche Familienangehörige von der Thronfolge ausgeschlossen, solange noch männliche Romanows leben. Allerdings waren auch alle Romanows ausgeschlossen, die nicht-ebenbürtige Ehen eingegangen waren oder aus solchen stammten. Dies ist allerdings bei allen noch lebenden männlichen Romanows der Fall. Sollte Marijas Mutter als ebenbürtig gelten können, was einige Romanows aber bestreiten, wäre Marija wohl auch nach den Regeln des historischen Hausgesetzes die Thronprätendentin geworden.[17] Gewähltes Oberhaupt des Familienverbandes der Romanow ist seit 2014 Dimitrij Romanowitsch Romanow, der wiederum von Marija nicht als Familienoberhaupt anerkannt wird und auch nicht als Thronprätendent, was er freilich auch nicht beansprucht.

Patriarch Kyrill I. gab 2013 in einem Interview an, dass er nur in der Nachfolge Marijas und ihres Sohnes Georgi die russische Geschichte als erhalten ansieht.[18] Die Frage einer eventuellen Besetzung des Zarenthrons im Falle einer Wiedererrichtung einer (wohl allenfalls konstitutionellen) Monarchie in Russland wäre daher – wie schon bei zahlreichen Thronfolgen in der russischen Geschichte[19] – politisch zu entscheiden. Der russische Präsident Boris Jelzin hatte sich dafür ausgesprochen, Georgi in Russland erziehen und anschließend im Militär dienen zu lassen, um die Voraussetzungen für seine Eignung zu schaffen. Die Eltern entschieden sich jedoch dagegen, um ihrem Sohn eine westliche Ausbildung in England angedeihen zu lassen und ihn nicht dem Wechselspiel politischer Einflüsse und entsprechenden Gefährdungen auszusetzen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Großfürstin Romanowa plant Reise von Wladiwostok bis Moskau. RIA Novosti. 7. August 2007. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  2. a b Stefan Scholl. Noch ein Zar im Angebot. Frankfurter Rundschau. 30. Juni 2009. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  3. a b Sergey P. Shishkin. "The Romanov Imperial dynasty in emigration XX century" (Memento vom 28. August 2006 im Internet Archive).
  4. a b Императорский Орден Святой Великомученицы Анастасии. imperialhouse.ru. 20. August 2010. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  5. Elisabeth Binder. Ein Prinz fürs Porzellan. Der Tagesspiegel. 15. Dezember 2004. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  6. Die russische Zarenfamilie: Hingerichtet - heilig gesprochen – rehabilitiert (Memento des Originals vom 29. Juli 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv. arte.tv. 26. Mai 2010. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  7. a b Zarenfamilie fehlt Geld für eine Wohnung in Russland. Russland-Aktuell. 15. Januar 2010. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  8. Kai Strittmatter. Gipfel der Erbfeinde . Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  9. "В Марфо-Мариинской обители состоялась вторая церемония награждения Императорским Орденом Святой Великомученицы Анастасии". mmom.ru. 23. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  10. Appeal of Grand Duchess Maria Vladimirovna to Help Build a Monument to Holy Martyr Patriarch Germogen in Moscow. 4. Januar 2012. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  11. Archbishop Kyrill is Awarded the Imperial Order of St Anne, 1st Degree. Russische Orthodoxe Kirche im Ausland (Webseite). 1. Juni 2013. Abgerufen am 12. August 2014.
  12. Macht und Elend - 400 Jahre Dynastie Romanow: Russland erinnert an den Glanz der Monarchie, aber auch an den Zarenmord vor 95 Jahren.. Sächsische Zeitung. 17. Juli 2013. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  13. Maria Romanowa: „Das Zarenhaus beschäftigt sich nicht mit Politik“@1@2Vorlage:Toter Link/de.rbth.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Russia beyond the headlines. 21. April 2014. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  14. Полномочный представитель Президента РФ в Крымском ФО О.Е. Белавенцев и прокурор Крыма Н.В. Поклонская сопричислены к императорским орденам. politikus.ru. 24. Juli 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  15. В Покровском соборе Москвы состоялось награждение отличившихся в присоединении Крыма к России. tv-soyuz.ru. 24. Juli 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  16. Великая Княгиня Мария Владимировна Романова. Staatliche Universität Irkutsk (Webseite). 1. August 2014. Abgerufen am 12. August 2014.
  17. Dynastic Succession. Archiviert vom Original am 9. Juni 2009.
  18. «Слово пастыря». Выпуск от 9 марта 2013 года. patriarchia.ru. 9. März 2013. Abgerufen am 26. Juli 2014.
  19. Schon Friedrich der Große hatte in seinen Memoiren von 1775 gespottet, über die Besetzung des Zarenthrons entscheide das Preobraschensker Leib-Garderegiment. Die russische Politik steht bis heute unter dem prägenden Einfluß von führenden Kreisen der Sicherheitskräfte.